Zum Hauptinhalt springen

Kostenlos registrieren

  • Direkt zu Deinen Lieblingsartikeln!

  • Benachrichtigungen für Top-News und Lieblingsfahrer verwalten

  • Artikel kommentieren

24h Nürburgring 2026: Winward-AMG #80 siegt nach Verstappen-Drama

Nach dem Antriebswellen-Drama bei Verstappen Racing springt das Ravenol-Fahrzeug in die Bresche - Sekundenentscheidung um Platz zwei

24h Nürburgring 2026: Winward-AMG #80 siegt nach Verstappen-Drama

Sieger der 24h Nürburgring 2026: Fabian Schiller, Luca Stolz, Maro Engel und Maxime Martin

Foto: Gruppe C Photography

Bis drei Stunden und 20 Minuten vor Schluss sah alles nach dem Traumszenario für die vielen angereisten niederländischen Fans aus: Doch Max Verstappen, Jules Gounon, Dani Juncadella und Lucas Auer war der Sieg bei der 54. Auflage der 24 Stunden auf dem Nürburgring nicht vergönnt. Stattdessen siegten Maro Engel, Fabian Schiller, Luca Stolz und Maxime Martin im Winward-AMG #80. (Ergebnis)

Eine defekte Antriebswelle bei Dani Juncadella, die auch weitere Teile der Radaufhängung hinten rechts beschädigte, sorgte für die Entscheidung zugunsten der #80. Dani Juncadella und Lucas Auer sprachen im Anschluss in einem Interview mit ausgewählten Medien, darunter Motorsport-Total.com, von reinem Pech.

"Es gab ein paar Momente, aber da war nichts Wildes bei. Auch die Berührung mit Maro war sehr gering. Ich hatte am Start Kontakt mit dem Lamborghini, aber das war nur vorne rechts. Das hat auf keinen Fall unser Auto beeinträchtigt. Es ist einfach Pech, aber Glück und Pech gleichen sich mit der Zeit immer aus. Das ganze Rennen über hatten wir sehr viel Glück. Und am Ende hatten wir einfach Pech", sagt Juncadella.

Er spricht einen Kontakt mit dem Abt-Lamborghini #84 (Engstler/Bortolotti/Niederhauser) an, der durch die Berührung im Ravenol-S einen Reifenschaden davontrug, der ihn aus dem Kampf um den Sieg rauswarf. (Ticker-Nachlese: So liefen die 24h Nürburgring 2026 im Detail)

Die andere angesprochene Szene war ein heikler Kampf zwischen Maro Engel und Max Verstappen in der Nacht, in dem beide extrem hart fuhren. Die Situation eskalierte, als es im Bereich Tiergarten an der schnellsten Stelle der Strecke zur Berührung kam und Engel über die Wiese räuberte.

Verstappen hatte zu Beginn des Rennens ebenfalls eine haarige Szene, als er am Pflanzgarten 2 Unterluft bekam und einen Einschlag gerade noch verhindern konnte. Während der viermalige Formel-1-Weltmeister mit allen Situationen davonkam, eliminierten sich der Reihe nach fast alle realistischen Herausforderer von Fremdmarken.

Schon am Abend war nur das Schwesterfahrzeug #80 (Engel/Schiller/Stolz/Martin; 2.) übrig, woraufhin es zu den teils harten teaminternen Kämpfen kam. Am Sonntagvormittag wurde die Jagd dann beendet und die Positionen eingefroren. Die #3 verwaltete in den letzten Stunden einen Vorsprung von rund 30 Sekunden.

Das Rennen war damit trotz des Sprintcharakters und diverser abenteuerlicher Einlagen, die mehr in ein Sprintrennen gepasst hätten, eher ein "Survival of the Fittest" vom alten Schlag. Letztlich war der Mercedes #80 (neben dem Aston Martin #34 - siehe unten) das einzige Spitzenfahrzeug, das ohne Defekt und vor allem ohne Strafen durchs Rennen kam.

Für Maro Engel ist es der zweite Sieg nach dem denkwürdigen Triumph von 2016, als er in der letzten Runde Christian Hohenadel überholte. Für Fabian Schiller, Luca Stolz und Maxime Martin ist es der erste Sieg beim Eifelklassiker. Letzterer hat sich damit endlich gemeinsam mit seinem Vater Jean-Michel Martin in den Siegerlisten veröffentlicht, der 1992 mit Christian Danner, Johnny Cecotto und Marc Duez auf einem BMW M3 E30 siegte. Mercedes-AMG siegte erstmals seit 2016.

