IndyCar Laguna Seca: Herta siegt, Grosjean P3, Vorteil Palou

Während Colton Herta einen weiteren Laguna-Seca-Sieg erringt und Romain Grosjean auf das Podest stürmt, verringert sich Kreis der Titelanwärter vor dem Finale

IndyCar Laguna Seca: Herta siegt, Grosjean P3, Vorteil Palou

Das vorletzte Rennen der IndyCar-Saison 2021, der Firestone Grand Prix von Monterey auf dem Laguna Seca Raceway, sah am Sonntag eine turbulente Startphase und eine packende Schlussphase.

Als nach 95 Runden abgerechnet wurde, hatte Colton Herta (Andretti-Honda) seinen Sieg von 2019 wiederholt, IndyCar-Rookie Romain Grosjean (Coyne-Honda) auf spektakuläre Art und Weise seinen dritten Podestplatz eingefahren und Alex Palou (Ganassi-Honda) einen großen Schritt in Richtung des IndyCar-Titels 2021 gemacht.

FOTOS: IndyCar auf dem Laguna Seca Raceway

Der Kreis der Titelanwärter hat sich vor dem Finale am kommenden Wochenende auf drei Piloten reduziert, wobei es realistisch betrachtet eher ein Duell werden dürfte als ein Dreikampf.

ERGEBNIS: IndyCar auf dem Laguna Seca Raceway

Frühe Andretti-Kollision an der Spitze

Von der Pole startete Colton Herta, der vor zwei Jahren das zuvor letzte IndyCar-Rennen der kalifornischen Berg- und Talbahn nach Belieben dominiert hatte. Ganz so einfach sollte es für ihn diesmal nicht werden. Neben sich hatte Herta beim Start Andretti-Teamkollege Alexander Rossi. Aber lange gut ging es nicht.

 

Denn schon in der zweiten Runde gerieten Herta und Rossi im Kampf um die Führung aneinander. Es war ein unglücklicher Zwischenfall. Herta war ausgangs Kurve 4 - der zweiten Rechts - auf den Dreck gekommen und hatte Schwung verloren. In Kurve 5, der Bergauflinks, setzte sich Rossi innen daneben. Dabei berührten sich die beiden Autos mit den Rädern. Rossi drehte sich mit verbogener Spurstange nach links weg.

 

Im Vergleich dazu ließen es die anfangs noch vier Titelkandidaten vergleichsweise ruhig angehen. Tabellenführer Alex Palou (Ganassi-Honda) startete von P4, Verfolger Patricio O'Ward (McLaren-Chevrolet) von P6.

Scott Dixon (Ganassi-Honda) als Vierter der Punktwertung fuhr von P8 los, während der Tabellendritte Josef Newgarden (Penske-Chevrolet) nach einmal mehr schlecht gelaufenem Qualifying nur von P17 losfuhr. In der Startphase hielten alle vier ihre Position. O'Ward aber hatte Glück, dass er direkt in der ersten Runde in Kurve 3 einen Dreher gerade so vermeiden konnte.

Beim Restart nach der Andretti-Kollision - es sollte der einzige Restart des Rennens bleiben - machte der unbeschadet davongekommene Herta abermals das Tempo. Erster Verfolger war nun Will Power (Penske-Chevrolet) vor Palou, der als erster der Titelkandidaten an dritter Stelle lag. Wenige Runden später war Palou schon Zweiter, weil Power mit frühen Elektrikproblemen die Box aufsuchte.

Frühe Probleme für Titelkandidaten Newgarden und Dixon

Newgarden als der am weitesten hinten fahrende Titelkandidat kam nach acht Runden an 15. Stelle liegend zum ersten Boxenstopp. Im Gegensatz zum Stopp von Penske-Teamkollege Power war es bei Newgarden ein Routinestopp, um auf die weichen Reifen (Reds) umzurüsten. Es dauerte nicht lange, bis ihm weitere Fahrer - darunter O'Ward und Palou - folgten. Die Renndistanz hatte man im Vergleich zu vor zwei Jahren verlängert: 95 statt 90 Runden waren am Sonntag zu absolvieren.

