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Interview mit Christian Engelhart über das GT-Masters-Finaldrama (2/3)

Ein eiskaltes Qualifying und immer wiederkehrende Unterbrechungen: Im wichtigen Qualifying am Sonntagmorgen erlebte Christian Engelhart sein nächstes Drama

Interview mit Christian Engelhart über das GT-Masters-Finaldrama (2/3)

SSR Performance hat sich im ersten Jahr gleich beide Titel im GT-Masters geholt. Doch so einfach, wie es von außen schien, war der Titelgewinn beim Finale in Oschersleben nicht. Christian Engelhart erzählt im Interview mit 'Motorsport.com', wie er im Sonntags-Qualifying bis kurz vor Schluss ohne Zeit dastand und wie schwierig es in der Kälte wirklich war.

Frage: "Das war nicht unbedingt ein Qualifying, das man als 'straightforward' bezeichnen kann, oder?"

Christian Engelhart: "Es ist, wie wenn jemand ein Drehbuch geschrieben hätte: Alle Qualifyings liefen das ganze Jahr über sehr zivilisiert mit nur wenigen Unterbrechungen. Diesmal gab's gleich drei Rote Flaggen."

"Und jedes Mal, wenn die Rote Flagge kam, war ich auf einer schnellen Runde. Da kann man sich vorstellen, wie sich das in einem Fahrer so langsam aber sicher immer mehr aufstaut. Ich hatte noch keine Runde. Klar, das war bei vielen anderen auch so. Aber so war das Qualifying ein echter Krimi."

Frage: "Wie kalt war es?"

Engelhart: "Null Grad Celsius Lufttemperatur. Dementsprechend kann man sich vorstellen: Du fährst aus der Box raus, dann kommt eine Rote Flagge, du fährst in die Box rein und die Reifen werden wieder eiskalt. Aber du hast etwas Gummi benutzt. Dann fährst du wieder raus und nutzt wieder etwas Gummi. Insofern war es wirklich nicht mehr optimal, als wir das dritte Mal draußen waren und endlich kein Rot mehr kam."

Frage: "Konnten Sie irgendwas beim Set-up machen, um aggressiver Temperatur in die Reifen zu bekommen?"

Engelhart: "Mit dem Set-up zu arbeiten, ist sicherlich ein Faktor, um die Reifen auf Temperatur zu bringen. Das ist wahrscheinlich bei jedem Auto ein bisschen anders. Beim Porsche ist es natürlich so, dass wir den Motor hinten haben. Das ist der große Unterschied zu den anderen Fahrzeugkonzepten. Wir tun uns in der Regel dann schwer, alle vier Reifen gleichzeitig auf Temperatur zu bringen.

"Das ist natürlich bei sehr kalten Temperaturen noch extremer. Da muss man noch mehr gegensteuern. Das haben wir im Qualifying gut im Griff gehabt. Da haben unsere Ingenieure alles getan, um das so gut wie möglich zu machen. Aber das ist alles eine Riesenherausforderung bei dieser Kälte."

Frage: "Bei den ganzen Roten Flaggen müssen Sie doch irgendwann völlig genervt gewesen sein ..."

Engelhart: "'Richtig genervt' würde ich nicht sagen, aber der Druck wurde natürlich immer größer. Man akzeptiert es zunächst, dass Rot kommt. Es gibt ja immer einen Grund dafür. Aber jedes Mal fährt man in die Box und hat wieder keine Runde."

"Natürlich, die Zeit wird gestoppt, da weiß man schon, dass man eine neue Chance bekommt. Aber man weiß natürlich auch, dass man gerade wieder ein bisschen Gummi benutzt hat. Und in so einem Qualifying steht so viel auf dem Spiel. Da baut sich der Druck auf, dass man jetzt eine Runde hinbekommen muss. Ich glaube, man hat bei allen im Team die Erleichterung gesehen, als es am Schluss für Platz drei gereicht hat."

Frage: Hatten Sie wirklich noch gar keine einzige Rundenzeit stehen? Oder gab es zu Beginn des Qualifyings schon einmal eine 'Sicherheitsrunde'?"

Engelhart: "Nein, ich hatte tatsächlich gar keine Rundenzeit stehen. Es ging alles in einem Anlauf hinten raus. Und die letzte war die schnellste Runde. Da war die Zielflagge schon draußen."

Frage: "Ihre Meisterschaftsgegner hat es ja schwerer getroffen, woraus dann auch der Startcrash entstanden ist ..."

Engelhart: "Ja, für uns war das klare Ziel, vor allen zu stehen. Das haben wir geschafft. Die anderen Meisterschaftskandidaten standen alle dahinter. Insofern war unser Ziel erreicht und sie hatten den Druck, dass sie einen guten Start machen mussten."

"Wir haben für das Rennen 30 Kilogramm Erfolgsballast reinbekommen. Natürlich macht es die Sache auch nicht leicht, wenn man das Gewicht zum Rennen reinbekommt. Man hat zwar Referenzwerte, aber weiß nie genau, wie sich das jetzt auf die Balance auswirkt. Auch die Reifen bauen deutlich schneller ab. Was uns in Oschersleben zugutegekommen ist, ist die Tatsache, dass das Überholen sehr schwierig ist."

Der dritte Startplatz sollte sich im rennen dann erst einmal als Fluch erweisen, denn es kam zu einem Abschuss direkt beim Start. Was ihm da alles durch den Kopf schoss und wie er das Gurt-Drama erlebte, lesen Sie im dritten Teil unseren Exklusivinterviews mit Christian Engelhart!

Mit Bildmaterial von ADAC Motorsport.

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Artikel-Info

Rennserie ADAC GT Masters
Fahrer Christian Engelhart
Urheber Heiko Stritzke