Erklärt: Das IndyCar-Punktesystem für die Rookie-Saison von Mick Schumacher
Überblick, wie das Punktesystem der IndyCar-Serie 2026 funktioniert: Grundlage, Bonuspunkte für Qualifying und Rennen, Ausnahme Indy 500 und ein Exkurs
Die IndyCar-Serie hat ein ganz eigenes Punktesystem mit diversen Bonuspunkten
Foto: Adam Adam
Die IndyCar-Serie als die Top-Formelrennserie in Nordamerika taucht zwar seit einigen Jahren in der Punktetabelle für das Erlangen einer FIA-Superlizenz auf, und hat dort Ende 2025 eine Aufwertung erfahren. Eine FIA-Rennserie ist die IndyCar-Serie - anders als Formel 1, Formel 2, Formel 3, Formel E, etc. - aber nicht.
Das Punktesystem der IndyCar-Serie, also das System, welches für die Gesamtwertung einer IndyCar-Saison herangezogen wird, ist seit jeher ein komplett eigenes. Es wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach verändert, je nach dem, welcher Dachverband (AAA, USAC, CART, IRL, ChampCar, IndyCar) gerade das Sagen hatte.
Die Saison 2026 der aktuellen IndyCar-Serie weist erstmals seit 2013 wieder einen deutschsprachigen Fahrer im Starterfeld auf: Mick Schumacher ist bei Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) als einer der drei Stammpiloten des Teams und als einer der insgesamt 25 IndyCar-Stammpiloten 2026 gesetzt für die komplette Saison mit ihren 18 Rennen auf 17 Strecken.
Wir geben nachfolgend einen Überblick, wie das aktuelle Punktesystem der IndyCar-Serie funktioniert, welche Bonuspunkte es in den Qualifyings und in den Rennen gibt, und welche Ausnahmen aktuell existieren. Letztgenannter Punkt betrifft den Saisonhöhepunkt: das Indianapolis 500, besser bekannt als Indy 500.
Das IndyCar-Punktesystem: Die Basispunkte im Rennen
Unabhängig davon, auf welchem Streckentyp - Oval, Rundstrecke, Stadtkurs - gefahren wird, gilt in der IndyCar-Serie seit der Saison 2013 in den Rennen grundsätzlich folgender Punkteschlüssel:
- Platz 1 im Rennen:50 Punkte
- Platz 2 im Rennen:40 Punkte
- Platz 3 im Rennen:35 Punkte
- Platz 4 im Rennen:32 Punkte
- Platz 5 im Rennen:30 Punkte
- Platz 6 im Rennen:28 Punkte
- Platz 7 im Rennen:26 Punkte
- Platz 8 im Rennen:24 Punkte
- Platz 9 im Rennen:22 Punkte
- Platz 10 im Rennen:20 Punkte
- Platz 11 im Rennen:19 Punkte
- Platz 12 im Rennen:18 Punkte
- Platz 13 im Rennen:17 Punkte
- Platz 14 im Rennen:16 Punkte
- Platz 15 im Rennen:15 Punkte
- Platz 16 im Rennen:14 Punkte
- Platz 17 im Rennen:13 Punkte
- Platz 18 im Rennen:12 Punkte
- Platz 19 im Rennen:11 Punkte
- Platz 20 im Rennen:10 Punkte
- Platz 21 im Rennen:9 Punkte
- Platz 22 im Rennen:8 Punkte
- Platz 23 im Rennen:7 Punkte
- Platz 24 im Rennen:6 Punkte
- Platz 25 im Rennen:5 Punkte
- Platz 26 im Rennen:5 Punkte
- Platz 27 im Rennen:5 Punkte
- Platz 28 im Rennen:5 Punkte
- Platz 29 im Rennen:5 Punkte
- Platz 30 im Rennen:5 Punkte
- Platz 31 im Rennen:5 Punkte
- Platz 32 im Rennen:5 Punkte
- Platz 33 im Rennen:5 Punkte
Das IndyCar-Punktesystem: Der Bonuspunkt im Qualifying
Zu den Punkten für die Platzierungen im Rennen kommen noch Bonuspunkte hinzu, wobei der erste Bonuspunkt schon im Qualifying vergeben wird, und zwar an den Polesetter.
