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Reaktion

Porsche gibt Ratel Recht: "Wollen keine GT3-Prototypen sehen"

Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach schlägt Alarm und stärkt SRO-Chef Stephane Ratel den Rücken - Entfernt sich die GT3 von ihren Wurzeln?

Porsche gibt Ratel Recht: "Wollen keine GT3-Prototypen sehen"

Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach warnt vor fatalen GT3-Entwicklungen

Foto: Brandon Badraoui / Lumen via Getty Images

Die Warnung von Stephane Ratel vor einer Fehlentwicklung der GT3-Klasse sorgt in der Motorsport-Welt für Aufsehen und trifft bei Porsche auf volle Zustimmung. Der SRO-Chef hatte davor gewarnt, dass ausufernde Kosten und der Trend zu extremen Fahrzeugkonzepten die Grundidee des GT3-Rennsports gefährden.

Gegenüber Motorsport.com USA, einer Schwesteredition von Motorsport-Total.com im Motorsport Network, verdeutlicht Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach am Rande des IMSA-Rennens in Road America, dass er Ratels Sorgen vollkommen teilt: "Ich bin fast in allen Punkten seiner Meinung. Ich habe lange mit ihm telefonieren können und stehe komplett hinter seiner Haltung."

Der Kern der Kritik liegt in der Entwicklung neuer Fahrzeugprojekte ab dem Jahr 2028. Hersteller wie Genesis, Mercedes und Toyota planen neue GT3-Programme, bei denen die Fahrzeuge primär als reinrassige Rennwagen konstruiert und anschließend nur in einer Kleinstserie als Straßenwagen homologiert werden sollen.

Ursprünglich war die GT3 jedoch genau umgekehrt gedacht: Großserien-Sportwagen sollten mit überschaubarem Aufwand in renntaugliche GT3-Boliden verwandelt werden. Für eine GT3-Homologation braucht es 300 Straßenfahrzeuge. Ratel reagiert seit dem Untergang der ursprünglichen GT1-Kategorie in den 1990er-Jahren und den Kontroversen um den Maserati MC12 in den 2000ern äußerst empfindlich auf das Thema GT-Prototypen.

Auch Laudenbach sieht die Gefahr für die erfolgreichste Rennwagen-Kategorie des 21. Jahrhunderts. Wenn Werke reine Prototypen an den Start bringen, könnten andere Hersteller gezwungen sein nachzuziehen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

"Wir müssen sehr vorsichtig sein. Wir haben die Tür wahrscheinlich schon zu weit geöffnet", mahnt Laudenbach. "Es sollte immer noch GT-Sport bleiben und bezahlbar sein. Wenn man sich anschaut, was wir tun, verfolgen wir eine sehr klare GT3-Philosophie. Unsere Preise sind nach wie vor fair."

Antonio Garcia, Alexander Sims

Corvette und Ford betreiben in der GTD Pro reinrassige Werkseinsätze

Foto: Lumen via Getty Images

Mit "Tür zu weit geöffnet" meint er die aktuelle Möglichkeit, dass GT3-Rennwagen und Straßensportwagen parallel entwickelt werden können, damit das GT3-Fahrzeug pünktlich zum Verkaufsstart des Straßenautos auf die Rennstrecke gehen kann. Gut aus Marketingsicht, aber im Grunde genommen bereits wieder ein GT-Prototyp.

Laudenbach stellt klar: "Ich möchte keine Prototypen sehen. Ich will es genau andersherum: Wir haben straßentaugliche Autos und leiten davon Rennwagen ab. Das ist das Wesen der GT3. Die aktuelle Tendenz gefällt mir nicht sonderlich."

Kritik an versteckten Werkseinsätzen

Um einer Fehlentwicklung entgegenzuwirken, fordert Laudenbach konkrete Gegenmaßnahmen. Ein Ansatzpunkt ist die geforderte Anzahl an gebauten Kundenfahrzeugen. Stephane Ratel hat vorgeschlagen, die Mindestanzahl auf mindestens 30 oder sogar mehr Fahrzeuge festzulegen.

Darüber hinaus übt der Porsche-Chef Kritik an Konkurrenten, die GT3-Einsätze unter dem Deckmantel des Kundensports als versteckte Werkseinsätze führen: "Es gibt Hersteller, bei denen es zwar offiziell Kundensport heißt, in Wahrheit aber werksseitiger Support dahintersteckt. Das ist für mich nicht die Natur dieses Sports."

Die Kritik dürfte sich in erster Linie auf die US-amerikanischen Hersteller in der GTD-Pro-Kategorie der IMSA SportsCar Championship beziehen. General Motors und Ford treten dort mit reinrassigen Werks-Engagements gegen Teams an, die lediglich Werksunterstützung genießen, aber eigenständig agieren.

Als Positivbeispiel nennt er die eigene Strategie in der IMSA-Serie: "Wir haben dort kein Werksteam in den GT-Klassen. Wir arbeiten mit Kundenteams wie AO Racing oder Manthey zusammen."

"Manthey ist ein Kunden-Team, das seine Marke in den USA präsentieren möchte, was ich großartig finde. Aber wir leisten in den GT-Klassen keinen Werks-Support." Werksseitiges Engagement beschränke Porsche bewusst auf die Prototypen-Klasse GTP.

Abschließend mahnt Laudenbach zur Wachsamkeit, um den langfristigen Erfolg der GT3 nicht aufs Spiel zu setzen: "Ich bin lange genug in diesem Geschäft, um zu wissen, wie schnell eine Rennserie zusammenbrechen kann. Es wäre extrem schade, wenn die GT3 kollabieren würde. Ich hoffe sehr, dass wir den richtigen Weg einschlagen."

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