IndyCar Detroit 2: McLaren-Pilot O'Ward entreißt Newgarden & Penske den Sieg

Patricio O'Ward erster zweimaliger Saisonsieger - Josef Newgarden nach langer Führung P2 - Oliver Askew vertritt Felix Rosenqvist, der Krankenhaus verlassen hat

IndyCar Detroit 2: McLaren-Pilot O'Ward entreißt Newgarden & Penske den Sieg

Patricio O'Ward (McLaren-Chevrolet) hat nach spektakulärer Schlussoffensive das Sonntagsrennen beim Double-Header der IndyCar-Serie auf der Belle Isle in Detroit für sich entschieden. Ins Rennen gegangen war der Mexikaner nach nicht optimal verlaufenem Qualifying nur vom 16. Startplatz. Zwei späte Gelbphasen aber brachten ihn in direkten Kontakt zur Spitzengruppe.

Drei Runden vor Schluss ging O'Ward mitsamt Berührung an Langzeitspitzenreiter Josef Newgarden (Penske-Chevrolet) vorbei - die Entscheidung. O'Ward ist damit beim achten Rennen der IndyCar-Saison 2021 der erste "Wiederholungstäter", sprich der erste Fahrer, der zwei Saisonsiege auf dem Konto hat. Und mit diesem zweiten Saisonsieg hat der Youngster in Diensten von McLaren SP auch ganz knapp die Tabellenführung übernommen.

FOTOS: IndyCar-Doppel in Detroit

ERGEBNIS: Rennen 2 beim IndyCar-Doppel in Detroit

Im Gegenzug wartet das erfolgsverwöhnte Penske-Team nach acht Rennen noch immer auf einen Sieg. Newgarden, der 67 der 70 Runden anführte, wurde immerhin Zweiter, ist damit aber alles andere als zufrieden. Den dritten Platz belegte Alex Palou (Ganassi-Honda), der damit zwar auf das Podium gefahren ist, die Tabellenführung aber trotzdem knapp an O'Ward verloren hat.

Hatte es in Rennen 1 am Samstag gleich zwei Rotphasen gegeben, so lief Rennen 2 am Sonntag planmäßig und ohne größere Verzögerungen ab. Gelbphasen gab es nur deren drei - die erste direkt in der ersten Runde und zwei weitere kurz vor Schluss.

Turbulente erste Runde - Grosjean zweimal mittendrin

Nach einem erneuten Qualifying am Sonntagvormittag war es Josef Newgarden, der das 25-köpfige Feld von der Pole ins zweite Rennen des Detroit-Doppels führte. Neben sich hatte er Colton Herta (Andretti-Honda). Und so ging es auch in die erste Kurve, in der Herta einen Angriff von Rinus VeeKay (Carpenter-Chevrolet) gerade so abwehren konnte.

Dahinter wurde der von P6 gestartete Romain Grosjean (Coyne-Honda) in der ersten Kurve zwischen Scott Dixon (Ganassi-Honda) und Alexander Rossi (Andretti-Honda) eingeklemmt. Abgesehen von ein wenig Zeitverlust für alle drei gab es keine weiteren Folgen.

Noch im Verlauf der ersten Runde aber wurde erstmals Gelb gezeigt. Ausgangs Kurve 3 war Max Chilton (Carlin-Chevrolet) auf James Hinchcliffe (Andretti-Honda) aufgefahren, nachdem dieser hatte verzögern müssen, weil Sebastien Bourdais (Foyt-Chevrolet) bei einem Angriff von Grosjean geblockt wurde. Chilton verlor den Frontflügel und musste nach Reparaturstopp mit Rundenrückstand hinterherhetzen.

 

Beim ersten Restart führte Newgarden vor Herta. Dritter war Alex Palou, weil VeeKay einer der wenigen war, die erste Gelbphase direkt zum Reifenwechsel genutzt hatte. Im Hinterfeld aber geriet der Niederländer in Kurve 7 mit Ganassi-Pilot Marcus Ericsson, dem Sieger von Rennen 1 am Samstag, aneinander und musste erneut die Box aufsuchen.

