Chronologie: Max Verstappen und sein Weg zu den 24h Nürburgring 2026
Im Detail: Die Schritte, mit denen sich Formel-1-Star Max Verstappen auf sein erstes 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife vorbereitet hat
Am 16./17. Mai bestreitet Max Verstappen erstmals die 24h Nürburgring
Foto: Red Bull Content Pool
Am kommenden Samstag, dem 16. Mai 2026, wird Max Verstappen erstmals beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an den Start gehen. Red Bull Racing, der Arbeitgeber des viermaligen Formel-1-Weltmeisters, stand diesen Plänen nie im Weg, trotzdem musste alles zusammenpassen.
Als Rubens Barrichello im Jahr 2017 im Anschluss an die 24 Stunden von Le Mans auf Verstappen zuging und ihn einlud, eines Tages gemeinsam an diesem Rennen teilzunehmen, da antwortete der Niederländer auf einer Formel-1-Pressekonferenz in Baku: "Vielleicht später, nicht jetzt."
Etwas später fügte Verstappen hinzu, dass es ihm "Spaß" machen würde, gemeinsam mit seinem Vater Jos Verstappen an den 24 Stunden von Le Mans teilzunehmen, aber: "Im Moment möchte ich noch mindestens weitere fünfzehn Jahre in der Formel 1 fahren. Daher wird das wohl nicht passieren."
Das zeigt: Schon früh in Max Verstappens Formel-1-Karriere gab es Überlegungen hinsichtlich Le Mans. Doch es ist ein anderes Langstreckenrennen, das nun für den mehrmaligen Weltmeister Realität geworden ist: das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.
Entdeckung des digitalen Nürburgrings
Die Formel 1 ist anspruchsvoll. Vom vollgepackten Rennkalender bis hin zu Medien- und Sponsorenverpflichtungen lässt sie den Fahrern nur sehr wenig Freizeit. Verstappen sprach genau das bei einem einmaligen Auftritt für Viaplay an.
"Was mir jedes Mal am wenigsten Spaß macht, das ist, wenn man den ganzen Tag für Fotos oder Videos herumsteht und nett lächelt", sagte Verstappen über lange PR-Tage. "Normalerweise habe ich das zu Beginn der Saison mit dem Team, all die Fotoshootings im Overall, in der Teamkleidung. Wenn man man da acht oder neun Stunden lang dort steht, wird man nicht gerade glücklicher."
Trotz dieser Verpflichtungen ist Verstappen selten weit weg von der Welt des Motorsports. Wenn gerade keine Formel 1 ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man ihn im Simulator findet. Im Laufe der Jahre hat er an virtuellen Rennen wie den 24 Stunden von Le Mans, den 24 Stunden von Daytona und auch den 24 Stunden vom Nürburgring teilgenommen.

Max Verstappen in seinem eigenen Simulator in Monaco
Foto: Max Verstappen
Viele werden sich besonders an die 24h Nürburgring auf iRacing im Jahr 2024 erinnern. Nicht nur, weil Max Verstappen es schaffte, dieses Rennen mit dem Team Redline (heute bekannt als Verstappen Sim Racing) zu gewinnen, sondern vor allem, weil das Rennen damals während des realen Formel-1-Rennwochenendes in Imola stattfand.
Nach dem Qualifying stieg Verstappen in seinem Wohnmobil in seinen Simulator, um seine Stints erfolgreich zu absolvieren. Team Redline gewann das virtuelle Rennen auf der Nordschleife, und am Sonntag gewann Verstappen auch noch den Grand Prix der Emilia-Romagna.
Durch Sim-Racing konnte Verstappen somit andere Bereiche des Motorsports erkunden, ohne dass dies seinen Formel-1-Zeitplan beeinträchtigte. Seine Teilnahme an der digitalen Nürburgring-Langstrecken-Serie (DNLS) weckte in ihm den Wunsch nach mehr. "Die Nürburgring-Nordschleife ist eine meiner Lieblingsstrecken. Ich hoffe, hier in ein paar Jahren in einem echten GT3-Auto fahren zu können", sagte er.
Auch wenn Verstappen natürlich mit großem Interesse seitens der Teams rechnen konnte, so fehlte ihm zum damaligen Zeitpunkt noch eine Voraussetzung, um an solchen Langstreckenrennen im echten Leben teilzunehmen.
