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Interview mit Niklas Krütten: Harte Ausbildung zum Alleskönner

Niklas Krütten geht 2022 in drei Rennserien an den Start - Warum er sich auf mehreren Ebenen aufstellt und welche Herausforderungen das mit sich bringt

ADAC GT Masters, Nürburgring-Langstreckenserie (NLS, Ex-VLN), europäische Le-Mans-Serie (ELMS) und die 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Le Mans: Niklas Krütten hat 2022 ein vielseitiges Programm vor sich.

Im Interview spricht der Schubert-Junior über den Grund, warum junge Rennfahrer diesen Weg gehen sollten, sein erstes NLS-Rennen und die Ziele für das ADAC GT Masters 2022.

Frage: "Wie viele freie Tagen haben Sie dieses Jahr noch?"

Niklas Krütten: "Nicht viele. Es sind allein 17 oder 18 Rennwochenenden für mich, Testtage nicht eingerechnet. Ich werde sehr wenig zu Hause sein. Januar und Februar waren bei mir eher ruhig, aber seit zwei, drei Wochen merke ich, wie es losgeht."

"Daher bin ich wirklich nur sehr wenige Tage zu Hause. Aber ich möchte mich nicht beschweren. Es macht sehr viel Spaß, deshalb stört mich das überhaupt nicht."

Frage: "Sie haben ein Programm auf drei Säulen?"

Krütten: "Genau. Ich fahre für Cool Racing mit einem sehr guten Line-up in der ELMS und starte bei den 24 Stunden von Le Mans. Daneben fahre ich mit Schubert das ADAC GT Masters und vereinzelte NLS-Rennen. Und natürlich das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring."

Frage: "Was ist der Hintergedanke, sowohl LMP als auch GT zu fahren?

Krütten: "Wir haben uns das zu dritt überlegt - mein Vater, mein Management und ich. Wir haben gesehen, dass die Hersteller im Zuge des Hypercar-Reglements in den Langstreckensport zurückkehren."

"Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass man sich deutlich attraktiver für Hersteller macht, wenn man sowohl im Prototypen- als auch GT-Sport erfolgreich sein kann. Solche Leute können die Hersteller überall einsetzen. Wenn sie einmal Ersatz suchen, dann ist es gut, auf allen Ebenen aufgestellt zu sein."

Beim ersten Nordschleifeneinsatz musste sich Krütten gleich mit Mies und Vanthoor rumschlagen

Beim ersten Nordschleifeneinsatz musste sich Krütten gleich mit Mies und Vanthoor rumschlagen

Foto: VLN

"Deshalb mache ich auch das Nordschleifen-Programm. Dann habe ich bereits das Permit. Falls dann ein Platz frei wird, soll es nicht daran scheitern."

Sprung ins kalte Nordschleifen-Wasser

Frage: "Sie haben sich schon 2021 neben einem LMP3-Engagement auf die Nordschleife begeben. Was war der Grund?"

Krütten: "Die Nordschleife kam Ende des Jahres dazu. Ich habe die letzten beiden NLS-Rennen bestritten, um das Permit A zu bekommen."

Frage: "Beim NLS-Rennen haben Sie gleich in Führung gelegen ..."

Krütten: "Ja, das war der Sprung ins kalte Wasser. Ich wusste gar nicht, dass mich da zwei solche Alphatiere jagen. Christopher Mies und Laurens Vanthoor sind zwei der besten Fahrer auf der Nordschleife. Gleich mit denen in den Kampf zu gehen, war extrem cool."

"Am Freitag konnten wir wegen eines Defekts am Vormittag nicht fahren, den Nachmittag mussten wir durch Drei teilen. Dazu kamen nochmal ein paar Runden im Qualifying. Insgesamt hatte ich erst acht Runden auf der Nordschleife mit einem GT3 auf dem Buckel, als ich eingestiegen bin. Dann gleich gegen diese beiden zu fahren und auch mithalten zu können, hat extrem viel Spaß gemacht."

Frage: "Hinter den beiden herzufahren, war die bestmögliche Schule überhaupt, nicht wahr?"

Krütten: "Aufgrund der BoP konnte BMW auf der Geraden nicht viel ausrichten, deshalb sind sie recht leicht an mir vorbeigekommen. Aber es war gut, dass sie mich überholt haben."

"Denn danach konnte ich mir anschauen, wie sie im Verkehr agieren, wo ihre Stärken sind, wo ihre Schwächen sind und wo ich noch etwas lernen kann. Besser hätte es nicht laufen können. Das war, wie einem Instruktor zuzusehen. Und auf der Nordschleife kann es kaum zwei bessere Instruktoren als Christopher Mies und Laurens Vanthoor geben."

GT3-Härtetest im ADAC GT Masters

Frage: "ADAC GT Masters als Rookie ist nicht gerade einfach. Wie sind Sie zu Schubert gekommen?"

