Titelkampf im ADAC GT Masters 2021: Stand der Dinge vor dem Finale

Beim Finale des ADAC GT Masters 2021 geht es um die Deutsche GT-Meisterschaft - Die Lage vor dem Finale auf dem Nürburgring in allen Meisterschaften

Titelkampf im ADAC GT Masters 2021: Stand der Dinge vor dem Finale

An diesem Wochenende geht es um die Wurst: Im ADAC GT Masters wird der Titel des Internationalen Deutschen GT-Meisters vergeben. Theoretisch haben noch 13 Fahrer Titelchancen. Realistisch betrachtet ist der Kampf auf drei bis fünf Fahrzeuge beschränkt.

Fahrer von Audi, Mercedes-AMG, Porsche und Lamborghini kämpfen um die Krone in der härtesten aller mit offiziellem Segen der SRO ausgestatteten GT3-Meisterschaften. Es ist nicht das erste Mal, dass die Titelentscheidung im ADAC GT Masters vor dem Finale dermaßen offen ist. Doch die Dichte an hochkarätigen Fahrern und Teams war noch nie größer.

Ausgangssituation vor dem Finale: Gesamtwertung

1. Ricardo Feller/Christopher Mies (Land-Audi) - 165 Punkte
2. Maro Engel/Luca Stolz (Toksport-Mercedes) - 161
3. Michael Ammermüller/Mathieu Jaminet (SSR-Porsche) - 148
4. Maximilian Buhk/Raffaele Marciello (Landgraf-Mercedes) - 139
5. Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) - 131

Theoretische Chancen haben noch Igor Walilko/Jules Gounon (Zakspeed-Mercedes) mit 126 Punkten und dank des Sieges in Hockenheim Franck Perera/Rolf Ineichen (Grasser-Lamborghini) mit 110 Punkten.

Punkteschema ADAC GT Masters 2021

  P1 P2 P3 P4 P5 P6 P7 P8 P9 P10 P11 P12 P13 P14 P15
Rennen 25 20 16 13 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1
Quali 3 2 1 - - - - - - - - - - - -

Vorzeitige Titelentscheidung sehr unwahrscheinlich

Natürlich gibt es unzählige Möglichkeiten, wie die Meisterschaft entschieden werden kann. Durch die enorme Leistungsdichte im Feld ist aber auch alles möglich. Tendenziell sind alle vier im Titelrennen beteiligten Fahrzeuge auf der Nürburgring-Sprintstrecke siegfähig und alle haben in den vergangenen vier Jahren auch gewonnen.

Es ist äußerst wahrscheinlich, dass der Titel erst am Sonntag entschieden wird. Dennoch existiert eine minimale Chance für Ricardo Feller und Christopher Mies, den Titel schon am Samstag dingfest zu machen.

Sollten sie nach dem ersten Rennen bei 190 Punkten oder mehr stehen und kein Verfolger über die 161 Punkte von Engel/Stolz hinauskommen, wäre der Titel an Land-Motorsport vergeben. Erreichen lässt sich diese Punktzahl ausschließlich über einen Sieg. Christopher Mies hat auf dem Nürburgring erst einmal im ADAC GT Masters gewonnen - in seinem Meisterjahr 2016 mit Connor de Phillippi.

Natürlich ist dieses Szenario sehr unwahrscheinlich, denn es würde einen Nuller von Engel/Stolz erfordern. Gleichzeitig dürften Ammermüller/Jaminet maximal Vierte werden. Außerdem dürfen beide Teams keine Bonuspunkte im Qualifying sammeln.

Mit dem Idealszenario 28 Punkte, das Feller/Mies sowohl in Zandvoort als auch am Lausitzring jeweils im ersten Rennen gelungen ist, würde das Duo bei 193 Punkten landen. Meister wäre es dann, wenn Engel/Stolz maximal vier Punkte holen und Ammermüller/Jaminet maximal 17.

Er setzt am Finalwochenende auf das Wetter: "Regen wäre ganz schön. Der Nürburgring ist nicht unbedingt eine unserer Topstrecken, ich denke Porsche und Mercedes-AMG sind dort favorisiert. Ich habe zwar schon einmal das ADAC GT Masters gewonnen, aber dadurch haben wir keinen Vorteil. Das Fahrerniveau im ADAC GT Masters ist hoch, praktisch alle Titelkandidaten haben schon mal irgendwo eine Meisterschaft gewonnen. Jeder weiß, was er zu tun hat."

