Rene Binder: Leistung von Fernando Alonso war "absolute Extraklasse"

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Rene Binder: Leistung von Fernando Alonso war
04.02.2019, 15:43

Im Interview spricht Rene Binder über seinen Start bei den 24 Stunden von Daytona und die Leistung von Fernando Alonso sowie seine weiteren Pläne

Technische Probleme und Strafen verhinderten für die Mannschaft von Rene Binder bei den 24 Stunden von Daytona ein Top-Resultat, doch der Österreicher blickt dennoch zufrieden auf seine Premiere beim Langstrecken-Klassiker in Florida zurück. Im Interview spricht Binder auch über die Performance von Fernando Alonso im Regen und blickt voraus auf seine nächsten Rennen in den USA und Europa

Frage: "Rene, wie groß ist die Enttäuschung über den 30. Gesamtrang, wie groß die Freude über Rang acht in der Königsklasse der Daytona-Prototypes International beziehungsweise über eure Zielankunft?"

Rene Binder: "Natürlich hätten wir lieber ein Wort um die Top 5 mitgeredet, aber auf der anderen Seite hing dieses Rennen für uns auch einige Male an einem seidenen Faden. Es war ein Problem an der Elektronik, das uns einige Male unplanmäßig an die Box gezwungen hat."

"Außerdem gab's zwei Durchfahrtsstrafen für meine Teamkollegen und einmal hat sich auch ein Rad selbständig gemacht. Alles Dinge, die bei einem 24-Stunden-Rennen passieren können. Aber zurück zu Ihrer Frage: Ja, ich denke positiv und bin fürs erste schon zufrieden, dass wir es bis ins Ziel geschafft haben. Die Verhältnisse waren ja alles andere als einfach."

Frage: "Es hat ab Sonntagmorgen wie aus Kübeln geschüttet, sodass das Rennen dann sogar vorzeitig abgebrochen werden musste. Eine richtige Entscheidung?"

Binder: "Absolut. Wie grenzwertig es war, zeigt allein die Anzahl der Unfälle. Man kann das Gefühl im Auto nur sehr schwer beschreiben, aber 'Blindflug' trifft es schon relativ gut."

Frage: "Fernando Alonso hat sich in dieser Phase sprichwörtlich als Regengott präsentiert und entscheidend zum Gesamtsieg von Wayne-Taylor-Racing beigetragen. Wie haben Sie die Vorstellung des zweifachen Formel-1-Weltmeisters erlebt?"

Binder:: "Ich war ja am Sonntag zur selben Zeit auf der Strecke und kann vor seiner Leistung nur den Hut ziehen. Das, was er da im Regen veranstaltet hat, war schon absolute Extraklasse. Immerhin habe ich zu diesem Zeitpunkt mit etlichen anderen Topfahrern mithalten können, wobei es für mich ja nur mehr darum ging, ohne Risiko ins Ziel zu kommen."

Frage: "Bei kaum einem anderen Autorennen ist die Konzentration an internationalen Stars größer als in Daytona: Mit wie viel Respekt begegnet man eigentlich Fahrern Alonso, Montoya, Pagenaud, Bourdais, Dixon, Rast oder Castroneves auf der Rennstrecke?"

Binder: "Im Fahrerlager begegnet man diesen Leuten mit großem Respekt, weil sie in unserer Sportart einfach großes erreicht haben, egal ob in der Formel 1, Indycar Serie, NASCAR oder in der DTM."

"Wenn man im Auto sitzt blendet man das allerdings komplett aus und fährt sein Programm eiskalt durch. Der größte von allen ist für mich übrigens Alex Zanardi, der mit seiner Geschichte und mit seiner positiven Einstellung auch viele Menschen außerhalb des Motorsports bewegt hat."

Frage: "In den USA steht der ehemalige Ganassi-Star mit seinen beiden CART-Titeln natürlich ganz besonders im Mittelpunkt und sogar über einem, der in der Formel 1 erfolgreich war. Ticken die Amerikaner richtig?"

Binder: "Das ist eine Frage der Sichtweise. Die Amerikaner finden Rennserien, in denen das Material relativ ausgeglichen ist, wo die Fahrer noch im Mittelpunkt stehen, einfach spannender. Das ist aus neutraler Sicht auch nachvollziehbar, wobei sie an Alonso einfach toll finden, dass er sich diesem Wettbewerb stellt und dann auch noch so erfolgreich ist. Und auch das sehe ich ganz genauso."

Frage: Zurück zu Juncos Racing. Ihr Rückstand betrug im Qualifying nur zwei Zehntel auf das spätere Siegerauto, aber dann musste Agustin Canapino das Rennen aus der Boxengasse starten..."

