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IndyCar Indy 500

Milch, Siegertrophäe, Ziegelsteine und mehr: Die Indy-500-Traditionen erklärt

Der Sieger des Indy 500 trinkt traditionell Milch, erhält die Borg-Warner-Trophy, küsst die Start-Ziel-Linie aus Ziegelsteinen am Memorial-Day-Wochenende und mehr

Milch, Siegertrophäe, Ziegelsteine und mehr: Die Indy-500-Traditionen erklärt

Das Indianapolis 500 - oder einfach nur Indy 500 - ist eines der ältesten Autorennen der Welt. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1911 zurück, als Ray Harroun der erste Sieger wurde. Seitdem hat sich das berühmteste aller 500-Meilen-Rennen zu einem äußerst prestigeträchtigen Event auf und neben der Strecke entwickelt.

Das Indy 500 ist Teil der schwer erreichbaren Triple Crown des Motorsports, bestehend aus Siegen beim Grand Prix von Monaco, bei den 24 Stunden von Le Mans und eben beim Indy 500. Bis heute ist Graham Hill der einzige Fahrer, der das Kunststück vollbracht hat, alle drei Rennen zu gewinnen. Versucht haben es freilich viele andere auch.

Der Indianapolis Motor Speedway (IMS), auf dem das Indy 500 alljährlich ausgetragen wird, befindet sich in Speedway, einem Vorort im Westen von Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana.

Indianapolis Motor Speedway

Luftaufnahme des Indianapolis Motor Speedway (Foto: 2009)

Foto: Motorsport Images

Der Ovalkurs hat eine Rundenlänge von 2,5 Meilen (4,023 Kilometer) und vier Kurven (jeweils 90 Grad Radius mit 9 Grad und 12 Minuten Überhöhung). Die Start-Ziel-Gerade führt von Norden nach Süden, die Gegengerade von Süden nach Norden. Über die Jahrzehnte war das berühmte Oval der Schauplatz vieler legendärer Momente.

Sei es Al Unser Jr., der 1992 mit 0,043 Sekunden Vorsprung den engsten Zieleinlauf in der Geschichte des Indy 500 für sich entschied. Sei es Dan Wheldon, der 2011 beim hundertjährigen Jubiläum siegreich war, nachdem J.R. Hildebrand in der letzten Kurve vor dem Ziel in Führung liegend in die Mauer krachte. Sei es Helio Castroneves, der 2021 seinen vierten Indy-500-Sieg einfuhr, um mit den Rekordhaltern A.J. Foyt, Al Unser und Rick Mears gleichzuziehen.

Bei einem so historischen Rennen wie dem Indianapolis 500 gibt es jede Menge Traditionen - und sogar Aberglaube. Nachfolgend erklären wir einige:

Der Sieger trinkt Milch

Die berühmteste Tradition des Indy 500 ist, dass der Sieger nach dem Rennen Milch trinkt. Sie begann 1936, als Rennsieger Louis Meyer in der Victory Lane Buttermilch trank, weil er angeblich über deren erfrischende Eigenschaften unterrichtet worden war. Dies veranlasste einen Marketingmitarbeiter der Molkereiindustrie dazu, sich zu erkundigen, ob der Sieger des Indy 500 von nun an Milch trinken solle.

Indy-500-Sieger 2015: Juan Pablo Montoya

2015: Juan Pablo Montoya mit der Milch nach seinem zweiten Indy-500-Sieg

Foto: IndyCar Series

Aber es dauerte 20 Jahre, bis sich der Gedanke durchsetzte, denn plötzlich wurde dem Sieger ein Preisgeld für das Trinken von Milch angeboten. Seitdem hat der Indy-500-Sieger in der Victory Lane fast immer Milch getrunken. Die einzige Ausnahme war Emerson Fittipaldi.

Fittipaldi, zweimaliger Formel-1-Weltmeister, sorgte 1993 für Empörung, als er nach seinem zweiten Indy-500-Sieg Orangensaft trank. Er wollte damit Werbung für Orangenplantagen machen, die er in seinem Heimatland Brasilien besaß. Das Ganze wurde jedoch zum ultimativen PR-Fauxpas, da ihn die riesige Zuschauermenge lautstark ausbuhte.

