RLL-Präsident lobt Mick Schumacher: "Echter Profi mit wertvollem Beitrag"
Jay Frye, bei Rahal Letterman Lanigan der Teampräsident, äußert sich am Rande der Indy-500-Trainings voll des Lobes über IndyCar- und Oval-Rookie Mick Schumacher
Jay Frye, Teampräsident bei RLL, ist von Rookie Mick Schumacher begeistert
Foto: Jake Galstad / Motorsport Images
Während sich das 33-köpfige Feld der Indy-500-Teilnehmer 2026 derzeit intensiv auf das bevorstehende Saisonhighlight vorbereitet, indem Tag für Tag sechs Stunden lang auf dem Indianapolis Motor Speedway gefahren wird, ist diese Erfahrung für die drei Rookies im Feld eine ganz neue. Einer der Rookies ist Mick Schumacher, der für Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) antritt.
Bei RLL kann Schumacher auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz zurückgreifen und kann sich Tipps holen, wann immer er diese braucht. Seine Anlaufstellen sind - neben anderen im Team - nicht zuletzt Graham Rahal, Takuma Sato und Ryan Briscoe.
Graham Rahal, Sohn von Bobby Rahal, dem Indy-500-Sieger von 1986 und RLL-Teamgründer, steht vor seiner 19. Teilnahme am Indy 500. Sato, der auch in diesem Jahr wieder den nur beim Indy 500 eingesetzten vierten Boliden von RLL fährt, steht vor seiner 17. Teilnahme und ist bereits zweimaliger Indy-500-Sieger.
Briscoe war in seiner aktiven Karriere als IndyCar-Pilot zehnmal beim Indy 500 am Start, im Jahr 2012 war er (als damaliger Penske-Pilot) der Polesetter. Bei RLL ist Briscoe seit Saisonbeginn 2026 als Fahrercoach tätig und kümmert sich in dieser Rolle in erster Linie um Schumacher.
RLL-Teampräsident Jay Frye, der bis Anfang des Jahres 2025 noch Präsident der gesamten IndyCar-Serie war, weiß um die günstige Konstellation, die Mick Schumacher im Team vorfindet. Er weiß aber auch, dass Schumacher einer ist, der selber jede Menge Erfahrung mitbringt - wenn auch nicht aus der IndyCar-Serie, geschweige denn in der ganz speziellen Disziplin des Oval-Fahrens.

Mick Schumacher mit Ryan Briscoe beim Datenstudium am Indianapolis Motor Speedway
Foto: Geoff Miller / Lumen via Getty Images
"Ich glaube, in seiner Position ist es für ihn sicherlich von Vorteil, Graham, Takuma und Ryan an seiner Seite zu haben. Das ist wirklich eine gute Sache. Sie bringen nochmals andere Sichtweisen und andere Kenntnisse als er selber hat, mit ein", sagt Frye im Gespräch mit Motorsport-Total.com.
Über Schumacher sagt Frye: "Er ist viel Formel 1 gefahren, ist WEC gefahren. Natürlich war er noch nie hier, aber er ist jemand, der sein eigenes Gespür hat und zu vielen Dingen seine eigene Meinung vertritt. Eine seiner großen Stärken ist es, basierend auf seinem Können und der Art, wie er Dinge angeht, unterschiedliche Meinungen und Ideen zu sortieren. Er ist zweifellos ein Profi, er kennt sich aus."
Was Jay Frye an Mick Schumacher begeistert
Genau das ist Frye an Schumacher nicht zuletzt bei dessen erstem Ovalrennen aufgefallen. Auf dem Ein-Meilen-Oval in Phoenix, wo Anfang März das zweite Saisonrennen über die Bühne ging, verblüffte Schumacher mit P4 im Qualifying unter anderem den zweimaligen IndyCar-Champion Josef Newgarden, der tags darauf das Phoenix-Rennen gewann.
Nicht nur Newgarden, auch Frye äußert sich angetan, wenn er an Schumachers Performance an jenem Wochenende zurückdenkt: "In Phoenix hat er unsere Erwartungen für sein erstes Ovalrennen definitiv übertroffen. Er fuhr auf Platz vier im Qualifying, doch dann hatten wir [im Rennen] ein Problem in der Box, als der Schlagschrauber versagte."
Ohne das Problem mit dem Schlagschrauber wäre Schumacher laut Frye "wahrscheinlich nicht in Rundenrückstand geraten". Der RLL-Teampräsident glaubt: "Er hat sich in den Top 5 qualifiziert und wäre in der Führungsrunde ins Ziel gekommen, was für sein erstes Ovalrennen wirklich spektakulär ist."
Mick Schumachers erster Auftritt überhaupt in einem Oval war das Rennwochenende Anfang März in Phoenix aber nicht. Wenige Wochen zuvor nahm er am zweitägigen Vorsaisontest teil, der ebenfalls auf dem Phoenix Raceway über die Bühne ging. Doch es war ein anderer Ovaltest, an dem Schumacher Frye sofort überrascht hat, nämlich gleich der erste.
Dieser erste Ovaltest fand für Schumacher Anfang Februar auf dem Homestead-Miami Speedway statt. Es war ein reiner Privatest von RLL, also ohne andere Teams vor Ort. "Es ist schon lustig", sagt Frye und erinnert sich: "In Homestead haben wir gleich auf Anhieb gesehen, dass es für ihn ganz natürlich aussah, obwohl er das noch nie gemacht hatte. Er hat es einfach auf Anhieb verstanden."