Es ist unerheblich, ob es sich um ein Qualifying mit mehreren Segmenten (permanente Rundstrecken und temporäre Stadtkurse) oder um ein Qualifying mit nur einer Session (Ovale; Ausnahme Indy 500) handelt. Derjenige Fahrer, der im entscheidenden Qualifying-Segment der Schnellste ist, erobert die Poleposition und kassiert dafür einen Bonuspunkt:
- Platz 1 im Qualifying (Poleposition):1 Bonuspunkt
Das IndyCar-Punktesystem: Die Bonuspunkte im Rennen
Weitere Bonuspunkte werden verteilt für Führungsrunden im Rennen, wobei hier bis zu drei Punkte eingefahren werden können. Wieder ist es unerheblich, um welchen Streckentyp es sich handelt. Die Bonuspunkte im Rennen gelten für Ovale, Rundstrecken und Stadtkurse gleichermaßen (Die Strecken im IndyCar-Kalender 2026 im Detail).
Jeder Fahrer, der im Rennen mindestens eine Führungsrunde verbucht, bekommt einen Bonuspunkt. Es gibt aber nicht etwa für jede einzelne Führungsrunde einen einzelnen Punkt. Stattdessen kassiert jeder Fahrer, der mindestens eine Runde führt (also abgesehen vom Start mindestens einmal als Führender über die Start/Ziel-Linie fährt), zunächst einen Punkt.
Hinzu kommt: Derjenige Fahrer, der im Rennen die meisten Führungsrunden verbucht, bekommt darüber hinaus zwei weitere Bonuspunkte. Das macht allein für die Führungsrunden im Rennen also maximal drei Bonuspunkte:
- Mindestens eine Führungsrunde im Rennen:1 Bonuspunkt
- Die meisten Führungsrunden im Rennen:2 weitere Bonuspunkte
Zusammen mit dem Bonuspunkt für die Poleposition im Qualifying können an einem IndyCar-Rennwochenende also bis zu vier Bonuspunkte eingestrichen werden. Das heißt, die maximal mögliche Punktezahl an einem IndyCar-Rennwochenende liegt bei 54 Punkten (Ausnahme Indy 500).

In der Regel gibt es an einem IndyCar-Wochenende maximal 54 Punkte zu holen
Foto: Penske Entertainment
Die Maximalausbeute von 54 Punkten wird dann erreicht, wenn ein Fahrer im Qualifying mit der schnellsten Rundenzeit im finalen Qualifying-Segment (auf Rundstrecken und Stadtkursen das sechsköpfige Q3, bekannt als "Fast-Six") die Poleposition erobert, wenn dieser Fahrer tags darauf im Rennen die meisten Führungsrunden verbucht, und wenn dieser Fahrer schließlich noch den Rennsieg einfährt.
Sonderfall: Gibt es in einem Rennen zwei (oder mehr) Fahrer, die mit identischer Anzahl Führungsrunden die meisten Führungsrunden aufweisen, dann gehen die zwei Bonuspunkte für die meisten Führungsrunden an denjenigen mit dem besten Rennergebnis.
Zum bislang letzten Mal eingetreten ist dieser Sonderfall beim Saisonfinale 2017 in Sonoma. Die Renndistanz betrug 85 Runden. Josef Newgarden und Simon Pagenaud verbuchten jeweils 41 Führungsrunden (die übrigen drei Führungsrunden holte Conor Daly). Weil Pagenaud das Rennen als Sieger beendete und Newgarden als Zweiter, war allein Pagenaud derjenige, der die zwei Bonuspunkte für die meisten Führungsrunden bekam.
Das IndyCar-Punktesystem: Die Bonuspunkte im Indy-500-Qualifying
Eine Ausnahme hinsichtlich der Bonuspunkte bildet als Indy 500. Für das prestigeträchtigste Rennen im IndyCar-Kalender gilt zwar grundsätzlich derselbe Punkteschlüssel wie für alle anderen Rennen, inklusive der Bonuspunkte für die Führungsrunden. Die Bonuspunkte im Qualifying werden beim Indy 500 aber anders verteilt als in allen anderen Qualifyings der IndyCar-Saison.