Emerson Fittipaldi

Das kam gar nicht gut an: Emerson Fittipaldi 1993 mit O-Saft statt Milch

Foto: IndyCar Series

Zu allem Überfluss fand 1993 das direkt anschließende Rennen ausgerechnet in Milwaukee statt, gelegen im US-Bundesstaat Wisconsin, welcher den Spitznamen "America's Dairyland" (Amerikas Milchland) trägt. Dort waren die Buhrufe für Fittipaldi nicht weniger lautstark. Seither hat es kein Sieger des Indy 500 mehr gewagt, gegen die Milchtradition zu verstoßen.

Tatsächlich ist die Milchtradition inzwischen so groß, dass vor jedem Indy 500 alle 33 qualifizierten Fahrer nach der Milch ihrer Wahl gefragt werden, für den Fall, dass sie das Rennen gewinnen. Die Auswahl ist dabei recht einfach: Vollmilch, fettarme Milch (zwei Prozent) oder fettfreie Milch.

 

Viele Fahrer wünschen sich allerdings Buttermilch. Schließlich war es das, was Louis Meyer nach seinem Sieg im Jahr 1936 getrunken hatte. In Reihen der IndyCar-Serie führt man an, dass die heutige Buttermilch anders zubereitet wird als in den 1930er-Jahren und dass man diese Option nur in Betracht ziehen werde, sofern die Fahrer sie auch vor dem Rennen trinken. Erst dann wisse man mit Sicherheit, dass Buttermilch den Fahrern tatsächlich schmeckt.

Der Sieger erhält die Borg-Warner-Trophy

Das Indy 500 von 1936 ist auch für die Einführung der Borg-Warner-Trophy bekannt, die seither an jeden Sieger des Rennens verliehen wird. Sie wurde in jenem Jahr auf einer Dinnerparty enthüllt, die von Eddie Rickenbacker, dem damaligen Besitzer des Indianapolis Motor Speedway, ausrichtet wurde. In Auftrag gegeben wurde die Trophäe vom Automobilzulieferer BorgWarner.

Die Borg-Warner-Trophy ist die größte Trophäe im Motorsport. Sie ist sage und schreibe 1,64 Meter (5 Fuß und 4,75 Zoll) groß. Entworfen wurde sie von Robert J. Hill und Spaulding-Gorham, Inc.

Die Borg-Warner-Trophy weist einige Besonderheiten auf, wie beispielsweise die flügelförmigen Griffe, einen Mann, der die Zielflagge schwenkt, oder den großen Sockel, der derzeit noch Platz bis zum Jahr 2033 bietet.

Borg-Warner-Trophy: Siegertrophäe beim Indy 500

Um diese Trophäe geht es beim Indy 500: Die mächtige Borg-Warner-Trophy

Foto: Motorsport Images

Aber das wirklich Einzigartige an der Trophäe ist, dass an ihr die Gesichter aller Indy-500-Sieger angebracht sind. Der Gewinner darf die Trophäe allerdings nicht behalten, denn jeder Indy-500-Sieger erhält eine Nachbildung, die im Volksmund als "Baby Borg" bezeichnet wird. Die offizielle Trophäe wird aufbewahrt im Indianapolis Motor Speedway Museum, das sich im Infield des berühmten Ovals zwischen Turn 1 und Turn 2 befindet.

Der Sieger küsst die Ziegelsteine

Der Indianapolis Motor Speedway ist gemeinhin als "The Brickyard" bekannt, weil die ursprüngliche Oberfläche der Strecke mit Ziegelsteinen gepflastert war.

Obwohl die Rennstrecke heute fast vollständig aus Asphalt besteht, bedeckt ein Streifen aus Ziegelsteinen die Start-Ziel-Linie. Dieser Streifen ist 91 Zentimeter (ein Yard) breit und wird "Yard of Bricks" genannt. Er ebnet den Weg für eine weitere Indy 500-Tradition: das Küssen der Ziegelsteine.

Indy-500-Sieger 2003: Gil de Ferran

Nicht Erfinder, aber Überbringer zum Indy 500: Gil de Ferran beim Küssen der Ziegel 2003

Foto: Motorsport Images

Diese Tradition begann 1996, als NASCAR-Pilot Dale Jarrett und sein Crewchief Todd Parrott nach dem Sieg beim Brickyard 400 auf die Knie gingen, um die Start-Ziel-Linie aus Ziegelsteinen zu küssen.

