Porsche sagt es IMSA durch die Blume: So kann es nicht weitergehen
Die seit Long Beach anhaltende schlechte Einstufung der Porsche 963 in der IMSA SportsCar Championship sorgt bei Porsche langsam für Frust
Die werkseingesetzten Porsche 963 sind in der IMSA seit geraumer Zeit chancenlos
Foto: Brandon Badraoui / Lumen via Getty Images
Mit der Wortwahl muss man vorsichtig sein. In der IMSA SportsCar Championship gilt seit der Saison 2026 derselbe Maulkorb bezüglich Kommentaren über die Balance of Performance (BoP) wie in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). So muss die Botschaft zwischen den Zeilen versteckt werden. Und die lautet: Porsche ist alles andere als glücklich darüber, wie die Saison 2026 seit Long Beach gelaufen ist.
Nach den Siegen von Porsche Penske Motorsport bei den 24 Stunden von Daytona und den 12 Stunden von Sebring erhielt der Porsche 963 die Mutter aller BoP-Keulen für Long Beach. Zweimal mussten die Werksautos mit dem Maximalgewicht von 1.100 Kilogramm antreten - ein Rekordwert in der GTP-/Hypercar-Kategorie.
Seitdem hat das Porsche-Werksteam nur noch einen Podestplatz geholt und ist seit vier Rennen ohne Podium, während Laurin Heinrich im privaten JDC-Miller-Porsche auf 2025er-Stand, der mit anderer Einstufung fuhr, drei Podien im selben Zeitraum mitnahm - inklusive des sensationellen Sieges auf dem Laguna Seca Raceway. Und das, obwohl ACO-Chef Pierre Fillon zufolge die BoP weniger als 30 Prozent des Resultats ausmachen soll.
Informierte Fans verspotten die BoP mittlerweile als eine "Balance of Results". Hinter vorgehaltener Hand wird auch gemunkelt, dass Cadillac den IMSA-Titel in diesem Jahr gewinnen soll - sei es aus patriotischen Gründen oder aus der Motivation heraus, dem langjährigen Kunden General Motors mal wieder ein kleines Dankeschön auszusprechen.
Laudenbach "nicht 100 Prozent zufrieden" mit IMSA
Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach antwortet auf die absteigende Formkurve seit Long Beach angesprochen: "Ja, vergleicht man es mit den vergangenen zwei Jahren, haben wir zwar alles gewonnen, was man gewinnen konnte, aber jetzt kann man wohl von Problemen sprechen. Ja, wir sind definitiv nicht mehr in der Position, in der wir letztes Jahr waren."
"Bevor ich antworte, möchte ich betonen, dass wir die Arbeit der IMSA sehr schätzen und respektieren, eine so wettbewerbsfähige Plattform zu bieten. Wir wissen, dass das keine leichte Aufgabe ist. Gleichzeitig halte ich es für extrem wichtig - für die Fans, für uns als Team und als Hersteller -, dass es eine transparente, konstante und vorhersehbare Plattform gibt."
"Wenn ich mir die Saison 2026 ansehe, war das nicht immer der Fall. Ich würde auch sagen, dass es Raum für Verbesserungen gibt. Alles in allem muss das besser werden. Wir sind nicht zu 100 Prozent zufrieden."
Packt man die Blume einmal beiseite, ist die Botschaft eindeutig: Wird Porsche in der IMSA weiter so behandelt wie bisher, hilft die IMSA sicherlich nicht dabei, den Vorstand in Stuttgart von einem Verbleib über 2027 hinaus zu überzeugen, wenn die Verträge auslaufen.
Und die IMSA ist in keiner Position, sich das leisten zu können: Die "Pause" des Acura-Werksprogramms hat die Meisterschaft schwer getroffen, da auch von den neuen WEC-Einsteigern bislang keine Programme zustande gekommen sind.