Gründung seines eigenen Rennteams
Das änderte sich im April 2022 mit der Gründung von Verstappen.com Racing. In Zusammenarbeit mit Red Bull Racing begann Verstappen, die Lücke zwischen der Sim-Racing-Welt und dem realen Motorsport zu schließen.
Team Redline tritt unter dem Banner von Verstappen.com Racing an, während Vater Jos Verstappen unter demselben Namen im Rallyesport antritt und Thierry Vermeulen, der Sohn von Max Verstappens Manager Raymond Vermeulen, in der DTM unterstützt wird.
Max Verstappens Ziel ist es, Sim-Racern den Sprung in den realen Motorsport zu ermöglichen. 2025 machte Verstappen.com Racing einen wichtigen Schritt auf diesem Wege. Mit einem Aston Martin Vantage AMR GT3 Evo trat das Team im Endurance-Cup der GT-World-Challenge Europe an.

Thierry Vermeulen, Chris Lulham, Harry King
Foto: Verstappen.com / David Klopman
Die Fahrer waren Thierry Vermeulen, Harry King und Chris Lulham (ein Sim-Racer vom Team Redline). Das Ganze erwies sich als sofortiger Erfolg, mit einem Sieg in der Gold-Cup-Klasse beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps und schließlich dem Gold-Cup-Titel.
Rückblickend ist das Jahr 2025 für Verstappen.com Racing aber auch in anderer Hinsicht wichtig. Erstmals unterstützte das Team Thierry Vermeulen in der DTM mit Emil Frey Racing. Und über diese Verbindungen gelang es Max Verstappen, selber einen Test auf der Nordschleife zu arrangieren.
Dieser erste Test fand am 9. Mai statt, als plötzlich der Name "Franz Hermann" in Kombination mit einer niederländischen Flagge auf der Meldeliste stand, und zwar in einem Ferrari 296 GT3 von Emil Frey Racing. Für das Schweizer Team war die Nordschleife damals Neuland, genau wie für diesen "Hermann".
Aufregung schon beim ersten Test
Bald wurde klar, dass es sich hinter dem Pseudonym tatsächlich der viermalige Formel-1-Weltmeister aus den Niederlanden verbirgt - erkennbar an seinem Overall und seinem Helm. Verstappen beeindruckte an diesem Tag sofort. Gerüchte besagen, dass er den Rundenrekord bereits nach wenigen Runden gebrochen habe.

Franz Hermann: Diesen Spitznamen wird Max Verstappen nicht mehr los
Foto: Brederlow/smg
Die Performance von "Franz Hermann" hatte eine Reaktion des erfahrenen GT3-Fahrers Maro Engel zur Folge. Er behauptete, Verstappen sei gefahren mit der in der DTM verwendeten Balance of Performance (BoP), die in Bezug auf Gewicht und Leistung günstiger ist als die, die bei einem Rennen der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) gelten würde.
Verstappen wies dies auf Social-Media zurück und tat es als "dumme Kommentare" ab. Bei einer Formel-1-Pressekonferenz sagte er: "Ich bin dorthin gefahren, um Spaß zu haben und einfach meine Runden zu drehen. Wenn dann jemand anfängt, Rundenrekord zu rufen, ist das in Ordnung. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich dort bin. Ich bin nur dort, um zu lernen."
"Aber natürlich kommt das dann raus und plötzlich ist es so, als würden sich andere Fahrer angegriffen fühlen, obwohl ich der GT3-Kategorie und dem Wettbewerb gegenüber immer positiv eingestellt bin. Ich bin nicht dort, um irgendjemanden oder irgendetwas zu kritisieren. Ich genieße es einfach. Und dann bekommt man solche Kommentare, die ich für völlig unnötig halte", so Verstappen.
Fakt ist: Die Diskussionen über einen Rundenrekord lenkt von Verstappens eigentlichen Absichten ab: Erfahrungen auf der "Grünen Hölle" zu sammeln, mit einem möglichen Start bei den 24 Stunden vom Nürburgring am Horizont. Auf diesem Weg gab es noch zwei Hürden zu nehmen: seine Verpflichtungen bei Red Bull Racing - und damit indirekt der Formel-1-Kalender - sowie den Erwerb der für Rennen auf der Nordschleife erforderlichen Lizenz.
