IndyCar St. Louis: Newgarden-Sieg bei Ganassi-Frust stellt Titelkampf auf Kopf

Ganassi-Duo Alex Palou & Scott Dixon zeitgleich in der Mauer - Josef Newgarden siegt, aber Tabellenführer ist ein anderer - Romain Grosjean mit lehrreichem Ovaldebüt

IndyCar St. Louis: Newgarden-Sieg bei Ganassi-Frust stellt Titelkampf auf Kopf

Das letzte Ovalrennen der IndyCar-Saison 2021 hatte es in sich. Im Gateway Motorsports Park ging der Sieg am Samstagabend nach turbulentem Rennverlauf an Josef Newgarden (Penske-Chevrolet).

Auf dem in Madison, einem Stadtteil der Metropole St. Louis, gelegenen 1,25-Meilen-Oval war beim Bommarito Automotive Group 500 eine Distanz von 260 Runden zurückzulegen. Unterm Strich gab es fünf Gelbphasen und neun Fahrer im 24-köpfigen Feld, die die Zielflagge nicht sahen. Zu ihnen zählen der als Tabellenführer angereiste Ganassi-Pilot Alex Palou und auch dessen Teamkollege Scott Dixon.

Hinter Sieger Newgarden kam Patricio O'Ward (McLaren-Chevrolet) als Zweiter ins Ziel und ist damit drei Rennen vor Schluss der Saison neuer Tabellenführer. Aber auch Newgarden hat mächtig aufgeholt und noch alle Chancen auf seinen dritten IndyCar-Titel. "Jeder Sieg ist wichtig, aber der hier vielleicht noch ein bisschen mehr", so der siegreiche Penske-Pilot in der Victory Lane.

FOTOS: IndyCar im Gateway Motorsports Park in St. Louis

ERGEBNIS: IndyCar im Gateway Motorsports Park in St. Louis

Power erstmals 2021 auf Pole - Anfangs mehr Gelb als Grün

Will Power (Penske-Chevrolet) startete von der Pole, was für den Qualifying-Spezialisten im IndyCar-Feld die 63. Pole seiner Karriere, bemerkenswerterweise aber die erste in dieser Saison war. Die erste Runde legte Power ganz knapp vor Colton Herta (Andretti-Honda) als Spitzenreiter zurück. In Turn 1 der zweiten Runde aber stach Herta innen rein und übernahm die Führung.

 

Nach einer frühen Gelbphase aufgrund eines Crashs mit Graham Rahal (Rahal-Honda) und Ed Jones (Coyne-Honda) gab es kurz nach dem Restart direkt wieder Gelb. Im Rücken von Herta und Power gerieten dessen Penske-Teamkollegen Josef Newgarden und Simon Pagenaud im Kampf um die dritte Position aneinander.

 

Pagenaud, der sich über Funk mit "Unbelievable!" echauffierte, verlor Teile seines Frontflügels und musste an die Box. Newgarden blieb draußen und nahm auch den nächsten Restart als Dritter unter die Räder. Nach dem zweiten Restart, der für sich zwei Anläufe brauchte, kam das Rennen endlich in die Gänge.

Für die nächste Gelbphase sorgte in der 56. Runde ein Crash von Ed Carpenter (Carpenter-Chevrolet). Diese Gelegenheit wurde vom Großteil des Feldes zum ersten Boxenstopp genutzt. Und dabei brachte Newgardens Penske-Crew ihren Fahrer von der dritten auf die erste Position nach vorn.

Eigentlich, denn Sebastien Bourdais (Foyt-Chevrolet) war bereits während der zweiten Gelbphase zum vorgezogenen ersten Boxenstopp drin gewesen. So war es Bourdais, der das Feld vor Newgarden zum nächsten Restart führte. Lange gut ging es freilich nicht.

VeeKay räumt Ganassi-Duo Dixon und Palou ab

Denn direkt in Turn 1 nach dem Restart gab es wieder Gelb - und in diesem Fall waren zwei der Top 3 in der Gesamtwertung verwickelt. Tabellenführer Alex Palou, der nach Rückversetzung in der Startaufstellung (Motorwechsel) nur von P21 gestartet war, wurde von Rinus VeeKay (Carpenter-Chevrolet) in die Mauer geschickt.

 

Zeitgleich segelte auch Scott Dixon in die Mauer, nachdem er zunächst von VeeKay und dann auch noch unglücklich vom seinem sich drehenden Ganassi-Teamkollegen Palou erwischt wurde. Für Palou und VeeKay war auf der Stelle Feierabend.

Dixon kehrte nach schier endlos langer Reparatur zwar noch einmal kurz ins Rennen zurück, gab aber dann doch auf. Gewertet wurde er als 19. direkt vor Palou. "Ich habe keine Ahnung, was VeeKay da vorhatte. Jedenfalls hat er uns beide, Alex und mich, aus dem Rennen genommen. Jetzt bleibt uns wohl nichts anderes übrig als die Saison mit drei starken Rennen zu beenden", so Dixon. VeeKay entschuldigte sich direkt nach dem Rennen.

Apropos Rennen: Weil Bourdais mit seiner abweichenden Strategie in dieser Gelbphase an die Box kam, übernahm Newgarden die Führung. Die verteidigte er beim nächsten Restart gegenüber Teamkollege Power. Der Australier aber verlor die zweite Position kurz darauf an Alexander Rossi (Andretti-Honda). Wenig später fiel Power auch hinter Herta und Patricio O'Ward zurück.

