Verstappen-Ausfall: Pech oder Folge harter Gangart bei 24h Nürburgring?
Wurde beim Verstappen-AMG das Material überstrapaziert oder war es einfach Pech? - Ermittlungen laufen, aber die Fahrer sind sich bereits einig
Max Verstappen mutete seinem AMG einiges zu, aber war das der Ausfallgrund?
Foto: Gruppe C Photography
Drei Stunden und 20 Minuten vor Schluss platzten die Siegträume von Max Verstappen, Daniel Juncadella, Jules Gounon und Lucas Auer. Ein Antriebswellenschaden an der rechten Hinterachse stoppte den bis dahin souverän führenden Mercedes-AMG #3. Die Frage bleibt: War es reines Materialpech oder die Quittung für eine zuvor extrem harte Gangart?
Nicht umsonst kam schnell der Verdacht auf, dass die teils wilden teaminternen Duelle in der Nacht die Mechanik überbelastet haben könnten. Insbesondere die Rad-an-Rad-Berührung zwischen Max Verstappen und Maro Engel im Bereich Tiergarten und das heftige Räubern über Randsteine am absoluten Limit kommen als potenzieller Auslöser in Frage. Verstappen war außerdem mehrfach minimal neben der Strecke unterwegs.
Doch Dani Juncadella wiegelt in einem Interview mit ausgewählten Medien, darunter Motorsport-Total.com, ab: "Nein, das glaube ich nicht. Das war alles viele Stunden vorher. Es wäre zu weit hergeholt zu sagen, dass es davon kam. Das ist einfach Motorsport. Es ist unglücklich, dass es uns heute getroffen hat, aber ich denke nicht, dass man irgendjemandem die Schuld geben kann."
"Obendrein haben wir in den letzten sechs oder sieben Stunden extrem vorsichtig agiert, weil beide Fahrzeuge in einer so starken Position lagen und es überhaupt keinen Grund gab, unnötige Risiken einzugehen", legt Juncadella nach. "Wir haben die Randsteine nicht übertrieben genutzt, wir waren wirklich vorsichtig - und es ist trotzdem passiert."
Auch Teamkollege Lucas Auer betont, dass man das Material nicht übertrieben hart rangenommen habe, um über die Kurven-Kerbs zu jagen: "Nein, das ist einfach das, was man hier tut. Mit dem ganzen Verkehr und den verschiedenen Klassen ist es für jeden ein Überlebenskampf - für Mensch und Auto. Aber von unserer Seite aus war es eigentlich ein ziemlich sauberes Rennen."
Moderne GT3-Autos sind eigentlich darauf ausgelegt, höchste Belastungen und härtestes Racing auch über lange Distanzen hinweg auszuhalten - man denke etwa an die 24-Stunden-Rennen von Spa oder Daytona -, doch die Nürburgring-Nordschleife treibt das Material noch immer bis an seine Grenzen und teilweise darüber hinaus.
ABS-Ausfall kündigte Unheil an
Laut Juncadella kündigte sich das Drama auf seinen Stint-Runden schleichend an. Erst fiel das ABS aus, was das Team zunächst auf einen elektronischen Fehler hoffen ließ: "Ich bin ohne ABS gefahren, aber es war eigentlich nicht so schlecht. Ich habe die Bremsbalance ein bisschen nach hinten verstellt, um blockierende Vorderreifen zu verhindern. Das Auto war fahrbar."
Doch die Hoffnung währte nur kurz: "Über diese zwei Runden hörte ich dann Geräusche aus dem Getriebe oder von der Antriebswelle. Es wurde schlimmer und schlimmer. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass gleich etwas abreißt, und bin langsam an die Box gefahren."
Dort folgte die Diagnose: Die Antriebswelle war komplett neu gewesen, scherte jedoch ohne Vorwarnung ab und verursachte massive Kollateralschäden am Radträger und der umliegenden Peripherie. Die Elektronikprobleme waren demnach nur eine Folgeerscheinung des mechanischen Bruchs.
Der Mercedes-AMG GT3 hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Problemen an der Radnabe zu kämpfen, das scheint jedoch diesmal nicht die Ursache zu sein. Warum die Antriebswelle in die Knie ging, wird nun Gegenstand weiterer Ermittlungen sein.
Rennen mit Verstappen "ein Traum"
Trotz des geplatzten Traums nimmt das Quartett viel Positives aus dem Wochenende mit. Vor allem das Teilen des Cockpits mit dem viermaligen Formel-1-Weltmeister bleibt den Beteiligten in Erinnerung.
"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", schwärmt Juncadella. "Ich habe es leider nicht in die Formel 1 geschafft, aber ich bin mit Max Verstappen zusammen auf der Nordschleife gefahren. Er ist ein unglaubliches Talent, technisch extrem stark und ein fantastischer Allrounder - wahrscheinlich das größte Talent, das wir je erleben werden."
"Er ist herausragend in dem, was er tut. Er hat den Menschen da draußen eine unglaubliche Show geboten", führt der Spanier weiter aus. "Das hat eine enorme Aufmerksamkeit für den Motorsport der Zukunft generiert und er hatte jede Menge Spaß."
"Natürlich ist er ein absoluter Wettbewerbstyp, genau wie ich und wie wir alle, und wir wollen gewinnen. Unser ultimativer Traum ist zwar noch nicht erfüllt, aber vielleicht ist genau das ein Grund für ihn, nächstes Jahr wiederzukommen."
Auch wenn Verstappen verständlicherweise zutiefst frustriert sei und den Nürburgring nicht ohne einen Sieg im Gepäck glücklich verlassen will, habe der Vorstoß im GT3-Sport bei ihm bleibende Spuren hinterlassen. Die unvollendete Mission könnte laut seinen Teamkollegen der perfekte Ansporn sein. "Unser ultimativer Traum ist noch nicht erfüllt - aber vielleicht ist genau das der Grund für ihn, nächstes Jahr wiederzukommen."
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