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Rennbericht

4 Jahre nach Grello-Crash: Vanthoor-Brüder fahren sich erneut ins Auto

Dries und Laurens Vanthoor kollidieren beim IMSA-Rennen in Detroit und verlieren beide ein gutes Ergebnis für BMW und Porsche - Endlich Sieg für Action Express

4 Jahre nach Grello-Crash: Vanthoor-Brüder fahren sich erneut ins Auto

Dries fuhr Laurens Vanthoor in einer Gelbphase ins Heck

Foto: Lumen for IMSA

Unglaubliche Szenen beim IMSA-Rennen in Detroit: Hinter dem Pace-Car kollidieren Dries und Laurens Vanthoor, was beide um ein mögliches Podiumsresultat bringt. Fast auf den Tag genau vier Jahre nach dem legendären Brudercrash auf der Nürburgring-Nordschleife beim 24-Stunden-Rennen 2022 kracht es erneut, diesmal bei wesentlich niedrigeren Geschwindigkeiten mit weniger harschen, aber spürbaren Konsequenzen.

(Update: Dries Vanthoor hat sich mittlerweile geäußert. Offenbar gab es eine Fehlentscheidung der Rennleitung bei der Strafe.)

Die Konsequenz: Laurens Vanthoor musste den zu diesem Zeitpunkt viertplatzierten Penske-Porsche #6 (L. Vanthoor/Estre) mit ramponiertem Heck dank der "Spiegeleiflagge" (schwarze Flagge mit orangem Punkt) zum Reparaturstopp bringen.

Der WRT-BMW #24 (S. van der Linde/D. Vanthoor), der zum Zeitpunkt der Kollision auf dem fünften Platz lag, bekam eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt. Somit blieben nur die Plätze acht (Porsche) und neun (BMW) für die Vanthoor-Brüder. (Rennergebnis IMSA Detroit 2026)

Eigentlich kämpfte Laurens Vanthoor zuvor ums Podium. Startfahrer Kevin Estre hatte sich im Porsche #6, der in Detroit wieder mit dem Maximalgewicht von 1.100 Kilogramm antreten musste, schnell nach vorne gearbeitet. Eine Beschädigung aus einer Berührung bei der Aufholjagd resultierte zunächst in einer stark staubenden Bremse, das Problem behob sich jedoch nach rund 30 Minuten von selbst.

Porsche Penske Motorsport legte dann einen Geniestreich beim Boxenstopp hin: Man wagte einen riskanten Overcut auf die Gefahr hin, im Falle einer Caution ans Ende des Feldes zu fallen, als die meisten anderen Fahrzeuge schon gestoppt hatten. Doch es blieb Grün und so nutzte Estre die Runden mit freier Fahrt zur Flucht nach vorn. Laurens Vanthoor kam so auf dem dritten Platz raus.

Dass er in die Fänge seines Bruders geriet, war auch einem eigenen Fehler geschuldet. Als er gerade Druck auf den zweitplatzierten WRT-BMW #25 (Eng/Wittmann) machte, verbremste er sich bei der Überrundung eines GT-Fahrzeugs in der Spitzkehre und verlor den dritten Platz an den WTR-Cadillac #10 (R. Taylor/Albuquerque).

Das Rennen schien damit eigentlich entschieden, als 20 Minuten vor Schluss eine Gelbphase wegen Trümmerteilen ausgerufen wurde. Dabei kam es zur Kollision der beiden Vanthoor-Brüder.

Diplomatische Stimmen, versteckte Kritik

Laurens hat sich bisher nur auf Instagram geäußert, vermeidet aber, auf den Bruderkuss direkt einzugehen: "Wir lagen auf einem soliden dritten Platz, als ich ein GT-Fahrzeug auf der buckeligen Seite der Strecke überholen musste. Da hat es mich erwischt und ich fuhr geradeaus. Hat nur einen Platz gekostet, aber dann wurde ich von hinten gerammt, was unseren Diffusor beschädigt hat, den wir reparieren mussten."

