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Russischer Besitzer: Nürburgring im Ukraine-Krieg aus dem Schneider?

Rheinland-Pfalz ergreift im Zuge des Ukraine-Kriegs keine Maßnahmen gegen Wiktor Charitonin - Die Situation kann sich allerdings jederzeit ändern

Letztlich war es ein Sturm im Wasserglas. Dass der Nürburgring im Zuge der russischen Invasion der Ukraine ein Thema im Innenausschuss der rheinland-pfälzischen Landesregierung werden würde, erweckte ein großes Medienecho. Allerdings schlief das Thema genauso schnell wieder ein.

Die CDU-Landtagsfraktion hatte den Nürburgring zusammen mit dem Flughafen Hahn auf die Tagesordnung gesetzt, da in beiden Fällen russische Investoren eine große Rolle spielen. Die Situation um den Nürburgring wurde sehr schnell abgehandelt.

Wiktor Charitonin, Pharma-Oligarch und Hauptinvestor am Nürburgring, werde "in keinen Anhängen der Durchführungsverordnungen des Rates der Europäischen Union zu restriktiven Maßnahmen erwähnt", heißt es in einem Sprechvermerk des Ministeriums des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz.

Kurzum: Solange Wiktor Charitonin nicht auf EU-Sanktionslisten auftaucht, sind keine Maßnahmen zu ergreifen. Auch in einer aktualisierten Fassung der Sanktionsliste vom 12. April 2022 wird der Name Wiktor Charitonin nicht erwähnt.

Natürlich ist das für den Nürburgring erst einmal eine gute Nachricht, denn so kann der Betrieb ohne störende Faktoren im Hintergrund weitergehen - fürs Erste.

Denn es ist nicht auszuschließen, dass sich die Situation ändert. Mit fortlaufender Kriegsdauer und immer wieder bekanntwerdenden Menschenrechtsverletzungen von russischer Seite werden die Sanktionslisten stetig erweitert.

Fotostrecke: Chronik des Nürburgring-Verkaufsdesasters

Dass es Charitonin durchaus treffen kann, zeigt die Tatsache, dass der Oligarch auf der "Putin-Liste" der USA von 2018 steht CAATSA-Report. Diese Liste führt 210 Personen aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf. Zu Sanktionen kam es damals nicht - unter anderem, weil die Europäer sie als völkerrechtswidrig ablehnten.

Dennoch ist bei einer Ausweitung der Sanktionen damit zu rechnen, dass die "Putin-Liste" als Vorlage herhalten wird - und Charitonin damit ebenfalls betroffen sein könnte. Was dann passieren würde, ist schwer absehbar. Allerdings zeigt der Fall Roman Abramowitsch und FC Chelsea, wie schnell es gehen kann.

Besitzverhältnisse am Nürburgring

Der Nürburgring wird im Allgemeinen als "im russischen Besitz" befindlich beschrieben. Das greift jedoch ein wenig zu kurz. Der "Ring" befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Nürburgring Holding GmbH (vormals Capricorn Nürburgring Besitzgesellschaft mbH).

An dieser GmbH ist wieder um die NR Holding AG als Mehrheitsgesellschafter zu 99 Prozent beteiligt, das verbliebene Prozent hält Getspeed. Der Anteil von Getspeed betrug schon einmal deutlich mehr - es heißt mindestens 20 Prozent -, allerdings schwand dieser Anteil Anfang 2016 auf nur noch ein Prozent.

Die NR Holding AG ist wiederum, wie der Name schon sagt, eine Aktiengesellschaft. Hier ist Wiktor Charitonin Hauptaktionär. Wie viele Anteile er genau hält, ist momentan nicht bekannt. Informationen von 'Motosport.com Deutschland' zufolge befinden sich allerdings Anteile im Streubesitz - Charitonin ist also nicht alleiniger Anteilseigner.

Vorstand der NR Holding AG ist wiederum Wiktor Martin - ein Vertrauter Charitonins, dessen Name momentan ebenfalls nicht auf EU-Sanktionslisten auftaucht.

Die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, die in der Regel in der Öffentlichkeit an vorderster Front steht, ist wiederum eine Tochtergesellschaft der Nürburgring Holding GmbH. Sie ist für den Betrieb und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, hält aber keinerlei Besitz am Nürburgring.

Das sagt der Nürburgring

Die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG verweist auf ein Statement, das sie bereits seit Beginn des Ukrainekrieges vertritt: "Die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG ist für den wirtschaftlichen und operativen Betrieb, die Verwaltung sowie die Vermarktung der gesamten Infrastruktur des Nürburgrings zuständig."

"Gemeinsam mit den Besitzern der Rennstrecke stehen wir dafür, Menschen aus der ganzen Welt zusammenzubringen - fernab von Herkunft, Hautfarbe, Vorlieben oder Religion - sowie unserer bedeutenden Rolle als Wirtschaftsmotor in der Region gerecht zu werden."

'Motosport.com Deutschland' fragte auch nach einem Statement bezüglich der NR Holding AG. Hierzu heißt es vom Nürburgring: "Die NR Holding AG ist über ihre Besitzgesellschaften seit 2014 Mehrheitsgesellschafterin des Nürburgrings. Seit 2016 besitzt sie 99 Prozent der multifunktionalen Event- und Businesslocation."

"Das uneingeschränkte Bekenntnis zur Location und zum Standort in der Eifel sowie die getätigten Investitionen in Infrastruktur und Rennstrecke haben den Nürburgring, der 2012 noch unter der Insolvenz der einstigen Betreibergesellschaft litt, zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Standort gemacht."

