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24h Daytona 2021: WTR-Acura siegt - Pech für Ganassi-Cadillac

Mit neuem Aufgebot und Auto holt Wayne Taylor Racing den dritten Daytona-Sieg in Folge - Riesenpech für Ganassi - Klassensiege für Corvette und Mercedes

24h Daytona 2021: WTR-Acura siegt - Pech für Ganassi-Cadillac

Filipe Albuquerque, Ricky Taylor, Alexander Rossi und Helio Castroneves in Diensten von Wayne Taylor Racing (WTR) sind die Sieger der 24 Stunden von Daytona 2021. Mit ihrem Acura ARX-05 DPi mit der Startnummer 10 setzten sie sich beim spannenden Auftaktrennen der neuen Saison der IMSA SportsCar Championship durch. Aber es war knapp.

Zehn Minuten vor Schluss hatte der Ganassi-Cadillac mit Ex-Formel-1-Pilot Kevin Magnussen sowie Renger van der Zande und Scott Dixon (beide Daytona-Vorjahressieger für WTR) dank Schlussfahrer van der Zande direkten Anschluss an den WTR-Acura mit Schlussfahrer Albuquerque. Dann aber brachte ein Reifenschaden hinten rechts die Ganassi-Truppe, die bis dahin trotz dreier Strafen ernsthaft um den Sieg kämpfte, um die letzte Chance.

Ganassi-Reifenpech erlöst WTR-Besetzung

Statt eines Ganassi-Sieges beim Comeback des Teams in der Topklasse wurde es so für Wayne Taylor Racing bereits der vierte Daytona-Sieg in fünf Jahren und der dritte in Folge - diesmal aber mit komplett neuem Fahreraufgebot und noch dazu beim ersten Einsatz eines Acura für das Team. 2017, 2019 und 2020 hatte man mit einem Cadillac gewonnen.

Fotos: 24 Stunden von Daytona 2021

Das Duell der beiden Schlussfahrer Albuquerque vs. van der Zande war spannend. Albuquerque hatte beim letzten Boxenstopp kürzer getankt und zudem nur links frische Reifen bekommen. Van der Zande holte mit vier frischen Reifen in Riesenschritten auf. Acht Minuten vor der Zielflagge aber löste sich ausgerechnet an seinem Auto der rechte Hinterreifen in die Bestandteile auf. Nach dem späten Notstopp wurde es am Ende nur P5 hinter dem Meyer-Shank-Acura (Cameron/Pla/Montoya/Allmendinger).

Zwei Strafen und zwei späte Reifenschäden für den Ganassi-Cadillac

Zwei Strafen und zwei späte Reifenschäden für den Ganassi-Cadillac

Foto: Motorsport Images

Dass Ganassi in der Schlussphase überhaupt um den Sieg mitkämpfte, war keine Selbstverständlichkeit. Denn IMSA-Neuling Kevin Magnussen hatte für zwei Strafen gesorgt. Zunächst war er einmal zu schnell in der Boxengasse gewesen. Später stieg er bei einem Boxenstopp schon aufs Gas, obwohl das Auto noch aufgebockt war.

Und zweieinhalb Stunden vor Schluss, als IndyCar-Champion Scott Dixon im Auto saß, hatte man genau wie in der absoluten Schlussphase schon mal hinten rechts einen Reifenschaden zu beklagen gehabt. Trotzdem war Schlussfahrer van der Zande in der letzten Viertelstunde drauf und dran, Spitzenreiter Albuquerque die Führung abzujagen. Ob er es geschafft hätte, wird nie beantwortet werden.

P2 für die "All-Stars" - P3 für Mazda

Nach dem späten Pech für Ganassi ging der zweite Platz schließlich an den Action-Express-Cadillac #48 mit Jimmie Johnson, Kamui Kobayashi, Simon Pagenaud und Mike Rockenfeller. Dieses zweite Auto des AXR-Teams wurde für die "All-Stars" in Kooperation mit dem NASCAR-Topteam Hendrick Motorsports eingesetzt.

Nach zwei Drehern (je einer von Kobayashi und Pagenaud), zwei starken und einem schwächeren Stint des siebenmaligen NASCAR-Champions Johnson und einer soliden Vorstellung von Rockenfeller schrammte man letzten Endes um weniger als fünf Sekunden am Sieg vorbei. Für Johnson, der bereits zum neunten Mal an den 24 Stunden von Daytona teilnahm, ist es nach 2005 und 2008 zum dritten Mal "nur" P2.

