GT1-Anekdoten: Vulkan sorgt für eine Woche Partyurlaub

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GT1-Anekdoten: Vulkan sorgt für eine Woche Partyurlaub
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17.04.2020, 10:04

Dank Vulkanausbruch kam der GT1-Tross nicht aus Abu Dhabi weg - Was passiert, wenn man eine Männergesellschaft zu lange im Luxushotel zusammenpfercht

Abu Dhabi bei 40 Grad, jegliches Zeitgefühl ist bereits dem Alkoholkonsum zum Opfer gefallen: Ein Mechaniker von Matech Competition wird von seinen Kollegen angeschoben und gleitet anschließend auf dem Bauch 15 Meter über den aalglatten feuchten Mamorstein des Hotel-Pools. Als er auf der anderen Seite anschlägt, bricht das ganze Team in Ekstase aus. Challenge geschafft!

Geschichten wie diese spielten sich in der Woche nach dem GT1-Auftaktrennen in Abu Dhabi haufenweise ab. Eigentlich sollten die Teamcrews schon längst abgereist sein, doch aus Abu Dhabi ging kein Flieger mehr nach Europa.

Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull beeinträchtigte den internationalen Flugverkehr komplett. Und so waren die Fahrer und Teams gezwungen, ihren Aufenthalt in fünf Luxushotels um die Strecke herum auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

Party in zwei Etappen

Und was macht eine testosterongeladene Gesellschaft von Mechanikern und Ingenieuren, die fernab von ihren Familien im goldenen Käfig ausharren muss? Natürlich nicht unbedingt die produktivsten Dinge. Und da jedes Hotel für die europäischen Gäste auch Alkohol zur Verfügung stellt, war schnell klar, wohin die Sache führen würde.

Es gab nur ein Problem bei der großen Sause: Die Hitze ist im April am persischen Golf bereits zur Mittagszeit so unerträglich, dass an Feier zu dieser Zeit nicht an Party zu denken war. Eine Lösung war schnell gefunden: Es wurde in zwei Etappen gefeiert.

Marc Hennerici, der zuvor noch gemeinsam mit Andreas Zuber auf der Phoenix-Corvette einen Sieg im Qualifikations- und einen zweiten Platz im Hauptrennen geholt hatte, erinnert sich im Interview mit 'motorsport.com': "Ab 7 Uhr morgens bildeten die Mechanikercrews ihre Lager am Pool."

"Und es dauerte nicht lange, als auch schon die ersten Riesenbecher mit eisgekühltem Bier rumgereicht wurden. Es war von Anfang an klar, dass die Nummer ausarten würde. Irgendwann um 13 Uhr hat die ganze Sache dann geendet, weil es zu heiß wurde und alle stockbesoffen waren." Kurze Zeit, den Rausch auf dem Zimmer auszuschlafen, und abends gleich weiter zu feiern.

Matech-Challenge erst nach zwei Tagen geschafft

Die verrückteste Idee hatte aber die Matech-Crew, wie Thomas Mutsch gegenüber 'motorsport.com' erzählt: "Bei uns gab es einen Pool, der 15 Meter lang war. Wo es rein ging, war ein circa 50 Zentimeter breiter Streifen aus Marmor, auf dem man normalerweise den ersten Schritt in den Pool macht. Dieser war extrem glatt."

"Unser Ziel ist dann gewesen, einen unserer Mechaniker dermaßen anzuschieben, dass er die ganzen 15 Meter auf dem Bauch über die Platten rutschen kann bis hinten hin und dort anschlagen kann." Dabei flossen sogar Berechnungen der Ingenieure ein, die unter Alkoholeinfluss nicht immer ganz akkurat waren.

Auch die "Anschieber" hatten nicht immer das nötige Zielwasser getrunken: "Wenn es für ihn gut ausging, ist er auf der linken Seite ins Wasser geplumpst. Wenn es schlecht lief, wurde er rechts auf den rauen Stein gebremst. Das war dann nicht so angenehm."

Zwei volle Tage stellt sich das Matech-Team der Herausforderung, bis es endlich klappte. "Am meisten leidgetan hat mir der Bademeister", lacht Mutsch. "Der hat in diesen Tagen zahlreiche graue Haare bekommen und dann irgendwann kapituliert."

Die Fahrer machte derweil ein eigenes Programm, das aber auch nicht besser lief: Bei einer Jetski-Tour verfielen die Rennfahrer wieder in den Wettbewerbsmodus. Ein Fahrer brach sich dabei den Arm.

Odyssee in die Heimat

Die Teamchefs hatten ihren eigenen Wettbewerb: Jeder wollte den anderen beweisen, dass er es irgendwie doch noch nach Europa schaffte. "Die sind dann mit einer kleinen Chartermaschine auf lediglich 3.000 Metern Höhe zurückgeflogen", erinnert sich Hennerici.

Der Rest des GT1-Trosses konnte erst am Donnerstag nach dem Rennen wieder nach Hause fliegen. Der Flughafen Wien hatte für kurze geöffnet. Die SRO charterte in Rücksprache mit allen Teams einen Flieger von Lauda Air.

Vom Feiern ziemlich abgekämpft schleppten sich die Crew zum Flughafen - wer noch verkatert war, wurde ins Flugzeug geschleppt. Doch damit war die Sache nicht zu Ende, schließlich war Wien für die Allerwenigsten Endstation. Mit Bussen ging es dann in alle Richtungen in Europa.

"Das war eine ganz schöne Odyssee", sagt Thomas Mutsch. "Aber das hatte auch seine positive Seite: Das hat uns alle nochmal richtig zusammengeschweißt." Wie viele Freundschaften im Suff in Abu Dhabi und auf der anschließenden Odyssee nach Hause geschlossen wurde, ist nicht überliefert.

Wohl aber schafften es sowohl Menschen als auch Equipment rechtzeitig zum zweiten Lauf auf den damals frisch umgebauten Silverstone Circuit zwei Wochen später.

Mit Bildmaterial von Ferrari.

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Rennserie Langstrecke
Urheber Heiko Stritzke