Red Bull begrüßt Nebenprojekte
Bei Red Bull ist eines klar: Die Formel 1 steht an erster Stelle. Wann immer ein Grand Prix stattfindet, kommt es nicht in Frage, dass Max Verstappen diesen zugunsten eines anderen Rennens auslässt. Darüber hinaus ist das österreichische Team von Beginn an - nicht zuletzt dank Berater Helmut Marko, der selbst die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat - offen dafür, dass der Fahrer andere Rennmöglichkeiten auslotet.
"Er ist so vielseitig und begeistert sich für alle Formen des Motorsports: Sim-Racing, GT-Rennen. Er hat sogar sein eigenes GT-Team", sagte Christian Horner wenige Tage nach dem Test von "Franz Hermann". Der damalige Red-Bull-Teamchef weiter: "Er wollte unbedingt auf dem Nürburgring fahren. Das wissen wir schon seit geraumer Zeit. Er ist hingefahren, hat eine fantastische Leistung gezeigt und es ungemein genossen. Das ist es, was er am liebsten tut. Es wäre sehr schwierig, ihm das zu nehmen."
"Eines ist aber auch klar: Er wird definitiv kein [Formel-1-]Rennen verpassen", betonte Horner. "Der Fokus muss auf seiner Arbeit hier liegen. Aber ich finde es toll, dass er so vielseitig ist. Bei Red Bull waren wir immer etwas entspannter als manche anderen Teams, was die Freiheit angeht, die wir unseren Fahrern gewähren."

Christian Horner und Helmut Marko legten Verstappen keine Steine in den Weg
Foto: Motorsport Images
Helmut Marko freute sich ebenfalls über das Interesse, das Verstappen am Motorsport jenseits der Formel 1 zeigt: "Ich finde es fantastisch, dass jemand, der noch in der Formel 1 aktiv ist, das macht. Andere, die zum Langstreckensport über gegangen sind, hatten ihre Formel-1-Verpflichtungen bereits hinter sich gelassen."
"Die Leidenschaft, mit der er das macht, zeigt, dass ihm der Rennsport wirklich alles bedeutet. Und so, wie er diese bürokratischen Hürden in Deutschland angeht, wird er sich zweifellos extrem gut vorbereiten. Und beim 24-Stunden-Rennen wird er sicherlich um den Sieg mitkämpfen", so der Österreicher.
Damit verriet Marko bereits Ende 2025, dass Max Verstappen an den 24 Stunden vom Nürburgring teilnehmen wird. "Von unserer Seite ist das bestätigt. Und ich glaube, von seiner Seite auch", sagte der damalige Red-Bull-Motorsportberater.
"Wir werden sehen, was passiert. So ist er nun einmal. Er hat bereits Tausende von Runden im Simulator absolviert. Er bereitet sich akribisch vor, aber auch mit Freude. Und ich denke, es wäre ein enormer Schub für den Langstreckensport, wenn ein viermaliger Weltmeister an den Start geht. Zu unserer Zeit hätten wir uns darüber riesig gefreut", so Marko.
Erste Schritte: Erwerb der Lizenz
Die Äußerungen von Marko folgten auf die ersten Schritte, die Verstappen unternommen hatte, um sich die erforderliche A-Lizenz zu sichern, mit der er schnellere Fahrzeuge (wie etwa GT3-Autos) auf der Nordschleife fahren darf. Am Wochenende 13./14. September 2025 setzte sich Verstappen hinter das Steuer eines Porsche Cayman GT4 CS von Lionspeed GP.
Zuvor musste Verstappen jedoch - wie alle Fahrer, die auf der Nordschleife fahren wollen - wieder die Schulbank drücken und einen Pflichtkurs absolvieren. Dazu gehörten Runden mit einem Instruktor und schließlich mehrere Runden alleine. Er bestand den Kurs und erhielt die B-Lizenz, die es ihm fortan ermöglichte, mit weniger leistungsstarken Fahrzeugen auf der Nordschleife zu fahren.

In diesem Porsche Cayman GT4 CS gab Verstappen sein NLS-Debüt
Foto: VLN
Bei NLS7 gab Max Verstappen sein Debüt in der GT4-Klasse. Als Rookie erhielt er jedoch eine deutlich schwerere und weniger leistungsstarke Version des GT4-Wagens, was einen Kampf um den Klassensieg unmöglich machte. Die Priorität freilich lag woanders: sich aus Schwierigkeiten heraushalten und insgesamt vierzehn Runden für zwei unterschiedliche Teams absolvieren.