Megakampf um Platz zwei

Bis zum Schluss kämpften drei Fahrzeuge um den zweiten Platz: der schon angesprochene Abt-Lamborghini #84, der Walkenhorst-Aston-Martin #34 (Krognes/Thiim/Drudi/Fernandez Laser; 3.) und der Rowe-BMW #99 (Harper/Hesse/S. van der Linde/D. Vanthoor; 4.).

Hier gab es einen Krimi in der Schlussphase, bei dem unterschiedliche Reifen zum Einsatz kamen. Der Aston Martin nahm geschnittene Slicks, der BMW und der Lamborghini waren auf vollwertigen Slicks unterwegs. Die geschnittenen Slicks waren die bessere Wahl, doch Mattia Drudi geriet auf der Döttinger Höhe in der letzten Runde auf Kurs zu Platz zwei liegend in eine Code 60 und fiel wieder auf Rang drei zurück.

Am problemlosesten kam dabei der Walkenhorst-Aston-Martin #34 (Krognes/Thiim/Drudi/Fernandez Laser) über die Distanz. Ein fehlerfreies Rennen traf hier auf eine Pace, die nicht für ganz vorne reichte. Aber das Quartett maximierte seine Möglichkeiten.

Der Lamborghini #84 schob das ganze Rennen über den Zeitverlust aus der ersten Runde vor sich her. Am Ende kam er noch bis auf 40 Sekunden an den siegreichen AMG heran, der aber die Führung auf geschnittenen Slicks bei leichtem Regen in der Schlussphase verwaltete. Abt-Teamchef Martin Tomczyk platzte in einem Interview kurz nach dem Zusammenstoß am Start mit Juncadella der Kragen.

"Die #3 ist uns in Kurve 2 hinten reingefahren, deswegen haben wir einen Reifenschaden gehabt und mussten dann über den Grand-Prix-Kurs einbiegen. Somit war ein Auto schon mal gehandicapt und fährt jetzt dem Feld hinterher. Das ist natürlich nicht das, was man sich wünscht, und ich finde es auch nicht in Ordnung, dass das nicht bestraft wird", so der Ex-DTM-Champion bei seinem Abschied als Teamchef.

"Das Rennen ist lang, aber wie gesagt, wenn solche Zwischenfälle passieren, ist es nie schön, weil dich das direkt vom Anfang an schon mehr oder weniger aus der Spitzengruppe mal rausnimmt."

In der Tat waren die mehr als drei Minuten Zeitverlust durch die zusätzliche kurze Runde so ziemlich genau das, was der Lamborghini Huracan GT3 Evo2 im Ziel an Rückstand hatte. Die Lamborghini fuhren die schnellsten Zeiten, darunter auch die schnellste Runde des Rennens in 8:08.758 Minuten von Luca Engstler, nur eine Dreiviertelsekunde langsamer als der Rundenrekord von Daniel Keilwitz von 8:08.006 Minuten aus dem Jahr 2023.

Der Abt-Lamborghini #130 (Mapelli/Catsburg/Yelloly; 57.) fing sich direkt nach dem Start eine Strafe für einen Frühstart ein. Später gab es einen Reifenschaden und weitere Probleme in einem Rennen zum Vergessen.

Der Rowe-BMW #99 hatte ebenfalls einen Rückschlag in der ersten Runde, als Dan Harper Opfer einer Kettenreaktion mit dem Lionspeed-Porsche #24 (Heinrich/L. Vanthoor/Feller; 6.) und dem Black-Falcon-Porsche #48 (Arrow/Assenheimer/T. Müller/Pereira; 10.) wurde und sich in der Goodyear-Kehre drehte.

Dazu gesellte sich noch eine Zeitstrafe von 45 Sekunden, weil Dries Vanthoor mit 1,8 km/h zu viel in einer Code-120-Zone erwischt wurde. Dennoch war auch die Pace aller BMW M4 GT3 Evo nicht wünschenswert.

Große Zufriedenheit dürfte dagegen über die Performance des von Schubert Motorsport eingesetzten Touring-BMW #81 (Klingmann/de Phillippi/Verhagen/de Wilde; 5.) herrschen. Der Kombi übertraf alle Erwartungen, geigte im vorderen Mittelfeld der GT3-Boliden aus eigener Kraft mit und beendete das Rennen auf Platz fünf.

