IndyCar-Youngster Colton Herta: Formel-1-Wechsel ist "meine Entscheidung"

Colton Herta wird 2022 nicht in der Formel 1 fahren - Der junge Andretti-Autosport-Fahrer blickt aber weiterhin über den IndyCar-Tellerrand hinaus

IndyCar-Youngster Colton Herta: Formel-1-Wechsel ist "meine Entscheidung"

Frühestens mit dem Scheitern des Deals zwischen Andretti und Sauber, spätestens aber mit der Bekanntgabe Guanyu Zhous als zweiten Fahrer hatte sich ein Formel-1-Abstecher von IndyCar-Youngster Colton Herta erledigt. Der US-Amerikaner besteht aber darauf, die Fäden für einen Wechsel in der eigenen Hand gehabt zu haben.

Dem US-Fachportal 'RACER' sagte der Andretti-Autosport-Pilot vor kurzem: "Es war meine Entscheidung, ob ich [in die Formel 1] gehen oder [in der IndyCar-Serie] bleiben wollte. Es musste die richtige Situation sein, die richtige Finanzierung, um entweder konkurrenzfähig zu sein oder an den Punkt zu kommen, konkurrenzfähig zu sein."

"Aber es braucht auch viel, um mich von der IndyCar-Serie wegzuziehen, denn damit bin ich aufgewachsen. Ich bin nicht mit der Formel 1 aufgewachsen. Tatsächlich habe ich erst mit 12 oder 13 Jahren angefangen, die Formel 1 zu verfolgen, während ich die IndyCar-Serie verfolgt habe, seit ich mich erinnern kann. Es hätte viel gebraucht, um mich nach Europa zu ziehen."

Colton Herta

In der IndyCar-Serie hätte Colton Herta nicht genug Superlizenz-Punkte gesammelt

Foto: Art Fleischmann

So ganz richtig liegt Herta mit dieser Aussage allerdings nicht, denn er würde aktuell eine Grundvoraussetzung für ein Formel-1-Cockpit nicht erfüllen: Den Besitz einer Superlizenz. Dafür müssen innerhalb von drei Jahren 40 Punkte in Nachwuchsserien oder anderen Rennserien gesammelt werden. Der vorgesehene Schlüssel für die IndyCar-Serie bringt Herta allerdings nur 32 Punkte ein, und damit acht zu wenig.

Colton Herta: Formel 1 ebenso wie 24h Le Mans und Daytona 500 ein Thema

"Es ist etwas, das ich tun möchte", betont Herta trotzdem mit Blick auf ein mögliches Formel-1-Engagement in der Zukunft. Der junge US-Amerikaner schaut allerdings auch anderweitig über den Tellerrand und kann sich Starts in anderen Serien oder bei anderen Events vorstellen.

"Es gibt eine Menge Dinge, die ich in meiner Karriere machen möchte, und die sich nicht alle um IndyCar drehen. Ob ich nun das Daytona 500 oder die 24h Le Mans fahre oder in der IMSA antrete - es gibt viele verschiedene Dinge im Rennsport, die ich machen möchte", stellt er klar. Und Herta hat schon bewiesen, dass er auch im Fahrzeug mit Dach Erfolg haben kann.

Augusto Farfus, Connor de Phillippi, Philipp Eng, Colton Herta

Colton Herta gewann für BMW die 24h Daytona 2019 in der GTLM-Klasse

Foto: LAT

Einen GTLM-Klassensieg bei den 24h Daytona hat er nämlich schon auf der Habenseite. 2019 gewann Herta zusammen mit Augusto Farfus, Philipp Eng und Connor de Phillippi im BMW M8 GTE des werksunterstützten Rennstalls Rahal Letterman Lanigan Racing.

Ähnlich gelassen blickt Herta auf den gescheiterten Kauf des Sauber-Teams durch Andretti. Er selbst habe sich von all den Gesprächen und Medienberichten nicht beirren lassen: "Ich will nicht sagen, dass es mich nie wirklich interessiert hat, denn sie haben so viel Zeit und Mühe in den Versuch gesteckt, diesen Deal abzuschließen, also war es für mich interessant."

Fokus nicht auf F1-Verhandlungen, sondern auf IndyCar

"Aber für mich war es nicht wirklich wichtig, bis ich einen Vertrag gehabt hätte. Ich habe die Artikel gelesen. 'Oh, der Deal ist unter Dach und Fach' oder 'Oh, er ist zu 90 Prozent unter Dach und Fach'. Und ehrlich gesagt wusste ich nicht einmal so viel über den Formel-1-Vertrag."

"Ich überließ es meinem Vater, sich darum zu kümmern und wollte nicht so viel wissen. Ich habe mich nie wirklich davor gescheut, mich auf IndyCar zu konzentrieren, um ehrlich zu sein. Ich habe nie gesagt: 'Oh, ich werde nächstes Jahr in der Formel 1 fahren' oder so etwas, denn ich hatte einen Vertrag in der IndyCar-Serie und darauf habe ich mich konzentriert."

Mit Erfolg, denn Herta stellte in der IndyCar-Saison 2021 mehrfach seinen irren Grundspeed unter Beweis. Mit ein wenig mehr Glück wäre mehr als Gesamtposition fünf herausgesprungen. Das Debüt auf dem Stadtkurs von Nashville dominierte er, doch auf der Jagd nach dem späteren Sieger Marcus Ericsson warf er das Rennen wenige Runden vor Schluss weg.

Eine defekte Antriebswelle kostete Herta zudem im Gateway-Oval ein Top-Resultat, möglicherweise sogar erneut einen Sieg. Trotzdem endete das Jahr für ihn versöhnlich. Die beiden letzten Rennen in Laguna Seca und Long Beach gewann der Andretti-Autosport-Fahrer, letzteres sogar von Startplatz 14! 2022 fährt Herta erneut für Andretti Autosport in der IndyCar-Serie, zusammen mit Alexander Rossi, Romain Grosjean und Rookie Devlin DeFrancesco.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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