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Analyse

Zeitenanalyse 24h Daytona 2026: War Porsche wirklich so überlegen?

Der Aufschrei der Konkurrenz war schon im Rennen groß, dann aber gab es doch ein spannendes Finish beim Rolex 24 in Daytona 2026 - Was die nackten Zahlen sagen

Zeitenanalyse 24h Daytona 2026: War Porsche wirklich so überlegen?

Die Konkurrenz war dichter an Porsche dran, als es über weite Strecken des Rennens aussah

Foto: Getty Images

Die Worte waren deutlich: "Die spielen mit uns!", sagte Renger van der Zande schon am Samstagabend bei einer Medienrunde im Medienzentrum des Daytona International Speedways. Urs Kuratle, Leiter Werksmotorsport LMDh bei Porsche, entgegnete nach dem Rennen auf Nachfrage von Motorsport-Total.com hingegen: "Es sah dominanter aus, als es tatsächlich war. Davon bin ich überzeugt."

Porsche schien das ganze Rennen über unantastbar zu sein. Zwar wurden die werkseingesetzten 963 von Porsche Penske Motorsport im Rennen wie üblich durch die Gelbphasen eingefangen, setzten sich jedoch immer wieder schnell an die Spitze. Mal auf der Strecke, mal indirekt beim nächsten Boxenstopp.

Über weite Strecken des Rennens hatte Porsche also einen Vorteil bei der Pace. Das zeigen auch die Zeiten, wenn wir die 60 Prozent schnellsten Runden aller Fahrzeuge betrachten:

1. Penske-Porsche #7 - 1:38.104 Minuten

2. Penske-Porsche #6 - 1:38.265

3. AXR-Cadillac #31 - 1:38.283

4. WRT-BMW #24 - 1:38.379

5. MSR-Acura #93 - 1:38.386

6. WRT-BMW #25 - 1:38.511

7. WTR-Cadillac #10 - 1:38.545

8. MSR-Acura #60 - 1:38.585

9. WTR-Cadillac #40 - 1:38.641

10. JDC-Miller-Porsche #85 - 1:38.706

11. Thor-Aston-Martin #23 - 1:39.432

Schauen wir uns nur die zehn Prozent besten Runden an, ergibt sich folgendes Bild:

1. Penske-Porsche #6 - 1:37.272 Minuten

2. Penske-Porsche #7 - 1:37.275

3. AXR-Cadillac #31 - 1:37.320

4. MSR-Acura #93 - 1:37.384

5. WRT-BMW #24 - 1:37.428

6. WTR-Cadillac #10 - 1:37.450

7. WRT-BMW #25 - 1:37.507

8. MSR-Acura #60 - 1:37.622

9. WTR-Cadillac #40 - 1:37.628

10. JDC-Miller-Porsche #85 - 1:37.728

11. Thor-Aston-Martin #23 - 1:38.322

Porsche hat also in beiden Kategorien die Nase vorn. Interessant ist, dass der Penske-Porsche #6 (L. Vanthoor/Estre/Campbell) in den Top-10-Prozent besser dasteht als bei den Top 60. Das spricht dafür, dass die mögliche Beschädigung durch die LMP2-Berührung in der Anfangsphase sich eher im Verkehr ausgewirkt hat als in der Peak-Performance.

BMW kriegt die Kurve - im letzten Moment

Die positive Überraschung des Rennens schlechthin waren die BMW M Hybrid V8. Sie waren hinter den beiden Werks-Porsche und dem Action-Express-Cadillac #31 (Aitken/Bamber/Vesti/Zilisch)

die drittstärkste Kraft, was zu Lasten von Acura ging. Dass der Meyer-Shank-Acura #93 (van der Zande/Yelloly/Palou/Ohta) in den Top-10-Prozent besser abschneidet als im 60-Prozent-Schnitt, bestätigt die Befürchtungen von Acura: Über die Distanz bauten die Reifen stärker ab als bei der Konkurrenz.

