ADAC GT Masters: Warum sich Dreiviertel des Feldes verzockt haben

Die Reifenwahl bestimmt das Sonntagsrennen des ADAC GT Masters 2021 in Oschersleben - Der überwiegende Teil des Feldes verwachste

ADAC GT Masters: Warum sich Dreiviertel des Feldes verzockt haben

Manchmal ist es kaum zu glauben: Da bereiten sich die Teams wochenlang mit unzähligen Testfahrten auf den Saisonauftakt im ADAC GT Masters bis zur Perfektion vor, und dann macht Petrus alles zunichte: Rund Dreiviertel des Starterfeldes verzockte sich im Sonntagsrennen beim Auftakt in Oschersleben bei den falschen Reifen.

Wie ist das möglich? Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren: Zeitdruck durch die Full Course Yellow, immer noch relativ dichte Bewölkung und der Zustand der Strecke zum Zeitpunkt des Boxenstopps.

Die Strecke war zum Zeitpunkt des Ausrufens der FCY noch sehr nass. Auch nach dem Restart waren Regenreifen zunächst schneller. Zum Zeitpunkt der FCY war aber auch der Himmel noch bewölkt. Zwar war ganz klar mit einem Blick nach Südwesten ersichtlich, von wo das Wetter kam, dass keine nennenswerten Wolken mehr aufziehen.

Doch hier kam der Zeitdruck durch die FCY ins Spiel. Die Boxen sind in der Motorsportarena Oschersleben nach Norden ausgerichtet und hinter der Box befinden sich die Teamtrucks. Der Blick nach Südwesten ist dadurch versperrt. Für viele Teams war nicht einmal mehr Zeit, durch die Box nach hinten an den LKWs vorbei zu sprinten und nach dem ankommenden Wetter zu sehen.

SSR hatte keine Zweifel

Dennoch: Das Regenradar zeigte klar an, dass nichts mehr weiter kommen wird. Die Siegermannschaft von SSR-Performance erklärt gegenüber 'Motorsport.com Deutschland', dass man sich mit der Reifenwahl die ganze Zeit sicher gewesen sei. Selbst als Michael Ammermüller zunächst Plätze verlor, als die Slicks noch nicht richtig arbeiten konnten.

"Wir wussten, dass es wahrscheinlich war, dass die zweite Rennhälfte trocken sein würde", sagt Teamchef Wolfgang Hatz. "Aufgrund unserer Strategie konnten wir unser Ziel relativ einfach erreichen."

"In der ersten Runde war ich mir nicht sicher, ob das die richtige Entscheidung ist", sagt der amtierende Meister des ADAC GT Masters. "Die ersten Kurven waren schon ziemlich nass und rutschig. Einen kleinen Vorteil hatte ich, da FCY ausgerufen war."

"Man hat sich langsam herantasten können und die Reifen waren auch noch kalt. Es war schon noch ziemlich nass. Aber an einigen Stellen hat man schon gesehen, dass sie auftrocknen. Es hat dann ein paar Runden gedauert. Ich habe schon versucht, zu pushen, aber auch versucht, das Auto auf der Strecke zu halten.

Jesse Krohn, Nick Yelloly

Das Schubert-Team landete ebenfalls einen Glücksgriff bei den Reifen

Foto: ADAC Motorsport

Die Entscheidung bei SSR fällte Mathieu Jaminet. "Am Funk haben wir drei, vier Runden lang vor dem Stopp darüber diskutiert. Ich war davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung wäre", so der Porsche-Werksfahrer. "Es ist natürlich eine harte Entscheidung, wenn du vorne liegst. Weiter hinten fällt es leichter. Es war aber die richtige Entscheidung."

Jesse Krohn fordert Slicks vehement

Bei den allermeisten Teams handelt es sich um eine gemeinsame Entscheidung zwischen Fahrern und Ingenieuren. Doch in der Regel hat der Fahrer das letzte Wort. So war es auch im Falle Schubert, die mit dem BMW M6 GT3 sensationell auf Platz zwei beim Heimspiel fuhren.

"Ich war wirklich fordernd am Funk. Für mich gab es keine andere Wahl", sagt Jesse Krohn. Er bringt einen anderen Faktor ins Spiel: Den Wind. Der begann bereits, die Strecke trocken zu pusten. Beim überraschend drittplatzierten Team MSR-GT Racing war man sich zunächst nicht ganz sicher, ob die Entscheidung richtig gewesen ist.

Doch als das Bild kippte, ging es für die Slick-Fraktion nur noch nach vorne. "Es ging relativ schnell. Die Slicks wurden schnell, und dann in Riesenschritten immer schneller", sagt Ammermüller. "Ab da war es relativ einfach."

Auch Land-Motorsport hatte mit dem Audi #29 (Mies/Feller; 5.) eine große Chance, weil sie Slicks nahmen. Doch hier unterlief Ricardo Feller beim Rausfahren aus der Box unter FCY-Bedingungen ein Fehler. Er wurde mit 107 km/h bei erlaubten 80 erwischt. Das führte zu einer Durchfahrtsstrafe, die das Podium kostete. Ähnliches wiederfuhr dem Yaco-Audi #54 (Siedler/Reicher; 11.).

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

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