Formel E London 1

Vor dem Formel-E-Finale: Pascal Wehrlein fürchtet "Manipulation" durch Stallregien

Pascal Wehrlein befürchtet beim Titelentscheid der Formel E in London extreme Auswüchse der Stallregie und schlägt eine radikale Lösung vor

Rachit Thukral

Rachit Thukral

Veröffentlicht: 14.08.2026, 15:37

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Vor dem Formel-E-Finale: Pascal Wehrlein fürchtet "Manipulation" durch Stallregien

Pascal Wehrlein ist einer der Titelkandidaten beim Formel-E-Finale

Foto: Takashi Aoyama / LAT Images via Getty Images

Wird der Titelkampf der Formel E an diesem Wochenende in London durch extreme Formen von Stallregie "manipuliert"? Diese Sorge treibt Porsche-Pilot Pacal Wehrlein vor den beiden Rennen auf dem ExCeL-Gelände um. Dort steht der Formel-E-Saison 2025/26 am Samstag und Sonntag ein dramatischer Showdown bevor.

Der Titelkampf ist so offen wie noch nie in der Geschichte der Formel E. Neun Fahrer haben vor den Rennen in London rechnerisch noch Chancen auf die Weltmeisterschaft. Die besten vier Piloten trennen dabei gerade einmal 14 Punkte - bei noch insgesamt 58 zu vergebenden Zählern in London.

Während Jaguar und Nissan jeweils einen heißen Titelkandidaten im Rennen haben, schickt Porsche gleich zwei Trümpfe ins Rennen: Werksfahrer Wehrlein und Kundenfahrer Jake Dennis im Andretti-Porsche.

Wehrlein gibt jedoch zu, dass die Sorge mitfährt, Konkurrenten könnten durch Stallregien den Ausgang der Meisterschaft "manipulieren". Ein solches Szenario hat der Deutsche bereits beim Rennen in Tokio am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Wehrlein kritisiert extreme Teamtaktiken

"Unsicherheiten gibt es nicht wirklich. Das Einzige, was ich sagen würde, ist, dass es sich in diesem Jahr so anfühlt, als gäbe es viel mehr Teamtaktik als in der Vergangenheit - und davon bin ich kein Fan", erklärt Wehrlein gegenüber der englischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com.

"Es ist ein Unterschied, ob man versucht, das Rennen absichtlich zu manipulieren, oder ob man seinem Teamkollegen hilft, wenn man nah beieinander fährt. Da gibt es eine große Bandbreite."

Beim ersten der beiden Rennen in Japan nutzte Envision-Pilot Sebastien Buemi - der eine Strafe abzubrummen hatte - seinen ersten Attack-Mode früh, um durchs Feld zu stürmen. Als sich das Fenster für die Pflichtboxenstopps öffnete, verlangsamte er jedoch bewusst das Tempo, um seinem Teamkollegen Joel Eriksson zu helfen, und hielt dabei eine ganze Reihe von Fahrern auf - darunter auch Wehrlein.

Der Porsche-Pilot steckte in der Gruppe hinter dem Schweizer fest und kollidierte schließlich mit Jaguar-Pilot Antonio Felix da Costa. Der resultierende Schaden warf ihn aus den Punkten.

Porsche fährt beim Finale in London mit einem Retro-Design im Rothmans-Look

Porsche fährt beim Finale in London mit einem Retro-Design im Rothmans-Look

Foto: Porsche AG

"Was Buemi in Tokio gemacht hat, geht für mich weit über die Grenze hinaus", kritisiert Wehrlein rückblickend. "Er hatte eine Strafe und hat das halbe Feld eingebremst, damit sein Teamkollege Punkte holen kann. Das geht extrem weit."

"Das ist etwas ganz anderes, als wenn man mit dem Teamkollegen auf den Plätzen zwei und drei liegt und dann die Positionen tauscht. Es kann sehr weit gehen, und das ist das Einzige, was für mich an diesem Wochenende etwas ungewiss ist: Wie wird gespielt werden und wie fällt die Reaktion darauf aus?"

So sieht die Marschroute bei Porsche aus

Wehrleins Werks-Teamkollege Nico Müller liegt in der Meisterschaft auf Rang acht und hat bei 44 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter Dennis nur noch theoretische Außenseiterchancen.

Der Deutsche stellt klar, dass Müller ihn zwar im Titelkampf unterstützen würde, sich eine Stallregie bei Porsche aber auf das Tauschen von Positionen beschränken würde: "Wir sind beide hier, um die maximale Ausbeute für das Team zu holen, denn wir kämpfen auch um die Team-Weltmeisterschaft", betont Wehrlein, der in der Gesamtwertung nur fünf Zähler hinter Dennis liegt.

"Und dann schauen wir mal. Ich bin mir sicher: Wenn es nichts zu gewinnen oder zu verlieren gibt und wir zusammen fahren, wird Nico mir helfen. Aber er braucht auch ein gutes Wochenende für die Teamwertung."

Radikaler Wehrlein-Vorschlag: Funkverbot in der Formel E?

Nach Informationen von Motorsport.com arbeitet die Formel E bereits daran, Stallregien in der Gen4-Ära einzudämmen - auch solche zwischen Herstellern und ihren Kundenmannschaften.

Auf die Frage, was man tun könnte, um zu verhindern, dass Teams mit taktischen Spielchen den Ausgang eines Rennens beeinflussen, hat Wehrlein eine radikale Lösung parat: "Wir sollten den Funk verbieten."

Konfrontiert mit dem Einwand, dass Fahrer die Informationen ihres Teams im Rennen dringend benötigen, entgegnet er: "Ich weiß, wann das Boxenstopp-Fenster offen ist. Ich habe alle Informationen auf meinem Lenkrad, um im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen."

"Es wäre ein schöner Zusatz, wenn die Fahrer wieder den kleinen Unterschied ausmachen könnten: das Rennen lesen, verstehen, was nötig ist - und vor allem genau solche Dinge vermeiden."

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