Im Qualifying zum Indy 500 gibt es bis zu 12 Bonuspunkte (Foto: 1. Startreihe 2024)
Foto: Jeffrey Brown / Icon Sportswire via Getty Images
Denn beim Indy 500 gibt es einen Bonuspunkt nicht nur für den Polesetter, sondern es gibt Bonuspunkte für die Top 12 im Qualifying-Ergebnis. Diese Regel gilt seit der Saison 2022, als man das Qualifying-Format beim Indy 500 vom vorherigen Top-9-Shootout (2018 bis 2021) verändert hat zum Top-12-Shootout, woran sich seitdem als Krönung noch das finale Fast-6-Shootout anschließt.
Teilnahmeberechtigt am Top-12-Shootout sind am zweiten Qualifying-Tag (Sonntag des Qualifying-Wochenendes) die 9 Fahrer, die im Ergebnis des ersten Qualifying-Tages (Samstag des Qualifying-Wochenendes) die 9 schnellsten Fahrer waren, plus die 3 Fahrer, die im Final-15-Shootout am Sonntag die drei schnellsten waren. Herangezogen wird dafür nicht etwa eine einzige fliegende Runde, sondern vier fliegende Runden am Stück. Der daraus resultierende Vier-Runden-Schnitt bestimmt die Position im Ergebnis.
Ausschlaggebend für die Bonuspunkte ist aber nicht das Ergebnis von Qualifying-Tag 1, sondern das finale Qualifying-Ergebnis von Qualifying-Tag 2, dem sogenannten "Pole-Day". Das heißt, erst das endgültige Qualifying-Ergebnis nach dem Top-12-Shootout und nach dem finalen Fast-6-Shootout (wieder jeweils vier fliegende Runden am Stück) bestimmt über die Vergabe der Bonuspunkte im Indy-500-Qualifying:
- Platz 1 im Indy-500-Qualifying (Poleposition):12 Bonuspunkte
- Platz 2 im Indy-500-Qualifying:11 Bonuspunkte
- Platz 3 im Indy-500-Qualifying:10 Bonuspunkte
- Platz 4 im Indy-500-Qualifying:9 Bonuspunkte
- Platz 5 im Indy-500-Qualifying:8 Bonuspunkte
- Platz 6 im Indy-500-Qualifying:7 Bonuspunkte
- Platz 7 im Indy-500-Qualifying:6 Bonuspunkte
- Platz 8 im Indy-500-Qualifying:5 Bonuspunkte
- Platz 9 im Indy-500-Qualifying:4 Bonuspunkte
- Platz 10 im Indy-500-Qualifying:3 Bonuspunkte
- Platz 11 im Indy-500-Qualifying:2 Bonuspunkte
- Platz 12 im Indy-500-Qualifying:1 Bonuspunkt
Das wiederum heißt: Beim Indy 500 liegt die maximal mögliche Punktezahl nicht bei 54 Punkten, sondern bei 65 Punkten. Die 65 Punkte gibt es dann, wenn ein Fahrer mit seinem Vier-Runden-Schnitt im Fast-6-Shootout des Indy-500-Qualifyings die Poleposition erobert, wenn dieser Fahrer genau eine Woche später im Indy 500 die meisten Führungsrunden verbucht, und wenn dieser Fahrer schließlich noch den Indy-500-Sieg einfährt.
Was, wenn mehrere Fahrer punktgleich sind?
Eine Gemeinsamkeit mit FIA-Rennserien hat die IndyCar-Serie beim Punktesystem dann doch. Sind zwei (oder mehr) Fahrer am Ende einer Saison punktgleich, dann entscheiden die besseren Rennergebnisse darüber, welcher Fahrer in einem solchen "Tiebreak" in der Gesamtwertung weiter vorn platziert wird. Als erstes werden die Siege in der betreffenden Saison herangezogen. Herrscht auch hier Gleichstand, werden die zweiten Plätze herangezogen, und so weiter.