"Unseren Chancen sind gut", ergänzt Feller. "Wir dürfen uns aber keine Fehler erlauben. Das Ziel ist, so viele Punkte wie möglich zu holen - und idealerweise vor den Verfolgern ins Ziel zu kommen."

Die Chancen der Herausforderer

Maro Engel und Luca Stolz haben eine bemerkenswerte Saison hinter sich. Nach den ersten drei Wochenenden hätte wahrscheinlich niemand mehr ernsthaft mit dem pinken Mercedes-AMG GT3 im Titelkampf gerechnet, nachdem es eine Saison voller Pleiten, Pech und Pannen gegeben hat. Doch die bemerkenswerte Serie von vier zweiten Plätzen in Ostdeutschland hintereinander hat sie zurückgebracht.

"Nach dem vielen Pech zu Saisonbeginn ist etwas unerwartet, dass wir noch im Titelkampf sind, aber wir haben uns super zurückgekämpft", sagt Engel. "Wir haben es in der eigenen Hand. Wenn wir zwei Mal vor dem Land-Audi ins Ziel kommen, und das möglichst auf dem Podium, stehen die Chancen sehr gut."

"Es ist definitiv alles möglich. Der Nürburgring ist die Heimstrecke unseres Teams, deswegen werden wir noch extra Unterstützung erhalten. Der Kurs sollte uns liegen. 2020 sind wir dort einmal Zweite geworden. Daran wollen wir anknüpfen. Am Nürburgring den ersten Saisonsieg zu holen, wäre natürlich das Beste."

Für die anderen Paarungen geht es am Samstag darum, erstmal im Rennen um den Titel für Sonntag zu bleiben. Michael Ammermüller hat noch die Chance, zum ersten Mal in der Geschichte des ADAC GT Masters den Fahrertitel zu verteidigen.

Verlieren er und Mathieu Jaminet am Samstag mehr als elf Punkte auf Feller/Mies oder mehr als 15 auf Engel/Stolz, ist der Zug abgefahren. Natürlich müssen sie aber für realistische Chancen den Abstand im Idealfall um mehr als zehn Punkte gegen beide Paarungen aufholen, um am Sonntag den Titel holen zu können.

Christopher Mies, Luca Stolz, Maro Engel, Mathieu Jaminet, Michael Ammermüller, Ricardo Feller

Die drei Top-Paarungen an der spitze des Klassements

Foto: ADAC Motorsport

"17 Punkte Rückstand bedeuten im ADAC GT Masters nichts", ist sich Porsche-Werksfahrer Jaminet sicher. "Auf dem Papier sieht es nach viel aus, aber in den Rennen passiert immer so viel. Mit einem perfekten Samstag ist man schon wieder ganz nah dran. Daher schätze ich unsere Chancen mit 50:50 ein."

Ammermüller hat den Titelkampf schon 2020 zu seinen Gunsten gedreht, denn auch im vergangenen November kam er als Tabellendritter zum Finale. "Es liegen noch alle dicht zusammen. Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Den Titel zu verteidigen war von Anfang an das Ziel. Das wäre für das Team und mich etwas ganz Besonderes. Wir werden alles geben."

Mirko Bortolotti und die Landgraf-Piloten brauchen hingegen zweimal "big points" und Schützenhilfe. Wollen sie im ersten Rennen nicht aus dem Meisterschaftskampf ausscheiden, müssen sie auf das Podium fahren. Gleichzeitig müssen sie hoffen, dass Feller/Mies und Engel/Stolz nicht zu viele Punkte einfahren.

Teamwertung ebenfalls heiß umkämpft

Ausgangslage:
1. GRT Grasser (Lamborghini Huracan GT3) - 168 Punkte
2. Land-Motorsport (Audi R8 LMS GT3) - 167
3. Toksport WRT (Mercedes-AMG GT3) - 159
4. SSR Performance (Porsche 911 GT3 R) - 148

Theoretische Chancen haben noch Landgraf-HTP-WWR (Mercedes-AMG GT3) mit 136 und Zakspeed (Mercedes-AMG GT3) mit 128 Punkten.

