Inside Langstrecken-Streit Nürburgring (2/3): Gründe für die neue Serie
Chaos am Nürburgring: ADAC Nordrhein gründet eigene Langstreckenserie - Machtkampf erneut gestartet - Zweiter Teil: Warum es wieder zwei Serien gibt
Rund um das 24-Stunden-Rennen soll ab 2026 eine neue Serie entstehen
Foto: Gruppe C Photography
Eigentlich schien alles so schön: Nach dem überwundenen Streit mit der NES war die Nordschleifen-Szene im Aufwind. Es gab einen leichten Teilnehmeranstieg in wirtschaftlich schwierigsten Zeiten, die Teilnehmer waren zufrieden und das Produkt entwickelte sich weiter.
Teil 1: Die Beteiligten am neuerlichen Nürburgring-Streit
Teil 3: Blickwinkel der verschiedenen Parteien auf die Situation
Doch die NLS hatte sich seit März 2024 mit dem ADAC Nordrhein ins Bett gelegt, um den Streit gegen die NES zu gewinnen. Das könnte ihr jetzt zum Verhängnis werden. Die ADAC-Regionalvereine Nordrhein, Mittelrhein und Westfalen wurden Seriensponsor, deshalb hieß die Serie im Jahr 2024 ADAC NLS.
Was dann geschah, daran scheiden sich die Geister - je nachdem, mit wem man spricht. Wie wir im ersten Teil festgehalten haben, lag dem ADAC Nordrhein einiges an einer Professionalisierung der VLN. Entsprechend wurden Verhandlungen geführt, vor allem auf Vermarktungsebene.
Dann aber kommt die Struktur der VLN Sport wieder zum Tragen: Die Gesellschafter, und damit vor allem auch der ADAC Westfalen, sollen gegen die Pläne des ADAC Nordrhein gewesen sein.
Die Breite der Statements von Gesprächspartnern reicht von "Das Angebot des ADAC Nordrhein war wirklich fair" bis hin zu "Der ADAC Nordrhein will die Kontrolle über die NLS". Was genau nach der Rettung Anfang 2024 besprochen wurde, bleibt Betriebsgeheimnis beider Parteien.
Womöglich hat der ADAC Nordrhein die finanzielle Situation der VLN unterschätzt. Denn in allen Gesprächen mit VLN-Stakeholdern wird gebetsmühlenartig betont: Die VLN steht finanziell mittlerweile auf soliden Beinen - besser als je zuvor.
Und tatsächlich hat sie ihre Kosten, die aufgrund mehrerer Rechtsstreitigkeiten enorm sind, auch ohne den ADAC Nordrhein gestemmt bekommen. Man beachte, dass die Serie seit 2025 ADAC Ravenol NLS heißt. Ironie: Es handelt sich um denselben Titelsponsor wie beim 24-Stunden-Rennen.
Seit 2025 ist ein Unternehmen von Rudi Speich, dem Vorsitzenden des ADAC Mittelrhein, ebenfalls Sponsor der NLS. Wie schon in Teil 1 betont, läuft über sein Ingenieurbüro auch die Technische Abnahme. Im Stream des 6-Stunden-Ruhr-Pokal-Rennens betonte er: "Die NLS ist die geilste Serie."
Jedenfalls hat der ADAC Nordrhein nicht das bekommen, was er sich durch den Einstieg als Titelsponsor erhofft haben mag. Die VLN wollte bleiben, wie sie war, und konnte die finanziellen Mittel nun auch an anderer Stelle auftreiben. Entsprechend zog er sich aus der ADAC-Dreierallianz zurück - es blieben Westfalen und Mittelrhein, die das ADAC-Titelsponsoring der NLS weiterhin stemmen.
Zweiter Knackpunkt: Auswirkungen des Gerichtsverfahrens
Neben den unterschiedlichen Auffassungen, wie der Langstreckensport am Nürburgring in Zukunft aussehen soll, ist das laufende Gerichtsverfahren der zweite zentrale Punkt im jetzigen Machtkampf.