BMW wiederum stand zunächst sowohl beim Vortest als auch am Rennwochenende ziemlich auf verlorenem Posten. Die Fahrer beschwerten sich, dass das Fahrverhalten nicht besser wurde. Erst im letzten Moment brachten Set-up-Änderungen das gewünschte Ergebnis.

WRT-Teamchef Vincent Vosse war außer sich vor Freude: "Was für eine Leistung vom Team. Es ist unglaublich, was alle Mitarbeiter von BMW M Motorsport und dem Team WRT geleistet haben. Ich kann jedem Einzelnen gar nicht genug danken." Diese Worte vom Teamchef des Inbegriffs des GT3-Erfolgsteams überhaupt sind nach einem dritten Platz bemerkenswert.

Auch die Fahrer waren von der Performance im Rennen völlig überrascht. "Das ist eines der überraschendsten Podien meiner Karriere", so Kelvin van der Linde. Dries Vanthoor, der im Vorjahr zu Beginn der Saison mit einer Poleserie auf sich aufmerksam machte, ergänzte, dass es "ein sehr unerwartetes Podium" gewesen sei. Robin Frijns und Rene Rast äußerten sich ähnlich.

Natürlich wäre es ein Leichtes, BMW Sandbagging im Vorfeld des Rennens zu unterstellen. Es hätte aber wenig Sinn gemacht, wenn ein neues Team bewusst Leistung zurückgehalten hätte, da es ja lernen will. Es ist tatsächlich wahrscheinlicher, dass WRT sich zunächst mit dem 2026er-Update verrannte, aber im letzten Moment an den richtigen Schrauben drehte.

In diesem Fall war viel WEC-Personal vor Ort, um dem US-Ableger von WRT auf die Beine zu helfen. Und das hat sich letztlich ausgezahlt, auch wenn sechs "Roar"-Sessions und drei Freie Trainings nötig waren, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Auf dieser erfolgreichen Problembehebung und dem Podiumsplatz kann BMW für die Zukunft aufbauen.

Für Wayne Taylor Racing sind die Zahlen hingegen ernüchternd. Beide Fahrzeuge waren regelmäßig langsamer als das baugleiche Auto von Action Express Racing. Ebenso enttäuschend war der Auftritt des Aston Martin, dem Hochgeschwindigkeitsstrecken nicht zu liegen scheinen.

Finaler Sprint: Der Action-Express erwacht

Natürlich zählt beim Rolex 24 vor allem der finale Spurt nach dem letzten Restart. Dieser dauerte diesmal zwei Stunden und 15 Minuten. Betrachten wir nur diesen Zeitraum und nehmen wieder die 60 Prozent schnellsten Runden, ergibt sich folgendes Ergebnis:

1. AXR-Cadillac #31 - 1:37.884 Minuten

2. Penske-Porsche #7 - 1:37.902

3. WRT-BMW #24 - 1:38.007

4. WRT-BMW #25 - 1:38.145

5. Penske-Porsche #6 - 1:38.181

6. MSR-Acura #93 - 1:38.204

7. MSR-Acura #60 - 1:38.244

8. WTR-Cadillac #40 - 1:38.336

9. WTR-Cadillac #10 - 1:38.383

10. JDC-Miller-Porsche #85 - 1:38.550

Der Aston Martin fehlt in dieser Statistik, da er bereits einen riesigen Rückstand hatte und in der letzten Stunde erneut zu einem langen Reparaturstopp an die Box kommen musste.

Zum ersten Mal steht Porsche nicht an der Spitze einer Pace-Statistik. Der Action-Express-Cadillac war minimal das schnellere Auto, aber Porsche gewann durch Track Position.

Somit lässt sich festhalten, dass das Fahren aus der Box unter Rot von Connor Zilisch durchaus den Cadillac #31 den Sieg gekostet haben könnte. Er verlor dadurch die Führungsrunde, die er erst wieder bei der achten von neun Cautions zurückerhielt. Vier Stunden blieben Action Express Racing, wieder durchs Feld zu pflügen, was dem V-Series.R auch gelang - mit Ausnahme des siegreichen Penske-Porsche #7 (Nasr/Andlauer/Heinrich).