Verstappen konnte diese Anforderungen aber nicht sofort erfüllen, da das Auto mit der Startnummer 89 von Lionspeed GP bereits vor Ende der ersten Runde ausfiel. Auf dem Papier verpasste Verstappen daher seine A-Lizenz, doch der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) beschloss, sie ihm trotzdem zu erteilen. Von diesem Moment an durfte Verstappen GT3-Fahrzeuge in der "Grünen Hölle" fahren.
Erster Erfolg beim GT3-Debüt
Nachdem er sich die A-Lizenz gesichert hatte, verschwendete Verstappen keine Zeit. Nur wenige Wochen nach NLS7 kehrte er für NLS9 in die Eifel zurück. Dort trat er gemeinsam mit seinem Teamkollegen Chris Lulham im Ferrari 296 GT3 von Emil Frey Racing an.
Die Teilnehmerliste war relativ dünn besetzt, da die meisten ernsthaften Sieganwärter ihre Saison bereits nach dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring beendet hatten. Dennoch ist ein Vier-Stunden-Rennen auf der Nordschleife nie ohne Risiko, und das Management des Verkehrs ist immer eine große Herausforderung.

Seinen ersten GT3-Einsatz auf der Nordschleife hatte Verstappen im Ferrari
Foto: VLN
Im Rennen machten Verstappen und Lulham keine Fehler und fuhren einen souveränen Sieg ein. "Die ersten beiden Stints liefen wirklich gut, das Auto funktionierte bei trockenen Bedingungen perfekt. Wir hatten im Qualifying etwas Pech, aber im Rennen lief alles reibungslos, was den Verkehr angeht. Ich glaube nicht, dass ich in meinen beiden Stints größere Fehler gemacht habe", sagte Verstappen mit einem Lächeln und fügte hinzu: "Hier gleich bei meinem ersten Versuch zu gewinnen, das ist einfach fantastisch."
Nach dem Sieg erhielt Verstappen auch Lob von Helmut Marko: "Unglaublich, wie Max das gemacht hat. Allein der Start und die erste Kurve, wie er die beiden vor ihm fahrenden Autos überholt hat. Das war klassischer Verstappen. Das kann sonst niemand. Er hat einen Vorsprung von einer Minute auf das Auto auf Platz zwei herausgefahren."
Außerdem betonte Marko bei dieser Gelegenheit, dass Verstappen gerne öfter auf die Nordschleife zurückkehren könne, "sofern es der Formel-1-Kalender zulässt".
NLS-Programm durch Kalenderverschiebungen ermöglicht
Verstappen genießt seine Zeit auf der Nordschleife sichtlich, doch nach seinem Sieg bei NLS9 schloss er eine Teilnahme an NLS10 aus, obwohl dieses Rennen zeitlich zwischen den Formel-1-Rennen in Singapur und Austin stattfand. "Ich gönne mir eine kleine Pause. Nach diesem Wochenende habe ich an sechs Wochenenden hintereinander Rennen bestritten, das ist ziemlich viel", sagte der Niederländer.
Zudem machte Verstappen deutlich, dass seine Pläne für 2026 weitgehend von der Formel 1 abhängen würden. Nicht nur wegen des Kalenders mit ursprünglich 24 Grands Prix, sondern auch aufgrund der Unsicherheiten rund um die neuen Regeln. "Es wird wahrscheinlich etwas hektischer sein als am Ende eines Regelzyklus, wenn die Dinge klarer sind", erklärte er.
"Hinzu kommt das Programm des GT3-Teams, also mit welchem Auto wir fahren werden und solche Dinge. Es muss noch vieles zusammenkommen, bevor ich alles richtig planen kann, allein schon mit meinen eigenen Fahrern im Team, ganz zu schweigen von mir selbst. Wir wollen auf jeden Fall wieder dabei sein, aber ich weiß noch nicht, wie viele Rennen ich fahren kann. Aber wenn sich eine Gelegenheit ergibt und ich ein gutes Gefühl dabei habe, und je nachdem, wie es in der Formel 1 läuft, dann auf jeden Fall."

