BMW und RLL bestätigen Ende der GTP-Zusammenarbeit nach 2025
Rahal Letterman Lanigan Racing wird 2026 nicht mehr als BMW-Werksteam in der IMSA SportsCar Championship mit dem BMW M Hybrid V8 antreten
Die werksseitige Zusammenarbeit zwischen BMW und RLL endet nach 2025
Foto: LAT Images
Die Spatzen pfiffen es schon länger von den Dächern, nun ist es offiziell: Die Wege von Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) und BMW trennen sich nach der Saison 2025. Der Vertrag wird nicht verlängert, der deutsche Hersteller sucht für seine US-Einsätze ein neues Einsatzteam.
Zunächst bestätigte Bobby Rahal den Split im Gespräch mit Racer: "Wir sind natürlich enttäuscht, dass unsere Motorsportpartnerschaft mit BMW nach so vielen erfolgreichen Jahren zu Ende geht. Es war ein Privileg und eine Ehre, BMW auf den Rennstrecken Amerikas und Kanadas zu vertreten. Nun ist es an der Zeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen."
Mittlerweile hat auch BMW in einem offiziellen Statement das Ende der Zusammenarbeit verkündet. Vorerst betrifft dies ausschließlich das GTP-Programm in der IMSA SportsCar Championship.
BMW Nordamerika zeigt sich interessiert daran, andere Projekte mit RLL - etwa ein Klassik-Engagement - fortzuführen. Konkrete Details gibt es noch nicht, da entsprechende Gespräche noch geführt werden müssen.
Zwei Siege in 2,5 Jahren - zu wenig für ein GTP-Werksteam
RLL war im GTP-Programm zunehmend in die Kritik geraten. Zwar gelangen Einzelerfolge wie der Doppelsieg in Indianapolis 2024 oder die eindrucksvolle Poleserie von Dries Vanthoor in der laufenden Saison. Doch zu oft passte die Strategie nicht zum Rennverlauf, dauerten Boxenstopps im entscheidenden Moment zu lang - oder es fehlte schlichtweg die Pace, wenn es darauf ankam.
Unterm Strich stehen bislang nur zwei Siege: der Doppelsieg in Indy als größter Erfolg des Programms - sowie der geerbte Sieg in Watkins Glen 2023. Für eine Partnerschaft, die einst GT-Titel holte und regelmäßig um Klassensiege mitkämpfte, ist das eine zu magere Bilanz.
Auch in der IndyCar-Serie ging es für das Team von Bobby Rahal zuletzt abwärts. Nach dem letzten großen Coup - dem Indy-500-Sieg durch Takuma Sato 2020 - gelang nur noch ein einziger Erfolg: Christian Lundgaard gewann 2023 in Toronto. Von 2015 bis 2020 hatte das Team in jedem Jahr Siege geholt.
Zeichen deuten auf WRT hin
BMW will trotz des Splits am GTP-Programm festhalten. Vieles deutet darauf hin, dass WRT - bereits für das WEC-Programm verantwortlich - auch das IMSA-Engagement übernehmen könnte. Dafür wäre jedoch ein erheblicher Ausbau notwendig, denn WRT müsste eine eigenständige US-Dependance aufbauen.
Eine andere Option wäre, das IMSA-Programm auf die fünf Langstreckenrennen der Michelin Endurance Cup zu beschränken, denn BMW muss nach einem Gewinneinbruch um 37 Prozent im Geschäftsjahr 2024 Geld sparen. In diesem Fall ließe sich der Einsatz sogar mit dem bestehenden WEC-Personal stemmen.
RLL schaut sich nach Optionen um
RLL sucht nach neuem Hersteller. "Wir führen derzeit Gespräche mit mehreren Herstellern für 2026 und darüber hinaus. Wir verfügen über ein vollständig aufgestelltes Team, es muss nur ein Hersteller den Schlüssel drehen", so Bobby Rahal.
"Auf unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit BMW in den vergangenen 17 Jahren sind wir stolz und möchten, dass ein weiterer Hersteller eine Partnerschaft mit uns eingeht und uns für sich einspannt. Mike Lanigan und ich haben auch über LMP2 gesprochen, eine fantastische Klasse."
