60-Tage-Wunder von Wickens-Team: Wie die DXDT-Corvette zurückkam
Das IMSA-Team verlor sein Rennauto, Werkzeuge und Ausrüstung, doch zwei Monate später stand die Corvette wieder am Start - Das irre Comeback von DXDT Racing
Die DXDT-Corvette feierte in Watkins Glen ein willkommenes Comeback
Foto: Lumen Lumen
Weniger als zwei Monate, nachdem ein katastrophaler LKW-Brand die gesamte Saison zu ruinieren drohte, hat DXDT Racing das fast Unmögliche geschafft. Die Chevrolet Corvette Z06 GT3.R #36 hat beim 6-Stunden-Rennen der IMSA SportsCar Championship auf der Watkins Glen International ein umjubeltes Comeback gefeiert.
Für Programmmanager Bryan Sellers war der Weg zur Erholung ein logistischer Albtraum. Es war so extrem, dass ein kompletter Neustart von Null an eine willkommene Alternative gewesen wäre.
"Es war holprig. Es war hart. Es gibt nicht wirklich einen Fahrplan für das, was wir durchgemacht haben", sagte Sellers gegenüber Motorsport.com USA, eine Schwesteredition von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Wir lassen im Grunde jedes einzelne Teil in unserer Werkstatt über Versicherung und Gutachter laufen. Wir schauen, ob Dinge noch zu retten sind oder ob wir sie abschreiben müssen... Es wäre einfacher gewesen, das Programm von Grund auf neu aufzubauen, als es auf diese Weise wieder zu reparieren."
Das Unglück ereignete sich auf dem Weg zum Laguna Seca Raceway und führte zu einem fast vollständigen Verlust des Team-Eigentums. Das Feuer war so intensiv, dass das primäre Corvette-Chassis buchstäblich mit der Struktur des Transporters verschmolz und schließlich mit einem Kran herausgehoben werden musste.
Zusammen mit dem Auto wurden praktisch alle Werkzeuge, Boxenausrüstungen und die technische Infrastruktur des Teams zerstört. Im Gegensatz zu riesigen NASCAR-Teams verfügen viele Sportwagen-Teams nicht über eine Fülle von Ersatz-Trucks und doppelter Ausrüstung.
Trotz des Ausmaßes der Zerstörung zögerte Teambesitzer David Askew keinen Moment, was die Zukunft des Programms anging. Laut Sellers war die unmittelbare Reaktion von Askew simpel: "Alles klar, wie kommen wir da wieder raus?"
Neues Chassis komplett gestrippt, dann neu aufgebaut
Um in Watkins Glen an den Start gehen zu können, musste die DXDT-Crew eine gewaltige Kraftanstrengung über mehr als einen Monat hinlegen. Das Team nahm ein Corvette-Chassis, das zuvor in den SRO-America-Serien eingesetzt worden war, und begann mit dem mühsamen Prozess, es an die strengen Spezifikationen für die IMSA SportsCar Championship anzupassen.
Da die IMSA-Regeln eine spezielle Elektronik vorschreiben - wie etwa Drehmomentsensoren und Kabelbäume für die technische Abnahme -, konnte das SRO-Auto nicht einfach so eingesetzt werden. Es musste komplett bis auf das nackte Chassis zerlegt und völlig neu aufgebaut werden.
"Bei dem Zeitfenster, das wir hatten... man baut ein Programm nicht in vier Wochen auf, oder? Und wir mussten ein Programm in vier Wochen neu aufbauen", so Sellers. "In den vergangenen zwei Wochen haben die Jungs, glaube ich, jeden Abend von 7 bis 22 Uhr gearbeitet, nur um das Auto rechtzeitig für Watkins Glen zu bringen."
Über das Auto selbst hinaus forderte das Feuer ein weiteres unersetzliches Gut: die hochspezialisierte, maßgeschneiderte Handsteuerung von Bosch für Robert Wickens. Der Kanadier ist zwar nur bei den IMSA-Sprintrennen dabei, aber schon am 12. Juli steht sein Heimrennen auf der Mosport-Rennstrecke auf dem Programm, das wieder zum Sprint Cup gehört.
Bosch gelang es tatsächlich, innerhalb von nur vier Wochen ein Ersatz-Set herzustellen und zu liefern. "Uns geht es gut", sagte Sellers. "Wir haben alles, was wir brauchen. Wir bereiteten das Auto direkt nach dem 6-Stunden-Rennen mit einem Shakedown-Test vor, um beim Mosport-Rennen zu fahren."
"Es war ein gewaltiges Unterfangen. Die erste Version der Handsteuerung hat etwa sechs bis acht Monate gedauert, und jetzt konnten sie einen zweiten Satz in etwa vier Wochen fertigstellen. Man kann sich vorstellen, wie viele Leute nötig waren, um das zu schaffen, aber uns geht es gut und wir sind bereit für ihn, wenn er zurückkehrt."
Unveränderte Ziele
Salih Yoluc, Mason Filippi und Corvette-Werksfahrer Charlie Eastwood bildeten das Aufgebot für das Endurance-Rennen und fuhren auf den elften Platz von 20 Fahrzeugen in der GTD-Klasse. Ein ordentliches Comeback, für die Ambitionen des Teams aber zu wenig.
DXDT ging nämlich weiterhin mit Ambitionen ins Rennen. DXDT durfte in dieser Saison bereits einen Erfolg feiern, als Wickens in Long Beach die Poleposition in der GTD-Klasse holte. Sellers betonte, dass sich die Leistungsmaßstäbe nicht verändert hätten.
"Unser Ziel ändert sich nicht durch das, was passiert ist", stellt Sellers fest. "Wir sind gekommen, um zu gewinnen, und zwar nur um zu gewinnen. Ich denke, dieses Ziel jetzt für unsere Jungs abzuändern, würde der ganzen investierten Arbeit nicht gerecht werden. Es gibt einen Standard, an den wir uns halten wollen."
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