Platz sechs holte der Lionspeed-Porsche #24 als bester Porsche 911 GT3 R (992). Hier gab es einen Zeitverlust gleich zu Beginn des Rennens, weil leichte Kampfspuren von der Kollision beseitigt werden mussten, die von der Kollision in der Goodyear-Kehre rührten, durch welche der BMW #99 gedreht wurde.

Mit dem Dinamic-Porsche #54 (Sturm/Christensen/Buus/Hartog; 8.) kam noch ein zweiter Porsche aus der SP9 Pro in die Top 10. Dieser wurde in der letzten Runde noch vom HRT-Ford #67 (Olsen/Mies/Vervisch/Stippler; 7.) überholt, der als einziger Ford Mustang GT3 Evo ins Ziel kam.

Die Ford Mustang GT3 trafen es etwas besser als der Schubert-BMW #77 (Weerts/Wittmann/Eng/Frijns; 9.): Sie brachten die Yokohama-Reifen bei den kalten Bedingungen - in der Nacht lagen die Tiefstwerte knapp über dem Gefrierpunkt - zwar zum Arbeiten, hatten aber nicht den nötigen Speed. Der M4 stand auf verlorenem Posten. Der BMW M3 Touring 24h brachte die Advans zum Arbeiten, weil er über mehr Abtrieb verfügt.

Die Top 10 komplettierte der Black-Falcon-Porsche #48 (Arrow/Assenheimer/T. Müller/Pereira; 10.), der die SP9 Pro-Am fast schon erwartungsgemäß gewann. Die Plätze zwei und drei in der Subklasse gingen an den Lionspeed-Porsche #18 (Tilley/Hill/P. Kolb/Hofer; 11.) und den Mühlner-Porsche #123 (Rump/Bünnagel/Brundle; 12.).

Grello und Ford schmieren nacheinander auf Ölspur ab

Der einzige nennenswerte Herausforderer der Winward-AMGs in der Anfangsphase war der Manthey-Porsche #911 (Estre/Preining/Güven/Campbell; DNF) "Grello". Kevin Estre brachte den Porsche 911 GT3 R (992) in der Startphase in die Spitzengruppe.

Bei leichtem Regen hatte Ayhancan Güven dann aber keine Chance gegen den zaubernden Max Verstappen. Der Grello war allerdings noch lange nicht abgeschlagen, denn Estre hatte den AMG schon wieder in Sichtweite, als er im Brünnchen auf einer Ölspur ausrutschte.

Jules Gounon, der zu dem Zeitpunkt in der #3 saß, sah die Ölspur und fuhr außen herum. Ein überrundeter BMW tat es ebenfalls, doch Estre hatte durch den BMW keine Chance, die Spur zu sehen, die vom Four-Motors-Porsche #320 ("Smudo"/Bollerslev/van Ramshorst/Lopez Cesaratto) stammte.

Estre schlug rückwärts ein, dabei sprang ein Riemen vom Motor ab. Estre schleppte den waidwunden Grello noch bis zum Stefan-Bellof-S, da war dann der Ausfall besiegelt. "Es gab leider keine Flaggen und niemanden vor mir, was mich hätte warnen können", sagt der Franzose. "Es tut mir sehr leid für das ganze Team. Sie haben die ganze Woche wie immer einen tollen Job gemacht, daher ist die Situation einfach hart zu akzeptieren."

Direkt hinter Estre erwischte es dann auch Arjun Maini auf derselben Ölspur. Er schlug mit dem HRT-Ford #64 (Stippler/Maini/F. Scherer/Schumacher; DNF) vehement aufgrund eines Gegenpendlers ein. Der Inder blieb wie Estre unverletzt.

Einige Stunden später, um 23:30 Uhr, musste Porsche auch den Falken-Porsche #44 (Heinemann/S. Müller/Schuring/Bachler) abschreiben. Morris Schuring geriet am Flugplatz mit dem Saugmotoren-Z4 #36 (Reeh/Schall/Walkenhorst/C. Scherer) aneinander und flog ab. Er schleppte den Porsche noch bis zur Hohen Acht, dann ordnete das Team an, das Fahrzeug abzustellen.

Für Schnabl Engineering war das Rennen nach zehn Stunden komplett gelaufen, als Alessio Picariello den Dunlop-Porsche #17 (Picariello/Boccolacci/Menzel/Andlauer) eingangs Bergwerk zerlegte, als er beim Überrunden mit zwei Rädern in der Anbremszone aufs Gras geriet.

