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IndyCar-Tradition: Überrundete bringen Power und Rosenqvist auf die Palme

Will Power und Felix Rosenqvist in Portland alles andere als begeistert vom Verhalten der Nachzügler: Power wünscht Regeländerung, Alex Palou sieht keinen Grund

IndyCar-Tradition: Überrundete bringen Power und Rosenqvist auf die Palme

Start in Portland: Felix Rosenqvist von P1, Alex Palou von P2, Will Power von P3

Foto: Phil Sedgwick / Lumen via Getty Images

Während Alex Palou (Ganassi-Honda) im IndyCar-Rennen am vergangenen Sonntag in Portland in einmal mehr überzeugender Manier seinen sechsten Saisonsieg eingefahren und damit einen großen Schritt in Richtung fünfter Titel gemacht hat, kamen Felix Rosenqvist (Shank-Honda) und Will Power (Andretti-Honda) auf den weiteren Podestplätzen ins Ziel.

Im Anschluss an das Rundkurs-Rennen im US-Bundesstaat Oregon haben die Top 3 unterschiedliche Ansichten darüber, wie in der IndyCar-Serie das Thema Überrundungsverkehr gehandhabt wird und in Zukunft gehandhabt werden solle.

Rosenqvist und Power fühlten sich im Verlauf des Rennens massiv von Nachzüglern aufgehalten, Power wünscht sich für die Zukunft eine Regeländerung. Rennsieger Palou hingegen sieht keinen Grund, etwas an den Regeln zu ändern. Ihm ist im Zusammenhang mit Überrundungen nur eines wichtig.

Während der spätere Sieger Palou am vergangenen Sonntag von P2 ins Rennen ging, startete Rosenqvist zum zweiten Mal in dieser Saison von der Pole. Die ersten 30 der insgesamt 110 Runden führte der Schwede an, verlor die Führung aber beim ersten Boxenstopp-Durchgang an Palou, der sie daraufhin nur noch bei den weiteren Boxenstopps kurzzeitig abgab.

Dass Rosenqvist im Zuge des ersten Boxenstopps die Führung an Palou verlor, das lag an einerseits an einem Schlenker beim Beschleunigen, denn die Crew von Mick Schumacher (Rahal-Honda) vollzog direkt vor Rosenqvists Auto den Boxenstopp für Schumacher. Andererseits lag es an der von Palou gewählten "Overcut"-Strategie.

Felix Rosenqvist kritisiert Zeitverlust beim Überrunden

Allerdings kritisiert Rosenqvist auch den Überrundungsverkehr, auf den er als Zweiter und Palou als Spitzenreiter vor ihrem jeweils dritten und letzten Boxenstopp im Rennen aufliefen. Beide verloren Zeit hinter Louis Foster, nachdem der Rahal-Pilot kurz zuvor mit frischen Reifen aus der Boxengasse gekommen war.

"Von da an war es einfach ein Rennen mit Überrundungen. Manchmal gewinnt man bei einer Überrundung drei Sekunden, bei der nächsten verliert man drei Sekunden", sagte Rosenqvist in der Pressekonferenz nach dem Rennen.

Start zum IndyCar-Rennen in Portland 2026: Felix Rosenqvist führt

Rosenqvist führte die ersten 30 Runden, hatte dann keine Chance gegen Palou

Foto: Perry Nelson / Lumen via Getty Images

"Ich will nicht verbittert klingen, denn ich glaube ohnehin nicht, dass ich das Rennen gewonnen hätte. Dennoch finde ich, dass es für uns als Rennserie an der Zeit ist, erwachsen zu werden und diese Situationen mit überrundeten Autos zu vermeiden. Ich finde, das lässt uns alle dumm dastehen", so Rosenqvist.

"Wenn man hart arbeitet und plötzlich fünf Sekunden hinter einem überrundeten Auto verliert, halte ich das nicht für richtig. Ich glaube nicht, dass das irgendjemand sehen will. Noch einmal: Ich glaube nicht, dass ich gewonnen hätte, aber ich glaube, dass mir alle Fahrer wahrscheinlich zustimmen würden", so der diesjährige Indy-500-Sieger.

