Hersteller-Dilemma: Mischt Alonso die IndyCar-Serie auf?

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Hersteller-Dilemma: Mischt Alonso die IndyCar-Serie auf?
Autor: David Malsher
Übersetzung: André Wiegold
18.09.2018, 12:24

Ein potenzieller Einstieg von Fernando Alonso in die IndyCar-Serie könnte ein Hersteller-Dilemma auslösen – Die Motorenfrage könnte der Knackpunkt sein

Fernando Alonso, Andretti Autosport Honda
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Alexander Rossi, Andretti Autosport Honda
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Zach Veach, Andretti Autosport Honda
Polesitter Ryan Hunter-Reay, Andretti Autosport Honda
Ryan Hunter-Reay, Andretti Autosport Honda

Fernando Alonso gehört zu den besten Formelfahrern auf der Welt und steht vor einem Einstieg in die IndyCar-Serie. Dennoch muss geklärt werden, mit welchem Motorenhersteller McLaren in die amerikanische Formelserie einsteigen oder Alonso starten könnte. Sollte diese Hürde nicht überwunden werden, hat der Spanier ein Problem, denn er muss schon bald eine Entscheidung über seine Zukunft treffen.

Sein Test im Barber Motorsports Park verlief gut. Doch es gibt einen Grund, warum der Ex-Formel-1-Weltmeister in einen IndyCar-Boliden mit Honda-Power stieg, das Honda-Logo auf dem Auto aber fehlte. Dazu muss jedoch zuerst der Hintergrund beleuchtet werden.

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Andretti und Alonso

Alonsos großes Ziel ist es, die Triple Crown, bestehend aus Siegen beim Grand Prix von Monaco, den 24 Stunden von Le Mans und dem Indy 500, zu holen. Sowohl Monaco als auch die 24h Le Mans kann der Spanier bereits abhaken. Bei seinem ersten Versuch im Jahr 2017, in Indianapolis zu gewinnen, sammelte Alonso 27 Führungsrunden. Mitten im Kampf um den Sieg machte dann der Honda-Motor schlapp.

McLaren-Geschäftsführer Zak Brown tut alles, um seinen Starpiloten bei Laune zu halten. Der Wechsel in der Formel 1 von Honda zu Renault hat nicht den erwünschten Effekt gebracht. Alonso wurde zudem erlaubt, beim WEC-Projekt von Toyota in der LMP1-Kategorie mitzumachen. Schon bei seinem ersten Le-Mans-Start sicherte sich der Spanier seinen erhofften Sieg.

Seitdem hat Alonso immer wieder davon gesprochen, wie gerne er wieder am Indy 500 teilnehmen würde. McLaren-Verantwortliche wurden schon in den USA gesichtet – insbesondere beim Lauf der IndyCar-Serie in Detroit. Mittlerweile soll das Team Pläne haben, erstmals seit 1979 wieder Vollzeit in der IndyCar-Serie zu starten. Allerdings würde auch ein einmaliger Start am Indianapolis Motor Speedway ebenfalls in Betracht gezogen.

Es gibt drei gute Gründe für McLaren, in die IndyCar-Serie einzusteigen. Erstens muss Alonso beschäftigt werden, wenn der Traditionsrennstall ihn halten will. Zweitens benötigt McLaren die Möglichkeit, seine Talente zwischenzuparken, sollte in der Formel 1 im Jahr 2021 wirklich eine Budgetobergrenze eingeführt werden. So könnte das Team seine wichtigen Ingenieure einfach in das IndyCar-Team transferieren. Drittens ist der US-Markt für McLaren sehr wichtig und mit einem Einstieg in die IndyCar-Serie würde die Marke viel Aufmerksamkeit in Nordamerika erhalten.

Eigenes Team oder Kooperation mit Andretti?

Wird McLaren ein eigens Team einsetzen oder mit Andretti Autosport zusammenarbeiten? Diese Frage scheint nicht geklärt. Es ist aber möglich, dass das britische Team selbst zwei Autos einsetzen werden wird – ob 2019 oder 2020 ist auch noch nicht bekannt. Scott Dixon und Will Power wurden angefragt. Meister Dixon hat aber schon bei Ganassi verlängert. Auch Power ist für McLaren nicht verfügbar, da er bei Penske verlängert hat.

Da McLaren seinen IndyCar-Einstieg noch immer nicht offiziell gemacht hat, laufen dem Rennstall jetzt mögliche Fahrer weg. Auch IndyCar-Größen wie Josef Newgarden, Ryan Hunter-Reay und Alexander Rossi sind in der kommenden Saison vertraglich an ihre Teams gebunden. Eine Möglichkeit wäre deshalb, nur ein Auto einzusetzen und mit einer Zusammenarbeit mit Andretti zu planen.