Im Winter 2025/26 sattelte das Verstappen-Team auf Mercedes-AMG um
Foto: Mercedes-AMG
Im Winter stattete Verstappen der portugiesischen Rennstrecke von Estoril einen Besuch ab. Dort wurde statt des Aston Martin Vantage GT3 ein Mercedes-AMG GT3 in den Farben von Verstappen.com Racing vorgestellt. Dies war der erste Schritt zur Bestätigung, dass sein Team, das in diesem Jahr unter dem Namen Verstappen Racing antritt, in der GT-World-Challenge tatsächlich mit Mercedes-Fahrzeugen antritt, und zwar sowohl im Sprint- als auch im Endurance-Cup.
Mit Unterstützung von Mercedes-AMG fanden hinter den Kulissen auch Gespräche mit den Organisatoren der Nürburgring-Langstrecken-Serie statt, um den Kalender so anzupassen, dass Max Verstappen an NLS1 teilnehmen konnte. Eines war für Verstappen immer klar: Er wird nur dann beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring antreten, wenn er sich ordnungsgemäß auf das Rennen vorbereiten kann.
Spaß im GT3-Auto
Zwar gelang es Mercedes nicht, NLS1 um eine Woche zu verschieben, sodass das Rennen zeitlich zwischen den Formel-1-Grands-Prix von China und Japan stattgefunden hätte. Aber die NLS-Organisation bot einen Kompromiss an. Der Termin für NLS2 wurde um eine Woche vorverlegt, wodurch genau diese Lücke zwischen den beiden Formel-1-Rennen geschlossen wurde.
"Die Entscheidung, einen lange im Voraus festgelegten Termin zu verschieben, wurde nach intensiven Gesprächen mit vielen Beteiligten getroffen, wobei im besten Interesse des Motorsports alle Interessen sorgfältig abgewogen wurden", sagte NLS-Chef Mike Jäger und erklärte: "Zum Wohle aller Teams und Teilnehmer wollen wir auf der weltweiten Anerkennung aufbauen, die die NLS im vergangenen Jahr dank der Teilnahme von Max Verstappen erlangt hat."
Am 9. März 2026 folgte die große Ankündigung: Verstappen wird in diesem Jahr beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an den Start gehen. Er wird sich den Mercedes-AMG GT3 mit der Startnummer 3 mit Daniel Juncadella, Jules Gounon und Lucas Auer teilen - drei Top-Namen im GT-Rennsport. Zudem wurde bestätigt, dass Verstappen als Vorbereitung auf die 24h Nürburgring bei NLS2 startet.

Den Mercedes-AMG teilt sich Verstappen mit Juncadella, Gounon, Auer
Foto: Leon Merkle
Die Ankündigung erfolgte einen Tag nach dem Grand Prix von Australien, dem ersten Formel-1-Wochenende unter dem neuen Reglement - und somit mit Regeln, bei denen Verstappen kein Geheimnis gemacht macht, dass er kein Fan davon ist. Der Zeitpunkt war schon auffällig, wenngleich Verstappen selber offen zugab, dass ihm GT3-Fahrzeuge mehr Spaß bereiten als die neuen Formel-1-Boliden.
"Wenn es nach mir ginge, hätten wir ganz andere [Formel-1]-Autos. Deshalb macht mir manchmal auch das GT3-Racing Spaß, weil es einfach etwas normaler und weniger politisch ist", sagte Verstappen.
"Natürlich", so der Niederländer, "gibt es die BoP und die muss man immer berücksichtigen, aber insgesamt ist es reinerer Rennsport. Okay, ein wenig langsamer, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Es ist einfach anders. Ich schätze es sehr, diese Gelegenheit zu haben und das Beste daraus zu machen in einer Saison, in der man nicht so viel Spaß hat".
Kostspieliger Fehler bei NLS2
Schnell wurde klar, dass die NLS-Veranstalter die richtige Entscheidung getroffen hatten, den Termin für NLS2 zu verschieben: Die Rennstrecke war voll und die Aufmerksamkeit auf Verstappen war riesig. Der Formel-1-Pilot von Red Bull Racing sicherte sich im Qualifying die Pole, betonte jedoch, dass es bei solchen Qualifikationsrunden oft auf Glück mit dem Verkehr und gelben Flaggen ankomme.