2015 entschied ein Tiebreak den Titelkampf Scott Dixon vs. Juan Pablo Montoya
Foto: Drew Hallowell / Getty Images
An der Spitze der IndyCar-Gesamtwertung ist der Fall eines Tiebreaks zum bislang letzten Mal eingetreten in der Saison 2015. Juan Pablo Montoya und Scott Dixon hatten nach dem letzten der damals 16 Rennen, dem Saisonfinale in Sonoma, die identische Anzahl an Punkten auf dem Konto. Den Ausschlag darüber, wer von beiden Champion wurde, gab die Anzahl der Saisonsiege.
Montoya hatte die Gesamtwertung damals vom ersten Saisonrennen bis zum Start des letzten Saisonrennens durchgehend angeführt und kam dabei auf zwei Saisonsiege. Dixon hingegen brachte es auf drei Saisonsiege. Dieser eine Sieg mehr war entscheidend dafür, dass letztlich Dixon, nicht Montoya, der IndyCar-Champion 2015 wurde.
Exkurs: Was aktuell keine Gültigkeit mehr besitzt
Hinweis: Abgebildet ist in der hier vorliegenden Übersicht zum IndyCar-Punktesystem ausschließlich das aktuelle Punktesystem, wie es in seinen Grundlagen seit der Saison 2013 gilt und mit dem Sonderfall der Top 12 im Indy-500-Qualifying seit der Saison 2022.
In den Jahren und Jahrzehnten vorher gab es mehrere andere Punktesysteme, die hier nicht abgebildet sind, weil sie aktuell keine Gültigkeit mehr besitzen. Nur so viel: Zu den nicht mehr gültigen Regeln zählten, neben einer Reihe anderer Bonuspunkte, unter anderem in jüngerer Vergangenheit auch doppelte Punkte für ausgewählte Rennen.
So gab es beispielsweise beim Indy 500 im Zeitraum 2014 bis 2022 für jede einzelne Platzierung im Rennergebnis doppelt so viele Punkte wie für das gleiche Rennergebnis in einem der anderen Rennen im IndyCar-Kalender.
Abgesehen davon gab es im Zeitraum 2015 bis 2019 auch beim jeweiligen Saisonfinale für jede Platzierung im Rennergebnis doppelt so viele Punkte wie üblich. Bonuspunkte (sowohl im Rennen als auch im Qualifying) waren von der Verdopplung ausgenommen.
Wer die Muße hat, die beiden weiter oben im Text erwähnten Sonderfälle der Führungsrunden aus Sonoma 2017 und des Punktegleichstands nach Sonoma 2015 in den beiden offiziellen Ergebnissen nachzuschlagen, der wird feststellen, dass in beiden Fällen vom Rennsieger weit mehr als die eigentlich maximal möglichen 54 Punkte abgestaubt wurden.
In Sonoma 2017 bekam Rennsieger Simon Pagenaud 103 Punkte, nicht etwa 53 Punkte (also 50 Punkte für den Sieg, plus 1 Punkt für eine Führungsrunde, plus 2 Punkte für die meisten Führungsrunden). Der Zweitplatzierte (und Polesetter) Josef Newgarden bekam damals 82 Punkte, nicht etwa 42 Punkte (also 40 Punkte für P2, plus 1 Punkt für eine Führungsrunde, plus 1 Punkt für die Pole).
In Sonoma 2015 bekam Rennsieger Scott Dixon, der auch die meisten Führungsrunden verbuchte, seinerseits 103 Punkte, nicht etwa 53 Punkte. Der Sechstplatzierte Juan Pablo Montoya bekam damals ohne eine einzige Führungsrunde 56 Punkte, nicht etwa 28 Punkte.
Diese Abweichungen sind darauf zurückzuführen, dass sowohl Sonoma 2017 als auch Sonoma 2015 als das Finalrennen der jeweiligen Saison genau in den Zeitraum an Jahren fielen, in denen es beim IndyCar-Saisonfinale doppelte Punkte auf das reine Rennergebnis (ungeachtet der Bonuspunkte) gab.
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