Zur Saison 2027 wird Genesis mit dem GMR-001 in die IMSA SportsCar Championship einsteigen. Die anderen Neueinsteiger, Ford und McLaren, haben sich noch nicht auf ein IMSA-Engagement festgelegt. Möglich wäre auch eine Kooperation mit Alpine, die ab 2027 in den US-Markt gehen wollen. Allerdings hat man sich dort noch nicht zu einem IMSA-Projekt durchringen können.
Es bliebe auch ein Übergangsjahr mit einem Kunden-BMW als Möglichkeit. Doch auch ein Wechsel weg von der Langstrecke wäre denkbar: Rahal bringt die Indy NXT (ehemals Indy Lights) und die NASCAR-Truck-Serie ins Spiel.
BMW und RLL: 17 gemeinsame Saisons in den USA
Als BMW und Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) Anfang 2009 ihre Zusammenarbeit verkündeten, markierte das den Beginn einer der prägendsten Hersteller-Team-Allianzen im nordamerikanischen Sportwagensport der vergangenen anderthalb Jahrzehnte.
Was als GT2-Programm in der amerikanischen Le-Mans-Serie (ALMS) begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem Werkseinsatz mit hoher technischer Tiefe, bis hin zum GTP-Programm mit dem BMW M Hybrid V8.
Der erste Auftritt erfolgte im März 2009 mit zwei BMW M3 E92 GT in der GT2-Klasse. Schon im zweiten Jahr der Partnerschaft gewann das Team mit dem M3 die Teammeisterschaft der ALMS. 2011 lief es sogar noch erfolgreicher, der Titel wurde schon ein Rennen vor Schluss dingfest gemacht. Fahrer wie Bill Auberlen, Dirk Müller, Joey Hand und Dirk Werner prägten diese erste Erfolgsphase.

RLL setzte BMW M3 GT, Z4 GTE (Bild), M6 GTLM, M8 GTE, M4 GT3 und M Hybrid V8 ein
Foto: Eric Gilbert
Mit dem Wechsel auf den Z4 GTE 2013 und dem amerikanischen Sportwagen-Zusammenschluss zur IMSA SportsCar Championship 2014 begann eine neue Ära, in der BMW US-spezifische Fahrzeuge zum Einsatz brachte, die außerhalb der USA kaum zum Einsatz kamen. Die großen Meisterschaftstriumphe vom Anfang des Jahrzehnts konnte RLL nicht wiederholen, 2015 scheiterten Bill Auberlen und Dirk Werner knapp an Porsche-Pilot Patrick Pilet.
Ab 2016 setzte BMW auf den neuen M6 GTLM, ein Fahrzeug, das mit seinem V8-Biturbo eine andere technische Richtung einschlug. Mit dem Boliden ging es wieder aufwärts. 2017 gewannen die M6 GTLM fünf von elf Rennen in der GTLM-Klasse, doch beide Fahrzeuge scheiterten im Meisterschaftskampf knapp an der konstanten Corvette von Jan Magnussen und Antonio Garcia.
2018 folgte der Wechsel auf den M8 GTE, BMWs bis dahin ambitioniertestes GT-Werksprojekt. Der Bolide wurde ob seiner irrsinnigen Größe in den sozialen Medien zu einem Meme, trotzdem gewann RLL 2018 auf Anhieb den Endurance-Cup mit dem neuen Boliden. 2019 folgte der Klassensieg bei den 24 Stunden von Daytona, der 2020 wiederholt wurde.
Trotz dieser Erfolge reichte es "nur" zu einem weiteren Endurance-Titel, die Gesamtmeisterschaft bleib RLL weiter verwehrt. 2020 scheiterten John Edwards und Jesse Krohn wieder an Corvette, diesmal mit Antonio Garcia und Jordan Taylor. 2021 (nur Endurance-Rennen im letzten GTLM-Jahr) und 2022 (Premiere des M4 GT3 in der neuen GTD Pro) waren Übergangsjahre, im Hintergrund lief bereits das LMDh-Projekt an.
Dieses bedeutete für beide Parteien Neuland: Für RLL war es das erste Topklasse-Engagement im Prototypensport, für BMW der Wiedereinstieg in die höchste Sportwagenliga seit dem Ende des V12 LMR-Projekts im Jahr 2000. Während der Start noch verheißungsvoll war, stagnierten die Ergebnisse ab 2024. Auch eine Umstrukturierung für 2025 änderte nichts. Die Zusammenarbeit endet nach dem Petit Le Mans 2025.
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