12h Sebring 2018: Nissan bezwingt Cadillac

Pipo Derani, Johannes van Overbeek und Nicolas Lapierre (Nissan) gewinnen die 12 Stunden von Sebring 2018: Porsche ringt BMW in GTLM-Klasse nieder

Extreme Speed Motorsport hat seinen Erfolg von 2016 bei den 12 Stunden von Sebring wiederholen können. Pipo Derani, Johannes van Overbeek und Nicolas Lapierre brachten den Nissan-DPi mit der Startnummer 22 sicher und ohne Zwischenfälle über die insgesamt 344 Runden auf der Buckelpiste in Florida und setzten sich knapp gegen den Cadillac #10 (van der Zande/Taylor/Hunter-Reay) durch. Das Podium komplettiert der Action-Express-Caddy #31 (Conway/Nasr/Curran).

Für die ESM-Mannschaft hatte der zweite Saisonlauf der IMSA-Serie 2018 so gar nicht gut begonnen. Gleich nach dem Start kollidierte Olivier Pla im Auto mit der Startnummer 2 mit dem Cadillac von Tristan Vautier - das Aus nach nur wenigen Sekunden. Die Nissan-Truppe stand plötzlich mit nur einem einzigen Auto da und musste sich gegen die Flotten von Cadillac, Acura, Mazda sowie die LMP2-Fahrzeuge wehren. Dies gelang bravourös.

 

#32 United Autosports Ligier LMP2, P: Phil Hanson, Alex Brundle, Paul di Resta
#32 United Autosports Ligier LMP2, P: Phil Hanson, Alex Brundle, Paul di Resta

Foto LAT images / Michael L. Levitt

"Wir hatten ein komplett sauberes Rennen. Wir haben keinen Kratzer am Auto. Das zeigt, wie super meine Kollegen Nicolas und Pipo gefahren sind", jubelt Johannes van Overbeek nach dem Triumph in Sebring. Der siegreiche Nissan blieb bei allen zehn Gelbphasen in der Führungsrunde, schon zur Halbzeit führte man das Feld an. Der größte Konkurrent um den Sieg war fortan ausgerechnet der Spirit-of-Daytona-Cadillac #90 (McMurry/Vautier/Cheever) , an dem das Schwesterauto zu Beginn zerschellt war.

Tristan Vautier im Fokus: Schnell, aber viel zu wild

Der an sich gut aufgelegte Tristan Vautier hatte jedoch zwei weitere Aussetzer. Kurz nach der Halbzeit kollidierte der Franzose mit dem Acura von Juan Pablo Montoya und riss die Penske-Mannschaft damit aus der Entscheidung. Nur kurz zuvor war das Schwesterauto in Flammen aufgegangen. Vautiers letzter negativer Coup beendete die Fahrt des Cadillac #90: Ein wilder Abflug in die Reifenstapel der Sunset Bend zu Beginn der vorletzten Rennstunde.

Auf dem Weg in Richtung Finale hatte Cadillac ohnehin schon gelitten. Die beiden Fahrzeuge von Action Express rauschten sich gegenseitig in die Karbonteile. Wie schon in Daytona musste an den DPis der Amerikaner immer wieder Kühlwasser nachgefüllt werden. Mazda verlor das Auto von Rene Rast (#77) früh, das Schwesterauto mit der Startnummer 55 hatte ein bärenstarkes Tempo und die beste Reichweite aller Prototypen - aber am Ende gab es Schäden an Batterie und Bremsen: immerhin Platz sechs.

 

#2 Tequila Patron ESM Nissan DPi, P: Scott Sharp, Ryan Dalziel, Olivier Pla slides wide in turn 1 at the start of the race
#2 Tequila Patron ESM Nissan DPi, P: Scott Sharp, Ryan Dalziel, Olivier Pla slides wide in turn 1 at the start of the race

Foto Art Fleischmann

Für die zweitplatzierte Mannschaft von Wayne Taylor wäre in Sebring definitiv mehr möglich gewesen. Daytona-Polesetter Renger van der Zande hatte ein starkes Tempo, kollidierte allerdings beim Restart kurz nach Beginn der siebten Rennstunde in einem überflüssigen Manöver mit dem Caddy von Eric Curran (#31). Das Auto des Niederländers musste an die Box, verlor die Führungsrunde. Dank weiterer Gelbphasen konnte man sich zurückkämpfen. Eine finale Attacke von van der Zande in der letzten halben Stunde blieb ohne Wirkung.

