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Nach Sebring-Doppelsieg: Estre und Nasr fetzen sich in Pressekonferenz

Porsche Penske Motorsport fährt die GTP-Klasse auch bei den 12 Stunden von Sebring 2026 in Grund und Boden - Doch nun geraten die Alphatiere des Teams aneinander

Nach Sebring-Doppelsieg: Estre und Nasr fetzen sich in Pressekonferenz

Nach dem Doppelsieg bei den 12 Stunden von Sebring krachte es bei Porsche teamintern

Foto: Porsche Porsche

Wer auf der Pressekonferenz im Anschluss an die 12 Stunden von Sebring 2026 eine PR-Show von Porsche zum abermaligen Doppelsieg in der IMSA SportsCar Championship erwartete, wurde am späten Samstagabend (Sonntagmorgen MEZ) eines Besseren belehrt. Denn die Atmosphäre im Team war angespannt.

Im Zentrum stehen die beiden Alphatiere auf den beiden werkseingesetzten Porsche 963: Felipe Nasr, seit Jahren der Platzhirsch im Porsche #7 in der IMSA, und Kevin Estre, der europäische Superstar von Porsche. Er wechselte im Zuge des WEC-Ausstiegs der Marke in die IMSA. Der Brasilianer und der Franzose eröffneten die teaminterne Rivalität nun bereits beim zweiten Saisonrennen.

Während Nasr zusammen mit Julien Andlauer und Laurin Heinrich seinen dritten Gesamtsieg beim Langstrecken-Klassiker in Florida feierte, kochten bei Kevin Estre die Emotionen hoch. Der Franzose, der sich die #6 mit Matt Campbell und Laurens Vanthoor teilte, ließ in der Pressekonferenz keinen Zweifel daran, dass er sich vom Schwesterauto um den Sieg betrogen fühlt.

Laut Estre gab es gut eine Stunde vor Ende des Rennens eine klare Anweisung vom Kommandostand. Da die #6 zu diesem Zeitpunkt auf frischeren Reifen unterwegs war und beide Autos Sprit sparen mussten, um ohne weiteren Stopp durchzukommen, sollte die Reihenfolge gedreht werden.

Doch Nasr sah das offenbar anders: Erst nach zwei Restarts setzte er die Teamorder um und ließ Estre vorbei. Doch er griff kurze Zeit später wieder an: Mit einem aggressiven Manöver in Kurve 17 setzte sich der Brasilianer wieder vor Estre - ein Manöver, das dem Franzosen zufolge so nicht abgesprochen war.

Estre frustriert: "Nicht gerade fair"

"Es gab eine Ansage vom Team, die nicht respektiert wurde. Ich habe mich an die Vorgaben gehalten und versucht, die Strategie zu optimieren, weil wir Benzin sparen mussten. Felipe hat sich für etwas anderes entschieden", sagt Estre.

Durch eine späte Gelbphase 16 Minuten vor dem Ende war das Thema Spritsparen letztlich hinfällig, doch in der verwirbelten Luft hinter dem Schwesterauto fand Estre im Schlussspurt keinen Weg mehr an Nasr vorbei. "Das ist der Grund, warum wir alle sehr frustriert sind. Es war von meiner Seite aus gesehen nicht gerade fair, aber so ist es nun mal."

Felipe Nasr hingegen gibt sich schmallippig und fokussiert sich lieber auf das Resultat als auf die teaminternen Misstöne. "Es wird immer verschiedene Versionen geben: meine Version, die des Teams und die der anderen Fahrer", so der Brasilianer trocken.

Angesprochen auf den Vorwurf der missachteten Teamorder, entgegnet er kurz angebunden: "Ich habe dazu ehrlich gesagt nicht viel zu sagen. Am Ende des Tages bin ich hier, um zu gewinnen. Ich habe es für das Team getan, das ist es, was zählt. Wir haben einen Doppelsieg eingefahren und wichtige Punkte für die gesamte Organisation geholt."

Woraufhin Estre entgegenet: "Wir haben das ganze Rennen über gekämpft. Wir wussten die ganze Zeit, dass das passieren könnte. Das ist immer so, wenn Teamkollegen gegeneinander antreten. Wir haben das gleiche Auto, die gleichen Stärken und Schwächen. Wir müssen auch an Porsche und Penske denken, die uns bezahlen, und das respektieren, was sie sagen. Mehr werde ich dazu nicht sagen."

Porsche erneut auf anderem Planeten

Der Schlagabtausch auf der Pressekonferenz brachte Würze in eine ansonsten ziemliche klare Angelegenheit bei den 12 Stunden von Sebring 2026. Die beiden in einem Retro-Design im Stile des Porsche 911 GT1 von 1996 versehenen Porsche 963 fuhren wieder einmal auf einem anderen Level als die Konkurrenz. Und das trotz einer schlechteren Einstufung in der Balance of Performance (BoP) im Vergleich zu Daytona.

Porsche operiert einfach in allen Belangen ein Stück höher als alle anderen IMSA-Hersteller. Womöglich stecken die Fahrer teamintern auch deshalb bereits ihre Claims ab. Wie schon im Vorjahr, als Penske die ersten vier Rennen hintereinander gewann, besteht erneut die Gefahr für die IMSA SportsCar Championship, vom deutschen Hersteller "zu Tode gesiegt" zu werden.

"Wir waren schnell, die Fahrer souverän und alle Teams haben optimal gearbeitet - besser können wir es uns nicht wünschen", sagt Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach nach dem 20. Sebring-Sieg von Porsche beim 75. Jubiläum von Porsche Motorsport.

Urs Kuratle, Leiter Werksmotorsport LMDh, ergänzt: "Wir sind mit unseren Triumphen in Daytona und Sebring wie im Vorjahr die Gewinner der '36 Stunden von Florida‘ - großes Kompliment an die Mannschaft. Von Simulation über Test bis hin zum Rennen: Alles hat gepasst."

Wie in einem Traum vorkommen muss sich Laurin Heinrich, der nach dem Daytona-Sieg nun auch den zweiten US-Sportwagenklassiker direkt beim ersten Angriff auf den Gesamtsieg gewonnen hat. "Nach Daytona nun auch Sebring gewonnen zu haben, ist ein einzigartiges Erlebnis. Das ist unfassbar. Unser Team hat wieder einmal deutlich gezeigt, wie stark es ist. Für mich ist es ein perfekter Tag", so sein Kommentar.

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