Mit Ovalrennen: Jimmie Johnson plant IndyCar-Karriere über 2022 hinaus

Nach seinem ersten IndyCar-Ovaltest peilt Jimmie Johnson jetzt den Rookie-Test für das Indy 500 an und kann sich gut vorstellen, über 2022 hinaus für Ganassi zu fahren

Mit Ovalrennen: Jimmie Johnson plant IndyCar-Karriere über 2022 hinaus

Jimmie Johnson hat in seiner ersten Saison als IndyCar-Pilot noch drei Rennen vor sich: die beiden Rennen auf den permanenten Rundstrecken Portland (12. September) und Laguna Seca (19. September) sowie auf dem Stadtkurs in Long Beach (26. September).

Wenngleich Johnson in seiner Rookie-Saison im Formelsport die Ovale noch ausgelassen hat, so hat er seine ersten Ovalrunden im IndyCar-Boliden mittlerweile trotzdem absolviert. Am Montag der vergangenen Woche testete der siebenmalige NASCAR-Champion seinen von Chip Ganassi Racing eingesetzten Dallara-Honda mit der Startnummer 48 sieben Stunden lang auf dem Texas Motor Speedway in Fort Worth.

Scott Dixon und Tony Kanaan als seine Teamkollegen und auch Ganassis Fahrercoach Dario Franchitti standen Johnson beim Test mit Rat und Tat zur Seite. Dabei ist der Kalifornier auf den Geschmack gekommen.

"Je schneller man fährt, desto besser liegt das Auto dank des Abtriebs. Das ist etwas, was ich so nicht erwartet hatte", gab Johnson zu. "Ich hatte gedacht, dass es sich am Ende der Geraden, am Eingang der Kurven unruhiger anfühlen würde. Aber das Auto klebte förmlich auf der Bahn. Das hat mir die Augen geöffnet."

Nach Ovaltest: Volle Saison 2022 möglich, aber noch nicht sicher

Tatsächlich hatte Johnson bei besagtem Texas-Test ein derart gutes Gefühl, dass er als nächstes nun den von IndyCar angesetzten Test am 8. Oktober auf dem Indianapolis-Oval anvisiert. "Ich würde sagen, dass der Rookie-Test dort der nächste logische Schritt wäre. Anschließend würden wir uns dann mit Team und Sponsoren zusammensetzen, um das weitere Programm zu besprechen. Können wir es stemmen? Wie würden wir es angehen? Und wie würde es aussehen?", so der NASCAR-Star, der damit eine potenzielle Ausweitung seines Programms in der IndyCar-Saison 2022 anspricht.

Jimmie Johnson

30. August, Texas Motor Speedway: Johnson bei seinem ersten IndyCar-Ovaltest

Foto: Texas Motor Speedway

Ursprünglich hatte man bei Ganassi für Johnson auch im zweiten Jahr seiner IndyCar-Karriere ausschließlich die Rennen auf Rundstrecken und Stadtkursen vorgesehen. Nun aber kann sich der 45-Jährige auch Ovalrennen vorstellen. Von einer vollen Saison 2022 will er aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sprechen.

"Momentan geht es darum, den Weg nach Indy zu ebnen", bezieht sich Johnson auf das Indy 500 am 29. Mai 2022 und merkt an: "Allein für dieses eine Event gibt es noch zahlreiche Hürden, dass es zum jetzigen Zeitpunkt schwerfällt, die anderen [Ovalrennen] ins Auge zu fassen."

"Aber", so Johnson weiter, "ich werde mich mit dieser Entscheidung und mit dieser Aussicht irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft auseinander setzen müssen. Warten wir jetzt erst mal ab, wie der nächste Test läuft und wie sich alles ergibt. Es gibt jedenfalls noch jede Menge wichtige Bausteine zu setzen. Mein Interesse ist dabei nur ein Teil des Ganzen. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen."

Einstiger "Vertrag" mit Ehefrau Chandra ist hinfällig

Seine anfänglichen Vorbehalte gegenüber IndyCar-Rennen im Oval, die ihn noch vor wenigen Jahren das Indy 500 kategorisch ausschließen ließen, hat Johnson mittlerweile abgelegt. Grund dafür ist der erhöhte Sicherheitsstandard, den die aktuellen Boliden allen voran mit dem Cockpitschutz Aeroscreen bieten.

