Beteiligte schildert Nürburgring-Unfall von Juha Miettinen aus ihrer Sicht
Die 20-jährige Schwedin Siri Hökfelt, die in die tödliche Tragödie am Nürburgring verwickelt war, hat den Unfall aus ihrer Sicht geschildert - Es war "beängstigend"
Juha Miettinen in seinem BMW 325i #703 von Keeevin Sports and Racing
Foto: VLN
Der tragische Unfall bei den 24h Nürburgring Qualifiers am vergangenen Wochenende, bei dem Amateur-Rennfahrer Juha Miettinen sein Leben verlor, sorgte in der gesamten Motorsport-Welt für große Bestürzung. Nun hat sich mit Siri Hökfelt auch eine der unmittelbar Beteiligten zu der Tragödie geäußert.
Die Schwedin, die nur einen Tag vor dem Unglück ihren 20. Geburtstag gefeiert hatte, pilotierte den orangefarbenen BMW 330i mit der Startnummer 503. Dieser befand sich unmittelbar vor Miettinen und war das erste Fahrzeug, das auf die Klostertal-Kurve zufuhr.
"Wir waren sehr dicht beieinander, die GT3-Fahrzeuge überholten uns, und dann herrschte wie immer Chaos", berichtet Hökfelt gegenüber der schwedischen Sportbladet und ergänzt: "Wir fuhren in den sogenannten Karussellbereich, und ein Auto vor uns hatte Öl auf der Strecke verloren."
"Die Streckenposten hatten allerdings keine Zeit zu warnen, und ich konnte es auch nicht sehen", berichtet die Schwedin. "Ich kam mit etwa 180 km/h in die Kurve und bremste, aber nichts passierte. Das Bremspedal ging bis zum Anschlag, und ich rutschte einfach auf der Flüssigkeit."
Hökfelt beschreibt Unfallszene: "Das war beängstigend"
"Ich versuchte auszuweichen und spürte, wie ich auf die Reifenbarriere zurutschte." In diesem Moment machte sich die junge Rennfahrerin noch keine großen Sorgen: "Ich wusste, dass ich abgefangen werde - nicht, dass sich das irgendwie gut anfühlt, aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich nicht verletzen werde."
"Ich blieb in der Barriere hängen und will gerade das Team über Funk informieren und sagen, dass alles okay ist, doch dann spüre ich, wie das erste Auto in mich hineinfährt. Dann kommt noch eins, noch eins und noch eins. Dann war es vorbei. Das war beängstigend."
Das erste Auto, das in den stehenden BMW der jungen Schwedin kracht, ist Juha Miettinen. Der 66-jährige Finne verliert auf der rutschigen Strecke ebenfalls die Kontrolle über sein Fahrzeug und trifft den Hökfelt-BMW so unglücklich mit der Fahrertür, dass er sich dabei offenbar die tödlichen Verletzungen zuzieht.
"Es lag alles außerhalb meiner Kontrolle"
Hökfelt klettert auf der Beifahrerseite aus ihrem schwer beschädigten BMW, wo sie bereits von einem Sportwart in Empfang genommen wird, der mit ihr spricht und sie auffordert, sich auf den Boden zu legen. "Ich hatte noch nie so einen Unfall, musste noch nie ins Krankenhaus, war noch nie verletzt."
"Ich war noch nie in einen Unfall verwickelt, bei dem ein anderer Fahrer ums Leben kam", so Hökfelt. "Bisher war es nur ich, die einen Fehler gemacht und in der Leitplanke gelandet ist, aber das lag außerhalb meiner Kontrolle und es waren so viele Autos hinter mir."
Der tragische Unfall am Nürburgring war eine Verkettung unglücklicher Umstände, an der keiner der beteiligten Fahrer eine Schuld trägt. Es war ein Unfall, der auf jeder anderen Rennstrecke der Welt hätte passieren können, und der einmal mehr zeigt, wie gefährlich Motorsport trotz aller Sicherheitsvorkehrungen bleibt.

Schweigeminute zum Tod von Juha Miettinen bei den 24h Qualifiers
Foto: VLN
"Weil alles außerhalb meiner Kontrolle lag, fühlt es sich etwas leichter an", gibt Hökfelt zu, auch wenn die Tragödie nicht spurlos an ihr vorübergehen wird. "Ich hätte nichts anders machen können und freue mich sehr darauf, wieder hinter dem Steuer zu sitzen und weiter Rennen zu fahren."
Juha Miettinen "war ein sehr fröhlicher Mensch"
Miettinen und Hökfelt kannten sich nicht persönlich, doch die junge Schwedin berichtet von einer eindrucksvollen Szene: "Ich bin hinter ihm gestartet und auf dem Weg zum Start [in der Einführungsrunde] hat er das Fenster heruntergekurbelt, allen zugewunken und in die ausgestreckten Hände geklatscht."
"Er war ein sehr fröhlicher Mensch", ergänzt Hökfelt, die sich am Donnerstagabend auch noch einmal auf ihrem Instagram-Account zu Wort meldete. "Ich erinnere mich, wie ich in der Einführungsrunde hinter ihm fuhr und inspiriert und glücklich war, jemanden zu sehen, der so aufrichtig begeistert war, dabei zu sein."
"Während des Rennens war ich von seinem Fahrstil und seinem Mut beeindruckt. Er versuchte sogar, mich zu blockieren, obwohl ich in einem schnelleren Auto saß. Ich hoffe, ich konnte ihm in seinen letzten Augenblicken einen würdigen und spannenden Kampf liefern. Juha ist nicht weg, er ist nur eine Runde voraus."
Hökfelt fordert mögliche Anpassungen bei der Sicherheit
"So etwas darf einfach nicht passieren", fordert die 20-Jährige, dass nach dem Unfall über mögliche Änderungen nachgedacht werden müsse. "Falls es Sicherheitsbestimmungen gibt, die das hätten verhindern können, hoffe ich, dass Änderungen vorgenommen werden, um den Rennsport sicherer zu machen."
"Rennsport wird nie hundertprozentig sicher sein, und als Fahrer akzeptiere ich das, aber lasst ihn uns so sicher wie möglich gestalten. Niemand sollte sterben, weil er seiner Leidenschaft nachgeht", so Hökfelt, die mittlerweile wieder in ihrer schwedischen Heimat angekommen ist.
"Ich ruhe mich aus, um so schnell wie möglich wieder dabei zu sein", so Hökfelt, deren großes Ziel weiterhin die Teilnahme am diesjährigen 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring (14. bis 17. Mai 2026) ist. "Wir werden weiter Rennen fahren - für Juha."
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