Audi-Vorschau 24h Nürburgring: Favorit mit wenig Leistung

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Audi-Vorschau 24h Nürburgring: Favorit mit wenig Leistung
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07.05.2018, 06:01

Audi geht erneut mit den stärksten Waffen in das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring - Chancen und Risiken der neuen Struktur mit vier werksunterstützten Teams

Zwei Drittel aller 24-Stunden-Rennen der letzten sechs Ausgaben gingen an Audi. Seit 2012 sind die vier Ringe am Nürburgring das Maß der Dinge, nur Mercedes-AMG konnte ihnen zweimal in die Suppe spucken. So verwundert es nicht, dass die Favoritenrolle natürlich auch bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring 2018 wieder in Ingolstadt zu Hause ist. Fünf siegfähige R8 LMS GT3 gehen dieses Jahr ins Rennen, vier davon mit Werksunterstützung. Und mit einer neuen BoP.

Audi geht in diesem Jahr einen neuen Weg: Statt die Last auf wenige Teams zu verteilen, stellt man sich breiter auf: Land, Phoenix und WRT schicken jeweils nur ein Fahrzeug ins Rennen. Phoenix kehrt dabei in den Reigen der offiziellen Werksteams zurück. Hinzu kommen zwei R8 von Mücke Motorsport, davon einer mit Werksunterstützung. Vier werksunterstützte Fahrzeuge auf vier Teams aufzusplitten, ist eine neue Herangehensweise. Und keine, die bei den Teamchefs sonderlich gut ankommt: Wolfgang Land ist alles andere als begeistert. 2017 hatte er noch zwei Eisen im Feuer - eins schied aus, eins gewann.

Die neue Philosophie birgt Chancen und Risiken: Vier verschiedene Philosophien können auf der einen Seite positiv wirken. Auf der anderen Seite droht aber auch, dass nicht so viel wertvolles Know-how akkumuliert wird wie bei einer Verteilung der Last auf zwei Teams. Andererseits befindet sich der Audi R8 LMS in seinem vierten Homologationsjahr, womit eigentlich ausreichend Datenmaterial vorhanden sein sollte, dass sich keiner mehr verrennt.

 

#25 Mücke Motorsport Audi R8 LMS: Stefan Mücke, Pierre Kaffer, Christer Jöns
#25 Mücke Motorsport Audi R8 LMS: Stefan Mücke, Pierre Kaffer, Christer Jöns

Foto Swoosh

Nochmal weniger Leistung als im Vorjahr

Der Audi R8 LMS ist das perfekte Rundum-sorglos-Paket für die "Grüne Hölle". Angenehm zu fahren, kaum Schwächen, haltbar bis in alle Ewigkeit. Es ist kein Zufall, dass Audi bislang das GT3-Zeitalter am Nürburgring bestimmt. Nachdem der V10-Bolide im Vorjahr noch schnellstes Fahrzeug auf der Geraden war, gab es für 2018 noch weniger Leistung als zuvor. Schon 2017 war Audi mit 485 PS nominell schwächster GT3, doch die ausgefeilte Aerodynamik ließ den LMS auf der Döttinger Höhe rennen wie der Teufel. Jetzt darf man nur noch 466 PS auf dem Motorprüfstand vorweisen. Zum Vergleich: Aston Martin kommt mit 525 Pferden daher.

Das verschärft die Problematik im Verkehr noch etwas weiter. Die Fahrer hatten sich bereits 2017 beschwert, dass der Audi beim Überrunden manchmal etwas zu zäh sei. Das liegt in erster Linie am Konzept des hochdrehenden Saugmotors. Dafür ist der R8 LMS nun drittleichtester GT3 hinter Porsche und Ferrari. Allerdings ist die Kur von fünf Kilogramm eher Kosmetik.

Vorjahressieger wechselt Reifenmarke

Im teaminternen Wettbewerb ist Land-Motorsport die Benchmark für alle Audi-Teams. Der denkwürdige Sieg im vergangenen Jahr war verdient, auch wenn er an Dramatik kaum zu überbieten war. Allerdings musste Wolfgang Land einen bitteren Abgang hinnehmen: Connor de Phillippi, der jahrelang mit Christopher Mies ein Dreamteam in der VLN gebildet hat, wurde von BMW abgeworben.