Jimmie Johnson mit Ehefrau Chandra

Chandra Johnson hatte ursprünglich nur Ovalrennen in der NASCAR zugestimmt

Foto: Motorsport Images

"Das IndyCar, wie wir es heute haben, ist einfach komplett anders als es noch vor fünf Jahren war. Angefangen beim Aeroscreen, über die Sicherheitsvorkehrungen in so vielen unterschiedlichen Bereichen, bis hin zur Tatsache, dass es kein Pack-Racing mehr gibt", zählt Johnson auf.

Und: Dank des Aeroscreen hat Johnson beim Thema Ovalrennen mit IndyCars jetzt auch seine Familie hinter sich. Sein ursprünglich mit Ehefrau Chandra geschlossener "Vertrag", wonach er niemals das Indy 500 fahren werde, ist hinfällig. Denn der Aeroscreen ist genau jenes "Dach" über dem offenen Cockpit, das Johnson damals als Beobachter der IndyCar-Serie vermisste.

Beim Gedanken an seine Ehefrau Chandra und die beiden Töchter Genevieve (elf Jahre) und Lydia (acht Jahre) sagt Johnson heute: "Sie haben natürlich eine gewichtige Stimme bei diesem Thema, aber auch sie sehen, wie wohl ich mich fühle." Und so kann sich Johnson schon jetzt sehr gut vorstellen, seinen derzeit bis Ende 2022 laufenden Ganassi-Vertrag als IndyCar-Pilot zu verlängern.

Johnson setzt sich konkrete Ziele für 2022 und darüber hinaus

"Ich mache es gerne öffentlich und sage, dass ich so viele Jahre in der IndyCar-Serie fahren werde wie Chip [Ganassi] mich haben will und ich Sponsoren finden kann. Ich habe einfach unglaublich viel Spaß auf jeder Runde, die ich in diesem Auto sitze. Und ich werde dabei noch besser. Sollte ich auch 2023 fahren, dann würden die Erwartungen noch steigen und meine Performance wäre besser als jetzt. Meine Absicht ist es, so lange hier zu bleiben wie es möglich ist."

Johnsons bislang beste Platzierung nach neun Rennen abseits von Ovalen sind zwei 19. Plätze. Die hat er zum einen direkt bei seinem IndyCar-Debüt im April im Barber Motorsports Park, zum anderen im August bei seinem zweiten Auftritt auf dem Indianapolis-Rundkurs eingefahren. Doch während P19 beim Saisonauftakt nicht zuletzt dank einiger Ausfälle im Feld zustande kam, war P19 auf dem Indy-Rundkurs ein aus eigener Kraft herausgefahrenes Ergebnis, das Johnsons Fortschritte deutlich gemacht hat.

Jimmie Johnson

Auf dem Indianapolis-Rundkurs fuhr Johnson im August sein bisher bestes IndyCar-Rennen

Foto: Motorsport Images

"Ich weiß, dass es für Außenstehende schwer erkennbar ist, aber meine Fortschritte sind gewaltig", sagt der prominente Ganassi-Rookie und spricht das Indianapolis-Rundkurs-Rennen vom August an: "Indy war etwas, was es für alle ein bisschen besser sichtbar gemacht hat. Für die verbleibenden Rennen in diesem Jahr hoffe ich sehr, dass es mal in die Top 15 schaffe, um ausgehend davon dann für 2022 aufbauen zu können."

"Auf Rundstrecken halte ich es für ein realistisches Ziel, dass ich es bis Ende 2022 in die Top 10 schaffe, und dass ich mich konstant im Mittelfeld qualifiziere, vielleicht auch im vorderen Mittelfeld", blickt Johnson auf die kommende Saison voraus.

Und vorausgesetzt, die derzeit noch bestehenden "zahlreichen Hürden" auf dem Weg zu einem Indy-500-Start werden noch genommen, dann könnte der siebenmalige NASCAR-Champion im Mai des kommenden Jahres auch beim IndyCar-Saisonhöhepunkt, dem berühmtesten Ovalrennen der Welt, antreten.

Fotos aus der IndyCar-Karriere von NASCAR-Star Jimmie Johnson

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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