BMW M3 Touring 24h vs. BMW M4 GT3 Evo: Fahrerisch kaum ein Unterschied
Jens Klingmann und Ugo de Wilde sind beide Autos in einem Rennen gefahren - Warum sie sich ähnlich anfühlen, der Touring aber die größere Challenge ist
Der BMW M3 Touring 24h legte ein ordentliches Renndebüt bei NLS2 hin
Foto: Speedpictures Speedpictures
Neben Max Verstappens Start war das Debüt des BMW M3 Touring 24h das große Highlight beim zweiten Lauf der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS). Die beiden Fahrer Jens Klingmann und Ugo de Wilde hatten dabei ein spezielles Erlebnis.
Weil die meisten BMW-Werksfahrer bei den 12 Stunden von Sebring weilten, fuhren beide nicht nur den Kombi-Renner, sondern auch den BMW M4 GT3 #77. Da beide Fahrzeuge von Schubert Motorsport eingesetzt werden, sind auch die Rahmenbedingungen gleich, etwa beim Reifenpartner Yokohama.
So bekamen beide einen direkten Back-to-Back-Vergleich mit beiden Autos. Und wie fährt es sich? Jens Klingmann ist begeistert. "Man vergisst als Fahrer glatt, dass man nicht im M4 GT3 sitzt, weil es sich grundsätzlich ähnlich anfühlt und einem von Beginn an das Vertrauen schenkt, das man aus den vergangenen Jahren kannte", sagt er gegenüber Motorsport-Total.com.
Ugo de Wilde, der noch nie mit einem GT3-Boliden auf der Nordschleife gefahren ist und daher ein Debüt im doppelten Sinne hatte, pflichtet dem bei. "Sie sind bemerkenswert ähnlich. Wenn man im Cockpit sitzt, hat man kaum das Gefühl, in einem anderen Rennwagen zu sitzen, obwohl der Sitz und das Fahrernetz natürlich anders sind", so der Belgier gegenüber Motorsport-Total.com.
Zeitenvergleich: Teamintern hält der Kombi mit
Wenn wir uns die Zeiten ansehen, dann wirken diese Worte zunächst überraschend. Nehmen wir von beiden Autos den Durchschnittswert der 17 schnellsten Runden (60 Prozent schnellste Runden), so kommen beide auf fast identische Werte:
1. BMW M4 GT3 Evo #77 - 8:06.253 Minuten
2. BMW M3 Touring 24h #81 - 8:06.546 Minuten
Schaut man sich die Entwicklung der Rundenzeiten beider Fahrzeuge an, zeigen sich oft nur geringe Unterschiede. Erst in der letzten Runde hatte der M3 Touring Pech mit einer Code 60 und verlor daher 40 Sekunden auf einen Schlag. Im Ziel hatte der Kombi 1:24 Minuten Rückstand. Beide Fahrzeuge verfügen über dieselbe Einstufung in der Balance of Performance (BoP) mit 1.365 Kilogramm und derselben Ladedruckkurve.
Bei der schnellsten Rundenzeit hat der M4 die Nase etwas deutlicher vorn:
1. BMW M4 GT3 Evo - 7:59.610 Minuten (Klingmann, Runde 29)
2. BMW M3 Touring 24h - 8:01.723 Minuten (de Wilde, Runde 26)
Natürlich muss angemerkt werden, dass im M4 noch einiges mehr steckt: Das siegreiche Rowe-Fahrzeug auf Michelin-Reifen nahm dem Schubert-M4 fast zwei Minuten über die vier Stunden ab und fuhr eine schnellste Runde von 7:57.656 Minuten. Allerdings ist das Rowe-Paket bekannt, während Schubert fast vier Jahre auf der Nordschleife abwesend war und sein Debüt mit Yokohama-Reifen gab.
Fast gleiches Fahrverhalten, mit einem Unterschied
"Ein wesentlicher Unterschied ist, dass sich der Touring etwas steifer anfühlt. In Hochgeschwindigkeitskurven ist er sehr präzise und etwas aggressiver. Dadurch hatte ich nicht sofort volles Vertrauen", gesteht de Wilde ein.