Herta übernimmt die Führung und fällt kurz danach aus

Der zweite Boxenstopp im Rennen wurde bei Halbzeit der Distanz unter Grün eingelegt. Rossi und O'Ward kamen zwei respektive eine Runde früher als Newgarden, Herta und Power. Kurz nach dem Boxenstopp ging Herta an Newgarden vorbei und übernahm das Kommando. Auch O'Ward machte mächtig Dampf, wohingegen es Rossi ruhiger angehen ließ.

In Runde 184 war Herta als Spitzenreiter derjenige, der den Reigen der letzten Routinestopps unter Grün eröffnete. Für ihn aber ging die Nummer gründlich schief. Beim Beschleunigen nach dem Stopp ging eine Antriebswelle zu Bruch - Ausfall. Im Interview verriet Herta, dass die Antriebswelle schon vorher Probleme machte und er deshalb den Stopp vorgezogen hatte.

 

So bekam Newgarden die Führung auf dem Silbertablett. Er stoppte in der 199. Runde, zeitgleich mit O'Ward und Power. Zwei Runden später gab es Gelb. Grund: Rossi, der kurz zuvor an der Box gewesen war, setzte seinen Boliden mit kalten Reifen in die Mauer von Turn 2. Statt eines möglichen Sieges und einer möglichen Top-5-Platzierung gab es somit für Andretti Autosport binnen weniger Minuten zwei Ausfälle.

Newgarden siegt knapp vor O'Ward

Beim Restart musste Newgarden alle Register ziehen, um sich vor O'Ward zu halten, der nun Zweiter war. Power fuhr an dritter Stelle, gefolgt von Penske-Teamkollege Scott McLaughlin. Direkt hinter dem Rookie fuhr Bourdais trotz seiner abweichenden Boxenstoppstrategie in den Top 5.

Daran änderte sich nichts mehr. Wenngleich sich O'Ward nicht abschütteln ließ, brachte Newgarden seinen zweiten Saisonsieg 2021 nach Mid-Ohio mit knappem, aber kontrolliertem Vorsprung ins Ziel. Auf dem Gateway-Oval ist es für Newgarden bereits der dritte Sieg nach 2017 und 2020.

Wenn man bedenkt, wie es Alex Palou und Scott Dixon ergangen ist, dann hätte es rückblickend um ein Haar auf für Newgarden beinahe so enden können. Die Berührung mit Teamkollege Simon Pagenaud (8.) in der Anfangsphase aber ging für ihn gut aus.

Grosjean mit lehrreichem Ovaldebüt

Für Romain Grosjean war es das erste Ovalrennen seiner noch jungen IndyCar-Karriere. Im Qualifying hatte er sich mit seinem violetten Coyne-Honda im 24-köpfigen als 15. qualifiziert. Aufgrund der Rückversetzung von Alex Palou startete Grosjean de facto von P14. Nach einigen starken Überholmanövern kam er kurz vor Halbzeit der Distanz an achter Stelle liegend unter Grün an die Box.

 

Der Boxenstopp war für Grosjean der zweite im Rennen, aber der erste unter Renntempo. Auf der sogenannten Out-Lap, der Runde aus der Box heraus, geriet der Rookie mit kalten Reifen in Turn 2 weit nach oben auf den schmutzigen Teil der Strecke und verlor einiges an Zeit. Einen Einschlag in die Mauer konnte er aber vermeiden. Einige Runden später passierte ihm das Gleiche noch einmal - wieder ohne Mauerkontakt, aber wieder mit einigen Sekunden Zeitverlust.

Ins Ziel kam Grosjean, nachdem die Strategie nicht perfekt aufging, mit einer Runde Rückstand auf P14. Damit war er Vorletzter in Reihen der 15 Piloten, die ins Ziel kamen. Hinter ihm: James Hinchcliffe, an dessen Andretti-Honda es direkt zu Beginn Elektronikprobleme gegeben hatte und der das Rennen daraufhin erst mit Verspätung aufnehmen konnte.

Was Grosjean betrifft, so hat er nach P14 beim gleichzeitigen vierten Platz von McLaughlin sogar noch Chancen auf den Gewinn der Rookie-Wertung 2021, obwohl er drei Rennen weniger bestritten hat als der Penske-Rookie.

O'Ward neuer Tabellenführer drei Rennen vor Schluss

In der IndyCar-Gesamtwertung 2021 hat sich drei Rennen vor Schluss der Saison einiges getan. Alex Palou, der mit 21 Punkten Vorsprung als Tabellenführer angereist war, hat durch den von Rinus VeeKay ausgelösten Crash mächtig Boden verloren.

Neuer Tabellenführer ist Patricio O'Ward. Der Mexikaner in Diensten von McLaren SP hat jetzt zehn Punkte Vorsprung auf Palou. Dritter ist Josef Newgarden, dem nach seinem zweiten Saisonsieg nur 22 Punkte auf O'Ward fehlen. Scott Dixon ist auf den vierten Tabellenrang abgerutscht. Er liegt jetzt 43 Punkte zurück. Marcus Ericsson im dritten Ganassi-Honda ist nach P9 mit jetzt 60 Punkten Rückstand weiterhin Gesamtfünfter.

Nun, da das letzte Ovalrennen der Saison absolviert ist, finden die letzten drei Saisonrennen im September auf zwei permanenten Rundkursen und einem Stadtkurs statt: Portland, Laguna Seca und Long Beach. Ungeachtet der aktuell hohen Zahlen der Coronavirus-Infektionen in den betreffenden US-Bundesstaaten Oregon und Kalifornien sollen die drei Rennen wie geplant über die Bühne gehen.

Mit Bildmaterial von IndyCar Series.

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