Sieben Jahre später, im Mai 2003, wurde die Zeremonie auf das Indy 500 übertragen, als Gil de Ferran die Ziegelsteine küsste, um seinen ersten Sieg beim "Greatest Spectacle in Racing" zu feiern. Es war der Beginn einer Tradition, die seither fortgesetzt wird.

Das Wochenende des Memorial Day

Das Indy 500 wurde schon immer in Verbindung mit dem Memorial Day terminiert. Dies geht auf die Anfangsjahre der Strecke zurück, als man Rennen am Decoration Day (ab 1967 Memorial Day genannt), am Independence Day und am Labor Day austrug. Weil aber die Zuschauerzahlen im Jahresverlauf zurückgingen, beschlossen die Organisatoren, sich auf ein einziges Rennen zu konzentrieren. Dieses sollte als das Indy 500 bekannt werden.

Später beschlossen die Organisatoren, das Indy 500 am Decoration Day durchzuführen, da die örtlichen Landwirte Ende Mai eine Arbeitspause einlegten. Von 1911 bis 1970 wurde das Indy 500 immer am 30. Mai ausgetragen, es sei denn, dieses Datum fiel auf einen Sonntag. In solchen Fällen wurde aus streckenpolitischen Gründen erst am Montag gefahren.

1971 trat dann der "Uniform Monday Holiday Act" in Kraft und erklärte den Memorial Day offiziell zum landesweiten Feiertag. Das bedeutete, dass ein dreitägiges Wochenende eingeführt wurde, welches mit dem letzten Montag im Mai seinen Höhepunkt erreicht.

Pace-Laps zum Indy 500

Die Pre-Race-Show beim Indy 500 sucht ihresgleichen

Foto: Vision Sport Agency

Von 1971 bis 1973 wurde das Indy 500 entweder am Samstag oder am Montag des Memorial-Day-Wochenendes ausgetragen. Doch 1974 wurde beschlossen, das Rennen fortan immer am Sonntag stattfinden zu lassen. Diese Tradition wurde bis heute beibehalten.

Ausnahmen gab es lediglich aufgrund von wetterbedingten Verschiebungen (1986 und 1997) und aufgrund des Ausbruchs der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020. Im letztgenannten Fall fand das Indy 500 erst im August statt - noch dazu vor Tribünen, die komplett leer waren, wohingegen sie normalerweise bis zu 250.000 Zuschauer beherbergen.

Die Startnummer 13 und grüne Autos

Die Triskaidekaphobie - extremer Aberglaube in Bezug auf die Nummer 13 - ist beim Indy 500 stark ausgeprägt. Zwischen 1926 und 2002 war es den Fahrern sogar offiziell untersagt, diese Nummer als ihre Startnummer zu verwenden.

Das geschah, nachdem der Fahrer mit der Startnummer 13 im Jahr 1911 das Rennen nicht beendet hatte. Im Jahr 1914 fuhr George Mason das Auto mit der Nummer 13, kam aber nur auf Platz 23 ins Ziel. Seitdem haben beim Indy 500 nur drei Fahrer die Startnummer 13 verwendet: Greg Ray wurde 2003 Achter, wohingegen E.J. Viso (2009) und Danica Patrick (2018) nicht ins Ziel kamen.

Danica Patrick

Danica Patrick verstieß 2018 gleich gegen zwei Aberglauben: Kein Wunder, dass sie ausschied

Foto: Motorsport Images

Abgesehen davon gibt es auch einen Aberglauben gegen die Verwendung von grünen Autos. Es wird angenommen, dass Gaston Chevrolet, der Indy-500-Sieger von 1920, ein grünes Auto fuhr, als er nur sechs Monate nach seinem Indianapolis-Sieg bei einem Unfall auf dem Beverly Hills Speedway (Kalifornien) ums Leben kam.

Der Monat Mai

Der Monat Mai ist eine Tradition, die auf das erste Indy 500 im Jahr 1911 zurückgeht. Er bezieht sich auf die Wochen vor dem Rennen. In der Vergangenheit wurde die Rennstrecke regelmäßig am 1. Mai für das Training freigegeben, wenngleich im Laufe der Jahre einige Teams sogar bereits im April eingetroffen waren.

