Fünfter Platz! Warum der M3 Touring sogar schneller war als der M4 GT3
Der BMW M3 Touring fährt bei den 24h Nürburgring 2026 auf den fünften Platz im Gesamtklassement: Jens Klingmann ordnet das Resultat ein und verrät die Vorteile
Der BMW M3 Touring war schneller als der M4 GT3
Foto: Gruppe C Photography
"Die Top 10 wären schon ein Traum gewesen, es wurde dann eine Top-5-Platzierung", freut sich BMW-Werksfahrer Jens Klingmann über den fünften Platz beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring (Rennbericht). Damit sorgte der Touring-BMW #81 (Klingmann/de Phillippi/Verhagen/de Wilde) für eine große Überraschung.
"Ich glaube, das hat wirklich keiner abschätzen können", ergänzt Klingmann im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Wir haben zwar gesehen, dass wir auch schon beim NLS-Rennen nicht weit weg waren, aber jetzt auch nicht wirklich auf der Pace."
"Und seit diesem Wochenende waren wir wirklich sehr stark", ergänzt der BMW-Pilot. Bereits im ersten Top-Qualifying präsentierte sich der Touring überraschend als schnellster BMW im Feld. "Und da hat es schon ein bisschen Hoffnung gemacht, dass wir auch einen Blick nach vorne wagen und auch auf ein besseres Ergebnis hoffen können."
"Aber jeder weiß, die Nordschleife ist schon mal eine Challenge an sich", ergänzt Klingmann. "Und überhaupt durchzufahren, das hat man in den letzten Tagen auch wieder gesehen, ist schon schwer genug. Dementsprechend sind wir sehr stolz auf das Projekt und auch auf das Resultat." In der SPX-Klasse feiert der Kombi sogar den Klassensieg.
Der fünfte Platz war Maximum aus eigener Kraft
Ob am Ende dennoch ein Hauch Enttäuschung darüber bleibt, das Gesamtpodium knapp verpasst zu haben? "Als Rennfahrer willst du natürlich nach dem Pokal greifen, wenn du nah am Podium bist, das ist ganz klar", gibt der BMW-Pilot offen zu.
"Aber hätte jemand gestern gesagt, dass wir Fünfter werden, hätten wir das alle unterschrieben und wären super happy gewesen. Das ist eine Frage der Perspektive. Und ich glaube, dass wir die Perspektive der Anreise nehmen sollten."
Dass der Sprung auf das Gesamtpodium letztlich nur hauchdünn verpasst wird, sei "ein Luxusproblem" gewesen, findet Klingmann. "Wenn du so nah am Podium bist, dann willst du pushen. Aber der fünfte Platz ist wirklich alles, was wir aus eigener Kraft erreichen konnten."
"Teilweise sind auch Autos ausgefallen, die uns ein bisschen in die Karten gespielt haben", erinnert der 35-Jährige beispielsweise an das Pech des Winward-AMG rund um Max Verstappen. "Aber mehr wäre fairerweise aus eigener Perspektive nicht drin gewesen."
BMW witterte am Sonntagmorgen einen Podestplatz
Und das, obwohl sich die Herangehensweise im Verlauf des Rennens tatsächlich verändert hat. Denn während zu Beginn vor allem das Erreichen des Ziels Priorität hatte, richtet das BMW-Team den Blick plötzlich doch auf ein mögliches Topergebnis. "Am frühen Morgen haben sie schon gesagt, dass ich pushen soll", verrät Klingmann.
"Da haben sie auf einmal auch angefangen, mir immer die Abstände nach vorne und hinten durchzusagen, und dass wir die Lücke zu den anderen Autos zufahren." Erst im letzten Stint kehrte wieder Ruhe am Funk ein: "Da haben sie gesagt, dass wir jetzt verwalten. Nach hinten waren am Ende knapp drei Minuten Luft."

Der BMW M3 Touring erreicht bei den 24h Nürburgring 2026 den fünften Platz
Foto: BMW
Zudem sei der Touring durch den Regenschauer in der Schlussphase noch einmal "echt schwer zu fahren" gewesen, berichtet der BMW-Fahrer. "Dann wollten wir es wirklich nicht mehr riskieren. Es gab nichts mehr zu gewinnen, aber es gab alles zu verlieren."
