IndyCar-Finale 2021 Long Beach: Titel für Alex Palou bei Sieg für Colton Herta

Alex Palou in seiner zweiten IndyCar-Saison der Champion - Patricio O'Ward unverschuldet aus Titelkampf gerissen - Colton Herta gewinnt Finale

IndyCar-Finale 2021 Long Beach: Titel für Alex Palou bei Sieg für Colton Herta

Alex Palou ist der IndyCar-Champion 2021! Beim erstmals in Long Beach ausgetragenen Finalrennen, das von Colton Herta (Andretti-Honda) gewonnen wurde, genügte dem 24-jährigen Spanier in Diensten von Chip Ganassi Racing ein abgeklärt herausgefahrener vierte Platz, um sich in seiner zweiten IndyCar-Saison und seiner ersten für Ganassi direkt den Titel zu sichern.

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Dieses Team ist einfach unglaublich. Ich bin einfach nur überglücklich!", so die ersten Worte von Palou, der in der IndyCar-Geschichte der erste Champion aus Spanien ist. Seine IndyCar-Rookie-Saison 2020 hatte Palou für Dale Coyne Racing bestritten. Ein Jahr später ist er derjenige, der den bereits 14. IndyCar-Titel für Chip Ganassi an Land gezogen hat.

FOTOS: IndyCar-Finale 2021 in Long Beach

ERGEBNIS: IndyCar-Finale 2021 in Long Beach

Josef Newgarden (Penske-Chevrolet), der mit 48 Punkten Rückstand auf Palou als Tabellendritter nach Long Beach gekommen war, beendete das Finale von der Pole gestartet auf P2. Damit hat der US-Amerikaner, der in den Jahren 2017 und 2019 Champion war, noch den Vizetitel erobert. Auf Champion Palou fehlen Newgarden unterm Strich 38 Punkte.

Hingegen musste der mit 35 Punkten Rückstand auf Palou als Tabellenzweiter zum Finale gekommene Patricio O'Ward (McLaren-Chevrolet) seine Titelhoffnungen ohne eigenes Verschulden schon früh begraben. Der Mexikaner schließt die Saison nach Ausfall beim Finale mit letztlich 62 Punkten Rückstanda auf Palou gar nur als Gesamtdritter ab.

O'Ward in Runde 1 von Jones umgedreht - Palou kommt knapp davon

Tabellenführer Alex Palou startete das letzte Saisonrennen von P10 in der Startaufstellung, während Verfolger Patricio O'Ward von P8 losfuhr und der nur noch mit rechnerischen Titelchancen angetretene Josef Newgarden von der Pole ins Rennen ging.

 

Nachdem Michael Andretti als "Grand Marshal" das Startkommando gegeben hatte, bog Polesetter Newgarden vor dem schon vor dem Start entthronten Vorjahreschampion Scott Dixon (Ganassi-Honda) in die erste Kurve ein. Dahinter ging zunächst alles gut, aber nur bis in die Haarnadelkurve.

Titelkandidat O'Ward wurde in eben dieser Haarnadel am Ende der ersten Runde in einen Dreher geschickt. Ed Jones (Coyne-Honda) hatte versucht, James Hinchcliffe (Andretti-Honda) zu überholen und dabei das Heck von O'Wards McLaren-Chevrolet erwischt. Das Ganze passierte direkt vor den Augen von Tabellenführer Palou, der hinter Jones und Hinchcliffe fuhr. Jones als der Auslöser der Kollision kassierte eine Durchfahrtsstrafe.

 

Für O'Ward ging es zum Check auf Beschädigungen an die Box, wobei er Glück hatte, dass er dies unter Gelb erledigen konnte. Beim Restart führte Newgarden als der mit denkbar geringen Chancen ausgestattete dritte Titelkandidat wieder vor Dixon. Palou fuhr an achter Stelle, O'Ward nach seinem frühen Boxenstopp nur an 25. Stelle im 28-köpfigen Feld.

