Ellis über 280-km/h-Slide: "Einer der wildesten Momente meiner Karriere"
Philip Ellis gibt zu, dass er den Moment im Kampf mit Nicki Thiim um die Führung bei den 24h in Daytona erst einmal sacken lassen muss und nimmt die Schuld auf sich
Philip Ellis hatte bei den Rolex 24 in Daytona einen wilden Moment
Foto: Art Fleischmann
45-Grad-Drift bei Tempo 280! Das muss auch ein Philip Ellis erstmal sacken lassen. Der Deutsch-Brite gehört zu den furchtlosesten Fahrern der Motorsport-Welt und hatte gerade in seiner Formelzeit bereits einige spektakuläre Einlagen. Doch diese Nummer bekommt einen besonderen Platz.
Der wilde Moment ereignete sich nach einer Berührung mit Nicki Thiim im Kampf um die Führung - ein Duell, das letztlich den GTD-Sieg für Winward Racing bei den Rolex 24 in Daytona (hier der komplette Rennbericht) sicherte.
Zehn Minuten vor dem Ende erreichte der dramatische Kampf um den Klassensieg zwischen dem Winward-Mercedes #57 (Ward/Ellis/Dontje/Auer) und dem Magnus-Aston-Martin #44 (Potter/Pumpelly/Thiim/Snow) seinen Höhepunkt, als sich die beiden Autos auf dem schnellsten Teil des Daytona International Speedway berührten.
"Es war definitiv einer der wildesten Momente meiner Karriere", sagt der 33-Jährige gegenüber Motorsport-Total.com. "Das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen."
Ellis gesteht, dass er sich aufgrund des Adrenalins im Duell der Gefahr hinter dem Steuer nicht sofort in vollem Umfang bewusst war: "Erst in der Auslaufrunde fiel mir auf, dass der Außenspiegel fehlte. Ich war so auf den Kampf konzentriert, dass ich es gar nicht bemerkt hatte."
"Mir war nicht wirklich bewusst, dass wir so kurz vor einer Katastrophe standen, bei der wir beide hätten ausscheiden können. Das wollten wir natürlich beide nicht." Ellis gibt zu, die Situation falsch eingeschätzt zu haben - ein Manöver, das ihm letztlich eine Verwarnung durch die Rennleitung einbrachte.
"Er hatte einen Überschuss auf mich, den ich unterbinden wollte, indem ich ihn in meinen Windschatten (Side Draft) zog. Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht, dass er schon so nah an der Mauer war. Das geht also ein Stück weit auf meine Kappe - besonders bei dieser Geschwindigkeit, wo das massive Konsequenzen haben kann", so Ellis.
"Aber ich bin froh, dass wir beide weiterfahren konnten und nichts passiert ist. Es war hartes Racing und wir haben den Fans eine gute Show geboten." Er gesteht zudem, dass ihn Thiims Resilienz in der Schlussphase überraschte. "Ich war sehr erstaunt, dass er so an mir dranblieb", sagt der nun dreifache Rolex-24-Sieger.
"Ich weiß nicht, ob er noch einmal Pace gefunden oder ob ihm der Windschatten hinter mir so sehr geholfen hat. Aber ich hatte nicht erwartet, dass er in den letzten 15 Minuten noch einmal so hart zurückschlägt."
Verwarnung gegen Thiim änderte wenig
Vor dem Duell mit Ellis hatte Thiim bereits eine Verwarnung von der IMSA erhalten, da er Mattia Drudis #44 Magnus Racing Aston Martin von der Strecke gedrückt hatte. Ellis war sich der brenzligen Situation seines Rivalen zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht bewusst.
"Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich wusste erst nach unserem Vorfall, dass ich verwarnt wurde. Aber auch das hätte nicht viel geändert", sagte er. Auf die Frage, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn er von der Vorbelastung des Dänen gewusst hätte, reagiert Ellis skeptisch.
"Ich glaube nicht. Die IMSA ist bei den Blocking-Regeln sehr strikt. Ich hätte vielleicht versucht, ihn noch etwas mehr zu einem Block zu verleiten [als er vorne lag], um eine Strafe zu provozieren. Aber ich bin froh, dass wir es auf der Strecke geklärt haben und nicht über Zeitstrafen."
"Ich denke, genau das wollen die Leute hier sehen. Deshalb haben wir jedes Jahr Rekordzuschauerzahlen. Das ist es, was die IMSA so besonders macht."
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