"Wird verdammt hart": Mick Schumacher nach P4 vor Oval-Debüt bodenständig
Nach der Qualifying-Sensation von Phoenix herrscht bei den Fans von Mick Schumacher Euphorie - Doch der Rookie selbst tritt auf die Bremse
Mick Schumacher hebt nach dem sensationellen Qualifying in Phoenix nicht ab
Foto: Kevin Abele / Icon Sportswire via Getty Images
Startreihe zwei, zweitbester Honda im Qualifying und das Lob von Ex-Champion Josef Newgarden im Gepäck: Mick Schumachers Einstand in der Welt der Linkskurven hätte kaum besser laufen können. Vielleicht weckt die Riesenleistung im Qualifying übertriebene Erwartungen. Beim 26-Jährigen jedoch nicht; er bleibt auch nach dem völlig überraschenden Erfolg gewohnt analytisch.
"Es ging im Qualifying eigentlich nur darum, die Abläufe im Kopf zu haben", erklärt Schumacher nach seinem Husarenritt auf dem 1-Meilen-Oval. "Die verschiedenen Einstellungen am Lenkrad, die Sequenzen, die Runden durchzugehen. Viel mehr kann man in diesem Moment nicht tun."
Er habe versucht, das Maximum aus dem Paket von Rahal Letterman Lanigan Racing herauszuholen, fährt er fort. Was mit Startplatz vier eindrucksvoll gelang: RLL feierte das erfolgreichste IndyCar-Qualifying auf einem Kurzoval seit Chicago 2005. Damals war die US-Formelszene noch in zwei Serien gesplittet, sodass nicht alle Teams gegeneinander antraten. (Zur Geschichte der Serie und anderen wichtigen Fragen und Antworten zu IndyCar)
Die Ungewissheit des Rennens
Trotz der exzellenten Ausgangsposition ist sich Schumacher bewusst, dass die 250 Meilen in der Wüste Arizonas eine völlig andere Hausnummer werden als zwei Qualifying-Runden im Einzelzeitfahren. "Es ist toll, von so weit vorne zu starten, aber ich habe keine Zweifel daran: Das Rennen wird verdammt hart", so Schumacher mit Blick auf den Samstagabend.
Besonders die fehlende Erfahrung im dichten Verkehr und die aerodynamischen Turbulenzen (der Fachjargon für "Dirty Air" lautet hier "Airwash") bei über 280 km/h Kurvengeschwindigkeit werden zur Reifeprüfung. (Erklärt: So funktioniert das IndyCar-Racing im Oval)
Da er als erster Fahrer im Qualifying keine Referenzwerte hatte, konnte er sich ganz auf sein eigenes Gefühl verlassen - im Rennen wird er sich permanent an 24 Kontrahenten orientieren müssen.
Timo Glock: "Man darf nicht driften"
Auch Sky-Experte Timo Glock, der selbst über Erfahrung im US-Formelsport verfügt, unterstreicht vom anderen Ende der Welt - beim Formel-1-Auftakt in Melbourne - die Komplexität der Aufgabe. "Es sieht von außen relativ einfach aus, weil es nur im Kreis geht, aber es ist eine völlig andere Herangehensweise", so Glock.
Besonders begeistert zeigt er sich Glock vom Lob der Konkurrenz: "Das beste Kompliment, was man bekommen kann, ist von Josef Newgarden. Wenn einer wie er von einer 'unfassbaren Leistung' spricht, sagt das alles aus."
Laut Glock liegt die Schwierigkeit auf Ovalstrecken darin, den Grenzbereich ohne zu finden, ohne zu rutschen: "Du darfst nicht driften. Man muss genau den Weg finden, dass das Auto nicht slidet, aber noch genügend km/h mitnimmt. Wir reden hier über Nuancen von ein oder zwei km/h, die man spüren muss." Glock fuhr 2005 in der ChampCar-Serie auf den Ovalen von Milwaukee und Las Vegas.
Für das Rennen sieht Glock eine steile Lernkurve auf Schumacher zukommen: "Was ihn im Rennen erwartet, ist, mit der Strecke mitzugehen. Sobald die Temperatur sinkt oder mehr Gummiabrieb auf dem Asphalt liegt, verändert sich das Fahrverhalten massiv. Wie man darauf als Fahrer reagiert, ist eine reine Lernphase. Aber ich ziehe absolut den Hut vor Mick, dass er im Qualifying so eine sensationelle Leistung abgeliefert hat."
Ob Mick Schumacher diese Präzision über die volle Renndistanz halten kann, zeigt sich heute Abend. Um 21:00 Uhr MEZ beginnt die Liveübertragung vom zweiten Saisonlauf der IndyCar-Serie, die Grüne Flagge zum Rennstart wird um 21:20 Uhr geschwenkt. (Alle Infos zum Rennen in Phoenix)
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