"Auto gut wie nie": Gelingt Scherer-Audi erneut das Husarenstück?
Christopher Haase ist nicht nur guter Dinge, den Zweikampf mit Max Verstappen erneut aufzunehmen, sondern ganz vorn mitzumischen - Außer, wenn...
Alexander Sims, Ben Green und Christopher Haase wollen den achten Sieg für Scherer Phx holen
Foto: Leon Leon
Mit Startplatz drei hat sich der Scherer-Phx-Audi #16 (Haase/Sims/B. Green) in eine gute Ausgangslage begeben. Christopher Haase ist seit seinen Duellen mit Max Verstappen mittlerweile einer der Superstars auf der Nordschleife. Nach der Pressekonferenz dauerte es eine Dreiviertelstunde, bis er den Saal verlassen konnte, so viele Journalisten hatten Fragen.
Für den 38-Jährigen, der zu den bodenständigsten Typen im Fahrerlager zählt, ist die neue Berühmtheit fast peinlich. "Ich mach das doch schon seit 20 Jahren!", sagt er immer wieder.
Und wie es das Schicksal so will, stehen der Scherer-Phx-Audi und der Winward-Mercedes #3 (Verstappen/Auer/Gounon/Juncadella) wieder nebeneinander in der Startaufstellung. Nur, dass davor noch zwei Lamborghinis stehen ... Haase aber hat große Ziele für das Rennen, denn das Fahrgefühl schlägt bei Trockenheit alles bisher Dagewesene.
"Das Auto liegt so gut wie noch nie. Ich bin dem Team da wirklich dankbar, dass wir uns nicht zufriedengegeben haben, sondern noch weitergearbeitet haben. Man hätte auch sagen können: 'Nö, das Auto ist gut, wir lassen es.' Aber nein, wir haben wirklich noch das i-Tüpfelchen gefunden. Wenn wir das im Rennen so halten können, dann sieht das sehr gut aus."

Die Duelle zwischen Max Verstappen und Christopher Haase sind bereits legendär
Foto: Patrick Funk
Scherer Sport Phx, das unter dem Namen Phoenix Racing sechsmal beim großen Rennen siegte und 2024 unter der neuen Bezeichnung einen weiteren Sieg davontrug, hatte bei NLS2 ein sehr gutes Auto, als Haase seinen legendären Zweikampf mit Max Verstappen hatte. Bei NLS3 verschwand aber die gute Balance und ein unruhiges Heck stellte sich ein, das auch bei den 24h-Qualifiers das Team verfolgte.
Dann kam die Set-up-Änderung vor dem Top-Qualifying und plötzlich flog Haase um den Kurs. "Ganz ehrlich: Ich dachte, mit der Runde stehe ich auf Pole", gibt er zu. Doch die beiden Lamborghini Huracan GT3 Evo2 von Abt waren noch schneller, brachten sich mit der dominanten Vorstellung aber in eine gefährliche Position bezüglich möglicher BoP-Eingriffe. "Die haben mich schon ein bisschen überrascht."
Es habe sich auch um eine Set-up-Änderung gehandelt, die nicht auf das Qualifying zugeschnitten war, fährt Haase fort. "Man baut hier keine Quali-Set-ups. Hier braucht man ein Auto, das verzeiht. Dann ist man automatisch schnell. Vielleicht gibt es bei anderen Herstellern ein Quali-Set-up, aber bei uns definitiv nicht."
Regen wäre das Ende der Hoffnungen
Der Optimismus hält an, solange es trocken bleibt. Denn kalter Regen wäre das Schlimmste, was dem Audi R8 LMS GT3 Evo II blühen würde: "Das Auto ist gut im Regen, wenn es sehr warm ist. Dann ist er ein unfassbar gutes Regenauto. Wenn es aber so kalt ist, haben wir bei Regen mächtig zu kämpfen. Sollte es hier nachts regnen, müssen wir alle Hirnzellen anstrengen, um dadurch zu kommen."
Besonders fürchtet er dabei die Porsche-Fraktion: "Die waren richtig stark bei Regen. Sollte es regnen, nimmt uns der Grello zehn bis 20 Sekunden pro Runde ab! Wir haben einiges probiert, aber schnell gemerkt, es wird nichts."
Gerade im völlig verregneten Nachttraining auf teils überfluteter Strecke war es zum Teil so schwer zu fahren, dass Haase lieber das Rennen unterbrechen würde, sollten sich solche Bedingungen im Rennen wiederholen.
"Natürlich will keiner Rot machen, aber aus der Perspektive der Sicherheit wäre das schon richtig. Man muss ja auch an die kleinen Autos denken, die teilweise noch schlechtere Reifen haben. Ein solches Auto unter diesen Umständen zu fahren, da will ich gar nicht drüber nachdenken."
Ein erneutes Duell mit Max Verstappen verspricht er nicht unter allen Bedingungen, obschon beide Autos sich die zweite Startreihe teilen. "Bei einem 24-Stunden-Rennen muss man sehen, wie das Kräfteverhältnis zum jeweiligen Zeitpunkt ist. Es bringt nichts, ihn bekämpfen zu wollen, wenn er viel schneller kann. In so einer Situation kann es sein, dass man den anderen auch mal ziehen lässt und es später nochmal versucht."
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