In der Teamwertung zählt jeweils das bestplatzierte Fahrzeug eines jeden Teams. Es gilt dasselbe Punkteschema wie in der Fahrerwertung, jedoch wird stets nur ein Fahrzeug eines Teams gezählt. Bei einem hypothetischen Vierfachsieg von Grasser würde als das fünftplatzierte Team trotzdem 20 Punkte erhalten.

Damit haben GRT Grasser und Land-Motorsport hier mehrere Eisen im Feuer. Das Lamborghini-Team hat realistisch betrachtet 1,5 siegfähige Fahrzeuge am Wochenende am Start - die #63 in beiden Rennen und die #19 in dem Rennen, in dem Franck Perera das Qualifying fährt. Land muss sich in der Regel auf Feller/Mies verlassen.

Toksport, SSR und Landgraf bringen jeweils nur ein Auto an den Start. Zakspeed hätte wieder zwei Fahrzeuge, doch in der Regel sammeln hier Walilko/Gounon die Punkte. Eine vorzeitige Titelentscheidung ist hier ebenso unwahrscheinlich wie in der Fahrerwertung.

Junior-Wertung: Der Teamkollege zählt mit

Ausgangslage:
1. Ricardo Feller (Land-Audi) - 237 Punkte
2. Dennis Marschall/Kim-Luis Schramm (Rutronik-Audi) - 234

Sehr theoretische Chancen hat noch Igor Walilko (Zakspeed-Mercedes) mit 196 Punkten.

Kim-Luis Schramm, Dennis Marschall

Kim-Luis Schramm und Dennis Marschall haben Punktemultiplikator 1,5

Foto: Alexander Trienitz

In der Junior-Wertung werden alle Fahrer unter 25 Jahren erfasst, beim Finale sind das 15 Stück. Sowohl hier als auch in der Trophy-Wertung gelten besondere Regeln. Es fließt das Ranking des Teamkollegen in die Wertung mit ein. Ricardo Feller und Igor Walilko erhalten nur einfache Punkte, da sie jeweils Profifahrer an ihrer Seite haben.

Kim-Luis Schramm und Dennis Marschall verfügen jeweils über Silber-Ranking und gelten damit als Semi-Pros. Dadurch erhalten sie 1,5-fache Punkte. Dementsprechend ändert sich der Schlüssel. Marschall wird für 2022 auf Gold hochgestuft.

  P1 P2 P3 P4 P5 P6 P7 P8 P9 P10 P11 P12 P13 P14 P15
Feller und Walilko 25 20 16 13 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1
Marschall/Schramm 37,5 30 24 19,5 16,5 15 13,5 12 10,5 9 7,5 6 4,5 3 1,5

Trophy: Ineichen trotz Gesamtsieg chancenlos

Ausgangslage:
1. Florian Spengler (Car-Collection-Audi) - 304,5 Punkte
2. Elia Erhart (Rutronik-Audi) - 265,5
3. Rolf Ineichen (Grasser-Lamborghini) - 236

So mancher mag sich fragen, wie das mit Rolf Ineichen sein kann, nachdem alle drei Trophy-Fahrer mit absoluten Profis zusammenfahren. Das Problem des Schweizers: Er ist selbst als Silber-Fahrer eingestuft.

Wer als Semi-Professional (also Silber-Ranking) mit einem Profi zusammenfährt, bekommt nur einfache Punkte. Spengler und Erhart verfügen hingegen über ein Bronze-Rating. Wer als "Non-Professional" mit einem Profi zusammen fährt, erhält 1,5-fache Punkte.

So kommt es, dass Ineichen zwar acht Saisonsiege in der Trophy-Wertung feiern konnte, aber trotzdem chancenlos ist. Denn bei nur drei Punkteberechtigten ist selbst der letzte Platz mit 1,5-facher Punktzahl noch mehr wert als der Sieg mit Einfacher. Auch sein Gesamtsieg in Hockenheim bringt keine Extrapunkte.

Das Titelrennen ist beinahe entschieden. Florian Spengler würde locker Meister werden, wenn er mit Markus Winkelhock nur zweimal durchfährt. Kommen Winkelhock/Spengler am Samstag vor Erhart/Kaffer ins Ziel, wäre der Titel zu ihren Gunsten entschieden.

Mit Bildmaterial von ADAC Motorsport.

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