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"Spider-Man" Castroneves über seinen emotionalen dritten Indy-500-Sieg

Helio Castroneves gibt Einblicke in seine Gefühlswelt nach seinem dritten Indy-500-Sieg im Jahr 2009 - Er war zuvor wegen Steuerhinterziehung angeklagt worden

"Spider-Man" Castroneves über seinen emotionalen dritten Indy-500-Sieg

Ganze dreimal hat "Spider-Man" Helio Castroneves in seiner IndyCar-Karriere das Indy 500 gewonnen. Der 45-Jährige stand zuletzt im Jahr 2009 in der "Victory-Lane" und durfte sowohl die köstliche Siegermilch kosten als auch die berühmten "Bricks" küssen. Für den Brasilianer aus Sao Paulo war es eine Achterbahn der Gefühle, da er zuvor in einen Rechtsstreit verwickelt war.

Castroneves verpasste in der Saison 2009 den Auftakt in St. Petersburg, weil er wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde. Nach seinem Freispruch erhielt er sein Cockpit bei Penske wieder zurück, das Will Power übernommen hatte, der dann zunächst als Teilzeitfahrer für das Team startete. Castroneves wurde in Long Beach Siebter und Kansas Zweiter.

Sein drittes Rennen der Saison war das Indianapolis 500, dass er rund zwei Sekunden vor Dan Wheldon gewann. Dritte wurde Danica Patrick, die damit als erste Frau beim IndyCar-Klassiker in den Top 3 landete. Der Sieg war für Castroneves eine echte Befreiung, da die Monate zuvor zu den härtesten in seinem Leben gehört haben.

"Es war eine schwere Zeit", sagt Castroneves über die Gerichtsverhandlung im 'ISM-Museum Zoom Cast'. "Insbesondere, weil ich nicht verstanden habe, worüber die überhaupt gesprochen haben. Das durchzumachen, war wirklich schwierig, weil ich nicht wusste, was mit meinem Leben passieren wird. Ich wollte unbedingt weiter Rennen fahren, weil das mein Leben ist. Das ist die Luft, die ich atme. Die kann man mir einfach nicht wegnehmen."

Vaterglück und der dritte Indy-500-Sieg

Vom tiefsten Tief ging es dann fix zum höchsten Hoch und damit ist nicht der Indy-500-Sieg gemeint. "Ich habe die Pole-Position geholt und viele Leute wissen nicht, dass Adriana [damalige Freundin, heute Frau des Rennfahrers] mir zu diesem Zeitpunkt gesagt hat, dass sie schwanger ist. Ich dachte mir: 'Gestern hast du noch nichts gesagt und heute bis du schwanger?' Ich habe das nicht so ganz aufnehmen können."

Helio Castroneves

Helio Castroneves küsst traditionell die "Bricks" in Indianapolis

Foto: Michael C. Johnson

Für Castroneves begann damit ein neuer Lebensabschnitt, den er gleich in der Victory-Lane des Indianapolis Motor Speedway feiern durfte. "Als ich über die Ziellinie fuhr, war es wie im Film", sagt der Brasilianer. "Ich kann mich noch an jedes Detail erinnern. Mein Auto war gut, nicht so gut wie im Jahr 2003, aber fast genauso schnell."

Dabei lief das Rennen für den IndyCar-Veteran nicht immer nach Plan. "Probleme bei den Boxenstopps" warfen den erfahrenen Rennfahrer auf Platz sechs zurück. Beim drittletzten Service-Stopp sprang er dann aber auf Platz zwei nach vorne. "Ich habe dann Scott Dixon, der das Rennen angeführt hat, beim Re-start überholt. Ich dachte mir: 'Das lässt du dir nicht mehr nehmen!' Und dann boom ..."

Diskussionen am Funk über die Strategie

Helio Castroneves

Castroneves feiert mit der Siegermilch von Indianapolis

Foto: Michael C. Johnson

Sein Teamkollege Ryan Briscoe war damals auf einer anderen Strategie unterwegs und dann hörte Castroneves die Stimme des heutigen Penske-Präsidenten Tim Cindric, Vater von NASCAR-Xfinity-Champion Austin Cindric, im Ohr: "Du musst Sprit sparen!" Castroneves hatte aber andere Pläne: "Ich sparte keinen Sprit, da ich wusste, dass er die Führung übernehmen würde, wenn es eine Gelbphase geben würde. Es gab eine große Diskussion im Funk."

Castroneves setzte sich durch und schaffte es, eine Lücke auf die Konkurrenz aufzubauen. Letztlich waren es Wheldon und Patrick, die um den zweiten Platz kämpften - nicht Briscoe, der nur 15. wurde. Nach dem letzten Re-start gab Castroneves alles, um Wheldon und Patrick abzuschütteln und aus seinem Windschatten zu werfen. "Es klappte und ich war zwei bis drei Sekunden vorne", erinnert er sich.

Helio Castroneves

Castroneves feiert seinen dritten Indy-500-Sieg im Jahr 2009

Foto: Michael C. Johnson

Dann waren es nur noch wenige Meter bis zum erlösenden dritten Indy-500-Sieg seiner Karriere: "Ich habe es nicht geglaubt. Ich habe immer wieder daran gedacht, dass ich beinahe gar nicht hätte hier sein können. Roger Penske und Mike Szymanski von Philip Morris waren da. Ich habe ihnen tausend Mal dafür gedankt, dass sie mir mein Leben wieder zurückgegeben haben. Das war wirklich ein perfekter Abschluss dieses Kapitels."

Weiterer Versuch im Jahr 2021 mit Meyer Shank

Den Siegerring trägt Castroneves mit stolz, aber er hofft jedes Jahr im Mai, dass er ihn durch einen neuen Ring ersetzen kann. Im Jahr 2021 wird der 45-Jährige, der sich den Spitznamen Spider-Man deshalb verdient hat, weil er nach Siegen immer an den Zäunen der Strecke hochgeklettert ist, für Meyer Shank ein Teizeitprogramm in der IndyCar-Serie fahren und wieder beim Indy 500 angreifen.

"Mike [Shank] ist ein guter Freund, der mir damals im Jahr 2007 erstmals die Möglichkeit gegeben hat, am 24h von Daytona teilzunehmen", so Castroneves. "Jetzt bekomme ich die Möglichkeit, wieder für ihn zu fahren, gemeinsam mit meinem Teamkolllegen Jack Harvey. Ich sehe ihn als einen Fahrer an, der eine Menge Potenzial hat. Ich garantiere euch, dass er in diesem Jahr Rennen in der IndyCar-Serie gewinnen wird."

Mit Bildmaterial von IndyCar Series.

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Artikel-Info

Rennserie IndyCar
Event Indy 500
Fahrer Helio Castroneves
Urheber André Wiegold