Spitzenreiter Newgarden mit Reifennachteil

In der 20. von 70 Runden führte Newgarden die Spitzengruppe zum ersten Boxenstopp. An der Reihenfolge änderte sich nichts. Derjenige, der diesen Stopp am längsten hinauszögerte, war Newgardens Penske-Teamkollege Will Power. Der Australier kam nach verpatztem Qualifying nur vom 20. Startplatz. Als er in der 26. Runde die Boxengasse ansteuerte, tat er das an zweiter Stelle liegend. Nach seinem Stopp reihte sich Power an achter Stelle ins Feld ein.

Josef Newgarden

Josef Newgarden führte von der Pole gestartet lange, wurde aber "nur" Zweiter

Foto: Motorsport Images

Während Newgarden weiterhin führte, kamen die Verfolger - Herta, Palou und Graham Rahal (Rahal-Honda) - in der 45. Runde zum zweiten Boxenstopps, der planmäßig der letzte war. Alle drei ließen die harten Reifen (Blacks) aufziehen. Spitzenreiter Newgarden kam einen Umlauf später, in Runde 46, musste dabei aber die ungeliebten weichen Reifen (Reds) aufziehen lassen. Mehr noch: Weil er keinen frischen Satz mehr hatte, musste der Penske-Pilot den Satz nehmen, mit dem er wenige Stunden zuvor auf die Pole gefahren war.

Mit diesem Reifennachteil ging Newgarden mit gut drei Sekunden Vorsprung auf Herta in die letzten gut 20 Runden. Dieser Vorsprung wurde von Herta zügig eingedampft. 18 Runden vor Schluss fuhr der Andretti-Youngster schon direkt im Windschatten des führenden Penske-Piloten. Zwei Runden später gab es Gelb. Grund war ein Dreher von IndyCar-Rookie Jimmie Johnson (Ganassi-Honda) in Kurve 1. So musste sich Newgarden mit seinem Reifennachteil auch noch bei einem Restart verteidigen.

O'Wards Schlussoffensive bringt den Sieg

Newgarden verteidigte die Führung beim Restart gegenüber Herta, musste aber nur eine halbe Runde später wieder Tempo herausnehmen, weil es eine weitere Gelbphase gab (Dreher von Romain Grosjean nach Bremsproblemen). Auch den folgenden Restart erwischte Newgarden souverän und verteidigte die Spitze gegenüber Herta. Den Sieg hatte er damit aber noch lange nicht zum Greifen nah.

Denn Patricio O'Ward machte beim letzten Restart zwei Positionen gut, indem er Rahal und Palou überholte. Wenig später ging O'Ward in Kurve 7 auch noch an Herta vorbei und lag damit an zweiter Stelle direkt hinter Spitzenreiter Newgarden. So ging es in die letzten fünf Runden des Rennens.

Drei Runden vor Schluss war es soweit. Ausgangs Kurve 6, und somit eingangs der geschwungenen Gegengerade, geriet Newgarden mit seinen arg strapazierten weichen Reifen stark ins Übersteuern. O'Ward ließ sich nicht zweimal bitten und zog - mitsamt Berührung - vorbei.

 

Die Autos hielten und so brachte Patricio O'Ward seinen zweiten Saisonsieg nach Fort Worth ins Ziel. Josef Newgarden rettete den zweiten Platz gerade so über die Linie. Alex Palou wurde Dritter, gefolgt von Herta, der als Vierter nicht nur den möglichen Sieg, sondern sogar das Podest verpasst hat. Graham Rahal belegte den fünften Platz.

Will Power, der auch den zweiten Boxenstopp am längsten hinausgezögert hatte, beendete das Rennen vom 20. Startplatz kommend auf P6. Marcus Ericsson, der am Samstag seinen ersten IndyCar-Sieg errungen hat, schaffte es am Sonntag nach problembehaftetem Qualifying (Startplatz 22) und der frühen Kollision mit Rinus VeeKay letztlich noch auf dem neunten Platz hinter Ganassi-Star Scott Dixon (7.) und Simon Pagenaud (Penske-Chevrolet; 8.) und vor Santino Ferrucci (Rahal-Honda; 10.).

