Alles auf Marciello? Die Fahrer-Rochade bei Mercedes-AMG erklärt

Daniel Juncadella zu Landgraf, Marvin Dienst zu ZVO: Warum ZVO einen Starfahrer zum direkten Meisterschaftsgegner ziehen lässt

Alles auf Marciello? Die Fahrer-Rochade bei Mercedes-AMG erklärt
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Wieder alles neu an der Seite von Raffaele Marciello, doch nun scheint Ruhe einzukehren. Denn endlich hat er einen Teamkollegen für den Rest der Saison. Mercedes-AMG maximiert seine Chancen auf den Titelgewinn im ADAC GT Masters, indem man mit jeweils zwei Fahrern, die dem eigenen Performance-Kader angehören, auf den zwei Titelautos antritt.

Dabei handelt es sich um den Landgraf-Mercedes #48 (Marciello/Juncadella) und den ZVO-Mercedes #4 (Gounon/Schiller). Nach dem Wonnewochenende vom Nürburgring führen nun beide Mercedes-AMG die Tabelle an, doch gerade ab Platz zwei ist es extrem eng, sodass ein Wochenende alles auf den Kopf stellen kann.

Juncadella erzählt, wie es zu dem Wechsel gekommen ist: "Es war nicht meine Entscheidung, sondern eine Entscheidung von Mercedes-AMG. Nachdem ich den Nürburgring verpasst und kaum noch Chancen in der Meisterschaft habe, bin ich eine gute Ergänzung für Raffaele. Zumal Maro [Engel] hier und am Sachsenring nicht fahren kann."

Rivalität unter Freunden - kann das gutgehen?

Der Katalane hat gemeinsam mit Marciello die 24 Stunden von Spa gewonnen. Dritter Fahrer auf dem Auto, das sich das Trio in der GT-World-Challenge (GTWC) Europe weiterhin teilt: Jules Gounon, also der direkte Meisterschaftsgegner von ZVO - jenem Team, für das Juncadella bislang als Teamkollege von Jan Marschalkowski gefahren ist.

"Das ist eine wirklich verrückte Situation", gibt der 31-Jährige zu. "Jules und ich sind gute Freunde. Wir sind dieses Jahr Teamkollegen in verschiedenen Serien. Aber wenn wir unsere Helme aufsetzen und das Visier runterklappen, kennen wir keine Freunde mehr. Wir fahren dann für uns selbst und unser Team. Ich bin jetzt für den Rest der Saison in der gelben Mamba und ZVO sind unsere Rivalen."

Er betont dabei, dass das Verhältnis zwischen den beiden Teams - trotz des Blockade-Vorkommnisses in der Boxengasse auf dem Nürburgring inklusive anschließender Strafe - abseits der Strecke auch weiterhin freundschaftlich ist: "Natürlich wird alles sauber und fair zwischen uns bleiben. Wir fahren für dieselbe Marke und letztlich ist es das Ziel, den Titel für Mercedes-AMG zu holen, egal mit welchem Team."

Philipp Zakowski, Teamchef von ZVO Racing, bleibt im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' ebenfalls gelassen: "Wir wollten Mercedes nicht im Wege stehen. Es sind zwei Mercedes im Meisterschaftskampf. Da haben wir gemeinsam mit Mercedes entschieden, Dani für Landgraf freizugeben."

Doppelter Dienst für Dienst

Als Ersatz rutscht nun mit Marvin Dienst ein zweiter Fahrer mit Silber-Rating an die Seite von Jan Marschalkowski. Dadurch darf die #8 noch einmal fünf Kilogramm ausladen.

"Marvin ist schon recht erfahren und hat auch schon in Vergangenheit gezeigt, dass er stark ist. Er hat im ADAC GT Masters bereits Polepositions geholt und mit Mercedes am Sachensring vor zwei Jahren Rennen [für Schütz Motorsport] gewonnen. Ich kenne Marvin schon sehr lange und ich glaube, dass wir mit dem Auto konkurrenzfähig sein werden", sagt Zakowski.

Dienst, der an diesem Wochenende durch seine Starts im Prototype Cup Germany eine Doppelbelastung hat, erklärt: " Ich habe den Anruf bekommen, ob ich nicht Zeit hätte, zusammen mit Jan ein starkes Silber-Auto zu bilden. Da ich ohnehin schon für den Prototype Cup hier bin, war es keine große Arbeit, noch einen Rennanzug mehr mitzunehmen. Wir haben uns schnell geeinigt."

Dienst und Marschalkowski kennen sich, da beide in den Jahren 2020 und 2021 gegeneinander in der ADAC GT4 Germany angetreten sind. Dienst fuhr in den beiden Jahren unregelmäßig mit. "Ich kenne ihn gut, wir verstehen uns gut. Ich denke, wir ergänzen uns auch gut im Auto. Das passt eigentlich sehr gut zusammen", findet er.

Wirklich kennenlernen können sich beide aber nicht, weil Dienst wegen seines Doppeleinsatzes stark beschäftigt ist. "Das ist eine große Umstellung zwischen den zwei Autos", gibt der 25-Jähige zu. "Nur beim Formelauto wäre es noch extremer."

"LMP3 und GT3 sind zwei grundverschiedene Konzepte. Die nicht durcheinander zu bringen, ist in den ersten paar Runden jedes Mal wieder eine Aufgabe. Ich komme ganz gut damit zurecht und glaube nicht, dass es einen Performance-Nachteil bringt."

Marvin Dienst zeigte bei Schütz Motorsport starke Leistungen auf Mercedes-AMG

Marvin Dienst zeigte bei Schütz Motorsport starke Leistungen auf Mercedes-AMG

Foto: ADAC Motorsport

Natürlich ist die Belastung nicht zu verachten. Schon die GT3-Fahrzeuge haben reichlich Abtrieb, die LMP3-Boliden noch wesentlich mehr. "Es ist eine physische und eine mentale Belastung, sich um zwei Teams, zwei Ingenieure, zwei Set-ups zu kümmern und alles doppelt zu machen und gleichzeitig die doppelte Fahrzeit in zwei unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten zu haben."

"Aber ich fühle mich wie beim 24-Stunden-Rennen: Permanent im Auto und wenig Erholungsphasen, von daher ist das durchaus gewohnt. Ich komme damit gut zurecht."

Und wie läuft es im ADAC GT Masters erstmals seit 2020? "Dadurch, dass das ganze Feld hier so eng zusammenliegt, kann man im Freien Training nur grob erkennen, wo man steht. Ich glaube, im Qualifying tut sich nochmal einiges. Da muss wirklich alles auf die Spitze gebracht werden. Jeder probiert, die Runde auf den Punkt zu bekommen."

"Ich denke, wir haben beim Schwesterauto gesehen, dass wir generell nicht schlecht aussortiert sind. Wir haben Möglichkeiten, Glanzleistungen zu setzen. Aber wir müssen eben abwarten, wo wir nach der BoP-Einbremsung für das Event wirklich stehen."

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

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