Seine ersten Ovalrunden drehte Mick Schumacher am 4. Februar in Homestead
Foto: Penske Entertainment
"Natürlich ist es für ihn sehr ungewohnt, weil er es nie zuvor gemacht hat", so Frye über Schumacher und das Ovalfahren. "Aber er hat es sehr schnell begriffen. Das sehen wir ganz deutlich. Er begreift überhaupt alles sehr schnell. Er ist jemand, der seinen Sport, seinen Beruf genau studiert. Die Art, wie er sich verhält, ist eine ganz besondere. Er ist ein echter Profi."
Mick Schumacher macht sich laut Frye "phänomenal gut"
Ein Faktor, der Schumacher dabei zu Gute kommt, ist neben seiner umfassenden Erfahrung aus anderen Rennserien auch sein Alter. Der Sohn des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher ist eben keiner, der als Teenager in die IndyCar-Serie eingestiegen ist. Am 22. März dieses Jahres, als er seine ersten drei IndyCar-Rennen bereits hinter sich hatte, feierte Mick Schumacher seinen 27. Geburtstag.
"Das ist ganz sicher ein Faktor", sagt Frye und holt aus: "Er weiß genau, was er noch nicht weiß. Und wie ich schon sagte, er ist sehr wissbegierig, ein echter Schwamm. Er begreift die Dinge sehr schnell. Jedes Mal, wenn er auf die Strecke geht, wird er besser, egal wo wir gerade fahren. Er macht sich phänomenal gut."

Mick Schumacher beim Indy-500-Training auf dem Indianapolis Motor Speedway
Foto: Brandon Badraoui / Lumen via Getty Images
"Es ist eine wahre Freude, mit ihm zusammen zu arbeiten. Er nimmt sein Handwerk sehr ernst, er nimmt die IndyCar-Serie sehr ernst und er nimmt seinen Wunsch, hier wirklich gut zu sein, sehr ernst. Genau so geht er die ganze Sache an. Ich glaube, es gibt wirklich keine Grenzen für das, was er erreichen kann. Wir sind ausgesprochen zufrieden damit, wie die Dinge laufen", so der Teampräsident von Rahal Letterman Lanigan Racing.
RLL beim Indy 500 mit "interessantem Mix" aus vier Fahrern
Das Fahreraufgebot, mit dem RLL den bevorstehenden Saisonhöhepunkt auf dem Indianapolis-Oval (Zeitplan, Starterliste, Streckendaten, Hintergründe, Livestream, TV: Alle Informationen zum Indy 500 der IndyCar-Saison 2026) in Angriff nimmt, bezeichnet Frye als "interessanten Mix". Damit meint er nicht nur die Routine von Graham Rahal und Takuma Sato auf der einen Seite, und die noch geringe Oval-Erfahrung, aber große Wissbegier von Mick Schumacher auf der anderen Seite.
Frye verweist auch darauf, dass der dritte Stammfahrer im Team - Louis Foster - seinerseits noch nicht über allzu viel Erfahrung im Oval verfügt. Foster, der mit 22 Jahren der jüngste Fahrer im Team ist, war in der IndyCar-Saison 2025 einer der Neulinge im Feld und am Ende "Rookie of the Year".
"Wir haben also zwei Leute mit 20 Jahren Erfahrung hier und zwei mit null beziehungsweise einem Jahr. Das ist doch ein interessanter Mix, oder? Alle nehmen ihre Arbeit sehr ernst. Es ist wirklich eine gute Mischung, eine gute Dynamik", sagt Frye.

Takuma Sato und Graham Rahal: Die Routiniers im Rahal-Team
Foto: Penske Entertainment
Und was sagt der Teampräsident von RLL zur Performance, die Mick Schumacher bislang auf dem Indianapolis-Oval abgeliefert hat? "Auch hier gilt, dass er es wieder einmal sehr schnell begriffen hat. Schon beim Open-Test war er von Anfang an gut. Es scheint, als würde er sich mit jedem Run wohler fühlen. Er tut jedenfalls nichts Unberechenbares oder so etwas. Er wirkt sehr souverän. Und bei den Nachbesprechungen sind sein Feedback und seine Kommentare sehr gut. Er leistet einen wertvollen Beitrag."
Bei der Abschlussfrage, nämlich der, was seiner Ansicht nach für Schumacher am 24. Mai in dessen erstem Indy 500 ein Erfolg wäre, tut sich Frye mit einer Antwort schwer. Gleichzeitig traut er dem Rookie aus Deutschland, nicht zuletzt nach dessen Phoenix-Performance, eine Überraschung zu.
"Ich glaube, wenn man sich Phoenix ansieht, so hat er dort die Erwartungen definitiv übertroffen. Wir wussten ja anfangs gar nicht, was wir erwarten durften. Jetzt sind wir hier beim Indianapolis 500, und ich weiß nicht so recht, wie ich darauf antworten soll. Wir wünschen uns natürlich, dass er alle 200 Runden fährt, alles genießen kann und während des gesamten Rennens dazulernt. Aber ich glaube durchaus, dass er auch hier die Erwartungen wieder übertreffen könnte", so Frye.
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