Kevin Estre formuliert es ebenfalls diplomatisch: "Leider ist uns ein Mitbewerber ins Heck gefahren. Wir mussten zur Reparatur an die Box. Mehr als Platz acht war dann nicht mehr drin."

Auch für den BMW #24 wäre wesentlich mehr drin gewesen. Die BMW M Hybrid V8 hatten eine günstige Einstufung in der Balance of Performance (BoP) für Detroit. Schon im Qualifying verhinderte eine rote Flagge allerdings einen besseren Startplatz. Im Rennen musste der BMW #24 früher als geplant an die Box kommen, weil die Reifendrücke zu niedrig waren.

Die Strafe für den Bruderkuss war dann schon die zweite Durchfahrtsstrafe, die gegen Dries Vanthoor verhängt wurde. Die erste fing er sich ein, als er beim Überrunden den Vasser-Sullivan-Lexus #14 (Hawksworth/Barnicoat) in die Mauer schob. Der Lexus konnte leicht lädiert weiterfahren.

Dries Vanthoor hat sich noch nicht geäußert, Sheldon van der Linde formuliert die Kritik versteckt: "Wir hatten das Potenzial, um die Spitze zu kämpfen, haben unsere Pace aber nicht gut umgesetzt. Schon im Qualifying hatten wir Pech mit einer roten Flagge vor unserer schnellsten Runde. So mussten wir weiter hinten starten als erhofft."

"Dennoch lief es zunächst gut, und wir waren schon auf Platz drei, als alles begann schiefzulaufen. Erst der frühere Boxenstopp wegen des Reifendrucks, und dann Berührungen und Strafen, die uns weit zurückgeworfen haben. Letztlich ein Rennen zum Vergessen. In der fehlerfreien Ausführung der Rennen müssen wir dringend besser werden."

Action Express siegt vor zweitem BMW

BMW hatte letztlich doch noch etwas zu feiern, denn die #25 fuhr dank perfekter Strategie mit Platz zwei ihr zweites Podium in Folge ein. Marco Wittmann blieb, wie der Porsche #6, im ersten Stint lange draußen und kam dadurch als Zweiter wieder auf die Strecke. Eng wehrte anschließend die Angriffe von Laurens Vanthoor ab und hielt den zweiten Platz auch bei den beiden Restarts.

Der Österreicher sprudelt: "Ich glaube, ich hatte den leichtesten Job von allen, denn ich musste es nur nach Hause bringen. Ich habe den Funkverkehr im Strategiekanal [vor dem Boxenstopp] mitgehört und muss sagen: Diese Jungs sind so clever. Gottseidank muss ich nur im Kreis fahren! Das war absolute Weltklasse vom Team, von jedem einzelnen Mitglied."

"2013 bin ich bereits bei den 24 Stunden von Spa mit einem Privatteam angetreten und WRT hatte seine Garage neben uns. Die sind einfach nur unglaublich. Mein Wunsch ist immer gewesen, für sie zu fahren. Es ist kein Zufall, dass sie alles gewinnen, was sie in Angriff nehmen. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste, aber im Strategiekanal zu hören, was diese Jungs leisten, lässt mich so viel lernen."

Nur ein Fahrzeug stand über allem: Der Action-Express-Cadillac #31 dominierte das Wochenende. Nach drei zweiten und einem dritten Platz folgte nun der erste Saisonsieg mit einer überragenden Performance.

"Das war einfach eines dieser besonderen Wochenenden", sagt Bamber, der wegen seiner Abwesenheit in Long Beach zugunsten des WEC-Laufs in Imola nur noch dabei helfen kann, Aitken zum Meister zu machen. "Wenn man so ein unglaubliches Auto hat, wird vieles einfacher." Er sieht den Grund für die Überlegenheit in intensiver Vorbereitung im Simulator.

Der nächste Lauf der IMSA SportsCar Championship sind die 6 Stunden von Watkins Glen am 28. Juni. Das Rennen kollidiert diesmal nicht mit den 24 Stunden vom Nürburgring wie 2025, dafür mit den 24 Stunden von Spa.

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