Krütten: "Wir hatten immer wieder mal Kontakt. Durch mein LMP-Programm war der GT-Sport nicht unbedingt auf meiner Prioritätenliste. Aber im vergangenen Jahr habe ich begonnen, ein Interesse dafür zu entwickeln. Es fasziniert mich, wie da Kontaktsport betrieben wird, der trotzdem fair ist."

Beim ersten Nordschleifenrennen musste sich Krütten gleich mit Mies und Vanthoor auseinandersetzen

Schubert tritt 2022 im ADAC GT Masters, der DTM und der NLS an

Foto: Susanne Rossbach

"Beim Finale des ADAC GT Masters 2021 habe ich dann Schubert besucht. Wir haben uns getroffen, zusammengesetzt und das hat einfach perfekt harmoniert. Wir haben den Vertrag unterschrieben und ich fühle mich in diesem Team sehr wohl."

"Seitdem waren wir zweimal testen und ich bin schon NLS1 für Schubert gefahren. Ich komme super mit meinen Teamkollegen klar, den Mechanikern und Ingenieuren. Ich fühle mich wie in einer großen Familie. Ich bin sehr zufrieden mit der Wahl."

Frage: "Wie sind die Testfahrten für das ADAC GT Masters gelaufen?"

Krütten: "Sehr gut. Es gab für mich natürlich viel zu lernen. Die kalten Reifen waren eine Umstellung, am meisten aber natürlich der GT3-Bolide selbst. ABS und Traktionskontrolle war ich nicht gewohnt. Und dann natürlich das geringere Gewicht des Autos mit weniger Abtrieb."

"Das war alles sehr neu für mich. Aber ich habe mich sehr schnell dran gewöhnt und konnte gute Fortschritte machen. Nächste Woche steht dann der offizielle Test für das ADAC GT Masters auf dem Programm. Ich bin optimistisch."

Frage: "Sie springen jetzt immer zwischen zwei Fahrzeugkategorien hin und her. Wie ist das und welcher Schritt ist der Schwierigere?"

Krütten: "Ich würde sagen, vom GT in den LMP ist schwieriger. Der LMP fährt sich einfach aufgrund des Abtriebs ganz anders. Du bist viel schneller, hast mehr Topspeed, kannst später bremsen. Du musst nicht so hart bremsen. Aber du musst aufpassen, weil es kein ABS im LMP gibt."

"Im GT-Auto rollt man langsam in die Kurve rein, bis sich das Auto dreht. Im LMP musst du den Speed in der Kurvenmitte halten. Das ist schon alles schwierig. Und die G-Kräfte sind natürlich ganz andere. Sie sind deutlich stärker wegen des Abtriebs, aber auch aufgrund der Carbonbremsen statt Stahlbremsen wie im GT-Fahrzeug."

"Es sind zwei komplett unterschiedliche Autos. Ich habe mich beim ersten Test, als ich vom GT in den LMP umgestiegen bin, noch recht schwergetan. Aber vergangene Woche hatten wir dasselbe Szenario und da war ich innerhalb von drei bis vier Runden wieder im Rhythmus."

Im ADAC GT Masters absolviert Krütten die harte GT3-Ausbildung

Im ADAC GT Masters absolviert Krütten die harte GT3-Ausbildung

Foto: Susanne Rossbach

Frage: "Sie sind vorher im Formelsport unterwegs gewesen, LMP ist relativ nah dran. Wie sehr mussten Sie sich für den GT-Sport umstellen?"

Krütten: "Schon ganz ordentlich. Ich bin mein ganzes Leben nur Abtriebsfahrzeuge gefahren und entsprechend Downforce gewohnt."

"Das kannst du mit einem GT-Fahrzeug nicht machen. Den Karren so richtig in die Kurve werfen und den Abtrieb alles regeln lassen, funktioniert hier nicht. Du musst viel ruhiger am Lenkrad sein und dem Auto mehr Zeit geben, um um die Kurve zu fahren."

"Du musst mit dem ABS aufpassen. Sobald das reinkickt, hast du nur Untersteuern. Es ist schon eine ganz andere Fahrweise. Aber es macht nicht weniger Spaß. Der GT-Fahrstil und vor allem natürlich die engen GT-Rennen machen viel Spaß."

Frage: "Was ist die Zielsetzung für das ADAC GT Masters?"

Krütten: "Die Juniorwertung können wir auf jeden Fall gewinnen. Das ist das Ziel Nummer 1. Und dann schauen wir mal. Das ADAC GT Masters ist eine der stärksten GT-Serien der Welt. Deshalb wird's nicht einfach."

"Das Ziel Top 10 sollten wir uns schon setzen. Alles, was besser ist, nehmen wir natürlich gerne mit. Aber ich will mir jetzt keine zu großen Ziele wie Top 3 oder so setzen, weil im ADAC GT Masters extrem gute Fahrer unterwegs sind."

"Lieber staple ich tief und lasse mich überraschen, als jetzt zu sagen, dass wir Meister werden, und dann den Hintern versohlt bekommen. Ich glaube aber schon, dass wir einige gute Ergebnisse dieses Jahr einfahren können."

Mit Bildmaterial von Susanne Rossbach.

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