Derani hatte die Szene im Griff. ESM ließ sich auf der Fahrt über 344 Runden nicht einmal von den wildesten und kuriosesten Zwischenfällen beirren. In der ersten Rennstunde legte Frank Montecalvo seinen Ferrari #63 spektakulär auf das Dach. Nach vier Stunden musste das Rennen neutralisiert werden, weil ein Zelt von Fans auf die Strecke geflogen war. Sebring machte seinem Namen als wilder Rennschauplatz wieder einmal alle Ehre.

Porsche feiert Sieg, BMW ist konkurrenzfähig

Den Sieg in der GTLM-Klasse sicherte sich Porsche in einem heißen Duell gegen die deutsche Konkurrenz von BMW. Nick Tandy, Patrick Pilet und Fred Makowiecki (#911) setzten sich am Ende gegen den BMW M8 GTE von Alexander Sims, Bill Auberlen und Connor de Philippi (#25) durch. Den dritten Rang holten sich Bamber/Vanthoor/Bruni im Porsche mit der Startnummer 912, die zwischenzeitlich das halbe Heck ihres 911 RSR verloren hatten.

 

"Was für ein Rennen. Wir waren immer am Limit", beschreibt Nick Tandy nach dem ersten Porsche-Sieg 2018. Der Brite hielt sich im Finale den starken Landsmann Alexander Sims erfolgreich vom Leib. "Der BMW saß mir im Nacken. Ich habe alles geben müssen. Es war aber klar, dass wir über die Distanz besser mit den Reifen umgehen", sagt der ehemalige Le-Mans-Champion. Sims musste seine Jagd auf die Spitze rund 15 Minuten vor Schluss aufgeben, weil die Gummis am M8 GTE immer weniger Haftung boten.

Insgesamt darf man sich im Lager der Münchener aber freuen. Dank der veränderten BoP ist man ab sofort konkurrenzfähig, die Pole-Position in der GTLM-Klasse zeigte die aufsteigende Tendenz. Pech gab es für Krohn/Edwards/Catsburg, die ihren BWM mit der Startnummer 24 nach rund vier Stunden umfangreich reparieren lassen mussten. John Edwards war mit dem Ford von Dirk Müller aneinander geraten.

GTD-Klasse: Schon wieder siegt ein Lamborghini

Für die Ganassi-Ford-Mannschaft lief es in Sebring alles andere als rund. Eine Kollision der beiden Ford GT beim Boxenstopp brachte die Seuche der Amerikaner an diesem Wochenende auf den Punkt. Immerhin konnten Ryan Briscoe, Scott Dixon und Richard Westbrook nach dem Daytona-Triumph als Vierte noch ordentlich Punkte für die Meisterschaft mitnehmen. Im Lager von Corvette ging gar nichts, der Risi-Ferrari war in Sebring im Rennen schlichtweg zu langsam.

 

Pre Race Grid Walk Crowd
Pre Race Grid Walk Crowd

Foto Richard Dole / LAT Images

 

In der GTD-Kategorie setzte sich der Lamborghini vom Paul-Miller-Team (Sellers/Snow/Lewis) durch. Das Trio konnte sich mit starken Rundenzeiten am Ende den bärenstarken Alessandro Balzan (Scuderia-Corsa-Ferrari) wehren, der sich zuvor mit sehenswerten Manövern gegen Jeroen Bleekemolen (Riley-Mercedes) im Kampf um Rang zwei durchgesetzt hatte. Für den Schmunzel-GTD-Moment des Rennens sorgte David Heinemeier Hansson, der mit seinem Lexus beim Stopp minutenlang die Porsche-GTLM-Box blockierte. "Hatte ganz vergessen, dass ich nicht in einem Porsche saß. Sorry", so der Däne.

In der Gesamtwertung konnten durch den heutigen dritten Platz die Cadillac-Piloten Felipe Nasr, Eric Curran und Mike Conway die Spitze übernehmen. In den GTLM-Rankings schob sich Porsche durch die starke Mannschaftsleistung in Sebring in Front. Die Zeit der Langstreckenrennen ist in der IMSA-Serie 2018 für einige Monate beendet. Der nächste Wertungslauf im Rahmen des Long Beach Grand Prix (13./14. April) geht nur über 2:40 Stunden.

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Über diesen Artikel
Rennserien IMSA
Veranstaltung 12h Sebring
Unterveranstaltung Rennen, Samstag
Rennstrecke Sebring International Raceway
Artikelsorte Rennbericht
Tags 2018, derani, imsa, nissan, sebring