Spitzenreiter Herta kam nach 19 Runden zum ersten Boxenstopp, ließ aber frische harte Reifen (Blacks) montieren. Während Herta nach dem ersten Boxenstopp-Durchgang weiterhin vor Palou führte und O'Ward an dritter Stelle fuhr, hatte Newgarden mit seinen weichen Reifen buchstäblich zu rudern. Nachdem ein paar Positionen verloren hatte, kam der Penske-Titelkandidat schon in der 24. Runden zum zweiten Mal an die Box. In diesem Fall ließ auch er Blacks aufziehen, war aufgrund des Timings aber auf vier Stopps gepolt.

Scott Dixon

Für Scott Dixon ist der Zug zum siebten IndyCar-Titel zumindest für 2021 abgefahren

Foto: Motorsport Images

Auch für Scott Dixon, den vierten Piloten im Titelrennen, lief es nicht. Der noch amtierende IndyCar-Champion wurde kurz vor Halbzeit des Rennens in der Corkscrew-Passage unverschuldet in eine Kollision verwickelt. Takuma Sato (Rahal-Honda) hatte sich in der steil abfallenden Passage gedreht. Dixon kam als Nächster herunter und konnte nicht ausweichen, da Sato weiter zurückrollte.

 

An der Spitze änderte sich derweil nichts. Herta führte auch nach dem zweiten Boxenstopp, bei dem er abermals frische harte Reifen abholte, vor Palou. Der Tabellenführer setzte von da an ebenfalls auf die harte Reifenmischung. Gleiches galt für Verfolger O'Ward, der weiterhin an dritter Stelle fuhr, allerdings mit rund 20 Sekunden Rückstand.

Herta siegt vor Palou - Grosjean stürmt auf das Podium

Ganz anders Palou. Er war nicht nur auf identischer Strategie wie Spitzenreiter Herta unterwegs. Er setzte ihn auch zunehmend unter Druck. Nach 55 der 95 Runden waren die beiden durch weniger als eine Sekunde getrennt. Herta tat sich in dieser Phase schwer, einigermaßen zügig an denen zur Überrundung anstehenden Piloten vorbeizukommen. Allerdings kam Palou auch nicht an Herta vorbei.

Den letzten routinemäßigen Boxenstopp ihrer Dreistoppstrategie legten Palou und O'Ward zeitgleich in der 66. Runde ein. Auch in diesem Fall setzte man in beiden Teams wieder auf die harten Reifen. Spitzenreiter Herta kam zwei Runden später - ebenfalls für einen letzten Satz Blacks von Firestone. Indes war der Stopp, den Newgarden in der 72. Runde einlegte, dessen vierter.

Romain Grosjean

Romain Grosjean stürmte auf das Podium - das dritte in seiner Rookie-Saison

Foto: Art Fleischmann

Ganz vorne änderte sich nichts mehr, aber spannend war es trotzdem. Herta blieb vorne und ließ sich auch von einem quer über die Strecke springenden Eichhörnchen nicht aufhalten. Bei der Anfahrt zur Corkscrew-Passage hatte das Tier keine Chance. Während Herta wie vor zwei Jahren zum Laguna-Seca-Sieg fuhr, wurde es im Kampf um die weiteren Podestplätze ganz am Schluss noch eng.

Palou rettete den zweiten Platz ins Ziel und ist damit seinem ersten IndyCar-Titel einen Riesenschritt nähergekommen. Denn den dritten Platz belegte nicht O'Ward, sondern Romain Grosjean. Der IndyCar-Rookie aus Frankreich hatte sich für den letzten Stint für die weichen Reifen (Reds) entschieden. Mit diesen kam er in Riesenschritten näher. Nacheinander ging er an O'Ward und auch an Graham Rahal (Rahal-Honda; 4.) vorbei, nachdem dieser beim letzten Boxenstopp an O'Ward (5.) vorbeigekommen war.

 

Und in den letzten zehn Runden, als Grosjean schon an dritter Stelle lag, machte er derart Tempo, dass er Palou und Herta noch ins Blickfeld bekommen wollte. Im Zuge seiner rasanten Aufholjagd lehnte er sich sieben Runden vor Schluss im Corkscrew bei der Überrundung von Rookie-Kollege Jimmie Johnson an dessen Ganassi-Honda an. Alles ging gut, aber an Palou - geschweige denn Herta - kam Grosjean nicht mehr heran.