P2 für die

P2 für die "All-Stars" Johnson/Kobayashi/Pagenaud/Rockenfeller

Foto: Michael L. Levitt / Motorsport Images

Für Kobayashi wäre es im Erfolgsfall (wie für van der Zande im Falle eines Ganassi-Sieges) der dritte Daytona-Sieg in Folge gewesen. Letzten Endes haben beide diese Errungenschaft knapp verpasst, womit Peter Gregg der einzige bleibt, der den Daytona-Klassiker dreimal hintereinander gewonnen hat. Der US-Amerikaner siegte in den Jahren 1973, 1975 und 1976. Im Jahr 1974 fand das Rennen aufgrund der Energiekrise nicht statt.

Den dritten Platz belegte überraschend der einzige Mazda mit Jonathan Bomarito, Harry Tincknell und Oliver Jarvis am Steuer. Beim Start des Rennens war das Auto zunächst nicht in die Gänge gekommen. Dass man am Ende um das Podium mitfahren würde, war lange Zeit nicht absehbar.

Denn über weite Strecken der Distanz wies der Mazda einen Rückstand zwischen einer und drei Runden auf. Der Großteil davon war in der elften Stunde einer Reparatur der Heckpartie zuzuschreiben. Drei Stunden vor Schluss fuhr das Auto aber wieder in der Führungsrunde mit. Am Ende fehlten gerade mal 6,5 Sekunden zum Sieg.

Probleme für zwei Cadillacs

Weniger Glück als die Mazda-Besetzung hatte die Besetzung des von der Pole-Position gestarteten Action-Express-Cadillac #31 (Derani/Nasr/Conway/Elliott). Polesetter Felipe Nasr verrichtete zu Beginn einiges an Führungsarbeit. Nach 18 Stunden aber blieb das Getriebe im dritten Gang stecken, was einen langen Aufenthalt in der Garage zur Folge hatte, der mehr als 20 Runden kostete. Vor dem Getriebedefekt hatte schon der Auspuff Probleme bereitet und für ein "krankes" Motorengeräusch gesorgt.

Reichlich Führungsarbeit verbuchte in der ersten Rennhälfte auch der JDC-Miller-Cadillac (Bourdais/Duval/Vautier). Dann aber kam eins zum anderen. Zunächst fabrizierte Loic Duval bei einem Restart in der achten Stunde einen Frühstart - Durchfahrtsstrafe. Wenig später, als Tristan Vautier am Lenkrad drehte, wurde man Opfer einer Kollision zweier in der GTD-Klasse gemeldeter Porsche. Der graue Cadillac DPi mit der Startnummer 5 musste zur Reparatur in die Garage und fiel kurz vor Schluss ganz aus.

LMP2-Seg für Era mit Juniordesign - Aus für Kubica und Co.

Die LMP2-Klasse wurde gewonnen von Era Motorsport. Das im Zuge eines Wettbewerbs von einem sechsjährigen Fan gestaltete Design des Oreca mit der Startnummer 18 wurde von Ryan Dalziel, Dwight Merriman, Kyle Tilley und Paul-Loup Chatin zum Klassensieg gefahren. Auf den Plätzen zwei und drei kamen der Starworks-Oreca #8 (Farano/Aubry/Buret/Vaxiviere) und der DragonSpeed-Oreca #82 (DeFrancesco/Lux/Mies/Schiller) ins Ziel.

Hingegen gab es unter anderem für Robert Kubica und Ferdinand Habsburg nichts zu lachen. Der High-Class-Oreca #20 (Andersen/Fjordbach/Habsburg/Kubica) war einer von drei Ausfällen in der Klasse und einer von zwölf Ausfällen im gesamten Feld. Grund war ein defektes Getriebe. Zwei andere LMP2-Autos - Team-Nederland-Oreca #29 (van der Garde/van Uitert/van Eerd/Milesi) und DragonSpeed-Oreca #81 (Hanley/Hodes/Grist/VeeKay) - strandeten aufgrund von Crashs.

Den ersten Klassensieg in der für die IMSA-Serie neuen LMP3-Klasse holte sich Riley Motorsports mit Oliver Askew, Spencer Pigot, Scott Andrews und Gar Robinson am Steuer des Ligier mit der Startnummer 74 in dominanter Manier. Komplettiert wurde das erste LMP3-Podium in Daytona mit sattem Rückstand von drei beziehungsweise sieben Runden vom Sean-Creech-Ligier #33 (Barbosa/Willsey/Clairay/Boyd) und dem
Mühlner-Duqueine #6 (Kranz/Hörr/Koch/McAleer).

GTLM: Corvette-Sieg trotz positiven Coronatests

In der GTLM-Klasse wurde das Renngeschehen über weite Strecken der Distanz von Corvette bestimmt. Mal lag die gelbe C8.R mit der Startnummer 3 und den Piloten Jordan Taylor, Antonio Garcia und Nicky Catsburg ganz vorn - mal das graue Schwesterauto mit der Startnummer 4, das von Tommy Milner und den beiden Corvette-Neuzugängen Nick Tandy und Alexander Sims pilotiert wurde.

