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Juha Miettinen: So kam es zum Unfall auf dem Nürburgring

Tödlicher Unfall von Juha Miettinen bei den 24h Qualifiers: Was genau geschehen ist und warum Maßnahmen wie Tempolimits diesmal unwahrscheinlich sind

Tödlicher Nürburgring-Unfall: Was bekannt ist und wie es weitergeht

Die Schweigeminute zum Tod von Juha Miettinen vor dem Sonntagsrennen

Foto: VLN

Die ersten belastbaren Informationen zum tödlichen Nürburgring-Unfall liegen vor: Es war einer der berüchtigten Seitenaufprälle, der Juha Miettinen bei den 24h Qualifiers zum Verhängnis geworden ist.

Auslöser für den schweren Massenunfall war eine Ölspur bei der Steilstrecken-Kurve im Bereich Klostertal. Zunächst krachte der BMW 330i #503 (Tamm/Egger/Hökfelt) deswegen geradeaus frontal in den Reifenstapel.

Miettinen war mit seinem BMW 325i ziemlich dicht dahinter. Er schlug auf der Ölspur quer und krachte im 90-Grad-Winkel mit der Fahrertür voran in das Heck des stehenden 330i hinein.

Es sind genau diese T-Bone-Unfälle, die im Motorsport heutzutage noch wirklich gefährlich sein können. Man erinnere sich an die tödlichen Unfälle von Anthoine Hubert oder Dilano van't Hoff.

Denn bei einem Seitenaufprall steht nur wenig Knautschzone zur Verfügung. Zwar gibt es einen Überrollkäfig, der mit einer X-Struktur den Fahrer schützt (in diesem Video bei 0:57 Minuten gut zu sehen). Diese wirkt aber vor allem bei seitlichen Mauereinschlägen.

Wenn hingegen viel Geschwindigkeit auf ein räumlich recht begrenztes Hindernis trifft, wird die Energie konzentriert. In diesem Fall kam nach Informationen von Motorsport-Total.com offenbar noch hinzu, dass der 330i durch den Frontaleinschlag kurz das Heck in die Luft hob, das gerade im Moment des Einschlags von Miettinen wieder runterfiel.

Dadurch erfolgte der Aufprall offenbar wesentlich weiter oben als es normalerweise der Fall wäre. Genau in diesem Bereich befindet sich jedoch sicherheitstechnisch ein luftleerer Raum, da der Fahrer sich in anderen Situationen möglichst schnell aus dem Auto befreien muss, und durch diese Lücke durch die Fahrertür hinausklettert.

Anschließend flogen auf der Betriebsmittelspur noch weitere Fahrzeuge ab, die Miettinens BMW allerdings verfehlten. Alle weiteren in den Unfall verwickelten Fahrer konnten das Krankenhaus bis zum nächsten Tag verlassen.

Warum es diesmal keine Hauruck-Diskussionen gibt

Die Reaktionen auf den Unfall fallen anders aus als noch beim Unfall von Jann Mardenborough 2015, als ein Zuschauer ums Leben kam. Damals erhielt der damalige DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck noch am Tag des Unfalls einen Anruf von FIA-Präsident Jean Todt, der offen damit drohte, dass der Nordschleife die Lizenz entzogen werden könnte.

Das führte damals zu hektischen Methoden. So wurde die Nordschleife für die schnellsten Klassen sogar komplett gesperrt, bis in einberufenen Krisensitzungen, vor allem dem berühmten "Runden Tisch", unter anderem das Tempolimit von 200 und 250 km/h an gewissen Stellen der Nordschleife eingeführt wurde.

Diesmal bleiben solche hektischen Diskussionen allerdings völlig aus. Das liegt unter anderem an der Art des Unfalls. Haftungstechnisch ist es ein großer Unterschied, ob ein Fahrer, ein Marshall oder ein Zuschauer ums Leben kommt.

Ein Fahrer ist aus dieser Sicht, so makaber das klingen mag, das geringste Problem für den Veranstalter, während ein Zuschauer den "worst case" darstellt. In diesem Fall traf es also einen Fahrer, der auf einer Ölspur ausgerutscht ist - ein Szenario, das im Motorsport deutlich erwartbarer ist als ein Auto, das in Zuschauerränge fliegt.

Wie üblich hat neben FIA und DMSB auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden im Hintergrund verlaufen. Den beiden Sportbehörden stellte der ADAC Nordrhein einen Bericht zur Verfügung, der nun von diesen durchgearbeitet wird.

Unmittelbare Auswirkungen auf das 24-Stunden-Rennen sind erst einmal nicht zu erwarten. Ob nach Durchsicht der Berichte Maßnahmen ergriffen werden müssen, wird die Zeit zeigen müssen.

Miettinen ist der erste Fahrer seit Wolf Silvester im Jahr 2013, der im Rahmen der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) oder des 24-Stunden-Rennens beziehungsweise dessen Vorbereitungsrennen ums Leben gekommen ist.

Bei Silvester waren allerdings gesundheitliche Probleme die Todesursache. Der letzte Fahrer, der vor Miettinen durch einen Unfall sein Leben bei einem der besagten Rennen verlor, war Leo Löwenstein bei einem NLS-Rennen im Jahr 2010.

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