Binder: "Das Gaspedal blieb bei fünf Prozent offen, deshalb musste das System noch einmal neu kalibriert werden. Wir haben dann sehr schnell wieder Boden gut gemacht und waren, was die Rundenzeiten anging, auch auf Tuchfühlung mit den Schnellsten."

"Wie gesagt, hatten wir aber schon bald massive Probleme mit unserer Elektronik, die bei unserem Cadillac DPi-V.R vorher so noch nie aufgetreten sind. Obwohl unsere Techniker das Auto mit viel Feingefühl wieder in Gang gebracht haben, wurden wir weit zurückgereicht und sind dann eben unser eigenes Rennen gefahren."

Frage: "Juncos-Cheftechniker, Tom Brown, der in seiner Zeit bei Penske schon viele große Erfolge gefeiert hat, war anschließend von Ihrer Leistung sehr angetan."

Binder: "Tom ist ein unheimlich positiver Typ, der nicht nur mit den alten Hasen, sondern auch mit uns jungen Fahrern gut umgehen kann."

"Als sich mein Kollege, Will Owen, in einer langen Safety-Car-Phase am Funk beklagt hat, dass ihm so langweilig sei, hat er nur gemeint, jetzt kommt die Tom-Brown-Fragestunde und ihn mit einer Reihe von Fragen eingedeckt. Es ist sehr wichtig, solche Leute um sich zu haben, die einem sagen, was man falsch macht und was man gut macht. Und der Spaß kommt bei Tom auch nie zu kurz."

Frage: "Sie haben Ihr erstes 24-Stunden-Rennen fehlerfrei überstanden. Wie sind Sie mit der Umstellung, dem Fahren bei Nacht, der Müdigkeit und dem Zusammenspiel mit Ihren Teamkollegen zurechtgekommen?"

Binder: "Alles kein Problem. Wir haben eine sehr gute Chemie im Team, da gibt es keinen, der das Auto ohne Rücksicht auf Verluste über die Kerbs prügelt, nur um in einem freien Training einmal ein, zwei Zehntel schneller zu sein als die anderen."

"Die Müdigkeit war in der Nacht einmal kurz ein Thema, aber bei meinem letzten Stint hätte ich auch vier Stunden durchfahren können. Meine Stärken liegen eher im Ausdauerbereich, beziehungsweise in der Konstanz und am liebsten sind mir Rennen, in denen man auch mit den Reifen haushalten muss."

Frage: "Das heißt, Sie trauen Sich im Langstreckensport schon allein von Ihren Anlagen her einiges zu?"

Binder: "Es sieht so aus, als würden die Zutaten stimmen, aber ich bin natürlich noch mitten in einem Lernprozess, der noch einige Zeit dauern wird. Es ist mein Ziel, am Ende der Saison wieder einen Schritt weiter zu sein."

Frage: "Was heißt das konkret?"

Rene Binder: "Im IMSA-Endurance-Cup wird es schon etwas Glück brauchen, um in Sebring, Watkins Glen oder beim Petit Le Mans aufs Podium zu fahren. Aber wir haben mit Juncos Racing schon in Daytona einige Leute überrascht und werden einfach weiter am Gaspedal bleiben. In der ELMS werden wir mit Panis-Barthez-Competition hoffentlich ganz vorne mitfahren können. Mein großer Traum wäre es natürlich, ein Topresultat bei den 24 Stunden von Le Mans zu erreichen."

Frage: "Sie fahren in den USA einen werksunterstützten Cadillac DPi-V.R und beim Klassiker an der Sarthe einen Ligier JS P2, und das zum 50-jährigen Jubiläum des französischen Rennwagenherstellers..."

Binder: "Für mich ist das eine ganz besondere Saison mit zwei starken Marken, die im Rennsport sehr viele Fans und eine lange Tradition haben. Wir haben uns davon in Daytona schon ein Bild machen können, wo um die Cadillacs immer die meisten Fans gestanden sind. Und ich kann mir gut vorstellen, dass unser neues Ligier-Design, das genauer gesagt eher ein Retro-Design sein wird, auch Le Mans gut ankommt."

Frage: "Was steht bei Ihnen als nächstes auf dem Programm?"

Binder:"Es ist bei Panis-Barthez-Competition demnächst ein Sitz anzupassen, während in den USA schon wieder die Vorbereitungen auf die 12 Stunden von Sebring starten. Es wird mir also nicht langweilig, außerdem gibt es ja auch bei uns in der Firma einiges zu tun."

Mit Bildmaterial von LAT.

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