Will Power hofft auf Regeländerung für die Zukunft

Will Power, der in Portland direkt hinter Rosenqvist auf dem dritten Platz ins Ziel kam, nachdem er die Durchsage seines Rennstrategen Ron Ruzewski für den letzten Boxenstopp nicht richtig verstanden hatte und irrtümlich eine Runde zu lange auf der Strecke geblieben ist, beschwert sich noch heftiger über den Überrundungsverkehr.

Podium: 1. Alex Palou, 2. Felix Rosenqvist, 3. Will Power

Portland-Podium: 1. Alex Palou, 2. Felix Rosenqvist, 3. Will Power

Foto: Perry Nelson / Lumen via Getty Images

Power wurde eigener Aussage zufolge "massiv aufgehalten". Allein hinter Sting Ray Robb (Juncos-Chevrolet) verlor der Andretti-Pilot in der entscheidenden Phase des Rennens fast drei Sekunden, nachdem ihm Robb am Ende der Gegengerade vehement die Tür zugemacht hatte, um der Überrundung durch Power - zu diesem Zeitpunkt strategisch bedingt der Spitzenreiter im Rennen - zu entgehen.

"Ja, ich stimme zu", so Power in der Pressekonferenz in Anspielung auf die Worte von Rosenqvist, wonach dessen Meinung "wahrscheinlich alle zustimmen würden"

Will Power

Power wurde kurz dem letzten Boxenstopp von Sting Ray Robb aufgehalten

Foto: Gavin Baker / Lumen via Getty Images

Powers Kritikpunkt lautet: "Ich sage das schon seit einer Ewigkeit. Es ist irgendwie lächerlich, dass wir eine Regel aus den 1970er-Jahren haben und sagen: 'Das haben wir schon immer so gemacht.' Heutzutage ist das nun mal ein bisschen anders. IndyCar sagt, wir machen die Regeln nicht, wir halten seit den 70er-Jahren daran fest."

Powers Hoffnung für die Zukunft in Bezug auf das Verhalten der zur Überrundung anstehender Fahrer: "Wenn IndyCar nichts unternimmt, dann sollten sich meiner Meinung nach alle Fahrer zusammensetzen und ein Gentlemen's Agreement schließen."

Alex Palou sieht keinen Grund für Regeländerung

Portland-Sieger Alex Palou und dessen Rennstratege Barry Wanser sind gänzlich anderer Meinung. Wansers Argument in der Pressekonferenz am Sonntag: "Ich denke, wir haben im Gespräch mit IndyCar klargestellt, dass man solange man darum kämpft, in der Führungsrunde zu bleiben, nicht für blaue Flaggen in Frage kommt."

Barry Wanser

Barry Wanser ist seit Jahren der Rennstratege für Alex Palou

Foto: Michael L. Levitt / Lumen via Getty Images

"Selbst, wenn man eine Runde zurückliegt, aber noch nicht eine Runde hinter dem gesamten Feld zurückliegt, bekommt man keine blauen Flaggen. Man hat das Recht, zu kämpfen. Denn eine Gelbphase kann einem die Chance geben, wieder in die Führungsrunde zu kommen. Von da an würde man um eine bessere Position kämpfen. Das gehört einfach zur IndyCar-Serie dazu", so Wanser.

Palou, der seine Dominanz in der IndyCar-Serie weiter festigt und nur noch durch ein Wunder vom fünften Titelgewinn - es wäre sein vierter in Folge - abgehalten werden kann, schließt sich der Meinung seines Rennstrategen an.

Alex Palou

Palou hat mit dem Portland-Sieg den nächsetn großen Schritt zu Titel 5 gemacht

Foto: Gavin Baker / Lumen via Getty Images

Anstatt das Reglement beim Thema Überrundungen zugunsten der führenden Autos zu ändern, betonte der Tabellenführer am vergangenen Sonntag, das ihm in diesem Zusammenhang nur eines wichtig ist. "Solange wir konsequent bleiben, gilt das Gleiche für alle", so Palou.

"Wir hatten Rennen, in denen uns der Verkehr stark behindert hat und es allen anderen ermöglicht hat, Rückstand aufzuholen. Vergangenes Jahr in Portland wurden Power und Lundgaard vor mir ausgebremst. Ich konnte einen Rückstand von 10 Sekunden aufholen. Solange wir konsequent bleiben, und die Regeln für alle gleich sind, ist das für mich in Ordnung."

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