Newgarden kontrollierte das Feld in der Anfangsphase vor Dixon, Helio Castroneves (Shank-Honda), Romain Grosjean (Coyne-Honda) und Felix Rosenqvist (McLaren-Chevrolet). Den stärksten Vorwärtsdrang entwickelte derweil Colton Herta, der nach verpatztem Qualifying nur von P14 gestartet war, nach 15 Runden aber schon an den Top 5 kratzte.

O'Ward mit Folgeschaden out und sauer auf Jones

Nach 18 Runden verabschiedete sich der erste der drei Titelkandidaten aus der Entscheidung. O'Ward rollte mit seinem McLaren-Chevrolet auf Höhe Start/Ziel ohne Vortrieb aus. Die rechte Hinterradaufhängung, und insbesondere die Antriebswelle, hatte beim frühen Kontakt durch Jones doch Schaden genommen.

 

Entsprechend sauer klang die erste Reaktion von O'Ward im TV-Interview mit 'NBCSN' mit Blick auf Jones, während dieser noch im Rennen war: "Das ist nicht das erste Mal, dass er mich getroffen hat. Es ist auch nicht das erste Mal, dass er in dieser Saison etwas Dummes gemacht hat. Ich wünschte, er könnte seinen Kopf ein wenig mehr einschalten und zumindest Respekt vor denjenigen zeigen, die um den Titel kämpfen."

Patricio O'Ward

Frust für Patricio O'Ward, der früh draußen war und nicht mal Vizechampion ist

Foto: Motorsport Images

Zwar kehrte O'Ward später noch einmal für ein paar Runden ins Rennen zurück, aber vergebens. Für alle anderen wurde nach 18 Runden Gelb gezeigt und diese zweite Gelbphase wurde von Spitzenreiter Newgarden, Verfolger Dixon und auch Tabellenführer Palou sofort zum ersten Boxenstopp genutzt. Grosjean kam am Ende dieser Gelbphase ebenfalls an die Box. Hingegen blieben Castroneves, Rosenqvist und Co. auf der Bahn.

Herta gewinnt nach Laguna Seca auch Long Beach

So führte Castroneves das Feld vor Rosenqvist zum zweiten Restart. Aber ein im Duell mit Alexander Rossi (Andretti-Honda) passierter Abflug von Marcus Ericsson (Ganassi-Honda) in die Reifenstapel von Kurve 1 brachte direkt die dritte Gelbphase heraus. Während Castroneves abermals draußen blieb, kamen alle anderen, die noch nicht gestoppt hatten, an die Box.

Beim dritten Restart führte Castroneves vor Graham Rahal (Rahal-Honda) und dem von der Pole gestarteten Penske-Piloten Newgarden. Dahinter machte Herta weiter Dampf und fuhr an Dixon vorbei auf die vierte Position nach vorn. Wenig später bremste sich der Andretti-Pilot auch an Newgarden vorbei und war Dritter. Und als Castroneves und Rahal nach gut 30 Runden schließlich unter Grün an die Box kamen, lag Herta in Führung, gefolgt von Newgarden und Dixon. Palou fuhr an fünfter Stelle hinter Hinchcliffe und damit klar auf Titelkurs.

Colton Herta

Colton Herta gewann eine Woche nach Laguna Seca auch das Finale in Long Beach

Foto: Motorsport Images

Der zweite routinemäßige Boxenstopp wurde in der 54. Runde unter Grün eingelegt. Spitzenreiter Herta, Verfolger Newgarden und auch Tabellenführer Palou zählten zu denjenigen, die in ein und derselben Runde zum Service kamen. Indes blieben Dixon und Grosjean eine Runde länger draußen, bevor auch sie unter Grün die Box aufsuchten. Andere blieben noch ein paar Runden länger auf der Bahn.

Newgarden holt mit P2 im Rennen noch den Vizetitel

Kurze Zeit später sorgte ein Abflug von Oliver Askew (Rahal-Honda) nach Berührung mit Conor Daly (Carpenter-Chevrolet) am Ende der Gegengerade für die insgesamt vierte Gelbphase des Tages. Zu diesem Zeitpunkt lag Askews Teamkollege Graham Rahal in Führung, weil er letzten routinemäßigen Boxenstopp noch nicht eingelegt hatte. Er stoppte bei dieser Gelegenheit im Gegensatz zu den anderen unter Gelb.