Es ist bekannt, dass GT3-Fahrzeuge in erster Linie für Amateurfahrer entwickelt werden. Ziel aller Hersteller ist es, ein möglichst großes Fenster für alle Fahrer zu schaffen. Deshalb sind GT3-Fahrzeuge sehr gutmütig zu fahren.
Der Touring hingegen ist aufgrund seiner Form auf der Hinterachse steifer. Das macht das Heck etwas lebendiger. Somit ist der Bolide eher etwas für Profi-Fahrer. Er muss auch nicht für Amateure entwickelt werden, weil mit Klingmann, de Wilde, Connor De Phillippi und Neil Verhagen vier Vollprofis auf dem Boliden zum Einsatz kommen.
Natürlich ist der M3 Touring für einen Nordschleifen-"Debütanten" - de Wilde fuhr bereits Permit-Rennen und startete auf einem BMW M2 Racing beim 24-Stunden-Rennen 2025, war aber noch nie in richtig schnellen Fahrzeugen auf der Nordschleife unterwegs - eine größere Herausforderung.
Klingmann ist nicht überrascht, dass de Wilde sich gerade in den schnellen Kurven mit dem Touring mehr herantasten muss als mit dem M4: "Speziell die erste Hälfte der Runde ist eine Strecke, die Vertrauen ins Auto erfordert. Sie ist mittelschnell bis schnell mit vielen schnellen Kurven. Der Fahrer muss auf der Nordschleife viel Vertrauen aufbauen, um schnell zu sein."
Damit meint er Kurven wie die schnelle Rechts nach der Sabine-Schmitz-Kurve, Flugplatz, Schwedenkreuz, Fuchsröhre und Eingang Metzgesfeld, die viel "Commitment" vom Fahrer erfordern. Genau hier gilt es, in der kurzen verbleibenden Zeit bis zum 24-Stunden-Rennen die Abstimmung des Touring noch zu verfeinern.
Tatsächlich ist der größte Unterschied gar nicht auf der Strecke zu spüren, wie de Wilde lachend anmerkt: "Ein spürbarer Unterschied zeigt sich beim Fahrerwechsel: Durch die kürzere Fahrertür ist das Ein- und Aussteigen etwas beengter. Sobald man jedoch auf der Strecke ist, vergisst man schnell, dass man im Touring sitzt. Es fühlt sich wirklich so an, als würde man den M4 fahren."
Gelungenes Renndebüt
Insgesamt herrscht nach dem ersten Renneinsatz des wahrgewordenen Aprilscherzes Zufriedenheit. "Mit dem Einstand bei NLS2 sind wir sehr zufrieden, das war sehr positiv", sagt Klingmann. "Wir haben gesehen, dass innerhalb dieser acht Monate von Projektstart bis jetzt auf die Nordschleife hin, dass wir sehr viel richtig gemacht haben."
"Ich denke, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, dass wir wirklich das maximale Potenzial da rauskitzeln können. Dieses Auto ist zwar aus einem Aprilscherz heraus entstanden, aber für uns ist ganz klar die Mission, das Auto so performant zu machen wie möglich. Wir wollen nicht bloß Feldfüller sein."
Ziel ist, die GT3-Boliden aufzumischen. Und das ist bei NLS2 durchaus gelungen. Auf Gesamtrang zwölf ließ der Touring mehrere GT3-Fahrzeuge hinter sich, darunter einen Ford Mustang aus der SP9-Pro.
De Wilde bestätigt: Insgesamt ist der Touring, obwohl der M4 weiterentwickelt ist, bereits in einem guten Bereich für ein erstes Rennen. Natürlich gibt es noch Verbesserungspotenzial, daran werden wir weiterarbeiten. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass sich die Autos viel unterschiedlicher anfühlen würden, daher war es eine sehr positive Überraschung."
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