 

Dafür kann man nun auf van der Linde im Doppelpack vertrauen: Sheldon gesellt sich zu Kelvin hinzu, dem Superstar des Rennens von 2017. Hinzu kommt DTM-Meister Rene Rast, dessen Fähigkeiten im R8 LMS außer Zweifel stehen. Anders als im Vorjahr, als Audi nach einem beispiellosen hin und her in letzter Sekunde vor dem Rennstart kollektiv auf Dunlop-Reifen wechselte, ist Land-Motorsport diesmal auf Michelin unterwegs. Die Franzosen sinnen nach der Blamage im Vorjahr, für die sie aufgrund der überhastet eingeführten Regeln mit Vignettenreifen nicht viel konnten, auf Revanche.

Kelvin van der Linde hat dank seiner Wahnsinns-Leistung beim 24-Stunden-Rennen 2017 einen Doppeljob bekommen und greift auch bei WRT ins Lenkrad, genau wie Rast. Die Mannschaft von Vincent Vosse hat nach den Ereignissen im Jahre 2017 noch eine Rechnung mit dem Ring offen. Nachdem Audi Marcel Fässler zu Mücke und Nico Müller zu Phoenix verschoben hat, bleiben von der Paarung aus dem Vorjahr nur noch Rast und Robin Frijns übrig.

Phoenix Racing feiert sein Comeback als offiziell werksunterstütztes GT3-Team, war aber faktisch nie wirklich weg vom Fenster. Wie Audi strebt auch Phoenix nach Triumph Nummer fünf in der Eifel. Als einziges Team konnte man bislang zweimal mit Audi das 24-Stunden-Rennen gewinnen (die anderen Siege gehen auf Opel- und Porsche-Fahrzeuge zurück). Im Vorjahr gab es einen Dämpfer durch einen Unfall. Mit Frank Stippler, Nico Müller und Christopher Haase sitzen drei 24h-Sieger auf dem Fahrzeug, hinzu kommt der schnelle Belgier Frederic Vervisch.

Mücke Motorsport schickt zwei Fahrzeuge auf unterschiedlichen Reifen ins Rennen: Das werksunterstützte Fahrzeug #24 (Haase/Müller/Winkelhock/Rockenfeller) auf Dunlop-Reifen und den offiziell als Kundenfahrzeug gemeldeten Michelin-Boliden #25 (Fässler/Jöns/Kaffer/Mücke). Mücke muss auf der Nordschleife noch lernen und hat sich bislang nicht in letzter Konsequenz in Szene gesetzt - oder man wollte es nicht. Auch haben die Fahrer 2018 zum Teil bisher weniger als 20 Runden auf der Nordschleife gedreht.

Audi fiel im Vorfeld des Rennens bislang nicht durch übertriebenes Sandbagging auf, aber ein Konkurrent verriet 'Motorsport-Total.com': "Die sind vergangenes Jahr bei den ersten VLN-Läufen vorne mitgefahren und haben anderen unterstellt, Sandbagging zu betreiben. Dabei hatten sie selbst die größten Reserven. Würde mich nicht wundern, wenn es dieses Jahr wieder so läuft." Tatsächlich hat Audi 2018 noch nicht auf der Nordschleife gewonnen. Aber die Rundenzeiten passen. So muss man sich in Ingolstadt den Hut des Favoriten aufsetzen, ob man es will oder nicht.

 

#8 Audi Sport Team WRT Audi R8 LMS: Robin Frijns, Dries Vanthoor
#8 Audi Sport Team WRT Audi R8 LMS: Robin Frijns, Dries Vanthoor

Foto Jan Brucke/VLN

Audi-Teams bei den 24 Stunden 2018

  • Land-Motorsport* #1 (Mies/K. van der Linde/S. van der Linde/Rast) - Michelin
  • Phoenix Racing* #3 (Haase/Stippler/Vervisch/N. Müller) - Dunlop
  • WRT* #8 (Rast/Frijns/D. Vanthoor/K. van der Linde) - Michelin
  • Car Collection #14 (Aust/Boorath/Saurenmann/Konopka) - Dunlop
  • Car Collection #15 (de Leener/Trummer/Kaffer) - Dunlop
  • Mücke Motorsport* #24 (Winkelhock/Rockenfeller/Haase/N. Müller) - Dunlop
  • Mücke Motorsport #25 (Mücke/Jöns/Fässler/Kaffer) - Michelin

*mit Werksunterstützung

Technische Daten Audi R8 LMS - 24h Nürburgring

  • Länge: 4.475 mm
  • Breite: 1994 mm
  • Höhe: 1.195 mm
  • Radstand: 2.730 mm
  • Mindestgewicht: 1310 kg
  • Leistung: 466 PS
  • Motor: 5,2l V10 mit 2x38,5mm Luftmengenbegrenzer
  • Tankinhalt: 110l
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