Frühes Aus für Scherer PHX

Als Top-Herausforderer des Verstappen-AMGs galt eigentlich der Scherer-Phx-Audi #16 (Haase/Sims/B. Green; DNF). So richtig in Szene konnte sich der Audi R8 LMS GT3 Evo II aber nicht setzen. Christopher Haase hielt das Fahrzeug im Startstint trotz Platzverlust beim Start in der Spitzengruppe, doch seine Teamkollegen büßten anschließend an Boden ein.

Alexander Sims hätte eigentlich wieder an Haase übergeben sollen, als er in der dritten Stunde Opfer eines Fehlers in der Aufbaukette einer Code-60-Zone wurde. Er fuhr zunächst an einer doppelt gelb geschwenkten Flagge vorbei, sah danach eine grüne Flagge und am nächsten Posten wurde Code 60 rausgehalten.

Dadurch fuhr Sims dem KCMG-Mercedes #47 (Fukuzumi/Krohn/Pittard/Gamou) ins Heck und beide Fahrzeuge schieden auf der Stelle aus. "Während die Fahrer vor uns noch reagieren konnten, hatte ich in dieser Ziehharmonika-Situation keine Chance und lief auf meinen Vordermann auf", sagt Sims.

Überhaupt nicht lief es für den Rowe-BMW #1 (Farfus/Marciello/Pepper/K. van der Linde; DNF), der im ganzen Rennen nicht wirklich in Tritt kam. Ein Problem beim Nachtanken sorgte schon früh für längere Boxenstopps und kürzere Stints. Nach acht Stunden versuchte das Team zunächst eine Reparatur, zog den BMW M4 GT3 Evo dann aber zurück.

Der erste Favorit, der sich verabschiedete, war der Kondo-Ferrari #45 (Perel/Marschall/Vermeulen/Neubauer; DNF). Hier war bereits in der zweiten Stunde Schluss, als Thierry Vermeulen sich mit dem Sorg-Cayman #969 (Strube/Stewart/Wagner/Jacobs) nicht einig wurde und in die Wiese gedrängt wurde, wo er einschlug.

Und auch die Mannschaft von Franz Konrad fiel nach der Zielankunft und Klassenrang drei im Vorjahr wieder in ihr Dauerpech zurück. Diesmal war es ein Unfall von Pawel Lefterow im Bereich Hatzenbach, der die Dienstfahrt des Konrad-Lamborghini #7 (Paul/Lefterow/Stalidzane/Engelhart; DNF) 40 Minuten vor Halbzeit beendete.

Für das Haupt Racing Team verlief der zweite Auftritt mit dem Ford Mustang GT3, diesmal in der Evo-Version, nicht nach Plan. Nach Arjun Mainis Unfall verunfallte auch der HRT-Ford #65 (Haupt/Schumacher/V. Kolb/Caresani) mit David Schumacher am Steuer im Kesselchen bei einer Überrundung.

Der Dörr-McLaren #69 (Dörr/Kirchhöfer/Glock/Scheider) sah die Zielflagge, musste aber die zweite Hälfte des Rennens ohne Timo Glock auskommen. Der DTM-Pilot wurde vom Rennen disqualifiziert, weil er sich bei einem Code-60-Vergehen den dritten Strafpunkt zugezogen hatte. Das zog einen automatischen Entzug des DMSB-Permit-Nordschleife (DPN) nach sich. Den "Nordschleifen-Führerschein" muss er nun neu machen.

Für den großen Abschiedsknall sorgte der Dinamic-Porsche #55 (Beretta/Ghiretti/Sturm/Hartog; DNF). Alessandro Ghiretti flog im Brünnchen ab, vermutlich auf seinem eigenen Öl. Denn nach dem Einschlag brannte der Porsche lichterloh.

In Erinnerung bleibt eine Rekordausgabe des Rennens und ein kurz vor Ende geplatztes Märchen um Max Verstappen. Ob der viermalige Formel-1-Weltmeister noch einmal zurückkehren wird, hängt in erster Linie vom Formel-1-Terminkalender ab. Spaß hat der Niederländer jedenfalls gehabt.

Die 55. Ausgabe der 24 Stunden vom Nürburgring findet vom 27. bis 30. Mai 2027 statt.

Vorheriger Artikel Verstappen-AMG verliert alle Siegchancen bei 24h Nürburgring 2026
Nächster Artikel Bortolotti sauer auf Mapelli: Kollision mit AMG wegen Frühstart?