Warum der BMW M3 Touring einen kleinen Vorteil hatte
Überraschenderweise konnte der M3 Touring über weite Strecken des Rennens sogar schnellere Zeiten fahren als der M4 GT3. Zum Vergleich: Die schnellste Runde des Kombis beträgt 8:13.580 Minuten, der viertplatzierte Rowe-BMW #99 bleibt mit 8:15.405 Minuten fast zwei Sekunden darüber.
"Das Chassis ist ein bisschen steifer, einfach der Rohkarosse und auch dem Überrollkäfig geschuldet", erklärt Klingmann, was dem Kombi "hier und da geholfen" habe. Beim ersten Test sei der erfahrene GT3-Pilot noch davon ausgegangen, dass genau das eher ein Nachteil sein könnte - auf der Nordschleife entpuppt sich die Steifigkeit jedoch als Vorteil.
"Vielleicht nicht beim Überfahren der Randsteine, aber um den Reifen hier und da vielleicht ein bisschen mehr Energie zu geben, wenn es dann ankommt." Dadurch gelang es dem Touring im Vergleich zum M3 GT3 deutlich besser, die Reifen schneller in das optimale Arbeitsfenster zu bringen.

Der BMW M3 Touring hat mehr Abtrieb als der M4 GT3
Foto: Gruppe C Photography
"Das hat sehr gut funktioniert und speziell auch heute Nacht, bei den tiefen Temperaturen, war er wirklich super kompetitiv unterwegs", ergänzt Klingmann, der ähnlich wie schon Teamkollege Ugo de Wilde zugibt, dass man seit dem Debüt noch einige Fortschritte erzielt habe.
"Alles in allem waren es zwei, drei kleine Schritte. Es waren keine mega Entwicklungsschritte mehr nötig", sagt der BMW-Pilot. "Wir haben die Aerodynamik in ein gutes Fenster bekommen, und wir haben auch eine bisschen bessere BoP bekommen, weil wir die Aerodynamik mit mehr Flügelstellung kompensieren müssen."
Dadurch habe der Touring auch etwas mehr Abtrieb generiert, was sich ebenfalls positiv ausgewirkt habe. "Und jetzt hat uns die BoP fairerweise auch ein bisschen geholfen, dass wir da auch auf Augenhöhe sind, auch im Topspeed im Vergleich zu anderen."
Erfolg des M3 Touring "wird in BMW-Geschichte eingehen"
Den entscheidenden Grund für den Erfolg des Touring sieht Klingmann jedoch an anderer Stelle. "Wir hatten wirklich eine 100 Prozent fehlerfreie Vorbereitung, und vielleicht ein 95 Prozent fehlerfreies Rennen", so der BMW-Pilot. Im Verlauf des Rennens kassierte der Touring lediglich eine 45-Sekunden-Strafe wegen Missachtung von Flaggensignalen.
Ansonsten hielten sich Jens Klingmann, Connor de Phillippi, Ugo de Wilde und Neil Verhagen konsequent aus allen größeren Problemen heraus, abgesehen von kleineren Ausrutschern, etwa auf einer Ölspur in Aremberg. "Ich glaube, es wird in die BMW-Geschichte eingehen für das, was es ist. Und es ist auch gut, so wie es ist."
"Es hat großen Spaß gemacht, das Auto wirklich ans Limit zu bringen", sagt Klingmann. "Und ich glaube, das war ein Projekt, das es in naher Zukunft auch so nicht mehr geben wird. Aber ich hoffe, dass es ein Türöffner war, dass man wirklich mal ein Projekt macht, das die Leute einfach geil finden."
Für den M3 Touring endet die kurze Motorsport-Historie mit einem Überraschungserfolg. In diesem Jahr soll das Fahrzeug noch bei ausgewählten Events zu sehen sein, etwa bei der Parade vor den 24h Le Mans, beim Goodwood Festival of Speed sowie beim MotoGP-Rennen in Spielberg. Eine Rückkehr auf die Nordschleife scheint ausgeschlossen.
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