Gounon-Gaudi ohne Happy End: Achterbahnfahrt der Gefühle für ZVO

Das eine Auto siegt zum ersten Mal, das andere fällt gleichzeitig aus dem Titelkampf - Was bei Jules Gounon und Fabian Schiller schiefgelaufen ist

Gounon-Gaudi ohne Happy End: Achterbahnfahrt der Gefühle für ZVO
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"Heute habe ich ein richtiges Rollercoster-Life gehabt!" - Philipp Zakowski weiß nach dem Sonntagsrennen auf dem Sachsenring selbst nicht so wirklich, wie er sich fühlen soll. Während Jan Marschalkowski und Marvin Dienst den ersten Sieg für den pinken Mercedes-AMG #8 holten, mussten Jules Gounon und Fabian Schiller ihre Titelhoffnungen im selben Rennen begraben.

Was also ist bei der #4 schiefgelaufen? Zunächst gab es das Malheur mit dem Sprit nach dem Qualifying - ein Fehler, den ZVO aufzuklären verspricht. Danach rastete beim Boxenstopp die Pedalbox nicht mehr ein. 'Motorsport.com Deutschland' sprach mit den beiden Fahrern und Teamchef Philipp Zakowski.

"Einfach ein sehr unglücklicher Tag. Wir hatten ein Auto, mit dem wir das Rennen hätten dominieren können - auch mit den 20 Kilogramm Ballast [für den Samstagssieg]", sagt Schiller. Zakowski gibt zu, in Anbetracht des Sieges ein Auf und ab wie noch nie erlebt zu haben: "Heute habe ich ein richtiges Rollercoster-Life gehabt! Es war ein richtiges Up and Down."

Es sei "sehr ärgerlich", wenn mitten im Meisterschaftskampf so etwas passiere, sagt er im Hinblick auf die Spritsituation. Um die Probe ziehen zu können, muss das Fahrzeug abgetankt werden. Das geht nur, wenn noch mindestens zwei Liter Benzin vorhanden sind. Beim ZVO-Mercedes #4 (Gounon/Schiller) waren es nur noch 0,9 Liter. Die Spritprobe konnte nicht gezogen werden - Disqualifikation vom Zeittraining.

Zakowski verspricht genaue Analyse des Tankfehlers

Schiller nimmt sein Team in Schutz: "Wir haben als Team einen kleinen Fehler gemacht. Da halten wir zusammen, das passiert jedem mal. Natürlich ist es für uns eine unglückliche Strafe an einem solchen Tag."

"Es soll nicht passieren, es darf nicht passieren, aber es ist passiert", sagt Zakowski. "Wir sind ein Team, wir gewinnen und verlieren zusammen. Wir sind alle nur Menschen. Wir müssen jetzt genau prüfen, wo da der Fehler gelegen hat. Wir wollen auch ganz ehrlich sein, bevor es böses Blut gibt. Das eine Kilo hat keine Auswirkungen auf die Performance gehabt."

‘¿’Gounon hat die Pole mit einem Riesenvorsprung von 0,555 Sekunden geholt. Im ADAC GT Masters, in dem sonst Hundertstelsekunden über ganze Startreihen entscheiden können, ein unerhörter Abstand.

"Es soll nicht passieren, es darf nicht passieren, aber es ist passiert" - Phiipp Zakowski

Doch die ZVO-Boliden waren am ganzen Wochenende extrem stark. Manchen im Fahrerlager schon ein bisschen unheimlich stark, sodass sich böse Zungen bereits an die Steuergerät-Affäre bei Zakspeed von 2017 an gleicher Stelle erinnert fühlten. Die ZVO-AMGs passierten aber alle technischen Checks ohne Probleme.

Schon im Freitagstraining kündigte Gounon seine überragende Form an. Und auch im Rennen stellte er sie unter Beweis: Binnen weniger Runden fuhr sich der Franzose bis in die Top 10 hinein, erst an Markus Winkelhock biss er sich fest. So suchte er den frühen Stopp und übergab an Fabian Schiller. Hier ging erneut alles schief.

Meisterschaft nach Ausfall abgeschrieben

Wie viele GT3-Fahrzeuge verfügt der Mercedes-AMG GT3 nicht über einen verstellbaren Sitz. Dieser ist fest, stattdessen werden Lenkrad und Pedalerie verstellt. Der Fall, dass die Einrastfunktion fehlschlägt, dürfte im GT3-Sport bisher einmalig sein; jedenfalls war niemandem im Fahrerlager, mit dem 'Motorsport.com Deutschland' gesprochen hat, ein ähnlicher Fall bekannt.

"Die Box ist nicht mehr eingerastet und hat sich dadurch verschoben. So konnte ich natürlich nicht losfahren", so Schiller, der die Strecke relativ schnell verließ. Zakowski rechnet vor, dass Schiller noch bis auf Rang drei hätte vorfahren können. Damit hätte ZVO im Titelkampf nur vier Punkte auf Marciello verloren statt wie jetzt 20.

Nun muss man aber das Handtuch werfen. Gounon und Schiller haben 55 Punkte Rückstand auf Raffaele Marciello. Es sind noch 56 Punkte zu vergeben, aber alle wissen, dass das nicht realistisch ist. Schließlich müsste ZVO alle Punkte mit zwei Poles und zwei Rennsiegen abräumen und Marciello dürfte nicht einen einzigen Zähler holen. "Die Meisterschaft ist vorbei", sagt Gounon.

Zakowski freut sich dennoch über das Wochenende, mit zwei Laufsiegen: "Ich bin sehr stolz, vor allem auf Jan [Marschalkowski]. Er hat damals bei mir angefangen und ich habe ihn die vergangenen Jahre über begleitet. Für so einen jungen Kerl ist es etwas Besonderes, in einer so hochkarätigen Serie den ersten Gesamtsieg zu holen. Das freut mich sehr." Mehr zum Sieg des pinken Autos am Montag.

Mit Bildmaterial von Mercedes-AMG.

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