Im Rennen verlor Verstappen die Führung schnell an Christopher Haase, einen erfahrenen GT3-Fahrer, der die Nordschleife wie seine Westentasche kennt. Allerdings konnte sich Haase, teilweise aufgrund des Verkehrs, nicht absetzen. Verstappen blieb dem Audi nicht nur auf den Fersen, er blieb sogar im Windschatten.

Bei NLS2 zeigten Verstappen und Haase (hier in Reihe 1) ein packendes Duell
Foto: Speedpictures
Kurz vor dem ersten Boxenstopp setzte Verstappen zum Überholmanöver an, um die Führung zurückzuerobern, woraufhin das Team zu einem unangefochtenen Sieg fuhr - unterstützt durch die Tatsache, dass Haase einen unerfahrenen Teamkollegen hatte.
Verstappen konnte sich über diesen Sieg jedoch nicht lange freuen: Das Team wurde disqualifiziert. Winward Racing, das für den Einsatz verantwortliche Team, hatte im Qualifying und im Rennen sieben Reifensätze verwendet, obwohl die Regeln maximal sechs zulassen. Es war ein Missverständnis, aber eines mit kostspieligen Folgen.
Dennoch machte dieser NLS-Auftritt eines deutlich: Verstappen wird zusammen mit Daniel Juncadella, Jules Gounon und Lucas Auer zu den Favoriten auf den Gesamtsieg bei den 24 Stunden vom Nürburgring 2026 zählen.
Eine traurige Note
Zur Vorbereitung auf dieses 24-Stunden-Rennen nahm Verstappen an den beiden Qualifikationsrennen teil, die am 18./19. April und somit während der unerwarteten Formel-1-Pause stattfanden. Diese Veranstaltungen ermöglichen es den Teams, ihre Vorbereitungen abzuschließen und sich in der Woche des Hauptrennens eine gute Ausgangsposition für das Top-Qualifying zu sichern.
Das erste Qualifikationsrennen wurde jedoch von einer Tragödie überschattet. Nach etwa 25 Minuten des auf vier Stunden angesetzten Rennens wurde die Veranstaltung nach einem Zwischenfall im Streckenabschnitt Klostertal mit der roten Flagge unterbrochen. Schnell wurde klar, dass es sich um einen schweren Unfall handelte, in den sieben Fahrzeuge verwickelt waren.
Rettungskräfte eilten zum Unfallort und versuchten, das Leben von Juha Miettinen zu retten, leider jedoch ohne Erfolg. Der 66-jährige Finne erlag seinen Verletzungen. Es war eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass der Motorsport noch immer gefährlich ist, auch wenn sich die Sicherheit im Laufe der Jahre deutlich verbessert hat.
Max Verstappens Reaktion bei Social-Media auf den tödlichen Unfall von Juha Miettinen war: "Ich bin schockiert von dem, was heute passiert ist... Der Motorsport ist etwas, das wir alle lieben, aber Momente wie dieser erinnern uns daran, wie gefährlich er sein kann. Mein aufrichtiges Beileid gilt Juhas Familie und seinen Angehörigen."

Schweigeminute für Juha Miettinen vor Rennen 2 bei den 24h Qualifiers
Foto: VLN
Einen Tag später wurde auf der Nordschleife das zweite Qualifikationsrennen ausgetragen, allerdings erst nach einer Schweigeminute. Dieses zweite Rennen verlief ohne größere Zwischenfälle und bot den Zuschauern erneut einen Zweikampf zwischen Verstappen und Christopher Haase.
Der Zweikampf fand ein Ende, als Verstappen Vibrationen im Mercedes-AMG spürte und beschloss, das Auto in die Box zu bringen. Dort wurde ein erheblicher Schaden an der Front festgestellt, wobei unklar blieb, wie es dazu gekommen war. Nach einem langen Boxenstopp übernahm Lucas Auer und absolvierte wertvolle Testrunden, doch jede Chance auf ein gutes Ergebnis war längst dahin.
Damit waren die Vorbereitungen für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring abgeschlossen. Max Verstappens Nordschleifen-Abenteuer mag gerade erst begonnen haben, aber schon am kommenden Wochenende (16./17. Mai) wird er sich in einem der anspruchsvollsten Rennen der Welt mit den Besten der GT3-Welt messen.
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