Kampf um Rookie-Titel entscheidet sich erst beim Finale

Romain Grosjean, Scott McLaughlin

Grosjean kann trotz weniger Rennen sogar Scott McLaughlin den Rookie-Titel noch entreißen

Foto: IndyCar Series

Aber: Im Kampf um den Rookie-Titel ist am Sonntag zwischen Scott McLaughlin (Penske-Chevrolet) und Grosjean noch keine Entscheidung gefallen. Denn mit seinem dritten Platz - es ist sein dritter Podestplatz nach den beiden Indianapolis-Rundkurs-Rennen - hat Grosjean hat diesen Kampf um den Rookie-Titel, der eigentlich ein ungleicher ist, tatsächlich bis zum Saisonfinale am kommenden Wochenende offengehalten.

Ungleich deshalb, weil Grosjean im Saisonverlauf drei Rennen weniger bestritten hat als McLaughlin, der im Penske-Team Vollzeitpilot ist. Grosjean fuhr ein beherztes Rennen. Im Corkscrew überholte er zunächst keinen Geringeren als Scott Dixon.

 

Die Szene erinnerte an den denkwürdigen "The Pass" von Alex Zanardi vor 25 Jahren - mit dem Unterschied, dass Grosjean die Strecke nicht verließ. Eben dieses Manöver zeigte Grosjean einige Runden bevor es an gleicher Stelle zur bereits erwähnten Kollision zwischen Dixon und Sato kam - und viele Runden bevor er selber an dieser Stelle mit Johnson aneinandergeriet.

Aufgrund einer Dreistoppstrategie, die vom Rhythmus her von jener der Spitzengruppe abwich, verbuchte Grosjean einige Führungsrunden. Kurz vor Schluss zeigte er ein weiteres starkes Manöver, als er auf der Außenbahn von Kurve 3 an O'Ward vorbeiging. Während Grosjean seine Aufholjagd letztlich auf P3 abschloss, belegte McLaughlin P12. Vor dem Saisonfinale hat der Penske-Rookie jetzt nur noch 20 Punkte Vorsprung.

Nur McLaughlin und Grosjean kommen für den Gewinn des Rookie-Titels in Frage. Jimmie Johnson ist diesbezüglich schon seit Monaten abgeschlagen. Allerdings zeigte auch er ein solides Rennen, das er im 27-köpfigen Feld auf dem 17. Platz beendete  Damit hat der siebenmalige NASCAR-Champion zwei Tage nach seinem 46. Geburtstag seine bisherige IndyCar-Bestleistung aufgestellt.

Titelentscheidung am kommenden Sonntag in Long Beach

Wie der Kampf um den Rookie-Titel, so ist auch der Kampf um den Titel des IndyCar-Champions 2021 noch nicht entschieden. Der Kreis der Anwärter aber ist deutlich kleiner geworden.

Alex Palou

Alex Palou geht als Favorit ins IndyCar-Saisonfinale am kommenden Sonntag

Foto: Art Fleischmann

Ganassi-Pilot Marcus Ericsson, dessen Chancen schon beim Start des Rennens nur noch theoretischer Natur waren, hat sich mit P6 endgültig aus dem Titelkampf verabschiedet. Aber nicht nur er. Denn auch für Teamkollege und Vorjahreschampion Scott Dixon, der nach der Kollision mit Takuma Sato den 13. Platz belegte, ist der Zug zur erfolgreichen Titelverteidigung abgefahren.

IndyCar-Gesamtwertung 2021

Josef Newgarden hat nach der Vierstoppstrategie, die ihn auf P7 abschließen sah, nur noch denkbar geringe rechnerische Chancen, seinen dritten IndyCar-Titel schon in diesem Jahr einzufahren. Der Penske-Pilot hat jetzt 48 Punkte Rückstand. Inklusive aller Bonuspunkte (Pole und meiste Führungsrunden) sind maximal 54 Punkte noch aufholbar.

Somit ist Newgarden zwar noch im Titelkampf dabei. Realistisch betrachtet dürfte es beim Saisonfinale aber zu einem Duell um den IndyCar-Titel 2021 kommen. Ganassi-Pilot Alex Palou geht mit 35 Punkten Vorsprung auf McLaren-Pilot Patricio O'Ward in dieses Finale, das am kommenden Sonntag (26. September) zum ersten Mal in der Geschichte auf dem Stadtkurs in Long Beach stattfindet.

Mit Bildmaterial von Art Fleischmann.

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