Startaufstellung zum Indy 500

Der Monat Mai steht in Indianapolis ganz im Zeichen des Indy 500

Foto: Motorsport Images

Es mag seltsam erscheinen, dass die Teams für ein einziges Rennen so viel Training benötigen, aber das Indy 500 ist eine riesige Veranstaltung, bei der in der Regel mehrere Nicht-Vollzeitstarter antreten, sodass viel Streckenzeit benötigt wird.

Das Qualifying für das Indy 500 ist an sich schon ein großes Ereignis. Es umfasst zwei Tage, sodass die Teams dafür trainieren müssen, bevor sie sich auf das Rennen konzentrieren.

Die Festival-Parade in Downtown Indianapolis

Die 500-Festival-Parade ist jedes Jahr das größte Ereignis in der Innenstadt von Indianapolis. Etwa 200.000 Menschen versammeln sich am Tag vor dem Indy 500, um die Feierlichkeiten des Monats Mai zu begehen.

Die Parade wurde erstmals im Jahr 1957 veranstaltet, um die Stadt noch stärker mit dem weltberühmten Rennen zu verbinden. Sie erwies sich auf Anhieb als großer Erfolg, womit sich eine weitere jährliche Tradition entwickelte.

Indy 500 Festival Parade in Downtown Indianapolis

Die Parade in der Innenstadt ist Jahr für Jahr ein großes Spektakel

Foto: Motorsport Images

Jeder Fahrer, der sich für das Indy 500 im jeweiligen Jahr qualifiziert hat, ist bei der Parade dabei - ebenso wie riesige Heliumballons, Marschkapellen, Militäreinheiten und Unterhaltungskünstler. Rund 800 Menschen helfen freiwillig mit, den Tag zu einem Erfolg zu machen.

In jüngster Vergangenheit stand die Parade immer unter einem bestimmten Motto. Im Jahr 2023 lautete es "Fuelling May", womit all das gefeiert wurde, was den Monat Mai alljährlich zu einem großen Spektakel in der Stadt Indianapolis macht.

Das Essen, das die Fans essen

Ein paniertes Schweinefilet-Sandwich wird von den Fans beim Indy 500 traditionell gegessen, da es eine beliebte Kreation aus dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten ist, zu dem der Bundesstaat Indiana gehört. Es wird angenommen, dass diese Tradition in den 1990er-Jahren begann. Seitdem ist das 10-Dollar-Sandwich zu einem Grundnahrungsmittel in Indy geworden.

Fans am Indianapolis Motor Speedway

Beim Indy 500 feiern die Fans nicht nur beim Rennen, auch Konzerte locken

Foto: Motorsport Images

Es gibt allerdings auch einige Lebensmittel, die die Fans nicht anrühren wollen. Erdnüsse zum Beispiel gelten beim Indy 500 seit den 1940er-Jahren als Unglücksbringer, weil sie angeblich im Cockpit eines verunfallten Autos gefunden wurden.

Der Indianapolis Motor Speedway weigerte sich daraufhin mehrere Jahre lang, Erdnüsse zu verkaufen. Seit 2009 hat sich der Mythos aber einigermaßen gelegt und Erdnüsse werden wieder an der Strecke verkauft.

Die Last-Row-Party

Die Last-Row-Party findet seit 1972 jedes Jahr am Donnerstag- oder Freitagabend vor dem Indy 500 statt. Es handelt sich dabei um eine Wohltätigkeitsveranstaltung, bei der die drei Fahrer, die beim Indy 500 aus der letzten Reihe (Startreihe 11) starten, gefeiert - und in die Pfanne gehauen - werden.

Auf diese Weise werden sie ins Rampenlicht gerückt, bevor sich die Aufmerksamkeit am Renntag unweigerlich auf die Fahrer an der Spitze des 33-köpfigen Feldes richtet. Die Last-Row-Party findet im Hulman Terrace Club direkt am Indianapolis Motor Speedway statt. Fans erhalten Eintrittskarten und können die Gelegenheit einer Autogrammstunde mit den gefeierten Fahrern wahrnehmen.

Die Last-Row-Party ist vergleichbar mit "Mr. Irrelevant", einem Begriff für denjenigen Spieler in der American-Football-Liga NFL, der beim jährlichen Draft als Letzter ausgewählt wird. Für diese "Ehre" gibt es Geschenke wie etwa eine Trophäe oder eine Reise ins Disneyland California in Anaheim.

FOTOSTRECKE: Die komplette Startaufstellung zum 108. Indy 500

Weiterlesen:

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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