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"Früher war ich ein Arschloch": Grosjean blüht bei den IndyCars auf

Romain Grosjean schwärmt nach seinem ersten Testtag von der lockeren Atmosphäre in der IndyCar-Serie: Kuriose Vorstellung bei Teamkollege Ed Jones

"Früher war ich ein Arschloch": Grosjean blüht bei den IndyCars auf

Auch ein Abflug konnte die Laune von Romain Grosjean an seinem ersten Testtag in der IndyCar-Serie nicht trüben. Der frühere Formel-1-Pilot ging am Dienstag mit einem Grinsen im Gesicht durch das Fahrerlager des Barber Motorsports Park in Birmingham und schwärmte in der nachmittäglichen Medienrunde von der entspannten Atmosphäre.

Fotos: Romain Grosjeans erster IndyCar-Test

"Es ist deutlich anders als das, was ich gewohnt bin", kann sich Grosjean einen kleinen Seitenhieb in Richtung Formel 1 nicht verkneifen. Die neu entdeckte Lockerheit kommt auch in einer kleinen Anekdote zum Vorschein. So hat sich Grosjean nach eigener Aussage durchaus ungewöhnlich bei seinem neuen Teamkollegen Ed Jones vorgestellt.

"Ich habe ihm gesagt, dass ich früher als Teamkollege ein Arschloch war", sagt Grosjean. "Aber jetzt bin ich 35 und möchte freundlich sein. Wir haben gutes Verhältnis", betont er. "Auf der Strecke will man ihn schlagen, das steht außer Frage. Aber wenn wir abseits der Rennstrecke Freunde sein könnten, wäre das mega."

Wiedersehen mit Bourdais & Co.

Auch mit einigen anderen Piloten, die er zum Teil noch aus früheren Jahren in der Formel 1 kennt, feierte Grosjean am Dienstag ein Wiedersehen. "Ich hatte schon ein paar gute Gespräche mit Sebastien Bourdais. Er war [in der Boxengasse] gleich nebenan, daher war das einfach", berichtet Grosjean. "Auch Takuma Sato kam vorbei."

Im Mittelpunkt des ersten Testtages stand für Grosjean aber nicht das Wiedersehen mit alten Bekannten, sondern das Kennenlernen mit seinem Coyne-Honda, den der Franzose in dieser Saison bei 13 IndyCar-Rennen pilotieren wird.

"Ich musste mich an die neue Sitzposition gewöhnen, aber es hat sich recht schnell alles gut angefühlt", blickt Grosjean auf die ersten Runden im neuen Auto zurück. "Dann habe ich herausgefunden, wie viel Spaß es macht, ohne Servolenkung zu fahren. Ich bereue die ganzen Stunden im Fitnessstudio nicht, aber vielleicht sollte ich noch ein paar mehr einlegen."

Lenkung große Umstellung im Vergleich zur Formel 1

Die Lenkung sei eine der größten Umstellungen im Vergleich zur Formel 1. "Es ist auf jeden Fall die schwergängigste Lenkung, die ich seit langem gefahren bin. In den ersten Runden waren die Muskeln noch nicht aufgewärmt, aber am Ende ging es besser."

 

Leicht eingeschränkt ist Grosjean zudem noch durch die Brandverletzungen an der linken Hand, die er sich Anfang Dezember 2020 bei seinem schweren Unfall in der Startrunde des Grand Prix von Bahrain zugezogen hatte.

Diese waren laut seiner Aussage aber nicht der Grund für seinen Abflug am Vormittag, der ihn im Kiesbett von Kurve 1 stranden lies. "Ich war am Eingang zu schnell", sagt Grosjean. Darüber hinaus habe ein aus der Formel 1 gewohntes Fahrverhalten zum Abflug beigetragen.

Wie es zum Abflug kam

"Ich stand auf der Bremse und habe gleichzeitig ein wenig Gas gegeben, was ich in schnellen Kurven gewohnt bin. Weil es aber ein mechanisches Differential ist, macht es dabei auf und das Auto damit instabil, während man in der Formel 1 das Auto so stabilisiert", erklärt Grosjean den Unterschied. "Das war ein Lernprozess, anschließend habe ich es nicht mehr gemacht und es ging besser."

"Beim Testen will man das Limit herausfinden, und das habe ich in Kurve 1 gemacht. Ich war damit nicht glücklich, aber jetzt habe ich verstanden, was man in der Formel 1 machen kann und im IndyCar vielleicht nicht", so Grosjean.

Die Gewöhnung an die bei den IndyCars verwendete Cockpit-Schutzkanzel Aeroscreen sei hingegen kein große Problem gewesen. "Durch den Aeroscreen kommt weniger Luft ins Auto, daher wird es recht warm", so Grosjean. "Aber die Belüftungen am Helm und vorne im Cockpit funktionieren sehr gut."

Insgesamt fällt sein Fazit nach den ersten 83 Runden im IndyCar daher positiv aus: "Diese Autos zu fahren ist deutlich anstrengender, völlig anders als in der Formel 1, wo man nur mit den G-Kräften kämpft. Aber hier spürt man körperlich, wie schwer das Auto ist. Aber das macht mir nichts aus, es ist cool."

Mit Bildmaterial von IndyCar Series.

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