24h Nürburgring: Abt-Disqualifikation endgültig, Team erklärt Regelverstoß
Die Sportkommissare haben entschieden: Der Abt-Lamborghini verliert Platz zwei beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring - Wie das Team den Regelverstoß erklärt
Der Abt-Lamborghini im Red-Bull-Design verliert Platz zwei, das Team beruft nicht
Foto: Abt Sportsline
Die Entscheidung ist gefallen: Der Abt-Lamborghini mit der Startnummer 84 von Mirko Bortolotti, Patric Niederhauser und Luca Engstler verliert Platz zwei beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und wird disqualifiziert. Das ist das Ergebnis der zweiten Sitzung der Sportkommissare am Freitag, bei der Abt zu den bei der Nachuntersuchung auf dem Rollenprüfstand in Mechernich festgestellten Unregelmäßigkeiten Stellung nehmen durfte.
"Nach Anwendung der entsprechenden Toleranz zeigten die Ergebnisse, dass das Fahrzeug die für diese Veranstaltung festgelegten Balance-of-Performance-Grenzwerte (BoP) in begrenztem Umfang [Korrekturhinweis am Ende des Textes] überschritten hat", wodurch es "während des Rennens nicht vollständig den geltenden technischen Anforderungen entsprach", heißt es in der Stellungnahme der Sportkommissare. Der Red-Bull-Bolide hatte also zu viel Motorleistung.
Die Disqualifikation ist endgültig, da Abt entschieden hat, keine Berufung gegen die Entscheidung einzulegen. "Der im Fahrzeug eingesetzte Motor entspricht in seiner technischen Spezifikation vollumfänglich der gültigen FIA-GT3-Homologation", nimmt Abt in einem Statement zur Disqualifikation Stellung.
Abt-Erklärung: "Alle internen Messwerte innerhalb der Toleranz"
Zugleich liefert das Team erstmals eine Erklärung dafür, warum die erste Sitzung vor einer Woche wegen technischer Nachfragen des Abt-Teams vertagt werden musste. "In der Vorbereitung lagen alle internen Messwerte innerhalb der vorgeschriebenen Toleranz", teilt Abt mit.
"Im Nachgang hat sich gezeigt, dass die internen Referenzwerte und die Messwerte des Veranstalters nicht vollständig übereinstimmten, was dazu führte, dass das Fahrzeug geringfügig außerhalb der zulässigen Toleranz lag. Das technische Reglement lässt keinen Ermessensspielraum. Abt Sportsline akzeptiert die Entscheidung der Sportkommissare und verzichtet auf eine Berufung."
Abt ist selbst im Besitz eines Rollenprüfstands und deutet in der Stellungnahme an, dass die eigene Messung nicht mit der auf dem McChip-Rollenprüfstand in Mechernich übereinstimmte. Entscheidend sind aber laut Reglement ausschließlich die Leistungsmessungen beim Tuningunternehmen McChip, auf dem 2025 auch die Referenzmessung beim Huracan GT3 Evo2 gemacht wurde.
"Geringfügig" außerhalb der Toleranz?
Sie wird als Basis für die Balance of Performance (BoP) genutzt, mit der die GT3-Boliden auf der Nordschleife künstlich auf das gleiche Leistungsniveau gebracht werden sollen. Interessant ist, dass Abt kommuniziert, man habe "geringfügig" außerhalb der Toleranz gelegen.
Laut Informationen von Motorsport-Total.com ergab die Nachuntersuchung allerdings, dass der Abt-Lamborghini die Referenzwerte um rund 20 PS überschritt, wodurch man auch deutlich außerhalb der Toleranz lag. Diese beträgt zwei Prozent, was bei einer geschätzten Motorleistung von 500 PS zehn PS entspricht.
Der Technikausschuss hat - wie man hört - genau darauf geachtet, dass es keinerlei Formfehler gibt, die zeigen, dass das Untersuchungsergebnis auf dem Rollenprüfstand nicht repräsentativ ist.
Dadurch gab es offenbar auch keinerlei Möglichkeiten für die zwei Abt-Vertreter, bei denen es sich vermutlich erneut um Geschäftsführer Thomas Biermaier und den scheidenden Sportdirektor Martin Tomczyk handelte, den Bericht in der Sitzung mit den drei Sportkommissaren Achim Loth, Yasin Özer und Harry Stüber anzufechten.
Warum sich die Disqualifikation so lange zog
Die entscheidende Messung fand am 2. Juni zwar bei höheren Temperaturen statt als die Referenzmessung auf dem Rollenprüfstand im Jahr 2025. Da die Motoren unter der Hitze leiden und die Motorleistung dadurch sinkt, wurde das Messergebnis eher zugunsten von Abt beeinflusst.
Warum es so lang dauerte, bis es zur Disqualifikation kam? Während fünf andere Boliden am Dienstag nach dem 24-Stunden-Rennen auf dem Rollenprüfstand des Tuningunternehmens McChip in Mechernich überprüft wurden, musste die Messung beim Red-Bull-Lamborghini des Abt-Teams um eine Woche verschoben werden. Grund war eine defekte Kupplung.

Auf diesem Leistungsprüfstand lag der Abt-Lamborghini über den Grenzwerten
Foto: McChip
Diese wurde dann von Abt-Mechanikern unter Aufsicht getauscht, wodurch man am Dienstag (2. Juli) bereit war für die Überprüfung, bei der das Auto nicht den Vorgaben entsprach. Als der Technikausschuss am Mittwoch bei kühleren Bedingungen erneut messen wollte, trat ein weiteres technisches Problem am Fahrzeug auf, weshalb die Untersuchung abgebrochen werden musste.
Durch die bestätigte Abt-Disqualifikation wird das Ergebnis des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring fast einen Monat nach der Zielflagge jetzt endlich offiziell: Hinter dem siegreichen Winward-Mercedes #80 rücken der Walkenhorst-Aston-Martin #34 (Nicki Thiim, Mattia Drudi, Christian Krognes) und der Rowe-BMW #99 (Sheldon van der Linde, Dries Vanthoor, Max Hesse, Dan Harper) auf die Plätze zwei und drei vor.
Zweite Messung am Rollenprüfstand, zweiter Regelverstoß
Interessant ist, dass 2026 erst zum zweiten Mal nach einem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring Fahrzeuge eingesammelt und auf einem Rollenprüfstand getestet wurden, obwohl dieses Szenario sogar Teil des Reglements ist.
Im Jahr 2019 war das bei den Top-3-Boliden des 24-Stunden-Rennens das erste Mal der Fall: Damals wurden Unregelmäßigkeiten bei der Motorleistung des auf Platz zwei ins Ziel gekommenen "Grello"-Porsche von Manthey gefunden, weshalb das Auto disqualifiziert wurde.
Die Messung fand vor sieben Jahren auf dem Rollenprüfstand von Boemanns Motorsport in Müllenbach - nur wenige hundert Meter vom Nürburgring entfernt - statt. Da es die Anlage nicht mehr gibt, wird nun auf dem Prüfstand des Tuningunternehmens McChip gemessen.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass das Fahrzeug die Grenzwerte laut den Sportkommissaren "deutlich überschritten hat". Dabei handelte es sich um einen Übersetzungsfehler von "the car was limited exceedance outside the Balance of Performance (BoP) limits", wie es im Original-Statement der Sportkommissare heißt. Wir bitten Sie, den Fehler zu entschuldigen.
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