So wären sowohl Rossi als auch Hunter-Reay automatisch halbe Teamkollegen von Alonso, der so profitieren könnte. Das scheint für Brown und McLaren aktuell die einfachste Lösung zu sein, um einen Fuß in die amerikanische Formelserie zu bekommen. Seit 2016 hat Andretti immerhin eine gute Entwicklung hingelegt und sich stetig verbessert.

Das Problem

IndyCar begrüßte es, dass Alonso sich entschieden hat, die Formel 1 nach der Saison 2018 zu verlassen. Dieser Rückzug eröffnet dem Spanier die Tür, sich um ein Vollzeitengagement in der IndyCar-Serie zu bemühen. Allerdings ist die Wahl des Motorenlieferanten ein Problem, das den Einstieg des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters verzögern könnte.

Honda-Leistungschef Art St. Cyr sagt: "Alonso als Fahrer zu haben, ist für jedes Team und Hersteller eine große Bereicherung. Viele unserer Teams haben bereits einen Vertrag mit Honda für die Saison 2019 unterschrieben und deshalb arbeiten wir schon fast an der Kapazitätsobergrenze." Honda wolle allen Teams verlässliche Motoren liefern und deshalb sei es schwierig, weitere Teams in den Pool aufzunehmen.

Ist Honda überhaupt in der Lage, weitere Motoren für einen Start von Alonso zu liefern? St. Cyr bleibt wage, auch weil McLaren seinen Einstieg in die IndyCar-Serie noch gar nicht verkündet hat. Außerdem könnte auch der mäßige Erfolg von Honda mit McLaren in der Formel 1 ein Stein im Weg sein, denn Alonso hat sich in Vergangenheit oftmals lautstark über die Japaner beschwert.

Das WEC-Engagement könnte Honda ebenfalls ein Dorn im Auge sein, da Alonso immerhin für den Konkurrenten Toyota an den Start geht. Wegen der ungewöhnlichen Supersaison wird er noch mindestens bis Juni 2019 für das LMP1-Team von Toyota starten. Dieses Problem würde sich aber nach den 24h Le Mans 2019 selbst auflösen, sollte sich Alonso gegen weitere Rennen in der WEC aussprechen. In einem Statement von St. Cyr heißt es: "Sollte Alonso in die IndyCar-Serie einsteigen, werden wir natürlich schauen, was mir tun können und was nicht."

Eine Möglichkeit wäre, dass Alonso mit Chevrolet-Motoren an den Start geht – falls sich Honda weigert, den Spanier mit Antrieben zu versorgen. McLaren könnte trotzdem mit Andretti zusammenarbeiten und die Experten des Teams ausleihen und diese mit den eigenen Ingenieuren arbeiten lassen. Mit einer Firewall könnte verhindert werden, dass Ingenieure vertrauliche Informationen über den anderen Motorenhersteller weitergeben. Außerdem könnte der McLaren-Bolide bei Harding unterkommen – ein IndyCar-Team, das auf Motoren von Chevrolet setzt.

Ein Teambesitzer in der IndyCar-Serie hält dieses Szenario aber langfristig für unrealistisch. Er sagt gegenüber 'Motorsport-Total.com': "Es ist schwer daran zu glauben, dass ein Hersteller das mitmacht." Es besteht trotz aller Sicherheitsvorkehrungen trotzdem ein Restrisiko, dass sensible Daten in die falschen Hände geraten. Für das Wohl der Serie könnte eine solche Lösung dennoch kurzfristig interessant sein, aber die Marken werden das anders sehen.

Sollte McLaren mit Chevrolet zusammenarbeiten, könnte das Auswirkungen auf Andretti haben. Sollte das Traditionsteam in der IndyCar-Serie unbedingt mit McLaren zusammenarbeiten wollen, müsste es in diesem Fall nach der Saison 2019 auch zu Chevrolet wechseln, denn der Hersteller wird sicher nur einen mittel- bis langfristigen Vertrag mit McLaren eingehen.

Chevrolet-Motorsportdirektor Mark Kent sagt gegenüber 'Motorsport-Total.com': "Die IndyCar-Serie ist eine der besten im Motorsport. Das Level der Talente steigt von Jahr zu Jahr. Für die Serie wäre der Einstieg von Ex-Formel-1-Weltmeister Alonso eine Bereicherung." Da Chevrolet bereits eine erfolgreiche Vorgeschichte mit Andretti in der Vergangenheit hat, sei die Marke nicht abgeneigt, wieder mit dem Team in der IndyCar-Serie zusammenzuarbeiten.

Um das Problem zu lösen, muss sich etwas bewegen. Sollten McLaren und Alonso wirklich in der kommenden Saison in der IndyCar-Serie an den Start gehen, muss eine Lösung mit den beiden Motorenlieferanten und möglicherweise Andretti gefunden werden. Eine kurzfristige Lösung könnte nach der Saison 2019 durch einen langfristigen Plan abgelöst werden. 

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