Kolumne: Warum das ADAC GT Masters den "Berger-Kick" gebraucht hat

Hobbyfahrer, Metzger und Bäcker: Das war einmal im ADAC GT Masters - Die Meisterschaft versteht sich nun endlich als das, was sie schon lange ist

Kolumne: Warum das ADAC GT Masters den "Berger-Kick" gebraucht hat

Liebe Freunde des GT3-Spektakels,

manchmal braucht es einfach den guten, alten "Arschtritt". Als Gerhard Berger im vergangenen Jahr das ADAC GT Masters mit dem Terminus "Hobby-Rennfahrer" ziemlich heftig beleidigte, folgte auf den Sturm der Entrüstung harte Arbeit beim ADAC.

Als wäre Corona nicht schon hart genug, hat die neue Konkurrenzsituation mit der DTM zu notwendigen Schritten geführt, unter anderem zu einem lange überfälligen Wechsel in der Philosophie.

Auf der Strecke mag man davon nicht allzu viel gesehen haben. Für den Zuschauer war es "Business as usual" - und das ist gut so. Schließlich lieben wir alle den packenden GT3-Sport. Die Action war für Oschersleben-Verhältnisse am Samstag wirklich gut, tags darauf folgte das Regenchaos. Und 21 Autos landeten im Qualifying in einer Sekunde. Daran darf sich nichts ändern.

Nicht mehr angreifbar machen

Es handelt sich mehr um einen Paradigmenwechsel auf Marketing-Ebene. ADAC-Motorsportchef Thomas Voss verkündete am Oschersleben-Wochenende, dass man sich von nun als Rennserie für professionellen Kundensport verstehe. Das ist ein deutlicher Unterschied zur bisherigen Philosophie, dass man sich in erster Linie an Privatiers richte.

Die Message ist klar: Nie wieder soll jemand auf die Idee kommen, zu behaupten, das ADAC GT Masters richte sich an Bäcker und Metzger, die am Wochenende gerne ein bisschen Spaß haben wollen. Natürlich sind diese weiter willkommen, dafür gibt es die Trophy-Wertung. Aber das Selbstverständnis ist ein anderes.

Nun ist das zweifellos schon ganz lange nicht mehr der Fall gewesen. Die Alexander van der Lofs, Stephano Gabellinis, Martin Matzkes, Christian Pladwigs und Sven Hannawalds, um mal einige Namen aus der Frühzeit des ADAC GT Masters zu nennen, sind schon lange weg. Einige haben ihren Weg in die GT4 Germany gefunden, in der der Amateurgeist von einst weiterlebt.

Doch bis zuletzt ist der ADAC seiner alten Philosophie treu geblieben, die längst nichts mit der Realität zu tun hatte. Und damit hat er sich angreifbar gemacht. Das Berger-Zitat hat letztlich gezeigt, wie der ADAC seine Vorzeigeserie vermarktet hat. Das hat gewirkt. Denn nun wird die Plattform des ADAC GT Masters so vermarktet, wie sie ist. Und das hilft auf Business-Ebene.

Ein Haufen neuer Partner mitten in der Coronakrise

Der ADAC hat eine ganze Reihe neuer Partner verkünden können, wie man an Werbebanden unschwer erkennen konnte. Und das mitten in einer der größten Wirtschaftskrisen der Menschheitsgeschichte. Und mitten in einem gesellschaftlichen Klima, in dem es der Motorsport insgesamt nicht gerade leicht hat (mehr dazu in den nächsten Tagen).

Die Sponsoring-Einnahmen der Plattform steigen ununterbrochen seit mittlerweile zehn Jahren. Nun endlich von professionellem Motorsport zu sprechen, verschafft Vorteile auf Business-Seite. Das hat sich über den Winter gezeigt. Das kommerzielle Potenzial der Serie wird nun deutlich besser ausgeschöpft. So stark wie jetzt stand die ADAC-Plattform noch nie da.

Natürlich bleibt das Fragezeichen im Umgang mit der DTM. Mehrere Experten fordern eine Kooperation. Natürlich wäre das absolut wünschenswert. Der ADAC hat das Geld, Gerhard Berger das wichtigste nationale Rennsport-Prädikat.

Dominik Fugel

In den Rahmenserien steigen die Starterzahlen wieder dezent an

Foto: ADAC Motorsport

Kooperation mit DTM? Zumindest mal miteinander sprechen

Aber wie immer gibt es im Hintergrund so viele Dinge und Zuständigkeiten zu klären. Zusammenschluss bedeutet immer Personalabbau. Und niemand möchte seinen Platz freiwillig abgeben. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn überhaupt mal miteinander gesprochen wird.

Die Position des ADAC ist momentan ausgezeichnet. Doch was, wenn die GT3-DTM funktioniert? Momentan hat das ADAC GT Masters nur noch einen Vorsprung von zehn Fahrzeugen. Im Winter sah es noch nach 20 aus. Die DTM, so scheint es, hat ihren unmittelbaren Überlebenskampf überstanden. Auch in der ITR sollten nun die Prioritäten dahin verschoben werden, die wenig vorteilhafte Situation zu entschärfen.

Gespräche wären in jedem Fall wünschenswert. IMSA/Grand-Am und IRL/ChampCar haben ausreichend gezeigt, dass in einer solchen Konstellation am Ende alle verlieren. Doch zunächst einmal war es im Nachhinein betrachtet doch ein Segen, dass Berger im vergangenen Jahr den ADAC aus seiner Komfortzone gerissen hat. Ein "Arschtritt" kann manchmal Wunder wirken.

Euer

Heiko Stritzke

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

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