Genesis hat sein eigentlich für 2027 anvisiertes Programm auf 2028 verschoben, von McLaren und Ford gibt es derzeit keine IMSA-Absichten, und Stellantis hat einem US-Programm mit einem als Dodge rebrandeten Peugeot 9X8 eine Absage erteilt. Sollte bei Aston Martin das Update nicht zünden, muss auch hier die Frage gestellt werden, wie lange man sich mit dem Valkyrie noch verprügeln lassen will.
"Gleichzeitig wissen wir alle, dass die Welt nicht perfekt ist. Deshalb ist es wichtig, dass wir weiterhin einen sehr konstruktiven Dialog führen, um die Dinge dorthin zu bringen, wo wir sie alle haben wollen. Wir müssen zu einer wettbewerbsfähigen Plattform, spannenden Rennen und Chancengleichheit zurückkehren. Aber der Kernpunkt ist, dass wir daran gemeinsam mit dem Sportverband arbeiten müssen", so Laudenbach weiter.
Situation mit WEC-Ausstieg nicht vergleichbar
Auf Nachfrage von Motorsport.com USA, einer Schwesterpublikation von Motorsport-Total.com im Motorsport Netowork, ob sich nun widerspiegele, was zum Ausstieg von Porsche Penske Motorsport aus der FIA WEC geführt habe, weist Laudenbach jeglichen Vergleich zwischen den beiden Serien zurück:
"Nein, das möchte ich nicht vergleichen. Das ist eine andere Situation und der Umgang damit ist ein anderer. Ich würde es nicht mit der WEC vergleichen wollen. Wir behandeln die IMSA separat. Und wenn Sie mich fragen, ob wir mit allem dort zufrieden sind? Nein, sind wir nicht."
"Aber noch einmal: Wir führen regelmäßige Gespräche mit der IMSA, und wie gesagt, man muss versuchen, sich in ihre Lage zu versetzen. Sie versuchen, einen guten Job zu machen und das zu liefern, was wir haben wollen. Ist das Ergebnis immer das, was wir oder vermutlich sogar die IMSA will? Das glaube ich nicht. Es ist nicht einfach, aber für mich ist es etwas völlig Anderes als das, was wir in der WEC gesehen haben."

Thomas Laudenbach darf nicht offen über die BoP sprechen
Foto: Porsche AG
"Es ist auch eine andere Situation von den Autos her, die dort antreten. Würde ich gerne wieder in der Lage sein, Rennen zu gewinnen? Ja."
Auch Jonathan Diuguid ist mit der Situation nicht zufrieden und verweist auf die Tatsache, dass Porsche keine Poleposition seit Detroit mehr geholt hat - im Jahr 2024. "Das Team arbeitet an der Rennstrecke weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, aber uns fehlt es etwas an Performance", sagte Diuguid.
"Aus Ingenieurssicht - Thomas und ich sind beide Ingenieure - sind wir im Rennsport, weil wir schnell fahren wollen. Fakt ist aber, dass der 963 seit 2024 keine Poleposition mehr geholt hat. Wir steuern also auf mehr als zwei Jahre zu, in denen wir im Qualifying keine bessere Leistung als unsere Konkurrenten zeigen konnten."
"Wir haben uns also auf das konzentriert, was wir kontrollieren können, und das ist die Umsetzung der Rennen. Diese Rennen haben wir auf sehr hohem Niveau bestritten. Die Zuverlässigkeit des 963 war fantastisch. Ich denke, das hat sich in Daytona, Sebring und bei unseren dortigen Leistungen gezeigt."
"Wenn es aber um die Sprintrennen geht, fehlt uns ein wenig das Tempo. Jeder im Team hat extrem hart gearbeitet, und ich denke, man hat gesehen: Wenn wir alles hinbekommen und alles richtig läuft, können wir um Siege und Podiumsfeile kämpfen. Das war unser Ziel und darauf konzentrieren wir uns hier gegen Ende der Saison."
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