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Heinrich beschert JDC-Miller-Porsche Sensationssieg in letzter Runde

Irre Last-Lap-Decision in der IMSA SportsCar Championship: Laurin Heinrich ringt Earl Bamber sechs Kurven vor Schluss nieder, obwohl er vorher im Kies war

Heinrich beschert JDC-Miller-Porsche Sensationssieg in letzter Runde

Laurin Heinrich holte sich den Laguna-Seca-Sieg mit einem sensationellen Manöver in der letzten Runde

Foto: Porsche Porsche

Ein irres Manöver in der letzten Runde zwischen den Kurven 4 und 5 auf dem Laguna Seca Raceway hat JDC-Miller Motorsports den ersten Sieg im GTP-Zeitalter beschert. Laurin Heinrich rang in einem packenden Zweikampf im JDC-Miller-Porsche #5 (van der Helm/Heinrich) Earl Bamber im Action-Express-Cadillac #31 (Aitken/Bamber/Vesti) nieder.

Es war ein knallhart, aber fair geführter Zweikampf, bei dem es auch kleine Berührungen gab. Bamber machte mehrmals auf der Innenbahn dicht und verlangsamte künstlich das Tempo am Scheitelpunkt. "Da hat er seine ganze Erfahrung in die Waagschale geworfen. Er ist ein harter Racer. entsprechend war unser Kampf hart, aber fair", sagt Heinrich.

Dadurch fuhr Heinrich ihm einmal aufs Heck, dadurch schliff Bambers Reifen an der Karosserie. "Da sind ein paar Michelin-Sticker an meinem Auto", lacht Heinrich. "Aber deshalb lieben wir IMSA-Racing. Das war einer der besten Kämpfe meiner Karriere."

Bamber antwortet auf Nachfrage von Motorsport-Total.com: "Es hat mich nicht beeinträchtigt. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wann es angefangen hat zu schleifen. Ich wusste, was ich tue. Er war deutlich schneller, deshalb musste ich am Scheitelpunkt langsam machen und das Auto schnell geradestellen. Solche Dinge passieren dabei. Wir hatten einfach insgesamt weniger Grip."

Heinrich erklärt im Gespräch mit Motorsport-Total.com den Grund: "Ich habe schnell gesehen, dass der Cadillac mehr Sprit sparen muss als wir und auch einen höheren Reifenverschleiß hatte. Das Team hat mir richtig Feuer gemacht und gesagt, dass es möglich ist. Von dem Moment an habe ich auch selbst an den Sieg geglaubt."

Showdown im GT-Verkehr

Heinrich bekam die Ansage, dass es in den letzten zwei Runden viel Verkehr geben werde. Zunächst aber blieb er in der vorletzten Runde selbst hängen. Ob er da schon geglaubt hat, dass es vorbei ist?

"Naja, es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist", entgegnet der 24-Jährige. "Im Verkehr muss man immer einen kühlen Kopf bewahren. Da bringt es nichts, wenn man dann mit Ach und Krach reinhält. Selbst, wenn es mit dem Sieg nicht geklappt hätte, wäre es trotzdem das erste GTP-Podium für das Team gewesen. Das darf man auch nicht wegschmeißen."

Eingangs der letzten Runde blieb dann Bamber hängen. Heinrich war wieder dran, wieder machte Bamber im Scheitelpunkt von Kurve 3 langsam. In Kurve 4 hatte er aber einen leichten Rutscher, was Heinrich nutzte, um innen reinzustechen. Vor dem Bremspunkt von Kurve 5 hatte er dann bereits eine Fahrzeuglänge Vorsprung.

"Da ist einfach alles für uns gelaufen", sagt er. "So wie ich in der vorletzten Runde Pech hatte, kann er in der letzten Runde Pech haben und genauso ist es gekommen. Deswegen hat sich auch meine Erfahrung ausgezahlt."

Obschon er mit Jack Aitken nun zum dritten Mal in vier Rennen einen Sieg knapp verpasst hat, nimmt Earl Bamber die Sache sportlich: "Als ich schon hörte, dass eine halbe Sekunde pro Runde schneller ist, war mir klar, dass es hart werden würde. Er hatte einfach so viel mehr Grip und kam vorbei. Ich denke, es war ein guter Kampf."

Heinrich kennt den Verkehr aus der GT-Perspektive zu gut, schließlich hat er auf dem Laguna Seca Raceway zweimal mit "Rexy" die GTD Pro gewonnen. Mit dem GTP-Sieg hat er nun seine 100-Prozent-Quote in Monterey gehalten.

"Es läuft hier einfach für mich. Ich liebe diesen Ort. Jedes Mal, wenn ich an diese Strecke komme, spüre ich etwas Spezielles. Heute war einfach unglaublich. Das Auto war extrem gut ausbalanciert. Unsere Stärke waren die Reifen, was in den letzten vier oder fünf Runden klar gesehen hat", jubelt er.

Vom Kiesbett in die Victory Lane

Und das, obwohl er 90 Minuten zuvor eigentlich schon geschlagen schien: Heinrich, der den Vorjahres-Porsche 963 von Tijmen van der Helm übernommen hatte, fuhr erstmal in den Kies der Andretti Hairpin und fiel dadurch auf die fünfte Position zurück. Rückstand auf die Spitze: Fast 20 Sekunden.

"Das passiert halt. Ich denke, das zeigt nur, dass wir heute 110% gegeben haben. Es ist nicht einfach, ein GTP-Auto auf dieser Strecke am Limit zu bewegen. Natürlich habe ich das nicht mit Absicht gemacht. Aber es zeigt, dass ich einfach alles gegeben habe."

Doch nur wenige Minuten später gab es eine Caution, die das Feld wieder zusammenführte. Nun begann Heinrich, ein Feuerwerk abzubrennen. Ein kurzer Splash stand noch an, bei dem der JDC-Miller-Porsche den dritten Platz übernahm.

Heinrich hing nun hinter dem WRT-BMW #25 (Eng/Wittmann) von Marco Wittmann. "Als ich dort festhing, dachte ich zunächst, dass es dabei bleiben würde", so Heinrich. "Marco ist extrem hart gefahren und wir hatten sehr viel Blechkontakt. Dadurch war unser Auto leicht beschädigt, aber letztlich hatten wir immer noch eine überragende Pace danach."

Heinrich übernahm damit sogar die Führung in der IMSA-Gesamtwertung, nachdem er bei den ersten beiden Rennen der Saison für das Porsche-Werksteam Penske sowohl Daytona als auch Sebring gewonnen hatte. Er wird allerdings Stand jetzt die Watkins Glen International auslassen, weil er eigentlich für die 24 Stunden von Spa vorgesehen ist. Es wird sich zeigen müssen, ob der Sieg den Plan noch ändert.

Für JDC-Miller Motorsports ist es der erste Sieg im GTP-Zeitalter der IMSA SportsCar Championship. Das Team von John Church hatte im DPi-Zeitalter zwei Gesamtsiege geholt, einmal mit einem Oreca-LMP2 zu Zeiten der Prototypen-Einheitsklasse in Watkins Glen 2018 und zuletzt mit einem Cadillac DPi-V.R bei den 12 Stunden von Sebring 2021.

Den dritten Platz holte BMW gefolgt von Acura. In der GTD Pro gab es ebenfalls einen deutschen Sieg durch Christopher Mies und Frederic Vervisch im werkseingesetzten Ford Mustang GT3 Evo von Multimatic Motorsports.

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