Mick Schumacher erklärt: "Ziemlich früh" am Limit beim ersten IndyCar-Ovaltest
IndyCar-Rookie Mick Schumacher berichtet im Detail von seinem ersten Ovaltest, den er am Mittwoch auf dem Homestead-Miami Speedway absolvierte
Mick Schumacher auf dem Homestead-Miami Speedway
Foto: Penske Entertainment
Es könnte lange dauern, bis Mick Schumacher aufhört zu lächeln. Am Mittwoch, beim privaten IndyCar-Test auf dem Homestead-Miami Speedway, sammelte der 26-jährige Deutsche seine ersten Erfahrungen auf einem Oval. Den derzeit noch komplett schwarzen Dallara-Honda mit der Startnummer 47 von Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) bewegte Schumacher (fast) einen ganzen Tag lang.
Im Verlauf des Tages legte Schumacher 97 Runden zurück. Teamkollege Graham Rahal und auch Fahrer-Coach Ryan Briscoe waren vor Ort, um dem IndyCar-Rookie bei seiner Eingewöhnung an das 1,5 Meilen lange Oval zu helfen.
Wenngleich der Reifenverschleiß höher als normal war, was dazu führte, dass das Rahal-Team alle mitgebrachten Reifensätze aufbrauchte und deshalb den Test frühzeitig beenden musste, verlief der Tag alles in allem reibungslos. Der IndyCar-Neuling aus Deutschland konnte das Limit rasch ausloten.

Das Homestead-Oval ist in den Kurven um 18 bis 20 Grad progressiv überhöht
Foto: Penske Entertainment
"Wir haben [das Limit] ziemlich früh erreicht. Da das Auto eine recht hohe Bodenfreiheit hatte, bewegte es sich ziemlich stark auf der Hinterachse", sagt Schumacher im Gespräch für die englischsprachige Ausgabe von Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Und als wir dann die Änderungen [an der Abstimmung] vornahmen, begann das Auto, etwas mehr Push zu entwickeln", sagt Schumacher und bezieht sich damit auf Untersteuern, das im US-Racing als "push" bezeichnet wird. Im Gegensatz dazu wird Übersteuern als "loose" bezeichnet FAQ: So funktioniert das Racing im Oval.
"Insgesamt kann ich sagen, dass wir beide Extreme hatten, die man sich wünscht. Wir hatten sowohl Untersteuern, und zwar starkes Untersteuern, als auch ein ziemlich unruhiges Heck. Das war für mich eine großartige Erfahrung, denn so konnte ich lernen, wie sich das Auto in solchen Momenten verhält", so Schumacher.
Das Urteil des prominenten IndyCar-Rookies nach seinem ersten Ovaltest: "Natürlich fühle ich mich insgesamt wohler mit Untersteuern, das mir beim Fahren einfach die größte Sicherheit gibt. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, womit ich fahren kann, womit ich mich wohlfühle, und auch herausfinden, welche Einstellungen ich am Auto mag. Ich glaube, wir haben an einem Tag wirklich viel erreicht."
Eines der besonderen Tools im Cockpit, das Schumacher in seiner bisherigen Karriere - sei es Formel 1 oder auch Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) - noch nicht kennengelernt hatte, ist der Weight-Jacker. "Den Weight-Jacker selbst fand ich sehr interessant. Ich finde, das ist ein großartiges Tool, das wir nutzen sollten."
"Ich konnte ziemlich frei damit herumspielen und konnte spüren, wie sich die unterschiedlichen Einstellungen auswirkten, zum Beispiel wenn man ihn von rechts nach links umstellt. Das war gut. Ja, ich denke, man kann das sehr gut im Rennverkehr, aber auch beim Fahren in Alleinfahrt einsetzen."

Mick Schumacher mit seinem Fahrer-Coach, Ex-IndyCar-Pilot Ryan Briscoe
Foto: Penske Entertainment
Zur Vorbereitung auf seinen ersten Ovaltest fuhr Schumacher bereits am Dienstag seinen Fahrer-Coach Ryan Briscoe in einem Minivan um das Homestead-Oval mit seiner progressiven Kurvenüberhöhung (Banking) von 18 bis 20 Grad. Dabei gab ihm Briscoe einige Tipps.
Wenngleich sich Schumacher sowohl auf Briscoe als auch auf seinen eigenen Teamkollegen Graham Rahal und andere verlassen konnte, um Ratschläge und zu bekommen, so war es nicht das, was ihm half, sich an das Fahren im Oval zu gewöhnen. Vielmehr war es die geduldige Herangehensweise aller Beteiligten, wie er sagt.
"Sie sagten mir: 'Hey, wir sind nicht hier, um etwas zu beweisen. Wir sind nur hier, um zu lernen.' Das hat mich wirklich angesprochen, denn das war genau die Herangehensweise, die ich verfolgen wollte", sagt Schumacher.
Sein Fazit nach knapp 100 Runden im Homestead-Oval: "Am ersten Tag, an dem man richtig mit dem Team zusammenarbeitet, will man vielleicht gleich noch mehr tun. Ich finde aber, dass es mir wirklich geholfen hat, mit weniger Erwartungen in den Tag zu gehen und einfach alles in meinem Tempo. Ich bin daher rasch zur Erkenntnis zurückgekehrt, dass wir eigentlich hier sind, um zu lernen und die Dinge anzugehen. Ich muss sagen, das war wirklich gut."
"Ryan war großartig, Graham war großartig", lobt Schumacher abschließend einerseits seinen Fahrer-Coach Ryan Briscoe, andererseits Graham Rahal, der im Dreiwagen-Team von Rahal Letterman Lanigan einer seiner zwei Teamkollegen in der bevorstehenden IndyCar-Saison 2026 ist. "Das gesamte Team hat mir das Gefühl gegeben, dass wir alle an einem Strang ziehen und uns Zeit lassen", so Schumacher.
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