Das könnte auch die scheinbare Dominanz von Porsche erklären. Weil dem Cadillac die Poleposition aberkannt wurde und Jack Aitken sich auch noch eine Durchfahrtsstrafe für einen Frühstart einfing, war der rote Caddy gar nicht auf dem Radar, als die beiden Porsche 963 ihre Show im ersten Stint lieferten, die für so große Diskussionen sorgte.

Durch die Strafe wegen Zilischs Rot-Vergehen verschwand der Cadillac auch nach dem Restart nach der langen Nebel-Caution ein zweites Mal im Nirgendwo. Das könnte Porsche dominanter haben erscheinen lassen, als sie es tatsächlich waren. Denn die #31 war das einzige Auto, das aus eigener Kraft mit den Porsche kämpfen konnte. Das dann aber auch richtig, wie der Schlusskampf zeigte.

Betrachten wir, welches Fahrzeug im letzten Stint gegen über dem Rest des Rennens am besten performt hat. Dafür ziehen wir wieder die besten 60 Prozent der Rundenzeiten im letzten Stint heran und setzen sie ins Verhältnis zu den besten 60 Prozent Rundenzeiten im gesamten Rennen. Ergebnis:

1. AXR-Cadillac #31 - 0,399 Sekunden schneller im letzten Stint

2. WRT-BMW #24 - 0,372

3. WRT-BMW #25 - 0,366

4. MSR-Acura #60 - 0,341

5. WTR-Cadillac #40 - 0,305

6. Penske-Porsche #7 - 0,202

7. MSR-Acura #93 - 0,182

8. WTR-Cadillac #10 - 0,162

9. JDC-Miller-Porsche #85 - 0,156

10. Penske-Porsche #6 - 0,084

Die Zahlen zeigen eindeutig, dass Porsche im Schlussspurt deutlich weniger zugelegt hat als die Konkurrenz. Zumindest der siegreiche Porsche #7 konnte noch zwei Zehntel im Durchschnitt schneller fahren und damit einen Acura und einen WTR-Cadillac knapp hinter sich lassen. Unterm Strich bleibt der Befund aber stehen.

Es gibt nur zwei logische Erklärungen: Entweder hat Porsche als einziger Hersteller von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Oder der Porsche 963 kam mit den außergewöhnlich warmen Bedingungen am Ende des Rennens nicht so gut zurecht wie die Gegner.

Bemerkenswert ist außerdem der Leistungsabfall des Penske-Porsche #6 (L. Vanthoor/Estre/Campbell), der sich mit großem Abstand am wenigsten in den letzten 135 Minuten verbesserte. Das Team bestritt in einer ersten Reaktion auf der Pressekonferenz, dass der Schaden der Grund dafür sei.

Kevin Estre bezieht sich in der offiziellen Pressemitteilung, die einige Stunden später versendet wurde, aber doch wieder auf den Schaden: "Leider hatten wir zu Beginn eine Berührung mit einem anderen Fahrzeug. Das Team konnte den Schaden nicht vollständig reparieren. So werden wir nie erfahren, wie gut unser 963 ohne diesen Zwischenfall abgeschnitten hätte."

Und Acura? Die ARX-06 sahen in der Nacht stark aus, doch je wärmer es wurde, umso weiter fielen sie zurück. Die #93 (van der Zande/Yelloly/Palou/Ohta) konnte im finalen Sprint kaum noch zulegen; die #60 (Blomqvist/Braun/Dixon/Allmendinger) fuhr deutlich schneller, kam aber von einem wesentlich niedrigeren Niveau (siehe Statistiken zu Beginn).

Somit lässt sich festhalten, dass beide Seiten irgendwie recht hatten. Porsche spielte in der Tat mit Acura. Aber der Sieg war bei weitem nicht so dominant, wie man nach den ersten 120 Minuten hätte denken können.

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