"Heute ist der Nürburgring mit 350 festen Mitarbeitern und über 1.100 Aushilfen in Betreibergesellschaft, Nürburgring Hotels und Ferienpark sowie weiteren Dienstleistungsgesellschaften ein starker Arbeitgeber in der Region."

"Darüber hinaus ist er Lebensmittelpunkt und Arbeitsgrundlage für die in der Region ansässige Automobil- und Zuliefererindustrie sowie für nahezu alle regionalen Tourismus-, Übernachtungs-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe."

"Die NR Holding hat es sich seit Beginn zur Aufgabe gemacht, diesen einzigartigen Ort weiterzuentwickeln. In den vergangenen acht Jahren wurden enorme Anstrengungen unternommen, den Wirtschaftsmotor einer ganzen Region erfolgreich in die Zukunft zu führen. Diese Bestrebungen werden unverändert fortgeführt, im Sinne des Standorts und im Sinne der Region."

"Die Nürburgring-Gesellschaften bekräftigen zudem uneingeschränkt, Menschen aus der ganzen Welt an diesem einzigartigen Ort zusammenzubringen - fernab von Herkunft, Hautfarbe, Vorlieben oder Religion."

Nürburgring, Nordschleife, Neu-Asphaltierung

Am Nürburgring wurden in den vergangenen Jahren Millionenbeträge investiert

Foto: Nürburgring

Dass es sich hierbei nicht bloß um hohle Phrasen handelt, zeigen die Investitionen, die rund um den Nürburgring in den vergangenen Jahren getätigt worden sind. Seit 2015 flossen mehr als 12 Millionen Euro in den Erhalt und die Modernisierung der Rennstrecke.

Dazu gehören insbesondere Neuasphaltierungen, Glasfaserkabel, Aufstellen der FIA-Fangzäune an immer mehr Streckenabschnitten der Nürburgring-Nordschleife sowie der Bau der Rallycross-Strecke in der Müllenbachschleife.

Besitzverhältnisse juristisch noch immer angefochten

Und nach wie vor läuft ein Verfahren in Brüssel. Sowohl das US-Unternehmen Nexovation als auch der Verein Ja zum Nürburgring haben sich durch alle Instanzen geklagt, bis der Europäische Gerichtshof (EuGH) im September 2021 ein Urteil des Europäischen Gerichts (EuG) und dait einen Beschluss der EU-Kommission von 2014 teilweise aufhob.

Aus Sicht von Ja zum Nürburgring (JzN) ist mit dem Ukraine-Krieg genau das eingetreten, was man immer befürchtet hatte. Dass sich bei einem privaten Betreiber der Rennstrecke die Situation im Handumdrehen ändern kann.

"Alles, was bisher als stabil angesehen wurde, kann sich jederzeit ändern", mahnt Dieter Weidenbrück, Vorsitzender von JzN, gegenüber 'Motosport.com Deutschland'. "Man weiß nie, in welche Richtung sich ein privater Besitzer bewegt."

"Die jüngsten Ereignisse haben uns genau das gezeigt. Ein kurzfristiger Verkauf wie zum Beispiel beim Fußballclub Chelsea London durch Roman Abramowitsch kann angesichts der fortschreitenden Sanktionierung von Oligarchen auch jederzeit am Ring passieren."

Alles, was bisher als stabil angesehen wurde, kann sich jederzeit ändern. - Dieter Weidenbrück

Ja zum Nürburgring setzt sich für eine langfristige Lösung für den Nürburgring ein, die weiterhin Breitensport auf der berühmtesten Rennstrecke der Welt ermöglicht. "Eine langfristig stabile Lösung, die reibungslose Abläufe garantiert, wäre beispielsweise eine Stiftung", so Weidenbrück.

‘¿’JzN wurde 1981 gegründet und setzte sich nachdrücklich für den Bau der Grand-Prix-Strecke ein. Damit wurde der Nürburgring, der im Zuge des Feuerunfalls von Niki Lauda und dem Verlust von immer mehr Rennserien damals in der Krise steckte, schon einmal gerettet.

Langjähriger Vorstandsvorsitzender war Otto Flimm, der diese Rolle bis 2020 innehatte, als er im Alter von 90 Jahren starb. Weidenbrück trat seine Nachfolge an. Zum Vorstand gehören auch Walter Hornung, Rennleiter des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring, Rudi Speich, Vorsitzender des ADAC Mittelrhein, und Opel-Rennlegende Volker Strycek.

Daneben klagt auch das US-Unternehmen Nexovation, das im Bieterprozess einst ebenfalls unterlegen war. Nach eigenen Angaben hatte man 150 Millionen Euro geboten - fast das Doppelte des Kaufpreises, der 2014 gezahlt wurde.

Nexovation ist mit seiner Forderung ganz offen. "Wir wissen jetzt mehr über die wahren Ereignisse hinter den Kulissen vor und nach der Ausschreibung. Wir haben sieben Jahre damit verbracht, die Unregelmäßigkeiten in der Ausschreibung zu untersuchen", sagt CEO Caroline Sexton.

"Im Geiste der Fairness und Gerechtigkeit und angesichts des jüngsten Urteils des EuGH und der jüngsten aktuellen Ereignisse in der Ukraine täten die Behörden gut daran, die Vermögenswerte und den Betrieb des Nürburgrings endlich an Nexovation zu vergeben."

Übrigens ist auch noch an anderer Stelle ein Verfahren noch nicht abgeschlossen: Das 2012 gestartete Insolvenzverfahren der landeseigenen Nürburgring GmbH läuft noch immer.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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