Topfavorit Rowe: Vorteil für BMW wegen abgesagter Rennen?
Rowe Racing geht mit einem bekannten Paket in die 24 Stunden vom Nürburgring 2026 - Einem zweiten Sieg in Folge steht aber noch ein Hindernis im Weg
Er ist der Gejagte: Der Rowe-BMW hat im Vorjahr triumphiert
Foto: Patrick Patrick
Der Sieg beim zweiten NLS-Lauf wird Rowe Racing gar nicht so richtig ins Konzept gepasst haben. Es ist nicht die Art des Teams von Hans-Peter "HP" Naundorf, so früh in der Saison Staub aufzuwirbeln. Aber der Sieg steht, und auch sonst verlief die Vorbereitung normal. Bis auf den abgesagten Saisonauftakt und abgebrochene Rennen bei den 24h-Qualifiers natürlich.
"Die Vorbereitung lief nicht wie geplant, vor allem, weil ein Rennen wegen des Schnees abgesagt wurde. Wir sind dann ein zweites gefahren, was okay war. Aber ich denke, dieses Jahr ist eines dieser Jahre, in denen viele Teams nicht die Vorbereitung bekommen haben, die sie sich gewünscht hätten. Es wird also ein bisschen ein Kompromiss-Rennen, aber wir sind alle Profis", sagt Augusto Farfus gegenüber Motorsport-Total.com.
Tatsächlich könnte aber genau das der entscheidende Vorteil sein. Denn der BMW M4 GT3 Evo ist aus dem Vorjahr ein bekanntes Paket. Lediglich Jordan Pepper ist als Ersatz für Jesse Krohn neu im Team, was aber keinen großen Unterschied macht. "Er ist Vollprofi. Das ist Plug-and-Play", sagt Farfus.
Der Porsche 911 GT3 R hat ein Update erhalten, ebenso der Ferrari 296 GT3. Der Mercedes-AMG ist zwar seit Jahren bekannt, hat aber neue Einsatzteams, der Scherer-Audi hat zum Teil neue Fahrer. Lediglich die Abt-Lamborghini sind ebenfalls bekanntes Terrain, sind aber noch den Beweis schuldig, beim Hauptevent wirklich aus eigener Kraft siegreich sein zu können.
Bleibt also Rowe Racing als Titelverteidiger mit den Fahrern Augusto Farfus, Raffaele Marciello, Kelvin van der Linde und Neuzugang Jordan Pepper. "Mit denselben Teamkollegen, derselben Besetzung und im selben Team antreten zu können, macht alles einfacher", sagt der Brasilianer.
"Wir haben jetzt nur Jordan neu im Auto, um Jesse zu ersetzen. Aber 'Lello' und ich bestreiten auch die GT-World-Challenge zusammen - wir wissen also, wie wir arbeiten müssen. Auch wenn wir nicht genug Vorbereitung hatten, denke ich, dass wir bereit genug sind, um eine gute Show abzuliefern."
Wetter als Zünglein an der Waage
Raffaele Marciello erwartet aufgrund der unbeständigen Wettervorhersage ein ganz anderes Rennen als im Vorjahr. "Es ist nie einfach. Das Wetter wirkt, sagen wir mal, ungewiss. Es sieht sonnig aus, dann aber wieder nass. Es wird ein schwieriges Rennen. Wir werden unser Bestes geben", sagt er gegenüber Motorsport-Total.com.
"Es sind 24 Stunden, man muss also nah an der Spitze bleiben. Es ist nicht wie bei anderen 24-Stunden-Rennen, wo man ständig Safety-Cars und ähnliches hat, also muss man pushen. Am Ende muss man einige Risiken eingehen, aber wir werden versuchen, das Rennen erneut zu gewinnen."
Auch Marciello sieht in den abgesagten Rennen kein großes Problem, zumindest nicht für die #1: "Ja, ich meine, am Ende ist es vielleicht etwas schwieriger für Jungs wie Sheldon [van der Linde] oder Dan [Harper], die das Rennen letztes Jahr nicht bestritten haben. Aber was mich betrifft: Ich fahre nun seit acht Jahren oder so jedes Jahr auf der Nordschleife. Man braucht ein Rennen, etwas Training und dann passt das."
Dennoch gibt er zu, dass nicht alles nach Wunsch gelaufen ist: "Vielleicht dachten wir, es wäre etwas einfacher, aber am Ende mussten [bei den Vorbereitungsrennen] wir richtig pushen, und das andere Auto [Schubert] war bei NLS3 tatsächlich schneller als wir. Jetzt müssen wir als Team mit Rowe zusammenarbeiten und versuchen, sie zu schlagen - weil sie sehr schnell waren, nicht weil wir zu spät dran waren oder so."
"Sie waren schnell, also hoffen wir, dass wir herausfinden, was das Problem [bei uns] war. Ich war beim Qualifikationsrennen nicht dabei, aber sie hatten einige Schwierigkeiten. Hoffentlich können wir das Auto verbessern und ein gutes Rennen haben." Allerdings ist solche Tiefstapelei vor dem Rennen von Rowe Racing bekannt.
Gänzlich dasselbe Auto ist der M4 GT3 Evo übrigens nicht: So manchem wird bereits der deutlich niedrigere Ladedruck im Vergleich zum Vorjahr aufgefallen sein. Teils fehlen mehr als 0,5 bar. Hatte Kevin Estre also mit seinen Anschuldigungen nach der 2025er-Ausgabe Recht?
Die Wahrheit ist etwas weniger spektakulär: BMW hat - wohl auf Verlangen der FIA - im Winter einen neuen Turbolader homologiert. Deshalb sind die Werte nicht miteinander zu vergleichen.
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