Corvette-Feuer: Wie kann ein Auto vor der Feuerwehr einfach abbrennen?

Jeffrey Schmidt fährt mit der brennenden Callaway-Corvette C7 GT3-R beim ADAC GT Masters zur Feuerwehr, doch die löscht nicht - Warum niemand wirklich Schuld hat

Corvette-Feuer: Wie kann ein Auto vor der Feuerwehr einfach abbrennen?

Das schockierte viele: Jeffrey Schmidt hält mit seiner brennenden Corvette C7 GT3-R von Callaway Competition beim Sonntagsrennen des ADAC GT Masters auf dem Lausitzring 2021 direkt vor der Feuerwehr. Doch statt zu löschen, greifen die Feuerwehrleute nicht ein. Stattdessen löscht Schmidt seinen Boliden mit einem Feuerlöscher nahezu allein.

Es sind chaotische Szenen, als die Corvette vor dem Feuerwehrauto hält. Die Feuerwehrleute sind von der Situation völlig überrascht. Sie scheinen erst ihren Augen nicht zu trauen, danach wirkt alles sehr unkoordiniert. Die Einsatzkräfte suchen ihre Helme, der LKW wendet um 90 Grad, um auf gleiche Höhe mit der brennenden Corvette zu kommen, aber niemand scheint wirklich zu wissen, was er zu tun hat.

Stattdessen ist es Jeffrey Schmidt selbst, der mit einem Feuerlöscher aus dem Vorraum des rund 50 Meter entfernten Medienzentrums die Corvette löscht, den ein Unbekannter zum Ort des Geschehens gebracht hat. Als das Feuer schon nahezu gelöscht ist, kommen Sportwarte mit weiteren Feuerlöschern herbeigeeilt. Die Feuerwehr selbst greift bis zum Ende nicht ein.

"Wenn man vor der Feuerwehr parkt, erwartet man eigentlich etwas mehr Hilfe", sagt Jeffrey Schmidt. Sein Teamkollege Marvin Kirchhöfer formuliert es deutlicher: "Das ist unglaublich und unbeschreiblich, was da heute passiert ist."

DMSB leitet Untersuchung ein

Nur kurze Zeit später folgte eine der kuriosesten Meldungen, die es wohl jemals seitens der Rennleitung gegeben hat: "Die Sportkommissare untersuchen den Feuerwehreinsatz im Rahmen des Feuers am Fahrzeug der #77 Schmidt/Kirchhöfer."

Es handelt sich zunächst einmal ein Zeichen des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) - als Message, dass man in diesem Thema aktiv wird. Natürlich gibt es kein Ergebnis der Untersuchung, das im Aushang veröffentlicht wird.

Denn nach derzeitiger Lage bestünde lediglich die Möglichkeit, den Rennleiter zu bestrafen, weil die Feuerwehr in seinen Verantwortungsbereich fällt. Nur wäre damit niemandem geholfen.

Warum die Feuerwehr so unglücklich agierte

Dass ein Rennwagen direkt vor einem Feuerwehrauto mehr als eine Minute lang in Flammen steht, sieht natürlich für jeden Beobachter gelinde gesagt unglücklich aus. Doch warum waren die Feuerwehrleute scheinbar völlig unvorbereitet und mit der Situation total überfordert?

Hier kommt das Aufgabenspektrum ins Spiel. Denn bei der Besatzung des Feuerwehrautos handelt es sich in erster Linie um ein Einsatzkommando, das für den Fall von Bränden im Boxengebäude vorgesehen ist, oder zu Einsätzen gerufen wird und ausrückt. In solchen Fällen geht es nicht um jede Sekunde.

Das erklärt auch die scheinbare Hilflosigkeit des Teams. Dass ein brennendes Rennauto angerollt kommt, ist für diese Einsatzkräfte im Training bislang schlicht und einfach nicht vorgesehen gewesen, weil das in den Einsatzbereich der Sportwarte fällt.

Theoretisch wäre es also besser gewesen, wenn Schmidt an einem Streckenposten angehalten hätte. Aber sicherlich hätte niemand anders gehandelt, wenn er gerade ein Feuerwehrauto in dieser Situation erspäht hätte.

Der DMSB wird sich mit diesem Thema nun auseinandersetzen. Es ist davon auszugehen, dass das Training für die Einsatzcrews überarbeitet wird. Natürlich wird es bei diesem Thema keine Schnellschlüsse geben.

Katastrophe für Callaway Competition

Natürlich ist das alles nur ein ganz schwacher Trost für Callaway Competition. Die Fassungslosigkeit war dem gesamten Team ins Gesicht geschrieben. Geschäftsführer Ernst Wöhr starrte auch Stunden nach dem Rennen noch aufgelöst und fassungslos in die Welt.

"Man stelle sich vor, Jeffrey hätte da noch dringesessen, weil etwa die Tür nicht aufgegangen wäre. Dann würden wir hier über ganz andere Dinge reden!", sagt ein Teammitglied gegenüber 'Motorsport.com Deutschland'.

 

Noch ist unklar, wie schwer die Schäden an der Corvette C7 GT3-R wirklich sind. Eine erste optische Bestandsaufnahme ergab vor allem beschädigte Carbonteile, die ersetzbar sind, und einen angekokelten Fußraum. Wie viel aber im Motorraum und gegebenenfalls am Chassis vom Feuer zerstört worden ist, muss noch untersucht werden.

Gleiches gilt für den Grund des Feuers. Es brach in der Nähe des linken Vorderrades aus, wo der Auspuffkrümmer der linken Zylinderbank entlangläuft. "Ich bemerkte bei der Auffahrt ins Oval, dass links aus dem Radhaus kleine Rauchwolken kamen. Nichts Großes oder Wildes", erinnert sich Schmidt. " Eine Sekunde später waren da plötzlich riesige Stichflammen durch die Motorhaube hindurch vor der Scheibe. Da wusste ich: Jetzt ist's ernst."

Die genaue Ursache steht noch nicht fest. Das Feuer muss aber durch eine brennbare Flüssigkeit - Benzin oder Öl - gespeist worden sein, sonst hätte es sich nicht innerhalb weniger Sekunden dermaßen ausgebreitet.

Die einzige positive Nachricht: Jeffrey Schmidt hat den Brand unbeschadet überstanden. Er wurde im Medical Center durchgecheckt, ist aber vollständig okay. Die größte Gefahr war für ihn gar nicht das Feuer, sondern der Onboard-Feuerlöscher: "Es ist ein Gasfeuerlöscher. Dieses Gas ist giftig und ich hätte beinahe das Bewusstsein verloren. Ich musste draußen erst einmal wieder klarkommen."

Erst nach dieser Verschnaufpause sah er, dass das Auto noch immer in Flammen stand und niemand löschte. Geistesgegenwärtig ergriff er selbst die Initiative: "Ich habe jemandem den Feuerlöscher aus der Hand gerissen und das Auto gerettet, so gut es ging."

Wie es weitergeht mit Callaway im ADAC GT Masters, wird sich zeigen müssen. Der Publikumsliebling ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Nach zwei kostenintensiven Totalschäden beim Finale 2019 folgte die Coronakrise. Das Engagement 2021 kam erst in letzter Sekunde zustande. Es bleiben zweieinhalb Wochen Reparaturzeit, bis das Fahrzeug am Sachsenring sein muss.

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

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