Rückblick: Im Jahr 2023 und Anfang 2024 gab es zwei Urteile in Eilverfahren im Rechtsstreit zwischen VLN und Nürburgring: erst ein kompletter Kantersieg der VLN, danach ein Berufungsurteil, das festlegte, dass der Nürburgring diskriminierungsfreien Zugang für alle Bewerber zulassen muss. Entsprechend bekamen NLS und NES jeweils fünf Termine zugesprochen. Die NES kollabierte allerdings 2024, ohne ein einziges Rennen veranstaltet zu haben.
Die Auswirkungen des Verfahrens gehen weit über NLS und Nürburgring hinaus. Denn dieses verhindert aktuell, wie es heißt, dass langfristige Verträge geschlossen werden können. Dem ADAC Nordrhein winkt angeblich ein 10-Jahres-Vertrag für das 24-Stunden-Rennen ab 2029 (der aktuelle Vertrag läuft bis Ende 2028). Damit hätte er ein riesiges Pfund für die Verhandlungen mit Partnern in der Hand. Einen ersten Vertrag mit der RTL-Gruppe hat er nun geschlossen, aber nur für vier Jahre.

Struktur und Verflechtungen im Langstreckensport am Nürburgring
Foto: Motorsport Network
Doch der Nürburgring geht derzeit offenbar davon aus, dass das Oberlandesgericht, vor dem aktuell verhandelt wird, das Urteil vom 4. Januar 2024 bestätigen wird. Damit müsste jeder Interessent am Nürburgring im gleichen Maße Termine zur Verfügung gestellt bekommen. Ein solches Urteil könnte den 10-Jahres-Vertrag null und nichtig machen.
Und das ist nur der Anfang, denn der ADAC Nordrhein hat momentan eine große Sorge: Sollte das Urteil vom 4. Januar 2024 bestätigt werden, könnte es künftig heißen, dass der Nürburgring den Termin für das 24-Stunden-Rennen ausschreiben muss, und nicht mehr einfach an den ADAC Nordrhein vergeben kann. Das wäre der Super-GAU für langfristige Planungen.
Nordrhein möchte nun Fakten schaffen und sich als Platzhirsch mit seiner 24h-Serie am Nürburgring einrichten. Nicht ganz klar ist derzeit, inwiefern die zusätzlichen Termine den ADAC Nordrhein dabei schützen sollen, das 24-Stunden-Rennen weiter zu veranstalten.
Sollte der Worst Case eintreten und ein fremder Veranstalter den Termin für das 24-Stunden-Rennen bekommen, könnte der ADAC Nordrhein nicht einfach einen seiner bestehenden Termine auf 24 Stunden ummodeln, allein schon aus Lärmschutzgründen.
Warum die NLS den Rechtsstreit nicht beenden will/kann
Somit haben sowohl ADAC Nordrhein als auch der Nürburgring ein Interesse daran, dass das Gerichtsverfahren beendet wird. Der ADAC Nordrhein will eine langfristige Garantie seines Rennens, der Nürburgring die Klausel um die "Essential Facility" loswerden.
Daher gab es eine freundliche Bitte an die VLN, doch bitte den Gerichtsprozess zu verlieren. Diese sträubte sich jedoch dagegen, denn das würde die Uhr auf Sommer 2023 zurückdrehen und der NR Holding die Möglichkeit geben, die VLN aus der "Grünen Hölle" zu werfen.
Die VLN ist daher nur bereit, den Rechtsstreit aufzugeben, wenn es ein wasserdichtes Abkommen gibt. Juristen zufolge ist dies jedoch schwierig. Der Standpunkt der VLN ist klar: Freiwillig verlieren wird man den Prozess nur, wenn man eine rechtssichere Garantie bekommt, weiterhin Rennen zu veranstalten.
Im dritten Teil werden wir die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln bewerten. Eines vorweg: Die Situation ist keineswegs schwarz-weiß.
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