Am Ende setzte sich die Besetzung der Startnummer 3 trotz einer späten Durchfahrtsstrafe (Überholen in der Boxengasse) durch. Skurril allerdings: Garcia verpasste aufgrund eines positiv ausgefallenen Coronatests einen großen Teil des Rennens. In Vorbereitung wurde er laut Corvette zunächst negativ getestet, später dann aber positiv. Der Spanier wurde isoliert und Taylor/Catsburg waren gezwungen, das Rennen weitestgehend als Duo zu bestreiten. Das wurde mit dem Klassensieg belohnt.

Skuriller Klassensieg für die gelbe Corvette mit der Startnummer 3

Skuriller Klassensieg für die gelbe Corvette mit der Startnummer 3

Foto: Motorsport Images

Hinter der zweiten Corvette ging der dritte Platz in der GTLM-Klasse an den schwarzen RLL-BMW #24 mit John Edwards, Jesse Krohn, Augusto Farfus und Marco Wittmann. Der Risi-Ferrari #62 (Calado/Pier Guidi/Gounon/Rigon) und der zweite RLL-BMW (de Phillippi/Spengler/Eng/Glock) rundeten die Top 5 der Klasse ab.

Der einzige Porsche im GTLM-Feld - der 911 RSR von WeatherTech (MacNeil/Lietz/Estre/Bruni) - wurde direkt beim Start des Rennens von BMW-Pilot Bruno Spengler umgedreht. Nach langer Reparatur holte man von zwischenzeitlich 14 Runden Rückstand dank der Gelbphasen zwar deren vier wieder auf. Trotzdem wurde es mit letztlich zehn Runden Rückstand der letzte Platz in der Klasse.

Gemäß IMSA-Bekanntgabe aus dieser Woche war es für die GTLM-Klasse die Abschiedsvorstellung bei den 24 Stunden von Daytona. Beginnend mit der nächstjährigen Auflage des Rennens, die dann den Auftakt der IMSA-Saison 2022 darstellt, wird die GTLM- von der neuen GTD-Pro-Klasse abgelöst.

GTD: Mercedes beendet Lamborghinis Siegesserie

Die GTD-Klasse in ihrer jetzigen Form wurde bei den 24 Stunden von Daytona erstmals seit 2017 nicht von einem Lamborghini gewonnen. Stattdessen holte sich Mercedes erstmals einen Klassensieg beim Klassiker in Florida. Verantwortlich dafür waren Maro Engel, Indy Dontje, Russell Ward und Philip Ellis am Steuer des HTP-Mercedes-AMG mit der Startnummer 57.

Eben dieser HTP-Mercedes hatte sich am Sonntag stundenlang mit dem AF-Corse-Ferrari #21 (Cressoni/Mann/N. Nielsen/Serra) um die Führung duelliert. In der 20. Stunde kam es dann in Kurve 1 zur Kollision zwischen Ellis und Matteo Cressoni. Die Rennleitung wertete die Szene als Rennunfall. Der Ferrari aber trug nach Einschlag in die Reifenstapel einen Plattfuß davon, fiel dadurch aus der Führungsrunde und war aus der Entscheidung um den Klassensieg draußen.

 

Genau wie Corvette in der GTLM-Klasse, so feierte Mercedes in der GTD-Klasse sogar einen Doppelerfolg. Denn der AMG von SunEnergy1 (Grenier/Marciello/Stolz/Habul) belegte den zweiten Platz. Im Lager von Lamborghini hingegen gab es nach drei Klassensiegen in Folge diesmal eine Niederlage. Die beiden vom Grasser Racing Team eingesetzten Huracan GT3 fielen noch vor Halbzeit der Distanz mit Problemen im Motorumfeld zurück und schließlich ganz aus. Der einzige Lamborghini, der ins Ziel kam, war jener von Paul Miller Racing (Sellers/Lewis/Snow/Caldarelli) auf P3 der Klasse.

Hatten die 24 Stunden von Daytona 2020 (das letzte IMSA-Rennen vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie) mit damals 38 Autos gerade mal sechs Gelbphasen gesehen, so wurde das Renntempo diesmal mit 49 Autos im Feld ganze zwölfmal verlangsamt. Diverse Ausrutscher über alle fünf Klassen verteilt waren der Grund. Letzten Endes kamen 37 Autos ins Ziel.

Die insgesamt 59. Auflage der 24 Stunden von Daytona war im IMSA-Kalender 2021 das erste von zwölf geplanten Rennen. Weiter geht es mit dem nächsten Klassiker: der 69. Auflage der 12 Stunden von Sebring am 20. März. Das eigentlich für den Tag zuvor angesetzt gewesene 1.000-Meilen-Rennen von Sebring der Langstrecken-WM (WEC) wurde derweil für dieses Jahr abgesagt.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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