Jimmie Johnson mit bisher bestem Rennen, aber mit Dreher

Bestplatzierter in Reihen der drei IndyCar-Rookies war am Sonntag Scott McLaughlin (Penske-Chevrolet). Aber auch er realisierte diesmal nur P20. Jimmie Johnson zeigte über weite Strecken sein bisher bestes IndyCar-Rennen. Bei seinem Dreher aber, der 16 Runden vor Schluss an 19. Stelle liegend passierte, würgte er seinen Ganassi-Boliden ab und verlor einiges an Zeit. Ins Ziel kam Johnson direkt hinter McLaughlin auf P21.

 

Romain Grosjean, der direkt in der ersten Runde bei zwei haarigen Situationen mittendrin war, fing sich kurz vor Halbzeit des Rennens eine Durchfahrtsstrafe ein. In Kurve 6 hatte er Jack Harvey (Shank-Honda) in einen Dreher geschickt. Der Brite, der gerade aus der Box gekommen war, fing sich dabei einen Platten ein und musste direkt nochmal bei seiner Crew vorfahren. Am Ende wurde es P19 für Harvey.

Grosjean hatte weniger Glück. Weil in der Schlussphase noch die Vorderradbremsen seines Coyne-Honda abfackelten, kam der Franzose wie schon im Samstagsrennen abermals nicht ins Ziel.

Askew springt kurzfristig für Rosenqvist ein

Felix Rosenqvist, der in Rennen 1 am Samstag einen schweren Unfall hatte, musste die Nacht im Krankenhaus verbringen, hat dieses laut Informationen des Teams aber am Sonntag verlassen. Knochenbrüche hat der Schwede keine erlitten, fahren durfte er am Sonntag aber nicht gleich wieder.

 

Trotzdem war der McLaren-Chevrolet mit der Startnummer 7 auch am Sonntag im Einsatz. Im Cockpit saß Oliver Askew, der Ende 2020 bei McLaren SP zugunsten von Nachfolger Rosenqvist entlassen wurde. Auf seine für den Moment einmalige Rückkehr ins Team war Askew überhaupt nicht vorbereitet. Er war nur "zufällig" überhaupt in Detroit, wo er sich in erster Linie um den Nachwuchs in der Indy-Lights-Serie kümmerte.

Für sein ganz kurzfristiges IndyCar-Comeback musste Askew auf einen Overall von Juan Pablo Montoya und auf Schuhe von Alex Palou zurückgreifen! Abgesehen davon war auch der Stadtkurs in Detroit Neuland für ihn, er musste ihn mal eben im Qualifying am Sonntagvormittag kennenlernen.

Trotz dieser diversen Handicaps zeigte Askew ein abgeklärtes Rennen. Elf Runden vor Schluss aber musste er mit einem Defekt abstellen und schloss daher noch hinter Romain Grosjean auf dem 25. und letzten Platz ab. Ob Stammfahrer Rosenqvist am kommenden Wochenende wieder fahren wird, steht noch nicht fest. Der Sieg von Teamkollege O'Ward wird ihm aber sicherlich Auftrieb geben.

In der IndyCar-Gesamtwertung 2021 liegt Patrico O'Ward nach acht Saisonrennen mit gerade mal einem Punkt Vorsprung auf Alex Palou an der Spitze. Weiter geht es im IndyCar-Kalender 2021 am kommenden Wochenende auf der populären Naturrennstrecke Road America in Elkhart Lake.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
IndyCar Detroit 1: Ericsson siegt - Rosenqvist nach Crash im Krankenhaus

Vorheriger Artikel

IndyCar Detroit 1: Ericsson siegt - Rosenqvist nach Crash im Krankenhaus

Nächster Artikel

Kevin Magnussen: IndyCar-Debüt als McLaren-Ersatz für Felix Rosenqvist

Kevin Magnussen: IndyCar-Debüt als McLaren-Ersatz für Felix Rosenqvist
Kommentare laden