So ging es mit Herta an der Spitze zum letzten Restart. Er führte das Feld weiter vor Newgarden und Dixon an. Dahinter fuhr Palou schon an vierter Stelle, weil Hinchcliffe im Zuge des Boxenstopps Boden verloren hatte. Dabei blieb es.

Josef Newgarden, Patricio O'Ward, Alex Palou

Drei Titelkandidaten traten zum Finale an: Alex Palou setzte sich klar durch

Foto: Motorsport Images

Colton Herta beendete die Saison mit einem zweiten aufeinanderfolgenden Sieg nach Laguna Seca. Josef Newgarden, der mit nur 0,588 Sekunden Rückstand als Zweiter ins Ziel kam, hat sich damit noch den Vizetitel gesichert. Vorjahreschampion Scott Dixon fuhr als Dritter beim Finale ebenfalls auf das Podium. Der ganz große Gewinner aber ist Alex Palou, der mit P4 seinen ersten IndyCar-Titel unter Dach und Fach gebracht hat.

Scott McLaughlin gewinnt die Rookie-Wertung 2021

Während Palou den Titel eingefahren hat, wurde die Wertung des punktbesten Rookies der Saison von Scott McLaughlin gewonnen. Der dreimalige Supercars-Champion zeigte in seiner ersten IndyCar-Saison überraschenderweise im Oval seine stärksten Leistungen, kam in der zweiten Saisonhälfte aber auch auf den Rundstrecken und Stadtkursen besser zurecht als noch zu Beginn. Das Finale in Long Beach schloss McLaughlin auf P11 ab.

Scott McLaughlin

Supercars-Champion Scott McLaughlin (Penske-Chevrolet): IndyCar-Rookie des Jahres 2021

Foto: Motorsport Images

Indes musste Romain Grosjean, der McLaughlin den Rookie-Titel trotz drei Rennen weniger noch hätte streitig machen können, nach einem eingangs der Gegengerade passierten Mauerkontakt einen außerplanmäßigen dritten Boxenstopp einlegen. Dabei verlor der ehemalige Formel-1-Pilot drei Runden. Wenig später war komplett Feierabend. Die Rookie-Wertung schließt Grosjean somit als Zweiter ab. Allerdings hatte er angesichts der Position, auf der McLaughlin fuhr, ohnehin keine ernsthafte Chance mehr, sie noch zu gewinnen.

 

Und Jimmie Johnson (Ganassi-Honda) als der dritte namhafte Rookie im diesjährigen IndyCar-Feld beendete das letzte Rennen seiner ersten IndyCar-Saison auf P17 im 28-köpfigen Feld. Für den siebenmaligen NASCAR-Champion war Long Beach das Heimrennen. Genau wie McLaughlin, so verzeichnete auch Johnson in der zweiten Saisonhälfte sichtbare Fortschritte und es gelang ihm, seinen Rückstand auf die IndyCar-Routiniers zu verringern.

Für zahlreiche Piloten im Feld war das Saisonfinale 2021 das letzte Rennen in Diensten ihres jeweiligen Arbeitgebers. Simon Pagenaud kam bei seinem letzten Rennen als Penske-Pilot auf P5 ins Ziel. Jack Harvey schloss sein letztes Rennen für Meyer Shank Racing auf P7 ab. James Hinchcliffe beendete sein letztes Rennen für Andretti Autosport auf P14, Teamkollege Ryan Hunter-Reay auf P23 Und Grosjean, der ab 2022 für das Andretti-Team fahren wird, kam bei seinem letzten Rennen für Dale Coyne Racing wie schon erwähnt nicht ins Ziel.

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Mit Long Beach als wohl einmaligem Austragungsort für ein Finale ist die IndyCar-Saison 2021 nach 16 von ursprünglich 17 geplant gewesenen Rennen zu Ende gegangen. Die Saison 2022, für die aufs Neue 17 Rennen angesetzt sind, beginnt am 27. Februar in St. Petersburg (Florida).

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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